<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334</id><updated>2012-02-17T01:08:24.659+02:00</updated><category term='Archäologie'/><category term='Museum'/><category term='Literatur'/><category term='Bern'/><category term='Theater'/><category term='Tanz'/><category term='Medien'/><category term='Neuchâtel'/><category term='Luzern'/><category term='Architektur'/><category term='Trivia'/><category term='Fribourg'/><category term='Khttp://www.blogger.com/img/blank.gifultur'/><category term='Ausstellung'/><category term='Geschichte'/><category term='Kultur'/><category term='Film'/><category term='Philologie'/><category term='Kulturhttp://www.blogger.com/img/blank.gif'/><category term='Umbilicoscopica'/><category term='Musik'/><category term='Hellas'/><title type='text'>Phemios Aoidos</title><subtitle type='html'>Kulturelles und anderes</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default?start-index=101&amp;max-results=100'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>222</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6137220381319861191</id><published>2012-02-12T13:57:00.002+02:00</published><updated>2012-02-12T14:00:37.058+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tanz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Musik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Lunapark der Irrungen</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.cathymarston.com/ein-winternachtstraum.html"&gt;&lt;i&gt;Ein Winternachtstraum&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; hat Cathy Marston ihre Shakespeare-Adaption für den ersten Berner &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/846-ein-winternachtstraum.html"&gt;Ballettabend&lt;/a&gt; dieser Saison genannt. Bei der Dernière letzte Woche stimmte das Wetter: In Mantel, Schal und Mütze dick vermummt eilten wir durch Schnee und Kälte ins Stadttheater. Anstelle der leichtfüssig-schwülen Atmosphäre des Sommernachtstraums beherrschte kühle Leere die Bühne. Karussell-Fragmente deuteten einen in Ruinen liegenden Lunapark als Spielort an; ein Maschendrahtzaun sperrte ihn notdürftig ab, ein Schild verbot den Eingang. Da sind ja alle Elemente vorhanden für ein wildes, verbotenes Treiben! Der doppelte Kobold Puck lockt ahnungslose Spaziergänger ins verbotene Land, und in der Kühlschrankatmosphäre kündigt sich Shakespearscher Schalk an.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Der Schalk zieht sich durch das Stück, blitzt immer wieder auf, auch in Requisiten wie den überdimensionierten Badeentchen oder dem ewig auf- und absteigenden Karussellpferd. Doch die Grundstimmung bleibt angespannt, bedrückt. Die amourösen Verwirrungen sind ziemlich schonungslos in Szene gesetzt; die Tanzsprache ist weniger rund und fliessend als bei vielen von Marstons bisherigen Produktionen, vielmehr von Akrobatik, ja Slapstick geprägt; auch Hip-Hop-Moves sind einige zu sehen. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist das Untereinander-durch: Viele Kontakte und Konfrontationen enden damit, dass sich der eine unter dem anderen durchschiebt, auch aus den unmöglichsten Situationen heraus – ein starkes Symbol dafür, dass es hier drunter und drüber geht, oder auf Schweizerdeutsch, dass hier einiges zunderobsi gekehrt wird. Und natürlich die Musik: Gabriel Prokofiev hat die frische, leichte Sommernachtstraum-Musik von Felix Mendelssohn mit seinem eigenen &lt;i&gt;Concerto for Turntables &amp;amp; Orchestra&lt;/i&gt; gekreuzt und ergänzt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das ist eine explosive Mischung mit einigen Querschlägern. Bis zur Pause kommt wenig Zug auf, und schon gar kein Schwelgen; die Szenen wirken gelegentlich unfertig, die Übergänge sind brüsk. Im zweiten Teil beruhigt sich das wilde Treiben etwas. Auf einmal kriegen die Figuren Zeit, sich miteinander zu beschäftigen; wir sehen ein intensives, langes Duett; die Akrobatik bleibt dominant, wird aber abgerundet. Zum Schluss schwebt auf Kettenkarussell-Sitzen dann auch noch ein Kinderchor über die Bühne, währenddem darunter Hochzeit gefeiert wird.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Es lohnt sich, Gabriel Prokofievs &lt;a href="http://gabrielprokofiev.com/ein-winternachtstraum-a-winter-nights-dream-m"&gt;Blogeintrag&lt;/a&gt; zur Entstehungsgeschichte dieser Produktion zu lesen. Dabei wird klar, wie sehr Cathy Marston die Meisterschaft hat, ganz verschiedene Inputs und Ideen zusammenzubringen, in ihrem Kopf Bilder zu sehen, Musik zu hören und beides zu kombinieren; und wie sie diese Mischung dann mit richtigen Menschen, mit dem Bern:Ballett, dem Berner Sinfonieorchester, dem &lt;a href="http://lunchbox.li/"&gt;DJ Martin Baumgartner&lt;/a&gt;, dem Damen- und Kinderchor, Realität zu werden vermag.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Da wir an der Dernière waren, kommt dieser Blogpost zu spät für allfällige Nachahmung. Für einen schwachen Nachklang verweise ich wieder auf den Trailer bei &lt;a href="http://art-tv.ch/8353-0-Stadttheater-Bern-Ein-Winternachtstraum.html?reg=19"&gt;art-tv&lt;/a&gt;; für weitere Lektüre neben dem bereits Verlinkten auf die &lt;a href="http://www.derbund.ch/kultur/Erotik-hinter-dem-Maschendrahtzaun/story/19707623"&gt;Kritik von Marianne Mühlemann im Bund&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6137220381319861191?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6137220381319861191/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2012/02/lunapark-der-irrungen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6137220381319861191'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6137220381319861191'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2012/02/lunapark-der-irrungen.html' title='Lunapark der Irrungen'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-8635419012396815411</id><published>2012-02-03T13:56:00.002+02:00</published><updated>2012-02-03T14:02:35.657+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Die Unberührbaren</title><content type='html'>&lt;p&gt;Dieser Plot liess Kitsch und Klischees befürchten: Schwerreicher Tetraplegiker in Pariser Stadtvilla engagiert Schwarzen aus der Banlieue als persönlichen Pfleger und Assistenten. Tatsächlich hakt &lt;a href="http://www.gaumont.fr/fr/film/Intouchables.html"&gt;&lt;i&gt;Intouchables&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://www.toledano-nakache.com/"&gt;Eric Toledano und Olivier Nakache&lt;/a&gt;, der aktuelle &lt;a href="http://www.francesoir.fr/loisirs/cine/box-office-intouchables-depasse-blanche-neige-et-se-place-troisieme-177607.html"&gt;Erfolgsfilm&lt;/a&gt; aus Frankreich, scheinbar unvermeidlich die Szenen ab, die diese Konstellation nahelegt: Der Senegalese Driss (&lt;a href="http://www.omar-et-fred.com/"&gt;Omar Sy&lt;/a&gt;) macht noch beim Bewerbungsgespräch die hübsche Assistentin von Philippe (&lt;a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Cluzet"&gt;François Cluzet&lt;/a&gt;) an, mokiert sich über zeitgenössische Kunst und die Preise, die dafür bezahlt werden, kriegt sich nicht mehr ein vor Lachen über die Absurdie der Oper und beschwert sich im Restaurant &lt;a href="http://www.lesdeuxmagots.fr/"&gt;&lt;i&gt;Les Deux Magots&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; darüber, dass der &lt;i&gt;fondant au chocolat&lt;/i&gt; nicht genügend gebacken ist. Doch da ist auch dieser atemberaubende Vorgriff auf das Ende der Geschichte im Vorspann: Driss und Philippe jagen im Maserati über die Stadtautobahn, überholen hupend links und rechts, sticheln und lachen, amüsieren sich köstlich – und als sie gestellt werden, als zwei Polizisten den vorbestraften Driss vom Steuer zerren, da rettet ihn Philippe mit einem strategisch platzierten und meisterhaft simulierten Erstickungsanfall.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;i&gt;Intouchables&lt;/i&gt; ist die Geschichte einer Freundschaft, und eine Freundschaft wächst doch aus initialer Sympathie und gegenseitigem Entdecken. Letzteres ist zwischen zwei Studienkollegen natürlich einfacher und kürzer als es zwischen Banlieue-Kid und Grossbürger sein kann. Da sind etliche Mauern mehr niederzureissen und zu überwinden; mehr Eigenes muss in Frage gestellt und mehr Fremdes akzeptiert werden, und wer solches tut, tappt ganz unweigerlich in etliche Fettnäpfchen. Man sollte sich hüten, da vorschnell Kitsch und Rassismus zu denunzieren, denn die Klischees werden durchaus dekonstruiert. Wenn Driss in Meisterwerken der klassischen Musik Werbejingles und Telefon-Wartemusik wiedererkennt, ist das weniger ein Lächerlichmachen des ungebildeten Schwarzen als vielmehr eine pointierte Kritik am Missbrauch von Kunst für Kommerz. Und wenn der persönliche Assistent sich selber ans Malen macht und Philippe es fertig bringt, für ein (zugegebenermassen überraschend grossartiges) Bild von ihm bei einem seiner Galeristenfreunde zehn Tausender zu kassieren, wird das Wertesystem der zeitgenössischen Kunst sowohl demaskiert als auch bestätigt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Spannender scheint mir freilich die initiale Sympathie zwischen den beiden Protagonisten. Philippe erklärt sie in einer der stärksten Szenen einem besorgten Freund, der ihn auf Driss‘ kriminelle Vergangenheit hinweist und ihn warnt, die Leute aus der Banlieue würden kein Mitleid kennen: Eben, entgegnet Philippe, genau darum geht es. Endlich einer, der kein Mitleid hat; der nicht auf Zehenspitzen durchs Haus schleicht, um mich Armen ja nicht zu stören; der mir das Handy reicht und dabei vergisst, dass er mir es ans Ohr halten müsste; der mich mit flapsigen Bemerkungen neckt, wie es normale Menschen untereinander tun. Oder eben auch: der sich rundweg weigert, den Gelähmten wie ein sperriges Gepäckstück im Laderaum eines Kleintransporters zu befördern, wenn doch daneben ein funkelnder Maserati steht. Ich glaube, dass sich beide gegenseitig als &lt;i&gt;intouchables&lt;/i&gt;, als Parias erkennen, und dass deshalb eine Solidarität zwischen ihnen da ist und wachsen kann.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So passiert mit der Zeit, was Freundschaft eben ausmacht: Die Fassaden kriegen Risse, und die Menschen kommen zum Vorschein. Philippe kultiviert weniger sein zu Sarkasmus sublimiertes Selbstmitleid, Driss löst sich aus dem Gehabe des unverstandenen Rebellen. Dabei bringt jeder den anderen andauernd an seine Grenzen und stösst ihn noch einen halben Meter darüber. Jeder Schritt kostet die beiden sichtbare Überwindung, die Beziehung balanciert die längste Zeit auf dem schmalen Grat zwischen Verständnis und Überforderung, und der Zuschauer befürchtet fast ständig, dass der eine oder der andere explodiert und das diffizile Gleichgewicht in die Luft jagt. Daraus bezieht der Film seine Stärke. Er kulminiert in einer langen, wunderschönen und leicht surrealen letzten Szene, in der sich Philippe und Driss nochmals alles abfordern und sich gewissermassen gegenseitig in die Freiheit schubsen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Intouchables hat in Frankreich fast alle Rekorde geschlagen und läuft zurzeit &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2011/Intouchables/cinema.html"&gt;flächendeckend&lt;/a&gt; in den Schweizer Kinos (Deutscher Titel: Ziemlich beste Freunde). Der Film beruht auf einer &lt;a href="http://www.rp-online.de/panorama/ausland/es-gibt-zwei-wirklich-ziemlich-beste-freunde-1.2689554"&gt;wahren Geschichte&lt;/a&gt;, die zuvor als Buch erschienen ist: &lt;a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Philippe_Pozzo_di_Borgo"&gt;Philippe Pozzo di Borgo&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.bayard-editions.com/Religions-et-sciences-humaines/SCIENCES-HUMAINES/Histoire/Histoire/SECOND-SOUFFLE-LE"&gt;Le Second Souffle&lt;/a&gt;. Paris, Bayard éditions 2001 (Neuausgabe 2011). ISBN 978-2-227-48337-8.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-8635419012396815411?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/8635419012396815411/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2012/02/die-unberuhrbaren.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8635419012396815411'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8635419012396815411'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2012/02/die-unberuhrbaren.html' title='Die Unberührbaren'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7497701522338706328</id><published>2012-01-28T17:55:00.003+02:00</published><updated>2012-01-28T18:02:13.564+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philologie'/><title type='text'>Sandale des Grauens</title><content type='html'>&lt;p&gt;Weil meine Liebste für ihre Schüler einmal pro Jahr einen antiken Filmabend veranstaltet, müssen wir gelegentlich vorbereitend den einen oder anderen Sandalenfilm visionieren. Die Klassiker vom Schlage &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0052618/"&gt;&lt;i&gt;Ben Hurs&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; sind inzwischen erschöpft, so dass die Suche auf weniger bekannte Schinken ausgedehnt werden musste, sowohl aus der Glanzepoche dieses Genres, den fünfziger Jahren, als auch aus der Renaissance der letzten Zeit. Also machten wir es uns an einem ruhigen Ferienabend auf dem Sofa gemütlich und schoben &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0217579/"&gt;&lt;i&gt;Jason and the Argonauts&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; ins DVD-Laufwerk.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Da hatten wir aber ganz schön ins Klo gegriffen. Der einzige Wert, den man diesem amerikanischen &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jason_and_the_Argonauts_%28TV_miniseries%29"&gt;TV-Film&lt;/a&gt; beimessen kann, ist eine gewisse Kultigkeit, weil er so grottenschlecht ist. Die Schauspieler agieren, als hätte man sie direkt vom Bahnhofplatz gecastet und ihnen aufgetragen, mal ein bisschen Antike zu spielen. Das endet dann entweder in angestrengtem &lt;i&gt;Over-acting&lt;/i&gt; oder in vielleicht stoisch gemeintem, aber nur gelangweilt wirkendem Herumstehen. Letzteres gilt vor allem für Jason (&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jason_London"&gt;Jason London&lt;/a&gt;), einen High-School-Schönling mit Vokuhila-Matte und einem überaus dämlichen Kindergesichtchen. Dieser Held wird zwar in der griechischen Mythologie durchaus gelegentlich etwas unterbelichtet dargestellt, aber eine solche Behandlung ist ein Affront gegenüber dem abendländischen Erbe. Mit einer Jutematte über der rechten Schulter macht er sich auf nach Iolkos, um von seinem Onkel den Thron zurückzufordern, den dieser seinem Vater vor Jahren entrissen hatte. Dort fällt er frisurtechnisch immerhin nicht so auf, weil bei den Notablen der Stadt die Sitte herrscht, sich Wollfäden um die Stirn zu drapieren und einen Bart unters Kinn zu kleben. Der gerissene König Pelias (&lt;i&gt;Easy Rider&lt;/i&gt; &lt;a href="http://www.google.com/url?sa=t&amp;amp;rct=j&amp;amp;q=&amp;amp;esrc=s&amp;amp;source=web&amp;amp;cd=9&amp;amp;ved=0CGUQFjAI&amp;amp;url=http%3A%2F%2Fwww.nytimes.com%2F2010%2F05%2F30%2Fmovies%2F30hopper.html%3Fpagewanted%3Dall&amp;amp;ei=5xskT8KjINC3hAeE96XmBA&amp;amp;usg=AFQjCNEzlRX0rksM-pHvdCogmGCXR7wweQ"&gt;Dennis Hopper&lt;/a&gt;, mit dunklem Haar, maliziösem Blick und hinterhältigem Lächeln, auf dass jeder seine Schlechtigkeit erkenne) schickt ihn auf die Suche nach dem Goldenen Vlies. Dorthin kann das Milchbübchen natürlich nicht alleine aufbrechen, und so sucht sich Jason eine ganze Equipe von Säufern und Trotteln zu seiner Begleitung zusammen. Das alles verlangt dem Zuschauer einiges ab; doch getoppt wird das Ganze noch von den Szenen in der Götterwelt: Über einer wattigen Wolkenschicht werden da die Torsi von Zeus und Hera herangezoomt; die beiden werfen sich mit wichtigen Mienen allerhand Gestelztes an den Kopf, und zum Schluss unterstreichen Donner und Blitz die Bedeutung dieses mies geschnittenen Rendez-vous. Beim Olymp, der Film wurde im Jahr 2000 gedreht, da brauchte man doch nicht mit der Tricktechnologie der achtziger Jahre zu hantieren!&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ungefähr eine von drei Stunden haben wir diesen Tiefpunkt der westlichen Zivilisation ausgehalten, dann war uns der Ferienabend zu schade und wir wechselten die DVD: &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0053891/"&gt;&lt;i&gt;Annibale&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, ein alter Sandalenfilm diesmal, 1959 – und der beginnt (nach kurzem Geplänkel im Senat zu Rom) optisch sehr wuchtig: Eine endlose, schon ziemlich lockere Kolonne von Soldaten stapft langsam über ein weites Schneefeld. In der Nahaufnahme sieht man sie in kurzen Röcken und mit unförmigen Stücken Schaffell auf den Schultern durch kniehohen Schnee taumeln. Auf dem steilen Anstieg bricht einer ein, muss gestützt werden; ein anderer rutscht aus, stürzt eine Felswand hinunter, bleibt zerschmettert liegen. Zwei Elefanten biegen um einen Felsen herum; dann sehen wir ein Feuer lodern, daneben ein Soldat, der die vorbeiwankenden Kameraden von links nach rechts weist – als gäbe es zwischen Steilhang und Abgrund überhaupt eine Unsicherheit über den einzuschlagenden Weg. Wieder stürzt einer runter, und es sieht so aus als wäre es der gleiche wie vorher. Dann hissen sich erschöpfte Soldaten an einem Seil mühsam eine Böschung hoch. Wie wohl die Elefanten da emporgelangen? Doch da sind sie schon wieder, die gleichen zwei, die um den gleichen Felsen biegen; und da ist ja auch wieder der Verkehrspolizist neben dem Feuer. Bevor dieses Perpetuum mobile sich noch weiterdreht, erblicken wir jetzt Hannibal (&lt;a href="http://www.victormature.net/"&gt;Victor Mature&lt;/a&gt;), im roten Umhang und mit gar feldherrlichem Blick, wie er mit irgendeinem schröcklich gekleideten Keltenfürsten verhandelt – eine prächtige Idee, vielleicht kann der ihm für die Rückkehr einen Weg zeigen, der nicht durch einen jungen Fichtenwald mit gegen hundert Prozent Steigung aufwärts führt! &lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dieses Mal hatten wir eine Viertelstunde lang Geduld, dann griffen wir in unserer Verzweiflung zu einem dritten Kandidaten, &lt;i&gt;&lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0047630/"&gt;Ulisse&lt;/a&gt; &lt;/i&gt;(1954). Welche Erleichterung: Dieser liess sich zu Ende schauen, und sogar mit etlichem Vergnügen. Er zeigte nebenbei auch, dass es durchaus möglich ist, von der bekannten Geschichte abzuweichen, ohne diese zu ruinieren. Die italienische Produktion nahm sich nämlich selbstbewusst und mit souveräner Gestaltungskraft der homerischen &lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/1822/1"&gt;Odyssee&lt;/a&gt; an. Die Episoden mit Kirke und Kalypso wurden miteinander verschmolzen (und den Abstieg in die Unterwelt gab es als Bonus auch gleich dazu), die Abenteuerberichte nicht als Erzählungen am Königshof, sondern als Rückblenden am Strand von Scheria präsentiert; die Szenen von Odysseus‘ Rückkehr nach Ithaka waren stark gerafft und auf das Wesentliche verdichtet. Ein meisterhafter Schnitt unterstrich Tempo und Dramatik und ermöglichte es Regisseur &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mario_Camerini"&gt;Mario Camerini&lt;/a&gt;, die Odyssee in hundert Minuten zu erzählen, ohne hetzen oder zu viel auslassen zu müssen. Freilich blieb dabei die Logik gelegentlich auf der Strecke: Dass etwa Polyphem sich mit frisch gepresstem Traubensaft betrinken konnte, fand ich wenig überzeugend. Hochstehend war jedoch die Besetzung: &lt;a href="http://kirkdouglas.com/"&gt;Kirk Douglas&lt;/a&gt; spielte mit neckischem Bart und kurzem Umhang den Odysseus voller Mut, Schlauheit und Abenteuerlust. &lt;a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Silvana_Mangano"&gt;Sylvana Mangano&lt;/a&gt; war in einer Doppelrolle als Kirke und Penelope zu sehen, majestätisch und mysteriös; und auch &lt;a href="http://www.toutlecine.com/images/star/0001/00015595-anthony-quinn.html"&gt;Anthony Quinn&lt;/a&gt; hatte einen kurzen Auftritt als Antinoos. Am stärksten in Erinnerung blieben mir aber jene Szenen, für die Camerini unerwartete, bestechende Interpretationen gefunden hatte. Unvergesslich etwa die Vorbeifahrt bei den Sirenen: Odysseus, an den Mast gebunden, schaut neugierig an die nebelverhangene Küste, als plötzlich – nicht Engelsgesänge ertönen, sondern die Stimmen seiner Frau und seines Sohnes. Die Qual und Sehnsucht, die auf seinem Gesicht aufscheinen, schneiden unmittelbar ins Herz. &lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So endete der Abend spät, aber versöhnlich. Die Suche nach der Sandale des Jahres war schliesslich, als wir es schon nicht mehr erwarteten, doch noch von Erfolg gekrönt. Und nebenbei wurden wir ganz ungezwungen wieder einmal daran erinnert, zu welchen zweifelhaften Leistungen die Filmindustrie in Hollywood und Italien fähig ist.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7497701522338706328?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7497701522338706328/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2012/01/sandale-des-grauens.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7497701522338706328'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7497701522338706328'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2012/01/sandale-des-grauens.html' title='Sandale des Grauens'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-1306256278701018096</id><published>2012-01-20T12:54:00.002+02:00</published><updated>2012-01-20T12:57:43.441+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philologie'/><title type='text'>Tyrann in Wolkenkuckucksheim</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;i&gt;Schöne Vorsätze: Viel lesen, viel schreiben. Und dann stolpere ich nahtlos aus dem Silvesterkater in einen ziemlich überfrachteten Januar – ein Ende ist noch nicht abzusehen –, und hier staut sich wieder einmal alles… Seis drum, heute kommt endlich die Jahreseröffnung mit einem Rückblick in den Dezember:&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;a href="http://www.theater-solothurn.ch/2351.html"&gt;Max Merker&lt;/a&gt; hatten wir vor bald vier Jahren zum ersten Mal auf der Bühne des Theaters Solothurn gesehen. &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2008/03/hau-den-willi.html"&gt;&lt;i&gt;The Complete Works of William Shakespeare (Abridged)&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; war damals für meinen Geschmack zwar zu stark in den Klamauk abgedriftet, und Merker und seine Kollegen hatten zu leichtfertig zum Holzhammer gegriffen, aber seine grosse Bühnenpräsenz und sein staubtrockener Humor liessen klar erkennen, dass wir da einen begnadeten Komiker vor uns hatten. Durchaus passend also, dass Max Merker diese Saison in Biel und Solothurn &lt;a href="http://www.theater-solothurn.ch/2666.html"&gt;&lt;i&gt;Die Vögel&lt;/i&gt; &lt;/a&gt;des Aristophanes inszenierte, der seinerseits ein ziemlich überdrehter Autor war, der groben Verzerrung und dem Griff unter die Gürtellinie niemals abhold. Und obwohl das Stück als „Schauspiel nach Aristophanes, Fassung von Max Merker“ angekündigt war, folgte das, was wir zu sehen bekamen, relativ eng und getreu dem Vorbild aus dem fünften Jahrhundert vor Christus. Merker hat die Vorlage in erster Linie gestrafft, auf eine Stunde zwanzig Minuten zusammengeschnitten, noch etwas mehr Tempo hineingebracht und da und dort einen kleinen Aktualitätsbezug. Vor allem aber hat er einen Aspekt herausgeschält: die Entstellung der Utopie zur Tyrannis.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Zur Vorbereitung auf den Theaterbesuch habe ich bei &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Albin_Lesky"&gt;Albin Lesky&lt;/a&gt; (der &lt;i&gt;Die Vögel&lt;/i&gt; „das vollendetste unter den erhaltenen Stücken“ des Aristophanes nennt) die etwas verwunderte Bemerkung gelesen, dass ausgerechnet diese Komödie unüblich frei ist von aktuellen politischen Bezügen – obwohl sie doch zur Zeit der sizilianischen Expedition Athens aufgeführt wurde, als Hoffen und Bangen die kriegsgeschüttelte Stadt beherrschten wie selten. Tatsächlich ist die Geschichte von der Vogelstadt Wolkenkuckucksheim vordergründig ein Märchen. Der schlaue Peithetairos und sein Begleiter Euelpides flüchten aus Athen ins Reich der Vögel, wo ersterer die zunächst widerstrebenden und feindseligen Tiere überzeugt, in den Wolken eine Stadt zu bauen. Indem sich die Vögel zwischen Menschen und Göttern positionierten – so die Idee des Peithetairos –, könnten sie den Opferrauchverkehr lahmlegen und mit diesem Druckmittel zu den Herren der Welt werden. Unter grosser Anstrengung und reichlich Klamauk kommt es genauso; und Peithetairos, der umgehend wie selbstverständlich zum Sprecher der Vögel wird, lenkt nicht eher ein, als er von der Verhandlungsdelegation der Götter die Basileia, die personifizierte Weltherrschaft, zur Frau erhalten hat. Doch nicht nur die Götter, auch seine Mitstreiter, die Vögel, leiden unter dem bald gar nicht mehr verhüllten Herrschaftsanspruch des Schlaumeiers. Er lässt sie rücksichtslos schuften, züchtigt Abweichler und reisst ohne viel Federlesens die Herrschaft über die Vogelstadt an sich.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So driftet die märchenhafte Utopie von einer freien Stadt in den Wolken unversehens und ziemlich abrupt in eine Diktatur mit üppigem Personenkult ab. Merker hat diese Entwicklung schärfer herausgehoben, als ich sie von Aristophanes im Kopf hatte. &lt;a href="http://daslichtgehtan.com/content/view/56/1/"&gt;Silke Geertz&lt;/a&gt; spielt den Peithetairos als Hosenrolle, und das Adjektiv „burschikos“ ist hier absolut am Platz. Und das bringt mich zum Verdacht, dass der hellsichtige Athener in dieser utopischen Komödie durchaus eine Botschaft mit aktuellem politischem Bezug untergebracht hatte: Dass nämlich die Flucht in Utopien keine Lösung ist, weil jede Utopie ihr Missbrauchspotenzial schon in sich trägt, das nur auf Verwirklichung wartet. Und dass man deshalb besser daran täte, sich im wahren Leben zu engagieren, anstatt sich in Utopien zu flüchten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Die Vögel stehen in Solothurn noch genau einmal, am 11. Februar 2012, auf dem Programm; &lt;a href="http://www.theater-solothurn.ch/2743.html"&gt;Tickets gibt es online&lt;/a&gt;. In der Übersetzung von Ludwig Seeger sind &lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/1348/1"&gt;Die Vögel&lt;/a&gt; im Projekt Gutenberg greifbar.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-1306256278701018096?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/1306256278701018096/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2012/01/tyrann-in-wolkenkuckucksheim.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1306256278701018096'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1306256278701018096'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2012/01/tyrann-in-wolkenkuckucksheim.html' title='Tyrann in Wolkenkuckucksheim'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5531121798056228023</id><published>2011-12-31T19:48:00.002+02:00</published><updated>2011-12-31T19:51:17.312+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Umbilicoscopica'/><title type='text'>Dem enteilenden Jahr zum Andenken</title><content type='html'>&lt;p&gt;Je mehr Jahre man erlebt, desto weniger fällt jedes einzelne ins Gewicht und desto flüchtiger erscheint es einem. 2011 war da keine Ausnahme, im Gegenteil: Die Beschleunigung bleibt konstant. Und während mir seine letzten Stunden durch die Hände fliessen, ohne dass ich mehr als einen gelegentlichen Zipfel davon zu erhaschen vermag, schaue ich zurück auf das Blogjahr 2011. &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search?updated-min=2011-01-01T00:00:00%2B02:00&amp;amp;updated-max=2012-01-01T00:00:00%2B02:00"&gt;Ein Blick nach rechts zeigt&lt;/a&gt;: Es brachte die magerste Ernte seit dem Beginn dieses Unterfangens vor bald fünf Jahren. Das hat zum einen oberflächliche Gründe, etwa den, dass ich endlich in aller Stille darauf verzichtet habe, das Abonnement der zunehmend langweilig gewordenen Weltwoche zu erneuern, weshalb die gelegentliche Schnellfeuer-Medienkritik hier im Blog weggefallen ist. Aber es gilt auch festzuhalten, dass ich 2011 weniger ins &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search/label/Theater"&gt;Theater&lt;/a&gt; gegangen bin als auch schon, und dass ich so wenige &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search/label/Literatur"&gt;Bücher&lt;/a&gt; gelesen habe wie seit einigen Jahren nicht mehr. (Freilich ist der Unterschied fast noch im Zufallsbereich, und nächstes Jahr wirds wegen schwindender Zeitungslektüre eher wieder besser.) Vor allem aber hatte mich über unüblich lange Phasen die Blogunlust im Griff.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ich berichte all dies mit der grösstmöglichen Gelassenheit. Auch im neuen Jahr werde ich den rechten Mittelweg zwischen Ehrgeiz und Vergnügen anzusteuern versuchen. Einen kleinen Vorsatz habe ich dennoch, was meinen Lesestoff angeht – oder sogar zwei. Meinem &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/12/auf-ein-neues.html"&gt;diesjährigen Ziel&lt;/a&gt;, in Sachen Archäologie mehr Konkretes zu lesen, bin ich mit zwei-drei Büchern leidlich &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/was-ikarus-sah.html"&gt;gerecht&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/03/karthaia.html"&gt;geworden&lt;/a&gt;. Dabei lässt sich jedoch nicht abstreiten, dass ich mich eher im Bereich des populärwissenschaftlichen Bilderbuches bewegt habe. Es würde mir ohne Zweifel gut tun, wieder einmal etwas härtere Kost zu beissen; dickere Bücher, und solche, die Arbeit und Anstrengung erfordern. Das wäre dann Vorsatz Nummer eins, und Nummer zwei passt bestens dazu: Es ist einige Jahre her, dass ich zum letzten Mal mehr als ein paar Sätze Altgriechisch im Original gelesen habe. Bevor ich vollends alles vergesse, wäre es ein schönes Ziel, diese Kernkompetenz wieder etwas zu schärfen. Ich müsste dazu so einfach wie möglich einsteigen – das Neue Testament wäre ein Ansatz, oder vielleicht auch Lysias oder Lukian – und mich dann langsam nach oben tasten. Gewiss: Das ist bisher mehr eine löchrige Skizze als ein Vorsatz, und ich verspreche nichts, weder mir selber noch sonst jemandem. Aber die Idee ist doch schön, deshalb will ich sie hier festhalten.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Und damit uns allen ein besinnliches Jahresende und ein gutes Neues Jahr!&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5531121798056228023?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5531121798056228023/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/12/dem-enteilenden-jahr-zum-andenken.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5531121798056228023'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5531121798056228023'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/12/dem-enteilenden-jahr-zum-andenken.html' title='Dem enteilenden Jahr zum Andenken'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7045383853833984708</id><published>2011-12-21T22:29:00.001+02:00</published><updated>2011-12-21T22:34:30.758+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Poulet aux prunes</title><content type='html'>&lt;p&gt;Von &lt;a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/marjane-satrapi/"&gt;Marjane Satrapi&lt;/a&gt; kannte ich bisher nur &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2007/10/persien-animiert.html"&gt;&lt;i&gt;Persepolis&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, ein Meisterwerk unter beiden Gestalten, &lt;a href="http://www.editionmoderne.ch/autoren.php?VI=68&amp;amp;VA=33"&gt;Comic&lt;/a&gt; wie &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0808417/"&gt;Film&lt;/a&gt;. Andere ihrer &lt;i&gt;Graphic Novels&lt;/i&gt; standen seit langem auf meiner imaginären Liste von Büchern, die ich irgendwann gerne mal lesen würde; zum Beispiel &lt;a href="http://www.editionmoderne.ch/angebot.php?VL=0&amp;amp;VI=63&amp;amp;VS=52&amp;amp;VFlip=7"&gt;&lt;i&gt;Poulet aux prunes&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, die traurige Geschichte von dem iranischen Musiker, der seine Geige verloren hat und aus Kummer darüber sterben will. Jetzt ist mir die &lt;a href="http://www.filmcoopi.ch/filmreel-Poulet-de_CH.html"&gt;filmische Umsetzung&lt;/a&gt; zuvorgekommen: Wiederum hat Marjane Satrapi selber, zusammen mit Vincent Paronnaud, ihr Werk für die Leinwand adaptiert; dieses Mal allerdings nicht als Zeichentrick-, sondern als Realfilm mit illustrem Staraufgebot.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Und dann dies: Mathieu Amalric als Nasser-Ali, der Meistergeiger, spielt über weite Strecken reichlich hölzern; auch andere Figuren wirken klischiert, selbst die grosse &lt;a href="http://www.sundancechannel.com/greenporno/"&gt;Isabella Rossellini&lt;/a&gt; als Nasser-Alis Mutter bleibt seltsam blass. Viele Szenen haben nicht den richtigen Rhythmus, sind langfädig, oder noch schlimmer: schweben gewissermassen im Nichts, tragen zum Fortgang der Geschichte kaum etwas bei. Charakteristisch dafür sind die beiden Auftritte von &lt;a href="http://www.jameldebbouze.fr/"&gt;Jamel Debbouze&lt;/a&gt;: Als skurriler Trödler, der eine Stradivari im Angebot hat, sowie als strubbelbärtiger Einsiedler, der aus dem Nichts am Grab von Nasser-Alis Mutter auftaucht, spielt er zweimal in erster Linie sich selbst – aber für die Entwicklung des Films sind beide Episoden kaum von Bedeutung. Es fühlt sich an wie aufdringliches Name-dropping: Schaut her, Jamel ist mein Freund, er spielt in meinem Film, sogar gleich zwei Mal, habt ihr ihn erkannt? Dazu kommen handwerkliche Mängel: Zum Beispiel erwarte ich gewiss nicht, dass der Darsteller des besten Violonisten seiner Zeit selber ein Virtuose ist; aber dass seine Bewegungen, wenn er spielt, mindestens einigermassen mit der gleichzeitig erklingenden Musik übereinstimmen, das ist doch nicht zuviel verlangt? Immerhin: Gegen Ende wird der Film besser. Da werden einige offene Fäden geschickt verknüpft, und wir entdecken das wahre, traurige Geheimnis in Nasser-Alis Leben, den eigentlichen Grund für seinen Wunsch zu sterben. Das ist stimmig und sehr berührend, wenn auch vieles von dieser Berührung durch reichlich Druck auf die Tränendrüse erzeugt wird und wir vom Kitsch nicht mehr fern sind.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ich habe den Eindruck, dass Marjane Satrapi richtiggehend in Comics denkt und lebt. Dies würde Stärken und Schwächen dieses Films erklären wie beispielsweise den relativ penetranten allwissenden Erzähler (dessen Identität gegen Ende elegant aufgedeckt wird). Konsequenterweise überrascht es denn auch nicht, dass ihr eigentliches Talent überall dort aufblitzt, wo der Film zum Trickfilm wird – wo gezeichnete Szenen sich zwischen die realen schieben, wo schräge Vor- und Rückblenden die tollkühnsten Assoziationen auslösen. Als Nasser-Ali, inspiriert von Sokrates, ein paar gewichtige letzte Worte an seine Kinder richten will und das feierlich aufgebaute Pathos mit pythoneskem Witz ruiniert wird, haben wir Tränen gelacht. Und der Vorspann mit seinen schlichten Schattenfiguren war überhaupt reine Poesie. Dieses Timing, diese Kreativität fehlen grossen Teilen des Films. Und man würde sich wünschen, dass Satrapis nächstes Werk wieder etwas näher am Trickfilm wäre.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2011/PouletAuxPrunes/cinema.html"&gt;Poulet aux prunes&lt;/a&gt; startet am 29.12. in den Deutschschweizer Kinos.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7045383853833984708?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7045383853833984708/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/12/poulet-aux-prunes.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7045383853833984708'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7045383853833984708'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/12/poulet-aux-prunes.html' title='Poulet aux prunes'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-2422557159646937708</id><published>2011-12-10T17:21:00.003+02:00</published><updated>2011-12-10T17:27:24.979+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><title type='text'>KKQQ</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.2bcompany.ch/2bcompany/kkqqornot.html"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;KKQQ&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; von der &lt;a href="http://www.2bcompany.ch/2bcompany/Homepage.html"&gt;2bcompany&lt;/a&gt; im kleinen Saal von &lt;a href="http://www.equilibre-nuithonie.ch/de/saison/17/?direct"&gt;Nuithonie&lt;/a&gt;, das sind: links drei Übersetzerkabinen aus hellem Holz mit Fenstern vorne und seitlich, rechts oben hängend drei Leinwände, vorne auf der Bühne ein Tisch und ein paar andere Requisiten. In den Kabinen sitzen zwei Frauen und ein Mann mit Headsets auf dem Kopf; sie blicken in ihr MacBook oder lesen, gelegentlich hört man sie gedämpft reden oder singen. OK. Dann gehen die Projektoren an; auf den Leinwänden erscheinen die gleichen drei in ihren Kabinen und formen mit Zetteln mehr oder weniger synchron eine Begrüssungsbotschaft, während gleichzeitig in den Kabinen die individuelle Beschäftigung weitergeht. Plötzlich stürmt eine der Frauen, den Computer in den Händen, aus ihrer Kabine auf die Bühne, grüsst, nimmt Anlauf, hechtet über den Tisch, schmeisst einen Plastikchristbaum in Richtung Kabine, hechtet wieder zurück, klatscht die Wände ab, schmeisst wieder, schreit und keucht dabei als wäre sie auf einem Schlachtfeld. Nun gut. Dann kehrt sie zurück in die Kabine, und auf den Leinwänden entspinnt sich mit quiekenden Stimmen ein absurder Dialog über Kaffee beziehungsweise dass und wie man sich diesen doch sonst wohin stecken sollte.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So geht das noch ein Weilchen weiter, auch die zweite Frau kriegt etwas Auslauf, schmeisst ihrerseits Bücher, es wird ein bisschen falsch gesungen. Experimentelles Theater halt. Doch dann, die angekündigten 45 Minuten sind schon recht fortgeschritten, fällt endlich der Groschen: Was ich hier sehe, ist eine ausgeklügelte, durchchoreografierte Collage aus real und Konserve, aus live und zeitversetzt. Die Szenen auf den Leinwänden sind die gleichen, die wir eben in den Kabinen gesehen haben, nach Bedarf beschleunigt und zusammengeschnitten, und die real ablaufenden Vorgänge treten aufs Raffinierteste in Dialog mit den Filmen. Jetzt macht aufs Mal auch das Geschmeisse endlich Sinn: In einer herrlichen, mit „remplissage de tête“ betitelten Sequenz erscheint des Mannes Kopf gross auf der mittleren Leinwand und wird von links und rechts mit Christbäumen, Büchern und hechtenden Frauen abgefüllt. Für den Rest des Stücks läuft mein Kopf auf Hochtouren, um mit massiv parallelem Hinsehen die Querbezüge zu bemerken und aufzulösen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So pubertär wie sein Titel, so schräg bleibt &lt;span style="font-style: italic;"&gt;KKQQ&lt;/span&gt; bis zum Schluss; die Absurdität der Texte und Lieder, soweit ich sie verstehe, ist kaum zu toppen. Doch eine Aussage, ein Interpretationsansatz wird klar: Und wenn sich Kunst gar nicht in Gattungen aufteilen liesse wie die Ware beim Metzger? Wenn ein Theater auch ein Film, ein Film auch ein Gemälde sein könnte, und zwar gleichzeitig, je nach dem, wie man darauf blickt? Wenn sich ein Bühnenkunstwerk nicht nur in den bekannten drei Raum- und der einen Zeitdimension abspielen würde, sondern darüber hinaus Zugang hätte zu einer fünften Dimension, in der es mit sich selber interagieren könnte? Viel mehr als eine Performance ist &lt;span style="font-style: italic;"&gt;KKQQ&lt;/span&gt; ein Labor, eine Petrischale gigantischen Ausmasses, in welcher allerlei Sporen ins Kraut schiessen, miteinander verschmelzen, Hybriden und Chimären bilden und die herkömmliche Lehre sanft in Frage stellen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Nach dem Studium der Website scheint mir, dass die Stücke der 2Bcompany wohl als work in progress zu kategorisieren sind – an einigen sind sie schon mehrere Jahre dran. So ist zu erwarten, dass sich die eine oder andere Gelegenheit noch bieten wird; als nächstes im März und April in Vidy.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-2422557159646937708?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/2422557159646937708/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/12/kkqq.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2422557159646937708'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2422557159646937708'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/12/kkqq.html' title='KKQQ'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5247604180783374474</id><published>2011-12-04T17:01:00.001+02:00</published><updated>2011-12-04T17:05:36.732+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Annuntio vobis gaudium magnum</title><content type='html'>&lt;p&gt;Welch ein Fest für Bühnen- und Kostümbildner: Die Sixtinische Kapelle galt es nachzubauen, die Fassade des Petersdoms, dazu majestätische Innenhöfe und reiche Säle; dann waren hundertzwanzig Kardinäle zu &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kardinal#Kleidung"&gt;bekleiden&lt;/a&gt; (komplett mit Soutane und Talar inklusive Rochett), weiteres kirchliches Personal in Samt, Seide und Brokat sowie natürlich die Schweizergarde. &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nanni_Moretti"&gt;Nanni Moretti&lt;/a&gt;s Film &lt;a href="http://www.habemuspapam.it/"&gt;&lt;i&gt;Habemus Papam&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; spielt im Vatikan und schwelgt deshalb unweigerlich im katholischen Prunk. Die Geschichte beginnt mit dem Begräbnis des Papstes und dem feierlichen Einzug der Kardinäle ins Konklave. Da sich in den ersten Wahlgängen drei Spitzenkandidaten gegenseitig neutralisieren, einigt man sich auf einen Kompromisskandidaten, den scheuen, gütig lächelnden französischen Kardinal Melville (Michel Piccoli). Doch als dieser auf der Loggia des Petersdoms den Gläubigen präsentiert werden soll, lähmt ihn ein jäher Panikanfall. Der Balkon bleibt leer.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Im ganzen minutiösen &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konklave#Ablauf"&gt;Protokoll&lt;/a&gt; ist eine solche Situation nicht vorgesehen. Entsprechend verstört improvisieren die Verantwortlichen. Immerhin organisieren sie psychologischen Support und fliegen zunächst den Psychiater Brezzi (Nanni Moretti selber) ein, den besten seiner Zunft, wenden sich dann auch noch an dessen Kollegin und Exfrau (Margherita Buy). Doch damit kommen sie vom Regen in die Traufe: Auf dem heimlichen Ausflug in deren Praxis büxt der Papst aus und taucht in Rom unter.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Von da an verfolgt der Film zwei parallele Stränge: einen grotesken (die Langeweile im end- und aussichtslosen Konklave) und einen feinsinnigen (die Reise des Papstes zu sich selbst). Ersterer ist reichlich schwerfällig. Moretti spielt seinen Psychiater so gestelzt-klischiert, dass es ein Graus ist; auch die Gespräche zwischen dem atheistischen Wissenschaftler und der katholischen Hierarchie sind kalter Kaffee. Und dass die Kardinäle zu &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=hf2cnIDyKL8"&gt;&lt;i&gt;Todo cambia&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von Mercedes Sosa zu tanzen beginnen, sollte wohl poetisch sein, ist aber eher peinlich. Grossartig hingegen ist der fünfundachtzigjährige &lt;a href="http://www.zeit.de/2011/49/Interview-Piccoli"&gt;Michel Piccoli&lt;/a&gt; als sinnsuchender Papst. Seine Irrfahrt durch Rom sorgt im zweiten Erzählstrang für Faszination und Leichtigkeit. Und als er schliesslich wieder auftaucht, ist er bereit, auf den Balkon zu treten, und weiss, was er dort sagen will.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Wer giftige Kirchenkritik erwartet hat, sieht sich auf den ersten Blick enttäuscht. Der Zweihänder ist Morettis Sache nicht. Das Florett jedoch schon: In kleinen Anspielungen sind da und dort feine, treffsichere Spitzen versteckt. Omnipräsent ist Johannes Paul II – Piccolis geheimer Ausflug erinnert an seine klandestinen Fluchten aus dem Vatikan, und der polnische Pressesprecher ist ein charmanter Seitenhieb gegen die seinerzeit installierte Polen-Connection. Auch dass der Papst eigentlich hätte Schauspieler werden wollen, ist unschwer als Referenz an den Schauspielschüler Wojtyla zu erkennen. Die journalistischen Vatikan-Watcher kriegen beim Beobachten und Interpretieren des Rauches aus dem Konklave souverän ihr Fett ab. Geradezu bösartig wird der Euro- und Italienzentrismus der katholischen Kirche aufgespiesst: Dass die Kardinäle aus Ozeanien beim Konklave-Volleyballturnier nur eine Rumpfmannschaft bilden, währenddem die Italiener gleich mehrere Equipen bestücken könnten, trifft den Nagel auf den Kopf und ist giftiger als viele Statistiken. Michel Piccoli schliesslich erinnert nicht nur physisch an den unprätentiösen Querdenker Johannes XXIII und an den lächelnden Papst Johannes Paul I. Dass jedoch ein so unscheinbarer, scheuer und gütiger Mann heute noch auf der unerbittlichen kirchlichen Karriereleiter bis ins Heilige Kollegium aufsteigen und – wenn auch als Kompromisskandidat – zum Papst gewählt werden könnte, halte ich für eine zwar nostalgische, aber reichlich abwegige Idee. &lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Habemus Papam von Nanni Moretti kommt sinnigerweise an &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2011/HabemusPapam/cinema.html"&gt;Mariä Empfängnis&lt;/a&gt; in die Deutschschweizer Kinos. Eine schöne Besprechung hat &lt;a href="http://antjeschrupp.com/2011/11/25/der-papst-der-professor-und-die-welt-da-drausen/"&gt;Antje Schrupp&lt;/a&gt; in ihrem Blog veröffentlicht.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5247604180783374474?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5247604180783374474/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/12/annuntio-vobis-gaudium-magnum.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5247604180783374474'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5247604180783374474'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/12/annuntio-vobis-gaudium-magnum.html' title='Annuntio vobis gaudium magnum'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-8013277551439549374</id><published>2011-11-27T14:25:00.004+02:00</published><updated>2011-11-27T14:37:54.231+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Stochern im Nebel</title><content type='html'>&lt;p&gt;Mein Italienisch reicht zum &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/11/villa-mit-meerblick-verzweifelt-gesucht.html"&gt;Überleben in Italien&lt;/a&gt;, für Smalltalk und gelegentliche Blog- und Zeitungs-Lektüre, aber für Literatur ist es an der Grenze. Ob es wirklich eine gute Idee war, als Ferienlesestoff &lt;a href="http://www.sperling.it/scheda/978886061752"&gt;&lt;i&gt;La casa del comandante&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://www.valeriovaresi.net/"&gt;Valerio Varesi&lt;/a&gt; mitzunehmen? Zwar erzeugt ein Krimi in der Regel den notwendigen Sog, damit ich dranbleibe – aber was, wenn ich gerade die entscheidenden Anspielungen und Details nicht verstehen würde? Die Angst erwies sich als unbegründet. Gewiss war die Lektüre ein dauerndes Tappen im Nebel, wo die Sichtweite wenige Meter beträgt und sich Häuser, Bäume und Personen nur schemenhaft abzeichnen; aber auf eine spezielle Weise war diese Art meines Verstehens ihrem Objekt angemessen. Varesis &lt;i&gt;Commissario&lt;/i&gt; Soneri ist nämlich in &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/sacred_destinations/5692317713/lightbox/"&gt;Parma&lt;/a&gt; stationiert und ermittelt hauptsächlich in der &lt;a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Bassa_padana"&gt;&lt;i&gt;Bassa padana&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, dem Landstrich entlang des Po und seiner Auen, der fast immer in zähen Nebel eingehüllt ist, wo skurrile Einzelgänger im Rhythmus des Flusses leben und dabei den Menschen aus dem Weg gehen, und wo Ressentiments aus den Partisanenkämpfen des Zweiten Weltkriegs noch nach Jahrzehnten schwelen, jederzeit bereit aufzulodern.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So irrten wir beide: ich im Italienischen und Soneri durch den Nebel der &lt;i&gt;Bassa&lt;/i&gt;, im lange aussichtslosen Versuch, aus einer ganzen Serie von Verbrechen und Auffälligkeiten irgendwie schlau zu werden: ein osteuropäischer Fischer, im Pappelwald erschossen aufgefunden; ein Partisanenkommandant, in seinem Haus am Fluss einsam gestorben; eine Bancomat-Bande, welche die Dörfer heimsucht; irritierende Raser auf der Strasse und auf dem Fluss; das ganze gewürzt mit halbgaren politischen Theorien der frustrierten Jugend. Der &lt;i&gt;Commissario&lt;/i&gt; ist wirklich nicht zu beneiden, denn jeder, den er trifft, weiss eindeutig mehr, als er sagt; dazu kommt das ständige Kompetenzgerangel mit den Carabinieri und zum Abrunden ein Chef, der nur seine eigenen simplen Theorien gelten lassen will. Jedes kleine Fortschrittchen muss Land und Leuten mühevoll abgerungen werden und trägt dennoch kaum zum Verständnis bei. So geht das in konsequenter Aussichtslosigkeit bis fast ans Ende: Ich habe noch kaum je einen Krimi gelesen, der so viele Mosaiksteinchen zu setzen vermochte, ohne dass auch nur in Umrissen ein Gesamtbild absehbar wurde. Erst mit den allerletzten paar Steinchen wachsen die Linien zusammen; der Schluss führt mit jäher Beschleunigung zu einer memorablen Konfrontation, in der Soneri nicht nur den Fall (besser: die Fälle) löst, sondern auch soweit möglich mit sich selbst einigermassen ins Reine kommt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Nicht zu beneiden ist in all dem Chaos auch Soneris Freundin Angela, die ich im &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/01/slow-crime.html"&gt;&lt;i&gt;Nebelfluss&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; noch lediglich als frivole Staffage kennengelernt hatte. Hier bekommt sie breiteren Raum, nimmt kräftiger Fleisch und Blut an, wird für Soneri zur wichtigen Helferin in den Ermittlungen und zum lebensretten Anker im Frust der erfolglosen Suche. Ihre grosse Beziehungsdiskussion kurz nach Beginn des Buches ist etwas gar schematisch philosophierend, aber im Ganzen tun die Szenen von gemeinsamem Hoffen und Verzweifeln, von Einsamkeit und Zärtlichkeit dem Buch gut. Sie lockern die Mühsal der Recherchen auf und sind ein Gegenpol zur omnipräsenten Melancholie und Verzweiflung.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Valerio Varesi, La casa del comandante. Edizioni Frassinelli 2008. ISBN 978 88 88320 16 8. &lt;a href="http://www.rowohlt.de/autor/Valerio_Varesi.148340.html"&gt;Im Gegensatz zu anderen Romanen Varesis&lt;/a&gt; ist dieser noch nicht auf Deutsch erschienen.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-8013277551439549374?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/8013277551439549374/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/11/stochern-im-nebel.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8013277551439549374'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8013277551439549374'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/11/stochern-im-nebel.html' title='Stochern im Nebel'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7715476819691801089</id><published>2011-11-20T14:10:00.002+02:00</published><updated>2011-11-20T14:16:20.478+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Archäologie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Architektur'/><title type='text'>Villa mit Meerblick, verzweifelt gesucht</title><content type='html'>&lt;p&gt;Die römischen Villen von Stabiae – soweit stimmten unser Reiseführer und meine entfernte Erinnerung überein – liegen in der Stadt &lt;a href="http://www.comune.castellammare-di-stabia.napoli.it/"&gt;Castellammare di Stabia&lt;/a&gt; am Golf von Neapel. Dort schien sich dies freilich noch nicht wirklich herumgesprochen zu haben. Als wir nämlich in Castellammare aus der &lt;a href="http://www.vesuviana.it/web/it/homepage"&gt;Circumvesuviana&lt;/a&gt; stiegen, der inzwischen etwas heruntergekommenen Banlieue-Metro von Neapel, und uns nach dem Bus zu den Villen erkundigten, trafen wir zwar auf lauter freundliche Menschen, aber erhielten keine einzige kompetente Antwort. Hier das Kurzprotokoll unseres leicht kafkaesken Parcours:&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;i&gt;Junger Mann am Ticketschalter&lt;/i&gt;: „Oh, die römischen Villen, das ist aber weit, so sechs bis sieben Kilometer – da müsst ihr ein Taxi nehmen, oder einen Bus, auf dem Platz unterhalb des Bahnhofs.“ &lt;i&gt;Älterer Herr in einem zufällig auf dem Platz unterhalb des Bahnhofs haltenden Bus&lt;/i&gt;: „Die römischen Villen, äh (überlegt) – ja, steigt ein! Ich sage euch, wann ihr umsteigen müsst.“ &lt;i&gt;Anderer älterer Herr im Bus, etwas später&lt;/i&gt;: „Nein, noch nicht jetzt, an der nächsten Haltestelle!“ &lt;i&gt;An der nächsten Haltestelle, der gleiche ältere Herr&lt;/i&gt;: „Falsch, vorher war die richtige, steigt bei der nächsten aus und nehmt irgendeinen anderen Bus zurück!“ &lt;i&gt;Eine Frau bei der nächsten Haltestelle&lt;/i&gt;: „Römische Villen? Keine Ahnung. Vielleicht Bus Nummer 13? Aber ich weiss nicht, wo der fährt.“ &lt;i&gt;Ein Touristenfallensteller, die Verzweiflung und ein Geschäft witternd&lt;/i&gt;: „Ich habe einen Minibus, für zehn Euro fahre ich euch hoch!“ &lt;i"&gt;Drei junge Frauen auf der Strasse: „Keine Ahnung, aber &lt;i&gt;[auf den FS-Bahnhof deutend] &lt;/i&gt;nehmt doch hier einen Zug!“&lt;/i"&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Unsere Rettung war das &lt;a href="http://www.stabiatourism.it/"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Tourist Office&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; vis-à-vis des Bahnhofs. Ein distinguierter Angestellter revanchierte sich mit begeisterter Dienstfertigkeit quasi im Alleingang für die Inkompetenz seiner Mitbürger: „Die römischen Villen? Gute Idee! Da geht ihr zu Fuss, in einer Viertelstunde seid ihr dort. Und der Eintritt ist frei!“ Er überhäufte uns mit Gadgets (Stadtplan, archäologischer Führer, Kartenset und Poster), entliess uns mit besten Wünschen – und behielt recht: In fünfzehn Minuten hatten wir das Hochplateau über Castellammare erklommen und standen vor der Villa Arianna.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Wer findet, ich gehe mit den hilfsbereiten Passanten zu streng ins Gericht, dem empfehle ich einen Augenschein vor Ort: Die Villen von Stabiae sind nichts weniger als spektakulär. Die Villa Arianna wirkt wie an den steilen Abhang geschoben, auf nicht enden wollender Breite zum Meer hin aufgefächert, das in der Antike nur einen beherzten Steinwurf entfernt an den Fuss des Plateaus stiess, wo sich heute die Mietskasernen der Stadt ausbreiten. Rechter Hand thront der Vesuv, am Horizont liegen die Inseln der Bucht, und die Räume sind mit Mosaiken und Wandmalereien von höchster Qualität geschmückt. Ähnliches gilt für die Villa San Marco, unser zweites Ziel etwas nordöstlich vom ersten: mehr in sich geschlossen, aber noch luxuriöser, mit verschwenderischen Höfen und Gärten sowie meisterhaften Fresken ausgestattet. Wer solche Schätze in seiner Stadt hat und nicht mal den Weg dorthin kennt, der ist – mit Verlaub – ein Banause. Und es ist ja nicht so, dass man auf den Besucher nicht vorbereitet wäre: Die nötige Infrastruktur ist vorhanden und das Personal auch (darunter eine sehr kompetente Aufseherin in der Villa Arianna, die uns in aller Ausführlichkeit durch die Räume führte und sämtliche Fragen beantworten konnte). Aber wir waren an diesem schönen Spätsommertag in beiden Villen praktisch alleine.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Gewiss, &lt;a href="http://www.pompeiisites.org/Sezione.jsp?titolo=Pompei&amp;amp;idSezione=210"&gt;Pompeji&lt;/a&gt; stellt alles in den Schatten; und wer dort war, dann in &lt;a href="http://www.pompeiisites.org/Sezione.jsp?titolo=Ercolano&amp;amp;idSezione=231"&gt;Herculaneum&lt;/a&gt;, vielleicht noch in &lt;a href="www.pompeiisites.org/Sezione.jsp?titolo=Oplontis&amp;amp;idSezione=281"&gt;Oplontis&lt;/a&gt;, der hat seine Dosis Archäologie wohl gehabt. Dennoch hätte es Stabiae verdient, aus seinem Aschenputtel-Dasein herausgeholt zu werden. Dieses beginnt übrigens bei der sehr beiläufigen Erwähnung in Reiseführern aller Art und setzt sich fort im offiziellen Kombiticket zu den archäologischen Stätten des Vesuvs: Da sind die Villen von Stabiae nämlich grossspurig „inbegriffen“, obwohl der Eintritt frei ist… Ich beneide unseren zuvorkommenden Helfer im Verkehrsbüro nicht um seine Aufgabe, diesem Juwel einer archäologischen Stätte seinen gebührenden Rang zukommen zu lassen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Fairerweise muss ich hinzufügen, dass unser Führer uns richtig geraten hatte, in Castellammare Via Nocera auszusteigen und von dort einen Bus zu nehmen. Tatsächlich fährt Bus Nummer 1 über die Passeggiata Archeologica an beiden Villen vorbei – allerdings sahen wir ihn auf dem ganzen Weg kein einziges Mal. Wer nicht den Bus oder ein Taxi nehmen will, steigt ebenfalls in Via Nocera aus der Circumvesuviana und folgt &lt;a href="http://maps.google.it/maps?saddr=Via+Giuseppe+Cosenza&amp;amp;daddr=Via+Varano+to:40.6986867,14.492501+to:SP157+to:Via+Giuseppe+Cosenza&amp;amp;hl=de&amp;amp;ll=40.701301,14.495344&amp;amp;spn=0.018187,0.042272&amp;amp;sll=40.700585,14.494314&amp;amp;sspn=0.009094,0.021136&amp;amp;geocode=FcYLbQIdgBrdAA%3BFZIDbQIdGCPdAA%3BFT4DbQIdVSPdAClD2FR_Qb07EzFgsAy1H-EJEw%3BFXQUbQIdJEbdAA%3BFTAObQIdtR3dAA&amp;amp;vpsrc=6&amp;amp;dirflg=w&amp;amp;mra=dvme&amp;amp;mrsp=2&amp;amp;sz=16&amp;amp;via=2&amp;amp;t=h&amp;amp;z=15"&gt;diesem (Rund-)Weg&lt;/a&gt;. Zu Fuss ist das gut machbar, allerdings ist die erwähnte Passeggiata Archeologica nicht etwa ein romantischer Panoramaweg, sondern eine abfallgesäumte Umfahrungsstrasse ohne Trottoir. Die Villa Arianna und die Villa San Marco sind signalisiert. Man geht hier, wie erwähnt, auf wenig begangenen Wegen: Wer den Eindruck hat, auf einem Hühnerhof gelandet zu sein, lasse sich nicht beirren; der Eingang zur Villa San Marco ist da nur noch wenige Meter entfernt.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Einen Tag nach uns war offensichtlich User leics von &lt;a href="http://www.virtualtourist.com"&gt;virtualtourist.com&lt;/a&gt; unterwegs, dessen &lt;a href="http://www.virtualtourist.com/travel/Europe/Italy/Campania/Castellammare_di_Stabia-153316/Things_To_Do-Castellammare_di_Stabia-TG-C-1.html#tip=2188962"&gt;präzise Hinweise&lt;/a&gt; uns äusserst nützlich gewesen wären…&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7715476819691801089?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7715476819691801089/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/11/villa-mit-meerblick-verzweifelt-gesucht.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7715476819691801089'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7715476819691801089'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/11/villa-mit-meerblick-verzweifelt-gesucht.html' title='Villa mit Meerblick, verzweifelt gesucht'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-1691803187882791553</id><published>2011-11-11T09:41:00.001+02:00</published><updated>2011-11-11T09:44:06.179+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Archäologie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Architektur'/><title type='text'>Stadtbild und Wohngeschmack: Annäherungen an Pompeji</title><content type='html'>&lt;p&gt;Was macht der Klassische Archäologe, wenn er nach zehn Jahren wieder nach &lt;a href="http://www.pompeiisites.org/Sezione.jsp?titolo=Pompei&amp;amp;idSezione=210&amp;amp;idSezioneRif=205"&gt;Pompeji&lt;/a&gt; fährt? Ein paar Eckpunkte des &lt;a href="http://g.co/maps/pfsc2"&gt;Stadtplans&lt;/a&gt; sind noch präsent, die vier Stile der pompejanischen Malerei kann ich noch ähnlich gut (oder schlecht) auseinander halten wie damals, aber sonst riskierte ich, ziemlich wie ein Tourist auszusehen. Glücklicherweise birgt die gutsortierte Handbibliothek Abhilfe. Der Griff geht freilich nicht zum grossformatigen Bildband, auch nicht zu einem der einschlägigen Ausstellungskataloge, sondern zu einem vergleichbar kompakten Werk: &lt;i&gt;Pompeji. Stadtbild und Wohngeschmack&lt;/i&gt;, von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Zanker"&gt;Paul Zanker&lt;/a&gt;. Das Buch, unlängst als Geschenk bei mir gelandet, ist eine neu bevorwortete und reich bebilderte Neupublikation zweier ausführlicher Artikel – einer zum Stadtbild im Lauf der Zeit, der andere zum Wohngeschmack in den letzten beiden Dekaden Pompejis. Und die etwas zufällige Lektüreauswahl erweist sich aus zwei Gründen als ideale Vorbereitung auf den Besuch: Obwohl Zanker keine allgemeine Einführung in diese berühmteste aller Ruinenstätten vorlegt, erwähnt er implizit und explizit eine Fülle von Basics, die sich mit meinen fragmentarischen Erinnerungen zu einem brauchbaren Gesamtbild zusammenfügen. Und weil die Argumentation immer sehr nahe an den Befunden bleibt, steckt er dem Reisenden eine Vielzahl von interessanten Details ins Handgepäck, die es vor Ort zu überprüfen gilt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Zwei Erkenntnisse nehme ich mit aus der Lektüre. Zum einen ist da die zentrale Aussage, dass den aufstrebenden, in einer gewissen Austerität befangenen Römern die hellenistische Wohnkultur als Idealbild vor Augen stand, genauer: der Luxus an den Fürstenhöfen der Diadochenreiche. Da in den Städten, und ganz besonders in Rom selber, eine ziemlich rigide öffentliche Moral jegliche Zurschaustellung von Reichtum als unrömisch ächtete, konnten die ersten Experimente mit diesem Idealbild nicht dort stattfinden. Zum Ort der frühesten Adaptationen dieser hellenistischen Einflüsse wurden daher die &lt;i&gt;villae&lt;/i&gt;, die Landsitze der vornehmen Römer, wie sie gerade in der Bucht von Neapel sehr häufig waren. Von dort wurden dann diese neuen Formen allmählich hinter die Mauern der Stadthäuser übernommen, zuerst wiederum in der Provinz, wie eben paradigmatisch in Pompeji. Von besonderer Bedeutung war dabei offensichtlich die Verbindung von Architektur und Natur. Was in den Villen eine Selbstverständlichkeit war, bedurfte in den Städten eines gewissen Talents zur Anpassung. Für die reichen Familien war es freilich ein Leichtes, in ihren riesigen Stadthäusern ausgedehnte, elegante Gärten einzurichten, die oft mit Brunnen und Kanälen durchsetzt waren und nicht selten die Wohnfläche an Grösse übertrafen. Besonders eindrücklich (und in Pompeji auf Schritt und Tritt überprüfbar) ist jedoch, wie selbst in mittleren und kleinen Häusern mit allen Mitteln versucht wurde, die Illusion vom Wohnen im Grünen zu inszenieren. Auch wer auf seiner Parzelle kaum Platz fand für die nötigsten Räume, vermochte in der Regel doch noch eine Ecke freizuhalten, in der hinter ein paar Säulen etwas Grün wachsen konnte. Brunnen und weitere Vegetation wurden dabei auch gerne mittels Wandmalereien angedeutet. Weil die Wohnhäuser nicht wie bei uns exklusiv privat waren, sondern eine halböffentliche Funktion als Ort für Klientenempfang und Geschäfte hatten, muss man sich die Eingangstüren tagsüber geöffnet vorstellen, womit diese Gärten durch raffiniert inszenierte Blickachsen für alle Passanten sichtbar waren. (Dies kommt, nebenbei bemerkt, auch dem heutigen Besucher zugute, der so durch die vergitterten &lt;a href="http://g.co/maps/jbnrg"&gt;Eingänge&lt;/a&gt; vieler geschlossener Häuser das für den damaligen Bewohner Wesentliche in gleicher Weise erblicken kann.)&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Meine andere Erkenntnis ist methodischer Art; dass es nämlich wichtig und bereichernd ist, abstrakte historische Fakten darauf hin zu befragen, welche konkreten Auswirkungen sie auf das Leben der Menschen hatten. Ein grossartiges Beispiel ist dies: Nach dem Bundesgenossenkrieg und der Eroberung durch Sulla 89 v. Chr. wurde Pompeji zur römischen Kolonie. So weit, so gut. Dies bedeutet freilich, dass in der Stadt eine beachtliche Anzahl Veteranen angesiedelt wurden; Zanker geht von mindestens 2000 Mann (mit Anhang) aus. Allein die Zahl ist schwindelerregend für eine Stadt, die zu ihrer späteren Blütezeit gerade mal 15‘000 Einwohner gezählt haben muss. Noch spektakulärer muss man sich den Kontrast vorstellen zwischen der von Raffinement und griechischer Kultur geprägten, blühenden Provinzstadt und den Neuankömmlingen, denen man nach Jahren im Feldlager eine gewisse Rauheit nicht absprechen kann, und die zudem nicht etwa als Bittsteller, sondern als die neuen Herren aufgetreten sein werden. Die Umwälzungen im Stadtleben müssen sehr tief gereicht haben; und wenn man dann liest, dass dieses Gebäude aus einer bestimmten Epoche stammt, jenes aus einer anderen, so muss man sich dauernd bewusst sein, dass wir hier eigentlich von zwei völlig verschiedenen Städten sprechen, die sich im katastrophenbedingt relativ uniform anmutenden Stadtgebiet durchdringen und überlagern.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Der Bookshop in Pompeji hat mich enttäuscht: Der Raum ist klein und beengend, die Auswahl ordentlich, aber der Bedeutung des Ortes nicht angemessen, und es gab keinen Führer und keine andere Publikation zu Pompeji, die sich aufgedrängt hätte. So sah ich mich in meiner Herangehensweise unerwartet bestätigt, mich vor dem Besuch mit der wissenschaftlichen Literatur zu informieren, um mich dann vor Ort ohne Führer, aber mit durch die Lektüre geschärftem Blick durch die Gassen und Häuser treiben zu lassen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Paul Zanker, Pompeji. Stadtbild und Wohngeschmack. Kulturgeschichte der antiken Welt, Band 61. Mainz, Philipp von Zabern 1995. ISBN 3 8053 1685 2. Das Buch ist nur noch &lt;a href="http://www.amazon.de/Pompeji-Stadtbild-Wohngeschmack-Paul-Zanker/dp/3805316852/"&gt;antiquarisch&lt;/a&gt; erhältlich.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-1691803187882791553?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/1691803187882791553/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/11/stadtbild-und-wohngeschmack.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1691803187882791553'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1691803187882791553'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/11/stadtbild-und-wohngeschmack.html' title='Stadtbild und Wohngeschmack: Annäherungen an Pompeji'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7536139408305554761</id><published>2011-10-17T12:50:00.003+02:00</published><updated>2011-10-17T12:53:23.504+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>This must be the place</title><content type='html'>&lt;p&gt;Schwarzer Kajal ums Auge, blutrote Lippen, dunkle Mähne: &lt;a href="http://www.huffingtonpost.com/sean-penn"&gt;Sean Penn&lt;/a&gt; ist Cheyenne, Punkrocker im Ruhestand und Protagonist von &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt1440345/"&gt;&lt;i&gt;This must be the place&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, dem Genres und Gewohnheiten sprengenden neuesten Werk von Paolo Sorrentino. Der italienische Regisseur hat seinen Film für Penn geschrieben und ganz um ihn herum gebaut; und dieser zeigt wieder einmal, weshalb er regelmässig als einer der besten Schauspieler seiner Generation bezeichnet wird. Mit einem Altersheim-Gang und einer hohen, rauhen, brüchigen Stimme, der man das jahrelange gepresste Falsettieren wie auch die vielen Drogen anhört, setzt er Cheyenne präzise ins diffizile Grenzgebiet zwischen Rührung, Absurdität und Lächerlichkeit. Apropos Drogen: „Ich frage mich, weshalb ich zwar alle Drogen der Welt genommen, aber nie mit Rauchen begonnen habe“, wundert sich Cheyenne und kriegt zur Antwort: „Weil du ein Kind geblieben bist.“ Hier liegt ein Schlüssel zum Verständnis von &lt;i&gt;This must be the place&lt;/i&gt;. Das ist nämlich über weite Strecken ein surrealistischer Film, der seine Kraft aus der Charakterzeichnung des alternden, unendlich gelangweilten Rockers und seinen Begegnungen mit den unmöglichsten Personen bezieht. Auf den ersten Blick kann das gar nicht klappen: Wie soll denn dieser bunte Hund mit dem Poschtiwägeli im Einkaufszentrum oder in einem Truckertreff irgendwo in der Prärie auf irgendetwas anderes als Unverständnis und Gelächter stossen? Doch dann lässt er einen kurzen Kommentar voller kindlicher Naivität fallen, und schon springt der Funke. So entstehen unzählige leicht absurde, aber sehr berührende Szenen – etwa in Cheyennes luxuriösem Dubliner Stadtschloss mit seiner Langzeit-Ehefrau Jane (traumhaft besetzt mit der kongenialen Frances McDormand), oder irgendwo tief im amerikanischen Süden, wo der halbwüchsige Sohn einer Soldatenwitwe (Kerry Condon) den berühmten Gast zu einem Duett bittet, das schlicht herzerweichend ist.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dorthin kommt der eigentlich faule und apathische Edel-Frührentner wegen einer Rahmenhandlung, die etwas gar weit hergeholt scheint. Cheyenne ist nämlich der verlorene Sohn eines New Yorker Juden, den er wegen Flugangst dreissig Jahre nicht mehr gesehen hat. Erst an seinem Begräbnis erfährt er vom lebenslangen, erfolglosen Racheversuch seines Vaters an seinem Peiniger in Auschwitz und macht sich &lt;i&gt;nolens volens&lt;/i&gt; daran, diesen zum Abschluss zu bringen. Das ist der reichlich dick aufgetragene Vorwand für eine Art Road Movie und für ein paar weitere zunächst schräge, dann aber immer prägnanter und auch beklemmend werdende Szenen. Als Zuschauer kommen wir dabei immer näher an Cheyenne heran, entdecken unter der schrillen Oberfläche alte Wunden und Enttäuschungen, grosse Herzlichkeit, aber auch Bestimmtheit und Brutalität.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Nach fast zwei Stunden weiss man immer noch nicht, wo und wie man &lt;i&gt;This must be the place&lt;/i&gt; einordnen soll. Man hat aber einen ungewohnten Reichtum an originellen, berührenden Momenten gesehen, und so viele komplexe und hervorragend besetzte Figuren wie sonst nur in drei, vier Filmen zusammen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Im Moment &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2011/ThisMustBeThePlace/cinema.html"&gt;sieht es nicht danach aus&lt;/a&gt;, als ob es der Film auch in der Deutschschweiz noch in die Kinos schaffen würde. Falls sich irgendein Studio-Kino ein Herz fasst, kann ich den Besuch empfehlen. Ein Trailer findet sich auf &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=zppYSFPKrQ8"&gt;Youtube&lt;/a&gt;, eine stimmige Analyse bei &lt;a href="http://videos.arte.tv/de/videos/_this_must_be_the_place_von_paolo_sorrentino-4109482.html"&gt;Arte&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7536139408305554761?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7536139408305554761/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/10/this-must-be-place.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7536139408305554761'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7536139408305554761'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/10/this-must-be-place.html' title='This must be the place'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-2507355580358120235</id><published>2011-10-08T17:33:00.001+02:00</published><updated>2011-10-08T17:37:53.184+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Vom Dummy zum Dandy</title><content type='html'>&lt;p&gt;Zwar kann ich die Tage im Jahr, an denen ich Anzug und Krawatte trage, immer noch reichlich an meinen eigenen Fingern abzählen, aber seit einigen Jahren nähre ich dennoch ein relativ spezialisiertes Interesse an gediegener Kleidung – an Massanzügen, Farb- und Materialkombinationen, Accessoires, an Kleidungsregeln und ihrem gekonnten Brechen. Dahinter steckt freilich mehr als nur die Freude an der Eleganz, nämlich einerseits ein Faible für das gute (und gut bezahlte) alte Handwerk, das von den grossen Ketten mit ihren Sweatshops – zu enormen menschlichen Kosten notabene – fast ganz ausgelöscht worden ist, anderseits die Erkenntnis, dass hochwertige Materialien und ein langlebiger Stil die besten Voraussetzungen für Nachhaltigkeit sind. Futter für meinen Spleen liefert glücklicherweise die Blogosphäre in rauen Mengen. Mehrere Massschneider von Savile Row und anderswo ermöglichen bloggend einen Einblick in ihre Arbeit: Thomas Mahon von &lt;a href="http://www.englishcut.com/"&gt;&lt;i&gt;English Cut&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; ist hier als Pionier zu erwähnen, aber auch beispielsweise der sehr unterhaltsame, einen Tick exzentrischere &lt;a href="http://blog.timothyeverest.co.uk/"&gt;Timothy Everest&lt;/a&gt;. Ferner haben viele erfahrene und stilsichere Kleidungsfetischisten ein eindrückliches Corpus in Sachen Stilberatung, ‑diskussion und -kritik geschaffen. Ich nenne nur zwei von ihnen: Aus San Francisco liefert Will Boehlke unter &lt;a href="http://asuitablewardrobe.dynend.com/"&gt;&lt;i&gt;A Suitable Wardrobe&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; täglich eine Miszelle, präsentiert etwa sein Outfit für den Tag, stellt Preziosen aus seinem Online-Shop vor oder diskutiert historische Fotos – für mich alles zwei Etagen zu hoch, fast etwas zu manieriert, aber immer hochinteressant. Aus London seinerseits schreibt Simon Crompton auf &lt;a href="http://www.permanentstyle.co.uk/"&gt;&lt;i&gt;Permanent Style&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Bei ihm schätze ich neben den präzisen, gelegentlich leicht augenzwinkernden praktischen Tipps vor allem die Dokumentationen der Produktionsprozesse von Anzügen, Hemden, Schuhen und Accessoires. (&lt;a href="http://www.wdrmaus.de/"&gt;&lt;i&gt;Die Sendung mit der Maus&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; lässt grüssen.)&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Simon Crompton ist auch der Autor des Buches, um das es hier geht. Für die Reihe &lt;i&gt;Le snob&lt;/i&gt; der Süddeutschen Zeitung hat er eine kleine &lt;a href="http://sz-shop.sueddeutsche.de/mediathek/shop/Produktdetails/Buch+Le_Snob_Tailoring+Simon_Crompton/6744852.do"&gt;Fibel&lt;/a&gt; verfasst, die in erster Linie dem interessierten Durchschnittsmann den Weg zum Massanzug ebnen will. Denn dass sich hier niemand etwas vormache: Sich als Mann korrekt zu kleiden, ist – wie man täglich auf der Strasse sehen kann – kein Kinderspiel. Es ist nicht damit getan, dass Hemd und Anzug sitzen (was sie im Fall von Massbekleidung in der Regel sollten). Darüber hinaus gilt es, Stoffe, Farben und Texturen richtig zu kombinieren, um für das jeweilige Klima korrekt ausgerüstet zu sein und gleichzeitig das erforderte Niveau an Formalität zu treffen. Ferner sind die Hauptelemente der Bekleidung mit Krawatte, Einstecktuch und Manschettenknöpfen gekonnt, aber dezent abzuschmecken. Der erfahrene Dandy setzt mit den Socken einen zusätzlichen Akzent, stets besorgt, den überaus schmalen Grat zwischen Virtuosität und Peinlichkeit nicht zu verfehlen. Als Krönung wird schliesslich dieses unter Einsatz sämtlicher Mittel perfekt komponierte Ensemble an einem Punkt gezielt so zerstört, dass der Eindruck entsteht, man hätte sich nur eben etwas übergeworfen – wofür der Italiener den schönen Begriff &lt;a href="http://www.dandyism.net/?p=778"&gt;&lt;i&gt;sprezzatura&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; verwendet. Wahrlich, da fallen mir doch spontan ein Dutzend hervorragende Argumente ein für meine gewohnte Alltagsuniform, dunkelblaue Jeans und gut sitzendes schwarzes Hemd…&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ich selber hätte also &lt;i&gt;Le snob: Tailoring&lt;/i&gt; eigentlich nicht zu kaufen gebraucht, da ich sowohl finanziell als auch beruflich weit ausserhalb der Zielgruppe stehe. Wer aber Repräsentationspflichten hat, eine Erbschaft durchbringen muss, oder einfach gutes und solides Handwerk schätzt, findet in diesem praktischen, kleinen Buch einen idealen Führer auf dem Weg zum gebildeten Dandy.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches : Simon Crompton, Le Snob Tailoring. München, Süddeutsche Zeitung Edition 2011. ISBN 978 3 86615 844 3. Das Buch erschien zunächst auf Deutsch, ist aber inzwischen bei &lt;a href="http://www.hardiegrant.com.au/books/books/book?isbn=9781742701691"&gt;Hardie Grant Books&lt;/a&gt; auch in der Sprache erhältlich, in der es ursprünglich geschrieben wurde.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-2507355580358120235?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/2507355580358120235/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/10/vom-dummy-zum-dandy.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2507355580358120235'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2507355580358120235'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/10/vom-dummy-zum-dandy.html' title='Vom Dummy zum Dandy'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-9140175357797705104</id><published>2011-10-02T18:22:00.001+02:00</published><updated>2011-10-02T18:25:16.288+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>La piel que habito</title><content type='html'>&lt;p&gt;Wer den neuen Almodóvar sehen möchte, sollte einen robusten Magen haben. &lt;a href="http://www.lapielquehabito.com/"&gt;&lt;i&gt;La piel que habito&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; enthält nicht nur einige Szenen, bei denen man den Kopf wegdrehen möchte, sondern erzählt auch eine Geschichte, die von krankhafter Brutalität geprägt ist; die Geschichte einer Rache. Der plastische Chirurg Robert Ledgard verliert zunächst seine Frau, später auch seine Tochter, als Folge eines einzigen Unglücks, eines Autounfalls. Seine Frau überlebt zwar zunächst schwer verbrannt (auch dank der Künste ihres Mannes), kann aber ihr neues Leben nicht aushalten. Die Tochter wiederum, die die Mutter sterben sah, erholt sich nie mehr von diesem Schock. Robert wird ob dem doppelten Verlust zum Rächer: nicht im Spandex-Anzug über Dächer fliegend, nicht in Vollpanzerung mit Maschinengewehren hantierend, sondern äusserlich gefasst und elegant im Massanzug, mit den Methoden der Chirurgie – reichlich frankensteinischen Methoden freilich, deren Erforschung ihm von sämtlichen Ethikkommissionen selbstredend scharf untersagt worden ist. &lt;a href="http://www.imdb.com/name/nm0000104/"&gt;Antonio Banderas&lt;/a&gt; bringt präzise die Mischung zwischen Eleganz und Wahnsinn hin, die Robert charakterisiert: Regungslos das Gesicht, nur ganz selten seine Emotionen durchscheinen lassend, die ansonsten hinter einer Maske der Entschiedenheit verborgen bleiben. Das einzige, was an seinem Handeln nicht planvoll und zielgerichtet ist, ist die Wahl des Opfers seiner Rache. Mangels Alternativen gewissermassen richtet sie sich gegen den einzigen Mitschuldigen an seinem Unglück, dessen er habhaft werden kann. &lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ein durchgestylter Dekor ist die Kulisse zu den Wahnsinnstaten, die ich hier nur andeuten kann, um nicht schon zu viel vom verwickelten Plot preiszugeben. Ein grosszügiger Landsitz dient Robert als Privatklinik; die Architektur lebt vom Kontrast zwischen alten Steinen und modernem Design; und besonders bedeutend ist die Rolle der Kunst: Überdimensionierte Gemälde schmücken die Gänge der Villa, währenddem die Gefängniszelle, die trotz ihrer Grösse und Helligkeit nicht angenehmer ist als ein simples Verliess, im Lauf des Films zu einem Monument expressionistischer Kunst umgewandelt wird. Schräge Vögel, wie man sie von &lt;a href="http://www.pedroalmodovar.es/"&gt;Pedro Almodóvar&lt;/a&gt; gewohnt ist, gibt es in &lt;i&gt;La piel que habito&lt;/i&gt; hingegen kaum. Alles Schrille und Abgründige ist hier mit grosser Konsequenz hinter die Oberfläche, ins Innere der Figuren verlagert.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt1189073/"&gt;La piel que habito&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2011/LaPielQueHabito/cinema.html"&gt;startet am 6. Oktober&lt;/a&gt; in den Deutschschweizer Kinos. &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-9140175357797705104?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/9140175357797705104/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/10/la-piel-que-habito.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/9140175357797705104'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/9140175357797705104'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/10/la-piel-que-habito.html' title='La piel que habito'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6238753383438033981</id><published>2011-09-26T19:52:00.004+02:00</published><updated>2011-09-26T19:59:17.833+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Archäologie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Was Ikarus sah</title><content type='html'>&lt;p&gt;Wer der Meinung war, dass die Serie von &lt;a href="http://www.georggerster.com/"&gt;Georg Gerster&lt;/a&gt;s Luftbildern archäologischer Stätten Griechenlands im Verlag Philipp von Zabern nach den beiden Bänden über &lt;a href="http://zabern.de/buch/Mit_den_Augen_der_Goetter/1794"&gt;das Festland&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://zabern.de/buch/Griechische_Inseln/2392"&gt;die Inselwelt&lt;/a&gt; bereits zu Ende sei, hat den besonderen Status Kretas nicht bedacht. Die grösste Insel Griechenlands kann nicht &lt;i&gt;en passant&lt;/i&gt; zusammen mit all den kleineren behandelt werden, sondern rechtfertigt wegen ihrer historischen Bedeutung und ihres archäologischen Reichtums einen separaten, &lt;a href="http://www.zabern.de/buch/Kreta/2565"&gt;dritten Band&lt;/a&gt;. Im Unterschied zu seinen beiden Vorgängern, welche die Fülle ihres Materials zu einer anthologischen, teils relativ kursorischen Betrachtung zwang, kann dieser aus dem Vollen schöpfen. Umfang und Rang vieler archäologischer Stätten rechtfertigen eine ausführliche Besprechung, und die thematische Beschränkung auf einen limitierten, weitgehend sehr einheitlichen kulturellen Raum erlaubt es, ein abgerundetes Gesamtbild zu zeichnen. Da vier Fünftel des Bandes der minoischen Epoche gewidmet sind, ist es vor allem diese Periode, die mit einleuchtender Gliederung, ausführlichen Einleitungen und vielen Querverweisen als Einheit präsentiert wird; der Band ist mithin ein knappes, reich bebildertes Kompendium der Architektur und Geschichte dieser frühen Blütezeit Kretas.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Gersters Luftbilder umfassen weit reichende Überblicke und erstaunlich aufgelöste Details. Insbesondere die Art, wie sie Zusammenhänge zwischen Architektur und Landschaft vermitteln, ist von souveräner didaktischer Qualität. Die Verantwortung für den Text wiederum bleibt in diesem dritten Band in der Familie: Als Autorin zeichnet Margret Karola Nollé. Im Gegensatz zu Johannes Nollé und Hertha Schwarz in den ersten beiden Bänden hatte sie die Gnade, vollständig auf jene bemühten Scherze zu verzichten, die alles, nur nicht witzig sind. Der Text ist flüssig und informativ; der Leser erhält ein weit über die Architektur hinausgehendes, abgerundetes Bild insbesondere des minoischen Kretas. Inwieweit dieses dem aktuellen Forschungsstand entspricht, kann ich wegen reichlich angejahrter Kenntnis desselben leider nicht beurteilen; immerhin ist der Text in sich stimmig, sind die Querverweise konsistent. Meine beiden &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2008/10/ddalisches.html"&gt;Hauptkritikpunkte&lt;/a&gt; an den &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/02/archipelagus-ab-alto.html"&gt;Vorgängerbänden&lt;/a&gt; muss ich allerdings auch hier anbringen. Zum einen bleibt das Lektorat der Bildlegenden unsorgfältig. In mindestens vier Fällen (pp. 13, 15, 29 und 60) sind die Blickrichtungen der Fotos falsch angegeben. (Schade ist überdies, dass in diesem Band, anders als in den ersten beiden, darauf verzichtet wurde, konsequent bei jedem Bild den Norden zu bezeichnen. Die Orientierung der Bilder erschliesst sich deshalb nur dort, wo sie in der Legende ausdrücklich angegeben ist.) Das andere, gewichtigere Manko, auf das ich hinweisen muss, ist die vergebene Chance, Bild und Text besser miteinander zu verzahnen. Ich will nicht ungerecht sein: In vielen Fällen erläutert der Text die dazugehörigen Fotos relativ präzise. In etlichen anderen Fällen hingegen stehen Text und Bild kaum verbunden nebeneinander, wird keine Hilfe zur Bildlektüre gegeben, werden nach Schema F Abfolgen von Räumen beschrieben, die auf den Bildern nicht zu erkennen sind – als hätte die Autorin einen gewöhnlichen Reiseführer geschrieben, ohne die Fotos überhaupt gesehen zu haben. Wer daneben ein bisschen zusätzliche &lt;a href="http://www.reclam.de/detail/978-3-15-009627-7/"&gt;archäologische Literatur&lt;/a&gt; im Regal stehen hat, oder wer in &lt;a href="http://maps.google.ch/"&gt;Google Maps&lt;/a&gt; zu navigieren weiss, kann sich gewissermassen am eigenen Schopf aus der Orientierungslosigkeit ziehen. Und es ist ja jene Lektüre am anregendsten, die zum regelmässigen Aufspringen vom Pult und zum Griff nach Sekundärliteratur reizt. Trotzdem bleibt der Eindruck zurück, dass der Verlag mit gehobenem Mittelmass zufrieden war, wo Exzellenz möglich gewesen wäre.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Margret Karola Nollé, Kreta in Flugbildern von Georg Gerster. Zaberns Bildbände zur Archäologie. Mainz am Rhein, Philipp von Zabern 2009. ISBN 978 3 8053 3832 5.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6238753383438033981?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6238753383438033981/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/was-ikarus-sah.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6238753383438033981'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6238753383438033981'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/was-ikarus-sah.html' title='Was Ikarus sah'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-432137990354151697</id><published>2011-09-22T14:54:00.001+02:00</published><updated>2011-09-22T14:57:51.381+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tanz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Musik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Wiederaufnahmen</title><content type='html'>&lt;p&gt;Der nahende Herbst bedeutet Saisonstart auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Der Newsletter des &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/"&gt;Stadttheaters Bern&lt;/a&gt; weist mich darauf hin, dass zwei Stücke, die ich letzte Saison gesehen und über die ich geschrieben habe, in den nächsten Wochen nochmals über die Bühne gehen: der tapsig-mysteriöse &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/625-parzival.html"&gt;&lt;i&gt;Parzival&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von Lukas Bärfuss nach Wolfram von Eschenbach und die witzig-rasante &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/616-semele.html"&gt;&lt;i&gt;Semele&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von Georg Friedrich Händel. Wer sich also von meinen immer etwas zu spät &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/parzival-reiner-tor.html"&gt;publizierten&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/08/beim-zeus-das-swingt.html"&gt;Rezensionen&lt;/a&gt; inspiriert fühlt, hat hier die Gelegenheit, etwaige Lücken zu füllen. Und wenn wir schon dabei sind: Im Juni 2012 wird auch das Ballett &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/12/herren-unserer-zeit.html"&gt;&lt;i&gt;Momo&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; wieder aufgenommen, und zwar gleich &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/643-momo.html"&gt;fünf Mal&lt;/a&gt;. Grossen und kleinen Märchenfreunden empfehle ich, die Daten jetzt schon zu notieren.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-432137990354151697?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/432137990354151697/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/wiederaufnahmen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/432137990354151697'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/432137990354151697'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/wiederaufnahmen.html' title='Wiederaufnahmen'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7421159221210648668</id><published>2011-09-17T19:27:00.002+02:00</published><updated>2011-09-17T19:30:46.505+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>La solitudine dei numeri primi</title><content type='html'>&lt;p&gt;Primzahlen (auch Nicht-Mathematiker erinnern sich) sind Zahlen, die nur durch eins und sich selber teilbar sind, also mit keiner anderen Zahl einen gemeinsamen Nenner haben: Einzelgänger im Reich der Zahlen gewissermassen, selbst ihresgleichen nie richtig nah, sondern nur mit Distanz aufeinander folgend. Mit Primzahlen werden Alice und Mattia verglichen, die Hauptfiguren im Film &lt;a href="http://www.kataweb.it/cinema/film/speciali/index.html?speciale=lasolitudinedeinumeriprimi"&gt;&lt;i&gt;La solitudine dei numeri primi&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; nach dem gleichnamigen &lt;a href="http://www.librimondadori.it/web/mondadori/scheda-libro?isbn=978880457702"&gt;Erfolgsroman&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://www.paologiordano.it/"&gt;Paolo Giordano&lt;/a&gt;. Alice und Mattia lernen sich im Gymnasium kennen, und sogleich ist eine merkwürdige, starke gegenseitige Faszination spür- und sichtbar. Da haben zwei einen Draht zueinander gefunden, die ansonsten beide Aussenseiter und Einzelgänger sind, zurückgezogen in ihrer imaginären Kugel, welche von aussen fast nur durch die Gemeinheiten der Kolleginnen durchbrochen wird – und beide leiden an einer tiefen Wunde, die auf ihre Kindheit zurückgeht: Alice wurde von ihrem jovial-ehrgeizigen Vater zum Skitalent herangezüchtet, bis sie übermüdet im Nebel beide Beine brach und seither staksig auf Prothesen geht. Der hochbegabte Mattia musste sich fast Tag und Nacht um seine autistische kleine Schwester kümmern. Aus schierer Verzweiflung deponierte er sie eines Tages, statt sie zum Kindergeburtstag mitzunehmen, kurz auf einer Parkbank; als er nach Stunden endlich zurückkehrte, war sie verschwunden und ist nie mehr aufgetaucht.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dieser Schrecken enthüllt sich allmählich, als Regisseur &lt;a href="http://www.imdb.com/name/nm0182459/"&gt;Saverio Costanzo&lt;/a&gt; behutsam zwischen Kindheit, Pubertät und Erwachsenenalter von Alice und Mattia hin- und herwechselt. Abweisende Architektur, trostloses Mobiliar, Nebel und Regen sind die Kulissen für kurze, beklemmende Szenen in den zwei Leben. Erst nach ihren Uniabschlüssen, als wir die beiden bei einer Hochzeitsfeier wieder sehen, mischt sich eine zärtliche Hoffnung in die omnipräsente Beklemmung. Doch im Ganzen bleibt &lt;i&gt;La solitudine dei numeri primi&lt;/i&gt; ein trauriger Film. Für die drei Alice und Mattia hat Costanzo hervorragende Schauspielerinnen und Schauspieler gefunden, allen voran die wunderbare &lt;a href="http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/tips/156148/index.html"&gt;Alba Rohrwacher&lt;/a&gt;, die der erwachsenen Alice gleichzeitig Eleganz und tiefe Traurigkeit verleiht.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;In einer Art Coda sehen wir die Protagonisten am Schluss wieder – Alice nach gescheiterter Ehe völlig von der Rolle und bis zur Unkenntlichkeit abgemagert; Mattia, wiewohl erfolgreicher Wissenschaftler, mit dem wirren Bart und leeren Blick eines russischen Mönchs. Ist ihre inzwischen ferne Verbundenheit genügend stark, um die beiden noch einmal aus dem Elend ziehen? Mit dieser Frage endet der Film.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Die Einsamkeit der Primzahlen läuft nur noch &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2010/LaSolitudineDeiNumeriPrimi/cinema.html"&gt;vereinzelt&lt;/a&gt; in Schweizer Kinos. Ich verweise deshalb auf die &lt;a href="http://www.amazon.de/Einsamkeit-Primzahlen-Solitude-solitudine-Italienische/dp/B004P3O74S/"&gt;DVD&lt;/a&gt; sowie auf die deutsche &lt;a href="http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=347359"&gt;Übersetzung&lt;/a&gt; des Romans.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7421159221210648668?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7421159221210648668/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/la-solitudine-dei-numeri-primi.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7421159221210648668'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7421159221210648668'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/la-solitudine-dei-numeri-primi.html' title='La solitudine dei numeri primi'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7008632164539232769</id><published>2011-09-04T12:58:00.001+02:00</published><updated>2011-09-04T13:10:51.423+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Katzenfüttern am Grab</title><content type='html'>&lt;p&gt;Ich bin vornehmlich ein Gelegenheitsleser. Das heisst nicht in erster Linie, dass ich dann lese, wenn ich Gelegenheit dazu habe – denn auf Gelegenheiten soll man nicht warten, man schafft sie sich –, sondern vielmehr, dass ich das lese, wozu ich Gelegenheit habe, konkret: irgendein Buch, das halt hier grad so im Regal steht. Viele dieser Bücher sind irgendwann einmal von jemandem aussortiert worden und direkt oder indirekt bei mir gelandet. So ist mein Leseprogramm hauptsächlich vom Zufall zusammengestellt, und nur bei der Priorisierung greife ich selber noch helfend ein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eines dieser Bücher, das ich selber vielleicht nie gekauft hätte, aber mit Genuss gelesen habe, ist &lt;a href="http://www.thomas-huerlimann.ch/"&gt;Thomas Hürlimann&lt;/a&gt;s Novelle &lt;a href="http://www.fischerverlage.de/buch/das_gartenhaus/9783596146888"&gt;&lt;i&gt;Das Gartenhaus&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Eine Novelle, so erinnert sich der Maturus, ist eine (in der Regel relativ kurze) Geschichte, die um eine unerhörte Begebenheit kreist. Die unerhörte Begebenheit im &lt;i&gt;Gartenhaus&lt;/i&gt; klingt, wenn ich sie hier notiere, vielleicht etwas banal: Ein pensionierter Oberst füttert heimlich eine Katze, die um den Grabstein seines vor der Zeit verstorbenen Sohnes kreist, durch den Winter. Wie er sich dabei aber anstellt – das ist freilich unerhört. Militärisches Räsonieren ist in des Obersten Kopf dermassen fest verdrahtet, dass er nahtlos in den Manövermodus schaltet und in militärischen Kategorien zu denken beginnt: Nachschub muss organisiert werden, Lagerung und Versorgung müssen vor den Augen des Feindes verborgen werden, Kreativität und persönliche Opfer sind gefragt; und dabei unterlaufen dem alternden Regimentskommandanten mehrfach peinliche Fehler. Einmal mehr bin ich beeindruckt, welch unerschöpfliche Quelle für ironisches Amusement der schweizerische Militärjargon ist! Aber natürlich erschöpft sich die Novelle nicht in Gefechtsprosa. Vielmehr gibt sie Einblick in eine Fabrikantendynastie, welche zwar wacker die Traditionen und den schönen Schein aufrecht erhält, damit aber nur noch behelfsmässig verdecken kann, dass körperliche und seelische Gebrechlichkeit unerbittlich fortschreiten und ihre Opfer fordern, genauso wie der Zahn der Zeit bedrohlich an der Villa nagt, in der eigentlich nur noch die Leere mächtig ist. Zufluchtsort wird am Schluss das titelgebende Gartenhaus – Zufluchtsort und gleichzeitig Ort eines letzten Wiederfindens zwischen dem Obersten und seiner Frau.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Korpsgeist in Militär und Dynastie kennt der &lt;a href="http://www.admin.ch/br/dokumentation/mitglieder/details/index.html?lang=de&amp;amp;id=89"&gt;Bundesratssohn&lt;/a&gt; Hürlimann natürlich aus eigener Lebenserfahrung. Das Sittengemälde einer gutbürgerlichen Familie, dieses Pfeilers von Staat und Armee, ist ihm jedenfalls lebensecht gelungen. Es ist kein Zufall, dass Thomas Hürlimann in den seltenen Fällen, wenn er sich aus seinem Berliner Exil zu &lt;a href="http://www.faz.net/artikel/C31315/ein-eidgenosse-erklaert-die-schweiz-herr-steinbrueck-sie-haben-mundgeruch-30099512.html"&gt;Schweizer&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Ich-bin-Patriot-auch-wenn-ich-nicht-aufs-Ruetli-pilgere/story/26539165"&gt;Gegenwartsfragen&lt;/a&gt; äussert, aktuelle Sachverhalte präziser erfasst und treffender benennt als viele andere. &lt;i&gt;Das Gartenhaus&lt;/i&gt; zeigt einmal mehr: Hürlimann hat intimstens verstanden, wie die Schweiz der letzten paar Jahrzehnte funktioniert hat.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Thomas Hürlimann, Das Gartenhaus. Novelle. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch Verlag 1993 (ursprünglich Zürich, Ammann 1989). ISBN 3 596 11878 6 (bzw. neu 978 3 596 14688 8).&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7008632164539232769?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7008632164539232769/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/katzenfuttern-am-grab.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7008632164539232769'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7008632164539232769'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/09/katzenfuttern-am-grab.html' title='Katzenfüttern am Grab'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3414465572791053543</id><published>2011-08-26T08:45:00.003+02:00</published><updated>2011-10-02T18:29:50.027+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kulturhttp://www.blogger.com/img/blank.gif'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Azur und Asmar</title><content type='html'>&lt;p&gt;Wenn mir der Animationsfilm &lt;a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Azur_et_Asmar"&gt;&lt;i&gt;Azur und Asmar&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, den wir kürzlich auf DVD gesehen haben, in Erinnerung geblieben ist, dann liegt das nicht unbedingt an seiner Geschichte. Die ist einigermassen banal, ein Konglomerat aus &lt;i&gt;Prinz und Bettelknabe&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Zauberflöte &lt;/i&gt;und &lt;i&gt;Tausendundeiner Nacht&lt;/i&gt;: Der hellhäutige Azur und der dunkelhäutige Asmar sind Milchbrüder, erzogen von Asmars Mutter im Schloss von Azurs Vater, bis die Amme und ihr Kind des Landes verwiesen werden. Erwachsen geworden, bricht Azur in die Fremde auf, um die Fee der Dschinns aus den Erzählungen seiner Kindheit zu suchen und zu befreien. Jenseits des Meeres entdeckt er, dass seine Amme inzwischen eine reiche und mächtige Frau ist, und macht sich dann zusammen mit seinem zunächst widerstrebenden Milchbruder auf die anstrengende und gefährliche Suche nach der Fee. Die Überwindung von Vorurteilen, der Lohn der guten Tat und die Brüderlichkeit über alle Grenzen hinweg sind die Themen dieses Films, die gelegentlich etwas arg eindimensional wirken. &lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Grossartig ist hingegen die künstlerische Umsetzung. &lt;i&gt;Azur und Asmar&lt;/i&gt; ist keiner dieser Animationsfilme, die mit unbegrenztem Einsatz von Rechenpower aus der Zweidimensionalität in eine fotorealistische Welt entfliehen wollen. Die Bildsprache ist ausgesprochen grafisch, stark schematisiert und vor allem durch eine überbordende orientalistische Ornamentik geprägt. Die &lt;a href="http://twitchfilm.com/mastheads/uploads/azur_et_asmar_mh3_2.jpg"&gt;architekturalen Dekorationen&lt;/a&gt;, aber dann auch die &lt;a href="http://www.gkids.com/azur/AZUR_AND_ASMAR_7.jpg"&gt;Kleider&lt;/a&gt;, die &lt;a href="http://www.gkids.com/azur/AZUR_AND_ASMAR_4.jpg"&gt;Accessoires&lt;/a&gt;, ja sogar &lt;a href="http://www.gkids.com/azur/AZUR_AND_ASMAR_10.jpg"&gt;Blumen&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.gkids.com/azur/AZUR_AND_ASMAR_8.jpg"&gt;Wälder&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.gkids.com/azur/AZUR_AND_ASMAR_1.jpg"&gt;Löwenmähne&lt;/a&gt; sind Kunst gewordene Geometrie. &lt;span style="font-size:85%;"&gt;(Vorsicht, die verlinkten Bilder sind riesig! Noch mehr Bilder gibts &lt;a href="http://www.gkids.com/azur.html"&gt;hier&lt;/a&gt;.)&lt;/span&gt; Da verbinden sich Farben und Formen zu betörenden, vexierbildähnlichen Tableaus. Das ist schlicht wunderschön und ein kontinuierliches, sehr sehenswertes Fest für die Augen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Azur und Asmar, 2006 erschienen, ist ein Werk von &lt;a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Michel_Ocelot"&gt;Michel Ocelot&lt;/a&gt;, dem Schöpfer von &lt;a href="http://www.kirikou-lefilm.com/"&gt;Kirikou&lt;/a&gt;. Der Film ist auf &lt;a href="http://www.amazon.de/Azur-Asmar-Gabriel-Yared/dp/B005BZ6N50/"&gt;DVD&lt;/a&gt; verfügbar, ein &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=80WFVB1EHT0"&gt;Trailer&lt;/a&gt; findet sich auf Youtube. &lt;span style="font-size:85%;"&gt;(Leider sind alle französischen Versionen, die ich gefunden habe, von mittelmässiger Qualität und vermitteln die Magie der Bilder nicht wirklich; deshalb verlinke ich den englischen Trailer.)&lt;/span&gt; Die offizielle Website des Films, &lt;a href="http://www.azuretasmar-lefilm.com/"&gt;http://www.azuretasmar-lefilm.com/&lt;/a&gt;, scheint nicht mehr in Betrieb zu sein, jedenfalls von hier aus. Zum gleichnamigen &lt;a href="http://www.amazon.de/EMME-Deutschland-GmbH-Azur-Asmar/dp/B000K15FI6/"&gt;Videogame&lt;/a&gt; kann ich nichts sagen; optisch scheint es allerdings ebenso überwältigend zu sein wie der Film.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3414465572791053543?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3414465572791053543/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/08/azur-und-asmar.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3414465572791053543'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3414465572791053543'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/08/azur-und-asmar.html' title='Azur und Asmar'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5691070097930811803</id><published>2011-08-05T17:31:00.003+02:00</published><updated>2011-08-05T17:35:27.943+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Musik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Beim Zeus, das swingt!</title><content type='html'>&lt;p&gt;Mit einem letzten Nachtrag schliessen wir den Kreis der Spielstätten und der Sparten: Nach &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/flight-of-gravity.html"&gt;Ballett&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/capri-einfach.html"&gt;Theater&lt;/a&gt; geht es heute um die Oper, und zwar um Händels &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/archiv/archiv_1011/616-semele.html"&gt;&lt;i&gt;Semele&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Das ist, um genau zu sein, &lt;i&gt;An Opera in the manner of an Oratorio&lt;/i&gt;; und vielleicht stehen deshalb, als sich der Vorhang hebt, vier Notenpulte und vier Stühle in Reih und Glied auf der Bühne des Berner Stadttheaters. Aber konzertant gesittet wird der Abend ganz und gar nicht, im Gegenteil: Pulte und Stühle fliegen schon bald weg und kippen um, und die explosive Geschichte nimmt unkontrolliert ihren Lauf. Sie ist ja auch &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Semele_%28Mythologie%29"&gt;vertrackt&lt;/a&gt; genug: Semele ist die Tochter des thebanischen Königs Kadmos. Sie ist eine Geliebte des Zeus, soll aber Athamas heiraten, in den wiederum ihre Schwester Ino unsterblich verliebt ist, und muss, falls das mit Zeus ernsthafter wird, die Rache der Hera fürchten. Menschen und Götter – es ist kompliziert. Zunächst freilich erscheint alles sehr einfach: Der Göttervater sprengt mit Blitz, Donner und goldenem Regen in letzter Sekunde die Hochzeit und holt die Geliebte zu sich. Dann nimmt das Verderben seinen Lauf. Einerseits langweilt sich Semele im Olymp schon bald – der Geliebte ist ständig auf Achse, und auch Ino, welche Zeus ihr hastig als Gesellschafterin herbeiholt, kann sie nicht trösten. Anderseits spinnt Hera, zunächst furios erregt, dann immer gefasster, ihren heimtückischen Gegenangriff. Beides fliesst in einer genial-perfiden Idee der Göttermutter zusammen: Sie gibt Semele die Idee ein, von Zeus als Liebesbeweis zu verlangen, er möge sich ihr nicht in menschlicher Verkleidung, sondern in seiner wahren göttlichen Gestalt zu zeigen. Sonnenklar, dass die frustrierte Sterbliche darauf reinfällt, dass Zeus sie vergeblich warnt, und dass sie von der unaushaltbaren Erscheinung geblendet stirbt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Newburgh Hamilton und William Congreve haben die von Ovid vorgezeichnete Handlung in ein ausgezeichnetes Libretto gegossen – so knapp, als hätten sie jedes Wort einzeln abgewogen; und trotzdem fehlt nichts, geht alles zwangslos ineinander über: keine Spur von Langfädigkeit, wie sie mir bei anderen Barockopern auch schon aufgefallen ist. Händel gibt (&lt;i&gt;in the manner of an Oratorio&lt;/i&gt;, wir erinnern uns) dem Chor überraschend viel Platz, und auch das tut dem Stück gut. Es erlaubt dem Regisseur &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/archiv/archiv_1011/709-jakob-peters-messer.html"&gt;Jakob Peters-Messer&lt;/a&gt;, viel Handlung und Leben auf die Bühne zu bringen. Die Ansätze zur Komödie, die in der Vorlage enthalten sind, nimmt er dankbar auf, überzeichnet da und dort einiges (worunter, wie so oft, die eifersüchtige Göttergattin Hera am meisten leidet). Grossartig etwa ist die lange Szene, in der Semele, assistiert von der zunehmend verzweifelten Ino, aus hundert Paar schwarzen Pumps ihren Favoriten küren soll. Das Berner Symphonieorchester (in Barockbesetzung, optisch wunderbar mit Cembali und Theorbe) wurde von George Petrou geleitet und begleitete ein durchwegs überzeugendes Solistenensemble. Eine Erwähnung hätten alle verdient; geblieben ist mir der souveräne Jupiter des Andries Cloete, ein Klischee-Playboy mit Schmalzlocke und offenem Morgenmantel, der mit perlend leichter, grossartiger Stimme seinen Goldregen begleitete.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;In die Oper gehe ich, wie der aufmerksame Leser weiss, ausnehmend selten – wohl eine Frage persönlicher Vorlieben und Prioritäten. Was dabei gelegentlich zu verpassen ist, hat mir &lt;i&gt;Semele&lt;/i&gt; gezeigt: ein Gesamtkunstwerk, in dem Musik, Bewegung und Handlung nahtlos ineinander und in einen viel-sinnigen Genuss übergehen. Und in dem Witz und Anspielungen nicht zu kurz kommen. Die Geschichte ist mit Semeles tragischem Tod nämlich noch nicht zu Ende: Aus ihrer Asche überlebt ihr ungeborener Sohn mit Jupiter, Bacchus, der Gott der Ekstase. Und so flitzt der Kleine zuletzt über die Bühne, rennt zielstrebig auf die Magnum-Flasche zu und serviert als Schlussbouquet überreichlich Champagner…&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Semele wird im Herbst am Stadttheater Bern nochmals für vier Vorstellung &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/616-semele.html"&gt;wiederaufgenommen&lt;/a&gt;. Für einmal bin ich also mit meiner Rezension nicht nur zu spät…&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5691070097930811803?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5691070097930811803/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/08/beim-zeus-das-swingt.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5691070097930811803'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5691070097930811803'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/08/beim-zeus-das-swingt.html' title='Beim Zeus, das swingt!'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7404330320516826178</id><published>2011-07-23T18:40:00.003+02:00</published><updated>2011-07-23T18:45:42.391+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Capri einfach</title><content type='html'>&lt;p&gt;Weiter geht’s hier mit den &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=OfyxDfBh8CI"&gt;&lt;i&gt;Nachklängen aus dem Theater&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, um es mit Robert Schumann zu sagen. Gemeint ist diesmal das Theater an der Effingerstrasse, wo ich Ende Mai Büchners &lt;a href="http://www.dastheater-effingerstr.ch/index.php?page=2000&amp;amp;act=16"&gt;&lt;i&gt;Leonce und Lena&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; gesehen und sehr genossen habe. Ich kann allerdings nicht genau sagen, ob der Genuss zuvorderst der Inszenierung geschuldet war – oder nicht vielmehr der grenzenlosen Verehrung, die ich &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_B%C3%BCchner"&gt;Georg Büchner&lt;/a&gt; und seinem gesamten Werk entgegenbringe. Als er 1837 mit dreiundzwanzigeinhalb Jahren an Typhus starb, hatte Büchner nicht nur bereits vier Werke geschaffen, die zum Kanon der deutschsprachigen Literatur gehören. Er hatte darüber hinaus eine vielversprechende wissenschaftliche Karriere in der vergleichenden Anatomie gestartet, die ihn nach Studien in Giessen und Strassburg bis zur Stellung eines Privatdozenten an der Universität Zürich brachte. Und er hatte gleichzeitig in seinem heimatlichen Hessen mit wachem Verstand und scharfer Feder gegen den absolutistischen Landesfürsten aufbegehrt, was ihm Verfolgung und Verbannung einbrachte und ihn eben nach Zürich führte, wo die gerade neu gegründete &lt;a href="http://www.uzh.ch/about/portrait/history.html"&gt;Universität&lt;/a&gt; sich ganz bewusst und aktiv als Zufluchtsort für verfolgte Freigeister aus den deutschen Gross- und Kleinfürstentümer positionierte. &lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Büchners einziges Lustspiel &lt;i&gt;Leonce und Lena&lt;/i&gt; ist ein ebenso politisches Stück wie seine revolutionäre Flug- und Denkschrift &lt;a href="http://de.wikisource.org/wiki/Der_Hessische_Landbote"&gt;&lt;i&gt;Der Hessische Landbote&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Sein König Peter vom Reiche Popo wäre gerne ein Denker, ist aber nur ein Wirrkopf, umgeben von einem Hofstaat ängstlicher, stiefelleckender Lakaien, währenddem Landrat und Schulmeister die Bauern zum Jubeldienst drillen. Die Absurdität der Macht und ihre Verachtung für das Volk treten schonungslos zu Tage; die Karikatur ist von schneidender Schärfe. Der Sohn des Königs freilich, Prinz Leonce, ist eher ein Träumer und Romantiker, und als sein Vater ihn zur Hochzeit mit Prinzessin Lena vom Reiche Pipi zwingen will, reisst er aus: Nach Italien will er, ins gelobte Land der Sonne und Freiheit. Dass er dort ebendieser Prinzessin Lena über den Weg läuft, die ihrerseits vor der Zwangsheirat geflüchtet ist, und dass sich die beiden als Seelenverwandte erkennen und unerkannter Weise ineinander verlieben, gibt dem Stück eine Wendung zur romantischen Komödie, allerdings durch gehörige Ironie ebenso abgemildert wie durch den sprühenden Sprachwitz – das Werk eines wahren Meisters der Sprache, kontinenteweit entfernt von jenen oberflächlichen Brechstangen-Wortspielen, die die heutigen „Comedy“-Bühnen bevölkern.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Aber es wäre ungerecht, hier nur vom Stück und nicht von der Inszenierung an der Effingerstrasse zu sprechen. Auch diese hatte ihre Glanzlichter. Geblieben ist mir Uwe Schönbecks Interpretation des Lebenskünstlers Valerio, des Vertrauten des Prinzen. (Das ist die Figur, die sich auf die Frage nach ihrem Beruf mit dem unübertrefflichen Satz einführt: „Herr, ich habe die grosse Beschäftigung, müssig zu gehen.“) Schönbeck spielte – wieder einmal, möchte ich sagen – in erster Linie sich selbst, war aber die ideale Besetzung für seine Rolle. Grossartig in ihrer ernsthaften Absurdität waren Jesko Stubbe als König Peter vom Reiche Popo und seine Adlaten, Berater und Sicherheitskräfte Aaron Frederik Defant und Thomas Handzel. Weniger gefesselt hat mich passagenweise das glückliche Paar Leonce und Lena. Wie sie aber ausgerechnet die Szene, die im Buch vielleicht am wenigsten überzeugt, die Szene ihrer Begegnung, gestalteten, wie sie den &lt;i&gt;einen&lt;/i&gt; Wortwechsel, an dem alles hängt, mit dermassen viel Leben füllten, dass einem das Herz warm wurde, war ganz grosse Schauspielkunst. So soll Leonce das letzte Wort dieses Artikels gehören, wie ihm das letzte Wort des Stückes gehört: mit einer so radikalen wie liebevollen politischen Utopie, die heute nicht weniger wünschenswert und dringlich ist, als sie es 1836 war:&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Nun, Lena, siehst du jetzt, wie wir die Taschen voll haben, voll Puppen und Spielzeug? Was wollen wir damit anfangen? Wollen wir ihnen Schnurrbärte machen und ihnen Säbel anhängen? Oder wollen wir ihnen Fräcke anziehen und sie infusorische Politik und Diplomatie treiben lassen, und uns mit dem Mikroskop danebensetzen? Oder hast du Verlangen nach einer Drehorgel, auf der die milchweißen ästhetischen Spitzmäuse herumhuschen? Wollen wir ein Theater bauen? (Lena lehnt sich an ihn und schüttelt den Kopf.) Aber ich weiß besser, was du willst: wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht. Und dann umstellen wir das Ländchen mit Brennspiegeln, dass es keinen Winter mehr gibt und wir uns im Sommer bis Ischia und Capri hinaufdestillieren, und das ganze Jahr zwischen Rosen und Veilchen, zwischen Orangen und Lorbeer stecken.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: An der Effingerstrasse wird längst die neue (vielversprechende) Saison geplant… Leonce und Lena ist selbstredend in den diversesten Ausgaben verfügbar, zum Beispiel – &lt;a href="http://www.reclam.de/detail/978-3-15-018420-2/"&gt;gleich&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.reclam.de/detail/978-3-15-018248-2/"&gt;mehrmals&lt;/a&gt; – in den gelben Büchlein, aber auch online bei &lt;a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Leonce+und+Lena"&gt;zeno.org&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7404330320516826178?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7404330320516826178/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/capri-einfach.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7404330320516826178'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7404330320516826178'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/capri-einfach.html' title='Capri einfach'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3886415719697453689</id><published>2011-07-17T13:58:00.002+02:00</published><updated>2011-07-17T14:02:18.617+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tanz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Flight of Gravity</title><content type='html'>&lt;p&gt;Wenn hier im Blog die &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/klangraum-bollwerk.html"&gt;Rede&lt;/a&gt; auf &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/heilige-scheisse.html"&gt;Festivals&lt;/a&gt; zu kommen beginnt, ist das ein untrügliches Zeichen, dass die Theatersaison vorbei ist. Die Programme sind durch, die Dernièren gespielt; und während auf Plätzen und in Pärken &lt;a href="http://jazzparade.ch/"&gt;Jazz&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.open-air-kino.ch/cgi-bin/r_fribourg.pl"&gt;Film&lt;/a&gt; und mehr unter freiem Himmel zelebriert werden, schlummern die Bühnen ihren verdienten Sommerschlaf. Für den Schreibenden ist der Saisonschluss allerdings häufig eine Zeit, in der auch diverses Anderes abgeschlossen wird, was hier im Blog regelmässig zu Verspätungen führt. Deshalb ist einiges nachzutragen, und ich beginne mit dem Bericht zum letzten Ballettabend der Saison am &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/"&gt;Stadttheater Bern&lt;/a&gt;. Nachdem wir das zweite Programm schmählich verpasst hatten, schafften wir es &lt;i&gt;in extremis&lt;/i&gt; dann gerade noch an die, eben, Dernière von &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/archiv/archiv_1011/645-flight-of-gravity.html"&gt;&lt;i&gt;Flight of Gravity&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Soviel sei schon zusammengefasst: Es wäre jammerschade gewesen, diesen kurzen, intensiven Abend zu verpassen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ohne es geplant zu haben, kamen wir genau in dem Moment im Vidmar-Foyer an, als Ballettchefin &lt;a href="http://cathymarston.com/"&gt;Cathy Marston&lt;/a&gt; und Dramaturgin &lt;a href="http://www.facebook.com/profile.php?id=1395727603"&gt;Wanda Puvogel&lt;/a&gt; ihre kurze Werkeinführung begannen. Anlass und Anstoss zu ihrer Kreation war der fünfzigste Todestag des Komponisten Bohuslav Martinů, 1959 im Liestaler Exil. Die &lt;a href="http://www.martinu.ch/de/home"&gt;Martinů-Festtage&lt;/a&gt; regten alle Musiktheater in der Schweiz an, zu diesem Gedenktag ein Werk von Martinů auf die Bühne zu bringen. Währenddem die meisten Häuser dieser Anregung mit Operninszenierungen nachkamen, machte sich in Bern Cathy Marston für einen Ballettabend zu Martinus Musik stark. Die Wahl fiel auf das &lt;i&gt;Concerto da Camera&lt;/i&gt;, das ergänzt wurde um barocke (Tartini) und moderne Musik (Silvestrov und Penderecki). Ein grosszügiges Sponsorenengagement ermöglichte die Zusammenarbeit mit der &lt;a href="http://cameratabern.ch/"&gt;Camerata Bern&lt;/a&gt;, die live auf der Bühne musiziert. Die Figuren für ihr Ballett borgte sich Cathy Marston bei &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Milan_Kundera"&gt;Milan Kundera&lt;/a&gt; aus. Das Liebesdreieck aus &lt;i&gt;Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins&lt;/i&gt; – der Verführer Tomas, die zurückhaltende Teresa und die impulsive Sabina – liefert den Rohstoff für Charaktere und Beziehungen. Durch die Aufspaltung der drei Figuren auf jeweils drei Tänzerinnen und Tänzer schält die Choreografin ihre einzelnen Eigenschaften und Aspekte heraus.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Zum Abschluss der kurzen Einführung sagte Wanda Puvogel dann noch dies: Mit dem Wissen um diesen Hintergrund, nämlich die Musik, die Hauptpersonen und die dargestellten Gefühle, kann man das Ballett mit dem Kopf wahrnehmen. Man kann es aber genauso gut mit dem Bauch tun, kann Musik, Kostüme, Bewegungen einfach auf sich wirken lassen. Ob es an der Komplexität von &lt;i&gt;Flight of Gravity&lt;/i&gt; lag oder an meiner Müdigkeit – genau das habe ich getan. Deshalb, und so Leid es mir tut, bin ich nun ausser Stande, hier eine tiefschürfende Analyse zu geben. Ich kann einzig einige der Glanzlichter rapportieren. Die Bühne wäre zu erwähnen, eine sobre, aber raffinierte Etagenkonstruktion, die zuoberst dem (stehenden) Orchester Platz bot und vorne, auf einem Mezzanin-Niveau, dem Pianisten, währenddem über Treppen und durch Öffnungen die Tänzerinnen und Tänzer zirkulierten. Die verschwenderische Choreografie wäre zu nennen – das Bern:Ballett trat mit Verstärkung von jungen Tänzerinnen und Praktikantinnen an, und ein normal multitasking-fähiger (oder eben unfähiger) Betrachter hätte mehrere Augenpaare gebraucht, um allem zu folgen. Schon zur Genüge bekannt, aber deswegen nicht weniger eindrücklich, sind Cathy Marstons kreative Sicherheit und die Perfektion, mit welcher das Bern:Ballett ihre Ideen umsetzt. Die Musik schliesslich erwies sich als stupend tanzbar, und die Vermählung von barocken und zeitgenössischen Stücken zeugt von einem universellen Wissen und einem Verständnis des Gegenstandes, die sich der Vorstellungskraft des Laien entziehen. Ein an Dichte, aber auch an Schönheit kaum zu übertreffender Tanzabend bildete dergestalt meinen Schlusspunkt der Saison. Und es bleibt mir nur zu sagen, dass ich mich schon riesig auf die nächste freue.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Wie gesagt, es war die Dernière. Wer das Stück verpasst hat, kann nur schwach hoffen, dass irgendwann eine Wiederaufnahme angesagt wird… Einen guten Einblick in das optische und akustische Erlebnis bietet in gewohnt hoher Qualität das Video auf &lt;a href="http://art-tv.ch/7556-0-Stadttheater-Bern-Flight-of-Gravity.html?reg=19"&gt;art-tv.ch&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3886415719697453689?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3886415719697453689/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/flight-of-gravity.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3886415719697453689'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3886415719697453689'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/flight-of-gravity.html' title='Flight of Gravity'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-9209057214999920374</id><published>2011-07-11T19:51:00.005+02:00</published><updated>2011-09-04T13:12:17.148+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Heilige Scheisse</title><content type='html'>&lt;p&gt;Zunächst ein kleiner Tusch: Dies ist der zweihundertste Artikel auf &lt;i&gt;Phemios Aoidos&lt;/i&gt;. Ta-daa! Ich bin selber vielleicht am meisten beeindruckt von diesem Output (wohl etwa soviel wie meine Lizarbeit und sämtliche Seminare zusammen, aber wesentlich lesbarer). Der zukünftige Herausgeber meiner gesammelten Werke wird richtig was zu tun haben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Von der Selbstbeweihräucherung jetzt aber ganz schnell wieder zurück in den Freiburger Festivalsommer. Wie zur Bestätigung &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/klangraum-bollwerk.html"&gt;meines letzten Artikels&lt;/a&gt;, in dem ich das Belluard-Festival als Wundertüte charakterisiert hatte, erlebten wir drei Tage nach der mittelmässig überzeugenden Klanginstallation im Bollwerk einen spritzigen, vielschichtigen und tiefsinnigen Abend in der &lt;i&gt;Ancienne Gare&lt;/i&gt;. Anlass: die Projektion des Filmes &lt;a href="http://www.belluard.ch/node/703"&gt;&lt;i&gt;Chacun sa merde&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von Hugues Peyret.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ein so respektloser Titel verlangt nach einer Erläuterung. Thema des Films ist das Kunstprojekt (ich nenns jetzt einmal so) &lt;a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Merda_d%27Artista"&gt;&lt;i&gt;Merda d’artista&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; des italienischen Künstlers &lt;a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Merda_d%27Artista"&gt;Piero Manzoni&lt;/a&gt;. Dieser produzierte 1961 neunzig kleine &lt;a href="http://www.pieromanzoni.org/opere_merda.htm"&gt;Konservendosen&lt;/a&gt;, nummeriert, signiert und mit einer Etikette versehen, auf der in vier Sprachen zu lesen ist: &lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-style: italic;"&gt;Künstlerscheisse&lt;br /&gt;Inhalt netto 30 g&lt;br /&gt;Natürlich erhalten&lt;br /&gt;Dosenprodukt Mai 1961&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Manzoni setzte den Verkaufspreis seiner Dosen auf den Gegenwert ihres Gewichts in Gold fest. Nach dem frühen Tod des Künstlers, zwei Jahre nach der Dosenproduktion, im Alter von erst dreissig Jahren, begannen das Interesse an und die Nachfrage nach seinen Werken bald gewaltig zu steigen. Die &lt;i&gt;Merda&lt;/i&gt;-Dosen wurden zu Stammgästen in Museen, Ausstellungen und auf Auktionen; ihr Preis entwickelte sich weitgehend parallel zu den Zyklen auf dem Kunstmarkt. In den Boomjahren gegen Ende des letzten Jahrtausends erreichte er den Wert von drei Kilo Gold; im Oktober 2008 ging eine Dose bei Sotheby’s gar für beinahe &lt;a href="http://www.sothebys.com/en/catalogues/ecatalogue.html/2008/20th-century-italian-art-l08624#/r=/en/ecat.fhtml.L08624.html+r.m=/en/ecat.lot.L08624.html/17/"&gt;hunderttausend Pfund Sterling&lt;/a&gt; weg.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Wenn das erste Nasenrümpfen über die unflätige Idee mal durch ist, merkt man bald und unweigerlich, wie vielschichtig und facettenreich Manzonis Werk ist, welche Gedankenstränge es eröffnet, welche Assoziationen es auslöst. Meine erste, leicht verstörte Frage war: Verarscht der uns jetzt, oder ist das ernst? Ist das ein richtiges Kunstwerk, oder ein Kommentar zum Kunstbetrieb auf irgendeiner Meta-Ebene? Unzweifelhaft ist ihm letzteres überragend gelungen. Wie die Preiskurve der Dosen die Fieberkurve des internationalen Kunstbetriebs getreulich abbildet, ist fast zu schön, um wahr zu sein. Gleichzeitig werden in den Gesprächen mit den Besitzern und Kuratoren andere Mechanismen des Kunstmarktes deutlich. Beispielsweise steigt der Wert einer Dose, wenn sie in einer renommierten Publikation abgebildet oder in einer wichtigen Ausstellung vertreten war. Ein italienischer Sammler kriegte sich kaum mehr ein vor Freude, dass seine Leihgabe ans Centre Pompidou in einer Fernseh-Dokumentation prominent zu sehen war: Beim Weiterverkauf wird er tüchtig Kasse machen! So trägt jeder aktuelle oder künftige Besitzer, jede Auktion, jede Ausstellung, ja eigentlich jede öffentliche Äusserung zum Gesamtkunstwerk &lt;i&gt;Merda d’artista&lt;/i&gt; bei.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Man kann natürlich auch die weniger kommerziellen und mehr kunstgeschichtlichen Aspekte in den Blick nehmen. Dass die Künstlersignatur aus einem Alltagsobjekt ein Kunstwerk macht – darin zeigt sich Manzoni als origineller Nachfolger von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Duchamp"&gt;Duchamp&lt;/a&gt; und seinen Ready-mades. Aber es ist eben nicht einfach ein gewöhnliches Alltagsobjekt, es ist wirklich und wahrhaftig sogar ein Stück vom Künstler selber. Ein ziemlich überdreht psychologisierender italienischer Sammler hatte schon Recht, als er den Vergleich mit Reliquien machte. Diesen Aspekt hat auch Manzoni selber betont, als er davon sprach, dass die Sammler immer am Intimen, Persönlichen des Künstlers interessiert sei, und dass er genau dies ihnen biete: seine höchstpersönlichen Ausscheidungen. Intimer geht nicht.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Unvermeidlich ist schliesslich die Ambivalenz aus Abscheu vor und Faszination an dem (angeblichen) Inhalt der Dose, den menschlichen Exkrementen. Fast scheint dies für die im Film porträtierten Personen die Kernfrage zu sein, was denn nun wirklich da drin ist. „Scheisse, steht ja drauf“ – so antworten viele, besonders die begeisterten Sammler. Kunsthistoriker und Familienmitglieder Manzonis hingegen zögern: Keine Ahnung, was der da tatsächlich reingepackt hat. Vielleicht hat er uns gleich doppelt verarscht, indem er Sand oder Kiesel eingefüllt hat? Augenzeugen wollen den Künstler mit Löffel und Eimer hantieren gesehen haben, aber die Berichte widersprechen sich. Wer an die Scheisse-Theorie glaubt, kann sich dann weiteren Ängsten hingeben: Ist das Zeug sicher? Besteht nicht Explosionsgefahr durch die chemischen Reaktionen in diesen Dosen? War das vielleicht gar Manzonis Absicht, dass in einigen Jahren in Sammlervitrinen in der ganzen Welt seine Werke in die Luft gehen? Solches ist bisher nicht passiert. Allerdings haben einige Dosen zu lecken begonnen und mussten restauriert werden. Die Analyse des austretenden Materials, immerhin, ergab: Exkremente. Und der Museumsdirektor präzisiert: Ob menschlich oder tierisch, konnte nicht festgestellt werden.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;a href="http://www.film-documentaire.fr/Hugues_Peyret.html,auteur,19896,0"&gt;Hugues Peyret&lt;/a&gt; hat eigentlich nichts anderes getan, als möglichst viele der neunzig Dosen aufzuspüren (eine Heidenarbeit), einige ihrer Besitzer oder Aussteller zu besuchen und ihre Geschichte zu erzählen. Er hat sein Material souverän auf eine Stunde zusammengeschnitten und mit staubtrockenem Humor kommentiert. So hat er einen Film geschaffen, der seinem Gegenstand an Esprit und Vielschichtigkeit in nichts nachsteht, und damit reichlich Stoff zum vergnügten Lachen und anregenden Diskutieren.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Chacun sa merde; suivi de la boite de merde. Deux films de Hugues Peyret. DVD, 2010. Ein &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=JwcTeCy-TkE"&gt;Trailer&lt;/a&gt; zum Film ist auf Youtube zu finden.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-9209057214999920374?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/9209057214999920374/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/heilige-scheisse.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/9209057214999920374'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/9209057214999920374'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/heilige-scheisse.html' title='Heilige Scheisse'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5774347100170591774</id><published>2011-07-02T10:40:00.002+02:00</published><updated>2011-07-02T10:48:34.661+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Musik'/><title type='text'>Klangraum Bollwerk</title><content type='html'>&lt;p&gt;Zwar ist das frühsommerliche Freiburger &lt;a href="http://belluard.ch/"&gt;Festival für Avantgarde-Kunst&lt;/a&gt; nach dem Bollwerk bzw. Belluard benannt, aber längst nicht alle Veranstaltungen finden in der mittelalterlichen Festung statt. Zweiter Hauptspielort ist seit einigen Jahren die &lt;a href="http://www.anciennegare.ch/"&gt;&lt;i&gt;Ancienne Gare&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, und darüber hinaus gebraucht das Festival immer auch unerwartete Orte in der ganzen Stadt als Bühne: öffentliche Plätze, leerstehende Geschäfte, ein abbruchreifes Haus oder gar Privatwohnungen. So habe ich &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/enjoy-poverty.html"&gt;zwar&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/verblassende-bilder-hartnackige.html"&gt;keine&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/07/kunst-kmus.html"&gt;der&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/07/no-money-no-love.html"&gt;letzten&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2008/07/gurkophon-und-melanzaniklappe.html"&gt;Ausgaben&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2007/07/grben-und-granaten.html"&gt;verpasst&lt;/a&gt;, aber das Bollwerk dennoch seit langem nicht mehr von innen gesehen. Bevor Entzugserscheinungen auftraten, galt es, dieses Versäumnis zu korrigieren. Und kaum ein Anlass wäre besser dazu geeignet gewesen als einer, der die einmalige Architektur des Belluard ausdrücklich einbezieht: &lt;a href="http://www.belluard.ch/festival-2011/programmation-2011/antoine-chessex-j"&gt;&lt;i&gt;Espèces d’espaces&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, eine Klanginstallation, speziell für den Ort geschrieben und mit zwölf Lautsprechern in den Innenhof und die Galerien der Festung projiziert.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Am letzten Dienstag kam ich also gegen viertel vor zehn im Quartier d’Alt an. Auf der Strasse und im angrenzenden &lt;a href="http://www.quartierdalt.ch/arsenalt/"&gt;Arsen’Alt&lt;/a&gt; brodelte die Festivalstimmung, unterstützt durch Küche und Bar, und es war an diesem heissesten Tag des Jahres immer noch feuchtwarm. Aus den meterdicken Mauern des Bollwerks strahlte hingegen eine wohltuende Frische. Die Stühle standen frei im ganzen Innenhof herum, auch auf der Bühne. Dorthin setzte ich mich und genoss den Blick auf die &lt;a href="http://www.belluard.ch/sites/default/files/images/Chessex-Antoine-enceinte.jpg"&gt;faszinierende Architektur&lt;/a&gt;. Innen am steinernen Hufeisen der Festung entlang ziehen sich nämlich zwei Stockwerke Galerien, mehrere Meter tief, von mächtigen Balkenkonstruktionen getragen und an ihren Stirnseiten chaletmässig mit Schindeln bedeckt. Auch an den Verbindungen des Hufeisens zur Stadtmauer hin hängen Holzverschläge. Ein Halbkreis Abendhimmel leuchtete in erdunkelndem Blau über den Dächern der Galerien; Scheinwerfer schälten einzelne Balken und Pfeiler aus der Dämmerung heraus.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Um zehn Uhr traten dann &lt;a href="http://www.soundimplant.com/antoine/bioac.html"&gt;Antoine Chessex&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.ausland-berlin.de/valerio-tricoli"&gt;Valerio Tricoli&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://metamkine.free.fr/"&gt;Jérôme Noetinger&lt;/a&gt; an die Mischpulte und Computer in der Mitte des Hofes. Damit begann der weniger überzeugende Teil des Abends. Die anfänglichen Regen- und Donnerklänge wurden bald abgelöst von metallischen Tönen, von schriller Elektronik und magenmassierenden Bässen, teils auch von schierem Lärm. Mehrmals ritzte die einstündige Performance die Schmerzgrenze. Und freilich spielte die Klanginstallation mit dem Raum, lies Töne kreisen, lockte mal von vorne, mal von hinten – aber inwiefern dies ein Spiel, ein Dialog mit diesem konkreten Raum war, erschloss sich mir nicht. In einem Schuhschachtel-Konzertsaal wäre der Eindruck kaum anders gewesen. Sass ich zu exzentrisch? Hätte ich während der Performance herumgehen sollen? Auf jeden Fall habe ich die imaginäre Welt, die laut Programm im Labyrinth der Klänge hätte entstehen sollen, nicht erlebt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So war für mich die Architektur der eigentliche Star des Abends. Und eine alte Erkenntnis hat sich bestätigt: Das Belluard-Festival ist eine radikale Wundertüte. Man liest das Programm, fühlt sich angesprochen vom einen oder anderen, was dort steht, aber weiss nie, was einen erwartet, bis mans gesehen hat: Einmal ist es eine absolute &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/verblassende-bilder-hartnackige.html"&gt;Sternstunde&lt;/a&gt;, das nächste Mal bleibt man &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/enjoy-poverty.html"&gt;ratlos&lt;/a&gt; zurück. Bitte nicht falsch verstehen: Ich beschwere mich nicht. Ein Festival, das Grenzen ausloten und ausgetretene Pfade vermeiden will, muss so sein. Dazu passt, dass das Belluard einen lediglich symbolischen Eintrittspreis verlangt. Probiert aus und kommt wieder, ist die Botschaft, erwartet nichts, lasst euch verstören, berühren, überraschen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Das diesjährige Belluard Bollwerk International schliesst heute abend seine Türen. Ich werde die nächstjährigen Termine so bald als möglich in meine Agenda schreiben, um nicht wieder im Vor-Ferien-Abschluss-Stress vom Festivalbeginn überrascht zu werden…&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5774347100170591774?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5774347100170591774/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/klangraum-bollwerk.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5774347100170591774'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5774347100170591774'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/07/klangraum-bollwerk.html' title='Klangraum Bollwerk'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-1434572631238694347</id><published>2011-06-24T19:43:00.003+02:00</published><updated>2011-06-27T08:16:41.620+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Lesegenuss</title><content type='html'>&lt;p&gt;Keinen der bald zweihundert Artikel auf diesem Blog habe ich so teuer bezahlt wie den &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/06/traumorakel-im-stillen-tal.html"&gt;letzten&lt;/a&gt;: Beim Fertigschreiben und Publizieren ist eine eigentlich schon überstanden geglaubte Halskehre erst so richtig losgegangen, die mich dann einen ordentlichen Teil der beiden folgenden Wochen unter Drogen ins Bett gezwungen hat. Erst heute wage ich mich – nach einer nun doch schadenfrei überlebten Arbeitswoche – wieder zu mehr als etwas Surfen und Fernsehen an den Computer. Dass ich ausgerechnet in den lichten Momenten dieser Zeit ein Buch mit dem Titel &lt;i&gt;Geniessen&lt;/i&gt; gelesen habe, hat etwas von einem schlechten Witz. Aber man soll ja gerade dann besonders zu sich schauen, wenn es einem nicht so gut geht, und die Lektüre war tatsächlich ein Hochgenuss.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Soviel ist schnell gesagt. Etwas schwieriger ist es, das Buch präzise zu charakterisieren; denn es ist (passend zum Thema) eigentlich eine einzige grosse Aus- und Abschweifung. Der Autor &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gero_von_Randow"&gt;Gero von Randow&lt;/a&gt; ist ein erfahrener Journalist, hauptsächlich im Wissenschaftsressort, aber auch in diversen leitenden Funktionen und seit 2008 als &lt;a href="http://www.zeit.de/impressum/impressum-print"&gt;Korrespondent&lt;/a&gt; (in Frankreich, wo sonst); daneben hat er mehrere Bücher verfasst, darunter einen &lt;a href="http://www.rowohlt.de/buch/Gero_von_Randow_Das_Ziegenproblem.25993.html"&gt;Bestseller&lt;/a&gt; zur Wahrscheinlichkeitsrechnung. Vor allem aber ist er ein überaus interessierter und kultivierter Mann. Seinem Buch zur Geschichte und Philosophie des Geniessens gibt er zwar äusserlich die Grobstruktur eines Festmenüs, warnt aber schon auf der ersten Seite vor den zahllosen Abschweifungen, die dem Leser bevorstehen. Und legt gleich los: Ein Gericht, ein Produkt, ja eine simple Redewendung ist ihm Anlass zu einem „apropos“, einem „übrigens“ – und kaum hat man sichs versehen, ist man mitten in einem Film, in einer Spezereihandlung, an einem Fürstenhof, in einem anderen Jahrhundert. Und alles ist durchsetzt von trefflichen, eigenen und geborgten geflügelten Worten sonder Zahl. Wer sich unter &lt;i&gt;Geniessen&lt;/i&gt; aber eine simple Anekdotensammlung vorstellt, liegt dennoch falsch, denn man lernt etliches bei der Lektüre: die Geschichte der Kochkunst beispielsweise, oder kluge Überlegungen zur Ethik des Genusses. Von Randow bringt es fertig, ein beeindruckendes Wissen an den Mann und die Frau zu bringen, ohne besserwisserisch zu wirken. Sogar wenn er von einem ganz speziellen Bordeaux aus einem ganz bestimmten Jahr schwärmt, wirkt er nie wie ein Snob, vielmehr wie ein reiner Gourmet, der sich dermassen über eine Entdeckung freut, dass er sie mit der ganzen Welt teilen möchte. &lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dieses Buch geniesst man wie ein Glas guten Weines. Es ist bibliophil gestaltet, in Leinen gebunden, meisterhaft gesetzt und mit Lesezeichen versehen. Und es ruft unaufdringlich, aber überzeugend die kulturelle und zivilisatorische Bedeutung des Genusses ins Gedächtnis zurück.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Gero von Randow, &lt;a href="http://www.hoffmann-und-campe.de/go/f444f2ff-508b-af43-912bc3dc0f5aef9b"&gt;Geniessen. Eine Ausschweifung.&lt;/a&gt; Hamburg, Hoffmann und Campe 2001. ISBN 3 455 11278 1.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-1434572631238694347?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/1434572631238694347/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/06/lesegenuss.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1434572631238694347'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1434572631238694347'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/06/lesegenuss.html' title='Lesegenuss'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3563197004608290791</id><published>2011-06-04T14:34:00.003+02:00</published><updated>2011-06-04T14:40:09.211+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Archäologie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><title type='text'>Traumorakel im stillen Tal</title><content type='html'>&lt;p&gt;In der griechischen Mythologie bedaure ich am meisten die Seher. Sie sehen das Unheil, das sich aus eskalierender menschlicher Masslosigkeit aufbaut, furchterregend klar kommen, aber können nichts dagegen tun – und gehen oft auch selber daran zugrunde. Die trojanische Königstochter Kassandra ist das bekannteste, im Deutschen sprichwörtlich gewordene Beispiel. Vergleichbar erging es einem weniger bekannten Helden, dem Seher und Fürsten von Argos, Amphiaraos. Sein Verderben war der Feldzug gegen Theben, den Polyneikes, Sohn des Ödipus, gegen seinen Bruder Eteokles anstrengte. Adrastos, der König von Argos, sagte ihm seine Unterstützung zu und stellte ein Heer zusammen, angeführt von jenen sieben Helden, die in der Folge als die „&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_gegen_Theben"&gt;Sieben gegen Theben&lt;/a&gt;“ bekannt wurden. Adrastos‘ Schwager Amphiaraos sollte ein Teilnehmer dieses Unterfangens sein, dessen tödlicher Ausgang für die meisten Beteiligten ihm bereits bekannt war. Deshalb versteckte er sich, um sich dem Untergang zu entziehen, wurde aber von seiner Frau Eriphyle verraten, die sein Versteck im Austausch gegen ein von Götterhand gefertigtes Halsband preisgab. So kam es, wie es kommen musste: Die Sieben zogen los, gelangten auf Umwegen, die hier nichts zur Sache tun, nach Theben, und liessen bis auf Adrastos alle ihr Leben vor den sieben Toren der Stadt. Ein besonderes Schicksal hingegen war für Amphiaraos reserviert: Als er verfolgt und dem Tode nahe war, öffnete sich auf Zeus‘ Geheiss die Erde vor ihm und verschluckte ihn samt seinem Gespann. Amphiaraos erhielt die Unsterblichkeit – und (gleichsam als ausgleichende Gerechtigkeit für sein übles Schicksal) als Kultort eines der schönsten, gewiss aber das lauschigste Heiligtum Griechenlands, das Amphiareion von Oropos, im äussersten Nordosten Attikas an der Grenze zu Böotien.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;a href="http://maps.google.ch/?ie=UTF8&amp;amp;ll=38.291006,23.845782&amp;amp;spn=0.004269,0.010568&amp;amp;t=h&amp;amp;z=17"&gt;Das Amphiareion liegt im kleinen Tal eines Wildbaches&lt;/a&gt;, der nur gelegentlich Wasser führt. Bei unserem Besuch hörten wir ihn von unten rauschen, und blühende Bäume und Blumen verzierten die tiefgrüne Landschaft mit intensiv leuchtenden Farben. Die Gebäude des Heiligtums erstrecken sich dem Bach entlang das Tal hinunter: zunächst der Tempel des Heros Amphiaraos mit seinem Altar, dann eine Reihe von Statuenbasen, zuletzt die grosse Säulenhalle. Hinter ihr liegt ein kleines Theater. Die Sitzreihen sind durch die Jahrhunderte und Erdbeben fragmentiert und verformt, aber fünf grossartige Ehrensitze haben sich erhalten sowie das Proskenium, der Bühnenunterbau, der sich an die Rückwand der Stoa anlehnt. Auf dem gegenüberliegenden Ufer befindet sich der profane Teil des Heiligtums, das kleine Dorf, das ihm angegliedert war; heute ein relativ unübersichtliches Ruinenfeld, aus dem eine gut erhaltene Klepsydra, eine Wasseruhr, heraussticht.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;In der Antike herrschte hier ein reger Kultbetrieb, animiert von zahllosen Pilgern, die von Amphiaraos Heilung von Krankheit erbaten. &lt;a href="http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0160%3Abook%3D1%3Achapter%3D34%3Asection%3D1"&gt;Pausanias&lt;/a&gt; erklärt, wie das ging: Man brachte dem Hausherrn zunächst ein Opfer dar und legte sich danach in der Säulenhalle schlafen. Im Schlaf, genauer: im Traum erwartete man dann vom Heros den Hinweis darauf, wie die Heilung bewerkstelligt werden sollte. Inschriften und Weihgeschenke bezeugen die Dankbarkeit zahlloser Geheilter. Wer diesen friedlichen, wohltuenden Ort heute erlebt, hat keinen Anlass, an ihrem Wahrheitsgehalt zu zweifeln.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Dass ich zuvor noch nie im Amphiareion war, liegt auch daran, dass dieses Heiligtum ohne eigenes Fahrzeug äusserst mühsam zu erreichen ist. Kein Zug, kein Bus führt den Interessierten in das stille Tal bei Oropos. Nach ausführlichem Studium der &lt;a href="http://maps.google.ch/?ie=UTF8&amp;amp;ll=38.288387,23.845224&amp;amp;spn=0.017078,0.042272&amp;amp;t=h&amp;amp;z=15"&gt;Lokalgeografie&lt;/a&gt; sowie der &lt;a href="http://www.ktelattikis.gr/maps/map4.html"&gt;Regionalbuslinien&lt;/a&gt; hatte ich endlich gemeint, eine besonders schlaue Lösung gefunden zu haben. Wir nahmen den Bus nach Agioi Apostoloi und stiegen in Kalamos aus. Dort würde sich doch sicher ein Taxi für die drei Kilometer bis zum Amphiareion finden lassen, oder? Fehlanzeige. Im Dorfladen, im Kiosk und im Café beschied man uns einstimmig, es gäbe im Ort kein Taxi; und der üblicherweise nächststationierte Taxifahrer, den man freundlicherweise für uns anrief, war diesen Tag abwesend. Als wir schon dachten, wir müssten uns mit Plan B abfinden und zu Fuss zur archäologischen Stätte gelangen, anerbot sich ein freundlicher älterer Herr, uns mit seinem Auto hinzubringen. Dem Manne sei rückblickend noch einmal herzlich gedankt! Für den Rückweg rief uns der Aufseher dann ein Taxi nach Oropos, was eine sehr praktische Lösung war, aber den Ausflug schliesslich relativ teuer werden liess... Als Fazit gilt daher: Man kommt durchaus mit dem &lt;a href="http://www.ktelattikis.gr/routes.php"&gt;ÖV&lt;/a&gt; zum Amphiareion, wenn man anschliessend ein bisschen Fussmarsch nicht scheut. Am einfachsten, gut 3 Kilometer, ist es von Kalamos an der Linie Athen-Agioi Apostoloi. Mehr Busse fahren nach Oropos; wenn man den Chauffeur dazu bringt, am richtigen Ort, kurz vor Markopoulo, an der Abzweigung nach Kalamos anzuhalten, hat man von dort praktisch gleich weit. (Die Busse fahren von der Platia Aigyptou ab; nach Agioi Apostoloi vom Südrand, nach Oropos von der Nordostecke des Platzes.) Die Taxivariante ist natürlich, wie wir gezeigt haben, auch machbar; genügend Taxis (zudem viele Verpflegungsmöglichkeiten) finden sich im Hafen von Oropos; für die einfache Fahrt haben wir, wenn ich mich richtig erinnere, 18 Euro bezahlt. Praktischer ist man zweifellos im Mietauto unterwegs, was zudem den Vorteil hat, dass gleichentags auch andere archäologische Stätten wie Marathon und Rhamnous erreichbar sind. (Dazu ein Geheimtipp: Wer mit Metro oder Bus zum &lt;a href="http://www.aia.gr/"&gt;Flughafen&lt;/a&gt; fährt und dort einen Mietwagen nimmt, vermeidet die aktive Bekanntschaft mit dem Athener Verkehrschaos und ist sofort auf dem attischen Land.)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;i&gt;Die archäologische Stätte selber ist zu den üblichen Zeiten geöffnet, nämlich Dienstag bis Sonntag von 9 bis 15 Uhr. Eine Informationstafel gibt vor Ort eine relativ gute Übersicht über die Ruinen; wer weitergehend interessiert ist, kann zur Vertiefung auch den (nicht mehr ganz neuen) Führer von &lt;a href="http://www.archetai.gr/site/content.php?artid=1469"&gt;Vassilios Petrakos&lt;/a&gt; erstehen. An Online-Informationsquellen erwähnt seien die &lt;a href="http://odysseus.culture.gr/h/3/gh351.jsp?obj_id=2413"&gt;Kulturdatenbank des Tourismusministeriums&lt;/a&gt; (leider nur auf Griechisch) sowie die Wikipedia (wie für griechische archäologische Stätten üblich in der &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Amphiareion_of_Oropos"&gt;englischen Version&lt;/a&gt; besser und ausführlicher als in der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amphiareion"&gt;deutschen&lt;/a&gt;).&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3563197004608290791?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3563197004608290791/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/06/traumorakel-im-stillen-tal.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3563197004608290791'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3563197004608290791'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/06/traumorakel-im-stillen-tal.html' title='Traumorakel im stillen Tal'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-2355184587600780487</id><published>2011-05-27T14:41:00.004+02:00</published><updated>2011-05-27T14:53:33.470+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Nachtflüge</title><content type='html'>&lt;p&gt;Auf den griechischen Journalisten &lt;a href="http://www.greekbooks.gr/georgeles-fotis.person"&gt;Fotis Georgeles&lt;/a&gt; bin ich das erste Mal im Frühling 1999 in meinem Erasmus-Jahr in Athen aufmerksam geworden. Nördlich der Grenzen tobte der Kosovo-Krieg, und währenddem in Westeuropa die Rollen eindeutig besetzt waren – die Serben seit Jahren schon die Bösen, die Albaner die Armen –, war es in Griechenland genau umgekehrt: unbedingte Solidarität mit den serbisch-orthodoxen Glaubensbrüdern, zwischen Skepsis und Verachtung für die ungeliebten Albaner. In dieser Zeit, in der alle griechischen Medien rabiat auf die NATO eindroschen, stiess ich beim Zappen auf eine Diskussionssendung. Die rechtsnationalistische Journalistin Liana Kanelli vertrat mit Bestimmtheit die These vom westlichen Mord an den Orthodoxen. Ein mir unbekannter Reporter hielt dagegen: Fotis Georgeles. Er komme, sagte er, soeben aus dem Kosovo zurück, und wenn die Berichte über serbische Gräueltaten, die er dort gehört hatte, auch nur zum Teil stimmten, dann müsse man die herrschende Sicht der Dinge sehr kritisch hinterfragen. Soviel eigenständige Meinung imponierte mir. Ich fand heraus, dass Georgeles Chefredaktor der Lifestylepostille KLIK war, und von da an gehörte diese zu meiner monatlichen Lektüre. Man musste dort zwischen all dem Lifestyle gelegentlich etwas graben, fand aber dabei immer hervorragende Texte; so erinnere ich mich an ein kluges Interview mit dem eben ernannten Aussen- und heutigen Premierminister, dem (mindestens damals) unaufgeregten und gänzlich ideologiefreien Georgios Papandreou.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das Highlight jedes Monats aber (und Grund genug, dass ich mir KLIK nachher noch ein Jahr lang in die Schweiz liefern liess) war das Editorial von Fotis Georgeles. Darin berichtete er fast immer über Alltägliches, kürzlich Erlebtes, häufig über Reisen oder Ausflüge – vordergründig. Dahinter versteckten sich jedes Mal hochpräzise Beobachtungen zur Gegenwart. 42 dieser Editorials und anderer Texte sind vor ein paar Jahren als Buch herausgekommen, unter dem Titel &lt;a href="http://www.kedros.gr/product_info.php?products_id=6835"&gt;&lt;i&gt;&lt;span style="mso-ansi-language:EL" lang="EL"&gt;Νυχτερινές πτήσεις&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, „Nachtflüge“, aufgemacht also (wiederum vordergründig) als Sammlung von Reiseberichten. Die eigentlichen Berichte von Reisen in ferne Länder, nach Südamerika oder auf einsame Inseln im Pazifik, sind allerdings eher die schwächeren Partien des Buches – zu nahe sind sie mir am klassischen Reisejournalismus mit seinem &lt;i&gt;Placenamedropping&lt;/i&gt; und seinem naheliegenden Erstaunen über die offensichtlichen Kontraste der Feriendestinationen zum heimischen Europa. Je näher er aber an zu Hause ist, und insbesondere in den Stücken über seine Heimatstadt Athen, desto mehr zeigt sich Georgeles in Hochform. Er erweist sich als sensibler Seismograf des urbanen Lebens, ausgestattet mit einem präzisen Blick, einem potenten analytischen Instrumentarium und einem breiten Reservoir an Erfahrungen, was Urbanität bedeutet und wie sie sich in verschiedenen Regionen äussert und interpretiert wird. Schonungslos seziert er die Lebensfeindlichkeit seiner Stadt, nicht ohne auch ihre Faszination, das allgegenwärtige und spontane Aufflackern von Leben, zu analysieren. Erhellend sind seine Gegenüberstellungen der griechischen Hauptstadt mit der anderen Stadt, die ihm am Herzen liegt, mit Paris – eine fast ideale Stadt, wenn man ihm Glauben schenkt, eine Stadt für die Menschen, nicht für die Autos, wie er kurz und desillusioniert schreibt. Ich finde freilich, dass ihm da öfters die Hassliebe des gebürtigen Atheners den Blick trübt, und würde ihm gelegentlich widersprechen, würde beispielsweise darauf hinweisen, dass gerade in Athen quasi im Jahresrhythmus neue Hotspots entstehen, wo rund um einen Platz und wenige Strassen wie in einem Treibhaus Bars und Cafés aus dem Boden schiessen. Aber das ändert nichts daran, dass Georgeles es versteht, mit wenigen Worten, mit knappen Beobachtungen und Vergleichen die Essenz dessen einzufangen, was Urbanität und städtisches Leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausmacht.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das KLIK übrigens wurde vor längerem eingestellt (inzwischen existiert es, wie ich eben entdecke, wieder als &lt;a href="http://www.klik.gr/"&gt;Webzine&lt;/a&gt;). Fotis Georgeles hat dafür vor ein paar Jahren die &lt;a href="http://www.athensvoice.gr/"&gt;&lt;i&gt;Athens Voice&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; gegründet, ein wöchentliches Gratisblatt für Athen. Auch da schreibt er ein Editorial, und das ist glücklicherweise online! Jedes Mal, wenn ich in Athen bin und eines der relativ gefragten Exemplare erhaschen kann, kriege ich glänzende Augen. Und gleichzeitig frage ich mich jedes Mal: Warum gibts sowas bei uns nicht? Warum gibts hier nur die Journalismussimulation von &lt;a href="http://www.20min.ch/"&gt;&lt;i&gt;20 Minuten&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, das Selbstschulterklopfen von &lt;a href="http://www.20min.ch/"&gt;&lt;i&gt;Blick am Abend&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; und den Teenie-Augenkrebs von &lt;a href="http://www.20min.ch/friday/"&gt;&lt;i&gt;20 Minuten Friday&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;? &lt;i&gt;Athens Voice&lt;/i&gt; ist grossformatig und relativ dick. Das Titelblatt wird jede Woche von einem anderen Künstler gestaltet. Die Redaktion setzt intelligent und aufwendig Themen (&lt;a href="http://www.athensvoice.gr/the-paper/issue/343"&gt;aktuell&lt;/a&gt; beispielsweise ein Dossier zur Kultur in Zeiten der Krise); dazu kommen Satire, Kolumnen, Analysen zu Politik und Gesellschaft – kein investigativer Journalismus, gewiss, aber viel solider Lesestoff, souverän gestaltet, und zugleich ein umfangreicher Ausgangsführer mit den ganzen nützlichen Informationen zu Theater, Kino, Musik, Restaurants und Bars. Glücklich das Land, denke ich dann, das solche (&lt;a href="http://www.lifo.gr/"&gt;und ähnliche&lt;/a&gt;) Gratisblätter hat; und es ist mir um die Griechen gleich ein bisschen weniger bange.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;span style="mso-ansi-language:EL" lang="EL"&gt;Φώτης Γεωργελές: Νυχτερινές πτήσεις&lt;/span&gt;. Athen, Kedros 2008. ISBN 978 960 04 3854 3. Übersetzt ist das Buch scheinbar (noch) nicht worden.&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-2355184587600780487?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/2355184587600780487/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/05/nachtfluge.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2355184587600780487'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2355184587600780487'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/05/nachtfluge.html' title='Nachtflüge'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-2364433711874121134</id><published>2011-05-15T16:38:00.001+02:00</published><updated>2011-05-15T16:41:16.665+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Inglorious Basterds</title><content type='html'>&lt;p&gt;Am wenigsten gern schreibe ich auf diesem Blog über etwas, das meine Erwartungen enttäuscht hat; wenn ich mich bereits auf eine begeisterte Rezension gefreut hatte und mich dann mit der Aufgabe konfrontiert sehe, meine Enttäuschung zu analysieren und in Worte zu fassen. Objekt dieser Enttäuschung ist heute &lt;a href="http://www.imdb.com/name/nm0000233/"&gt;Quentin Tarantino&lt;/a&gt;s Film &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0361748/"&gt;&lt;i&gt;Inglourious Basterds&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, den wir kürzlich auf DVD gesehen haben. Nun habe ich mit Tarantino nicht wirklich Erfahrung; zuvor hatte ich einzig &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0266697/"&gt;&lt;i&gt;Kill Bill 1&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; gesehen (und gemocht). Soviel hatte ich immerhin mitgekriegt: dass Tarantino eine Vorliebe für schräge, schrille oder skurrile Charaktere hat – sowie ein geradezu fetischistisches Verhältnis zu hervorspritzendem Blut. Von beidem gibt es in &lt;i&gt;Inglourious Basterds&lt;/i&gt; reichlich; ich würde sogar behaupten, es gibt daneben kaum etwas anderes. Der Film besteht aus nur wenigen, endlosen Szenen, in denen mit quälender Langsamkeit eine üble Beklemmung zelebriert wird. Man sieht das Unheil kommen und kann doch nichts tun, man möchte schreien, man windet sich mit Gänsehaut auf seinem Sofa und fixiert doch weiterhin den Bildschirm, um die Katastrophe wie ein Uhrwerk ablaufen zu sehen, bis die Szene in der Regel im erwähnten Blutspritzen endet.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Klar: Es braucht absolute Meisterschaft, um solch aggressives, unentrinnbares Unbehagen zu erzeugen. Die Szenen sind mit souveräner Sicherheit gestaltet und inszeniert, da steht jeder Salzstreuer richtig. Die Figuren, allen voran SS-Sturmbannführer Landa (Christoph Waltz, der für seine Interpretation so ziemlich &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Inglourious_Basterds#Auszeichnungen_und_Nominierungen"&gt;jeden verfügbaren Preis&lt;/a&gt; bekam), sind überlebensgrosse Gestalten. Das ist ein Meisterwerk, ohne Frage. Mein Problem ist wohl, dass ich keine Studiensammlung beklemmender Szenen erwartet hatte, sondern eine Geschichte – und diese hat in dem Film offensichtlich zweite Priorität. Dabei wäre der Kern zu einer fabelhaften Geschichte vorhanden gewesen, nämlich die brillante Idee, eine jüdische Guerillaeinheit, eben die titelgebenden &lt;i&gt;Basterds&lt;/i&gt;, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hinter die deutschen Linien zu schicken und dort Tod und Panik säen zu lassen. Diese Idee, finde ich, ist etwas müde verpulvert worden. Überhaupt bleibt vieles vom Plot im unendlichen gegenseitigen Belauern stecken. Anderes, wie die Schlusswendung, wirkt im höchsten Mass unrealistisch, reiner Vorwand für eine letzte Pointe. Bleibt als Fazit: Glücklich der Regisseur, der solche Ideen hat und sie dann nicht mal vollständig auskosten muss, um einen bedeutenden Film zu machen. Mein Fall freilich war dieser nicht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;a href="http://www.inglouriousbasterds-movie.com/"&gt;Inglourious Basterds&lt;/a&gt; (2009), von Quentin Tarantino, mit Brad Pitt, Christoph Waltz, Mélanie Laurent, Diane Krüger und vielen anderen grossen Stars.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-2364433711874121134?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/2364433711874121134/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/05/inglorious-basterds.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2364433711874121134'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2364433711874121134'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/05/inglorious-basterds.html' title='Inglorious Basterds'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-101298944343698859</id><published>2011-05-06T10:36:00.004+02:00</published><updated>2011-05-06T10:49:03.348+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Zwischen allen Stühlen</title><content type='html'>&lt;p&gt;Dass ich den griechischen Autor &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Petros_Markaris"&gt;Petros Markaris&lt;/a&gt; sehr gerne lese, ist auf diesem Blog bereits &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2007/05/der-hauptaktionr.html"&gt;zur Genüge&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/09/vor-langer-langer-zeit.html"&gt;dokumentiert&lt;/a&gt;. Seine Kostas-Charitos-Krimis habe ich alle verschlungen. Dass mich folglich auch seine Autobiografie interessiert, wird nicht verwundern. Allerdings ist „Autobiografie“ vielleicht die falsche Bezeichnung für das Buch &lt;span lang="EL"&gt;Κατ΄εξακολούθηση&lt;/span&gt;, das Markaris 2005 für die Kollektion „In der Küche des Schriftstellers“ (&lt;span lang="EL"&gt;Στην κουζίνα του συγγραφέα&lt;/span&gt;) verfasst hat. Es handelt sich präziser um einen Rück- und Überblick über sein literarisches Schaffen und dessen Verortung in seinem Leben, seinem Denken und seinen Erfahrungen. Und es ist dieses aussergewöhnliche und vielseitige Leben, das mich bei der Lektüre am meisten fasziniert hat. Von armenischer und griechischer Herkunft, in &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinopel"&gt;Konstantinopel/Istanbul&lt;/a&gt; dreisprachig (Griechisch, Türkisch, Deutsch) aufgewachsen, Ökonomiestudent in Österreich und Deutschland, dann nach Athen übersiedelt, Theater- und Drehbuchautor (unter anderem für Filme von &lt;a href="http://www.theoangelopoulos.com/main.htm"&gt;Angelopoulos&lt;/a&gt; und Fernsehserien), Übersetzer von Brecht und Goethe und eben seit knapp zehn Jahren höchst erfolgreicher Kriminalschriftsteller – einer Katze vergleichbar scheint Markaris mehr als ein Leben zu haben. Eindringlich beschreibt er das Istanbul der 40er und 50er Jahre, eine Stadt, die mit dem Adjektiv „kosmopolitisch“ nur unzulänglich beschrieben ist. In drei Minuten Tramfahrt, erinnert sich der Autor, war es absolut üblich, sechs Sprachen zu hören: Türkisch, Griechisch, Armenisch, Sephardisch, Italienisch und Französisch. Gleichzeitig lebten die bedeutenden Minderheiten der Griechen, Armenier und Juden traditionell nicht nur von den Türken, sondern auch voneinander säuberlich getrennt – so sehr, dass die Ankündigung von Markaris‘ armenischem Grossvater, er wolle eine junge Griechin heiraten, umgehend zu seiner Enterbung führte. Nur am Rand kommt der Autor auf die Pogrome gegen die Nicht-Türken zu sprechen, die in den Fünfziger Jahren viele ihrer Angehörigen ins Exil drängten. Für den jungen Petros bedeuteten sie insbesondere, dass seine Eltern ihre Stadtwohnung aufgeben mussten und sich ins Sommerhaus auf den &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prinzeninseln_%28Istanbul%29"&gt;Prinzeninseln&lt;/a&gt; zurückzogen, eine für den Teenager aus der Grossstadt die meiste Zeit sterbenslangweilige Umgebung. Von den weiteren Lebens- und Schreibensstationen seien zwei erwähnt: Markaris‘ einziges Theaterstück, &lt;i&gt;Die Geschichte von Ali Retzo&lt;/i&gt;, mit dem er die Zensoren der Militärjunta übertölpelte und nach eigener Einschätzung den bedeutendsten kulturellen Widerstandsakt gegen die Obristendiktatur auslöste; und die augenzwinkernde Art und Weise, wie sich Kommissar Kostas Charitos, dieser kleinbürgerlich-bauernschlaue Polizist, plötzlich und unerwartet im Kopf seines Autors einnistete und diesen im hohen Alter zum Romanautor machte (und zu einem über alle Massen erfolgreichen dazu).&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Weniger spannend, streckenweise sogar reichlich langweilig, fand ich die literaturtheoretischen Passagen des Buches. Markaris entwirft eine umfassende Theorie des zeitgenössischen Kriminalromans und lässt sich dazu ausführlich über die bekanntesten literarischen Kommissare Europas, ihre Denkweisen und ihre kulinarischen Vorlieben aus. Das ist für die Einordnung seines eigenen Werks nicht uninteressant, aber für den gemeinen Krimileser etwas langfädig. Auch der Essay über die Brecht-Rezeption in Griechenland gehört in diese Kategorie. Die direkte, ruppige, oft sarkastische Sprache, die Markaris seinem Helden Kostas Charitos in den Mund legt, ist weit besser zugänglich als der häufig etwas schwerfällige griechische Essay-Stil, der viele Seiten des Buches dominiert. Dem Literaturwissenschaftler mag es anders ergehen; ich bin mir bewusst, dass diese Empfindung stark von meinen persönlichen Vorlieben und Interessen abhängt. Deshalb freue ich mich besonders, dass letztes Jahr &lt;a href="http://www.gavrielidesbooks.gr/showtitle.aspx?vid=1183"&gt;ein weiterer Charitos-Krimi&lt;/a&gt; herauskam (der erste Band einer Trilogie überdies), der als Souvenir aus Athen mitgekommen ist und jetzt in meinem Regal der Lektüre harrt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Petros Markaris, &lt;a href="http://www.patakis.gr/viewshopproduct.aspx?id=178637"&gt;&lt;span lang="EL"&gt;Κατ΄εξακολούθηση&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;. Athen, Patakis 2005. ISBN 978-960-16-2256-9. Auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel &lt;a href="http://www.diogenes.ch/leser/katalog/a-z/w/9783257066395/buch"&gt;Wiederholungstäter&lt;/a&gt;. Ein Leben zwischen Athen, Wien und Istanbul (übersetzt von Michaela Prinzinger) 2008 bei Diogenes in Zürich erschienen (ISBN 978-3-257-06639-5).&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;P.S.: Auf den Tag meiner Rückkehr aus Athen ist auch der &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2007/04/zum-geleit.html"&gt;vierte Geburtstag&lt;/a&gt; dieses Blogs gefallen. Auch für Blogs scheint zu gelten: Je älter, desto weniger wichtig werden genaues Alter und Jahrestage. Anstelle eines gloriosen Festtagsbeitrags bitte ich deshalb die geneigte Leserin und den geneigten Leser ganz bescheiden um zwei Sekunden Innehalten und Meditieren über die Vergänglichkeit alles Irdischen…&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-101298944343698859?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/101298944343698859/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/05/zwischen-allen-stuhlen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/101298944343698859'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/101298944343698859'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/05/zwischen-allen-stuhlen.html' title='Zwischen allen Stühlen'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7371538586435683840</id><published>2011-04-18T12:27:00.002+02:00</published><updated>2011-04-18T12:34:20.835+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Immer diese Hitze</title><content type='html'>&lt;p&gt;Ich hätte gewarnt sein sollen: &lt;i&gt;Das Geheimnis der Signora&lt;/i&gt; ist bei &lt;a href="http://www.luebbe.de/Autoren/Details/Marco+Vichi"&gt;Bastei-Lübbe&lt;/a&gt; erschienen und auf schnell bräunendes Billigpapier gedruckt. Zudem ist nirgends angegeben, wer für die deutsche Übersetzung verantwortlich ist; also wars wohl entweder eine Agentur oder aber ein bedauernswerter Einzelkämpfer, der nicht mit seinem Namen zum schlecht bezahlten Resultat stehen wollte. Tatsächlich holpert und stolpert der Text von Anfang an. Aber dafür, dass die Geschichte nicht funktioniert, kann der Übersetzer nichts – das ist allein die Schuld des Autors &lt;a href="http://www.marcovichi.it/"&gt;Marco Vichi&lt;/a&gt;. Sein Krimi spielt im Sommer 1963 im glühend heissen Florenz, als in einer feudalen Villa eine alte Dame tot aufgefunden wird. Commissario Casini, der mit dem Fall betraut wird, erkennt schnell, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handeln kann, und da die Hauptverdächtigen ebenso flott identifiziert sind, könnte es sich hier eigentlich um einen jenen Krimis handeln, in denen die Suche nach dem Täter und dessen Überführung in den Hintergrund rücken zugunsten eines allgemeineren Sittengemäldes. Autoren wie beispielsweise &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/09/vor-langer-langer-zeit.html"&gt;Petros Markaris&lt;/a&gt; schätze ich genau für solche Bücher. Doch wenn bei Vichi der Plot mal in den Hintergrund gerückt ist, bleibt nicht mehr viel. Einige bescheidene Ansätze zu einer Meditation über die Relativität von Gut und Böse, von Schuld und Unschuld, wirken plakativ und oberflächlich. Sämtliche Figuren sind wandelnde Klischees, wie etwa der neue Mitarbeiter von Casini, direkt aus Sardinien angekommen, jung, motiviert, blitzschnell und schlau – aber sobald er eine schöne Frau sieht, geht sein südliches Temperament mit ihm durch. (Zudem ist er, o glückliche Fügung, der Sohn von Casinis Kriegskameraden, was jenem Anlass zu allerlei schwermütigen Flashbacks gibt.) Des Kommissars Bruder macht eine jähe und grotesk überzeichnete Wandlung vom mürrisch-strengen Chemielehrer zum langbärtigen liebestrunkenen Hippie durch. Die mutmasslichen Bösewichte sind aufgedunsen, triefen vor Schweiss und tragen bunte Krawatten und zu enge Hemden. Vollends nur noch peinlich wird die Geschichte, als Casini einer langbeinigen Kellnerin hinterherlechzt und sich danach schwülstig an das Kindermädchen erinnert, das den Pubertierenden seinerzeit sexuell initiiert hatte. Da fühlt der Leser die Hitze geradezu physisch, die im Übrigen nicht nur vom Anfang bis zum Ende die einzig vorkommende Wetterlage ist, sondern auch auf gefühlt jeder zweiten Seite ausführlich thematisiert wird. Auch die Gelegenheit, &lt;i&gt;Das Geheimnis der Signora&lt;/i&gt; als Lokalkrimi zu gestalten und Orte und Anekdoten aus Florenz einzuweben, versiebt Vichi rettungslos. Wir sehen einmal kurz den Ponte Vecchio und einmal San Miniato al Monte, ansonsten könnte die Geschichte auch in Hintertupfigen spielen. Und bei allem Verständnis für den Verzicht auf einen klassischen &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Whodunit"&gt;&lt;i&gt;Whodunit&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;: Mindestens eine halbe falsche Fährte hätte der Autor legen können, zumal er sich das Personal dafür (etwa die Gesellschafterin oder den Arzt der Signora) pfannenfertig geschaffen hat.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So könnte man das Buch als Strand- oder Zuglektüre ohne grossen Anspruch bezeichnen, wenn es für diese Anlässe nicht so viele packendere und gleichwohl intelligentere Romane gäbe. Auf dem Umschlag jubiliert &lt;i&gt;Italia Oggi&lt;/i&gt;: „Ein neuer italienischer Commissario ist geboren.“ Diese Feststellung ist nicht falsch; aber wenn er nicht geboren wäre, hätte ich zumindest ihn nicht vermisst.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Marco Vichi, &lt;a href="http://www.amazon.de/Geheimnis-Signora-Commissario-Casinis-erster/dp/3404151550/"&gt;Das Geheimnis der Signora&lt;/a&gt;. Commissario Casinis erster Fall. Bastei Lübbe Taschenbuch 15155. Bergisch Gladbach, Verlagsgruppe Lübbe 2004. ISBN 3 404 15155 0. Das italienische Original ist unter dem Titel &lt;a href="http://www.guanda.it/scheda.asp?editore=Guanda&amp;amp;idlibro=2399&amp;amp;titolo=IL+COMMISSARIO+BORDELLI"&gt;Il Commissario Bordelli&lt;/a&gt; (sic!) 2002 bei Ugo Guanda Editore erschienen.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7371538586435683840?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7371538586435683840/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/04/immer-diese-hitze.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7371538586435683840'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7371538586435683840'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/04/immer-diese-hitze.html' title='Immer diese Hitze'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-8979830081436463935</id><published>2011-04-08T14:10:00.002+02:00</published><updated>2011-04-08T14:13:07.760+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Herbst in Kaschmir</title><content type='html'>&lt;p&gt;Kaschmir, sagte der indische Schauspieler und Regisseur &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Aamir_Bashir"&gt;Aamir Bashir&lt;/a&gt; bei der Vorstellung seines Films &lt;a href="http://www.harudthefilm.com/"&gt;&lt;i&gt;Harud&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (&lt;i&gt;Autumn&lt;/i&gt;) am 25. &lt;a href="http://www.fiff.ch/de/programm/filme/internationaler-wettbewerb/autumn.html"&gt;&lt;i&gt;Festival International de Films de Fribourg&lt;/i&gt; &lt;/a&gt;(FIFF), sei früher wegen seiner Naturschönheit auch als die Schweiz Asiens bezeichnet worden. Seit den kriegerischen Auseinandersetzungen, die vor rund 30 Jahren begannen, sei das ehemalige Paradies aber zur Hölle geworden.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Diese beiden Sätze können gleichsam als Zusammenfassung des Films verstanden werden. &lt;i&gt;Autumn&lt;/i&gt; zeigt nämlich das Leben in dieser Hölle, die sich zwar nicht durch Feuer und offene Brutalität auszeichnet, aber durch Trostlosigkeit und Verzweiflung. Verkörpert werden diese in erster Linie von Rafiq, der jungen Hauptperson, der den ganzen Film hindurch ein dermassen leeres, von jeglicher Energie und Freude freies Gesicht zeigt, dass man ihn schütteln möchte, wenn man nicht wüsste, dass Schütteln nicht reichen wird. Rafiqs älterer Bruder gehört zu den Tausenden von spurlos Verschwundenen, und es ist als ob der Vermisste jegliches Leben aus der Familie saugen würde. Die Mutter leidet still, protestiert wöchentlich gegen die Praxis des Verschwindenlassens. Der Vater, Verkehrspolizist und eine markante Erscheinung mit seiner Uniform, seinen scharfen Zügen und dem grauem Haar, versinkt in der Verzweiflung, bis er buchstäblich den Verstand verliert. Rafiq selber will über die Grenze nach Pakistan flüchten, scheitert aber, muss zurück in die Hölle, in die Apathie. Weder seine Freunde noch die bevorstehende Einführung der Mobiltelefonie können ihn daraus aufwecken. Einmal kommt beim Betrachter kurz Hoffnung auf, als Rafiq nämlich die Kamera seines Bruders findet, den Film entwickeln lässt und auf den Fotos eine junge Frau entdeckt, die ihn offensichtlich interessiert. Aber auch dieser mögliche Rückweg ins Leben stellt sich als Sackgasse heraus, versandet im Niemandsland der Tristesse.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Die Geschichte wird mehr angedeutet als erzählt, vieles muss man sich zusammenreimen. Fragmente des kaschmirischen Herbstes reihen sich aneinander, Hintergrundmusik fehlt vollständig. Die Kamera hat viel Zeit: Es passiert hier nichts. So inszeniert sie meisterhaft Stillleben mit bunten Blättern, blickt desillusioniert auf die Grenzanlagen, folgt lange den davonfliegenden Vögeln. Das lässt die drückende Stimmung in der Hölle Kaschmir erleben und macht &lt;i&gt;Autumn&lt;/i&gt; trotz seiner Kürze zu einer schweren Kost: kein Film also, den man aus vollem Herzen weiterempfehlen könnte, aber ein wichtiger Film, einer, der eine Fussnote der Aktualität fühlbar und begreifbar macht. Nur selten gestatten wir dem Kino diese aufklärerische Funktion. Einem Festival wie dem FIFF ist es zu verdanken, dass es immerhin einmal jährlich geschieht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Harud (Autumn), Regie Aamir Bashir, Indien 2010. Von den Filmen aus dem Wettbewerb beim FIFF schaffen es bekanntlich die wenigsten regulär in die Schweizer Kinos. Dass ausgerechnet dieser schwierige Film dazu gehören sollte, ist kaum zu erwarten.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-8979830081436463935?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/8979830081436463935/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/04/herbst-in-kaschmir.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8979830081436463935'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8979830081436463935'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/04/herbst-in-kaschmir.html' title='Herbst in Kaschmir'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4954058887818565608</id><published>2011-04-03T18:08:00.002+02:00</published><updated>2011-04-03T18:15:50.286+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><title type='text'>Everybody's looking for something</title><content type='html'>&lt;p&gt;Film, Tanz, Theater – das alles lässt sich durchaus unbefangen geniessen, unmittelbar, unhinterfragt, ohne dass man dem Kunstwerk dabei Unrecht täte. Entscheidend für die Interpretation ist der Interpret, und seine Freiheit ist praktisch unbeschränkt. Wenn ich auf diesem bescheidenen Blog versuche, den Werken, die ich gesehen habe, etwas tiefer auf den Grund zu gehen, so geschieht das nicht aus elitärem Dünkel, sondern aus meinem Interesse, aus dem reichhaltigen Material, das uns geboten wird, mehr als nur den ersten Eindruck herauszulesen. Das macht Spass, ist aber durchaus auch Arbeit. Dass dabei Übung den Meister macht, wird mir (und hoffentlich auch den gelegentlichen Mitlesenden) beispielsweise beim &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search/label/Tanz"&gt;Tanz&lt;/a&gt; bewusst, wo ich mich nach ein paar Jahren Schauen und Bloggen inzwischen sicherer fühle, mehr verstehe und besser analysieren und einordnen kann. Ein bisschen schmerzlicher ist das Fazit bei der freien Theaterszene. Da bin ich mangels Erfahrung in der Regel immer noch ziemlich aufgeschmissen, zu wenig vertraut mit dem narrativen, inszenatorischen und musikalischen Vokabular, um zu mehr als einer fragmentarischen Interpretation zu gelangen. Weil dieser Blog aber auch ein Lehrblätz sein soll, kommt hier ein Artikel als &lt;i&gt;learning by doing&lt;/i&gt;, oder zumindest als Versuch dazu. Sein Objekt ist &lt;i&gt;Platonow&lt;/i&gt; von Anton Tschechow, dessen zweiter Teil kürzlich auf der Bühne des &lt;a href="http://www.nouveaumonde.ch/fr/"&gt;&lt;i&gt;Nouveau Monde&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; in Fribourg zu sehen war.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Hilfreich ist dabei eine Lektion aus der Archäologie: Der Weg zum Verständnis führt über die präzise Beschreibung. Da ist zunächst die kuriose Geschichte des Stückes selber. Tschechow hatte das Manuskript aus Enttäuschung eigentlich vernichtet; erst in seinem Nachlass wurde die Erstfassung wieder entdeckt. Ein namenloses Frühwerk mit einer Spieldauer von gegen acht Stunden – kein Wunder, dass &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Platonow_%28Tschechow%29"&gt;&lt;i&gt;Platonow&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (so der Ersatztitel) kein Bühnenrenner wurde. Der junge Regisseur Alexandre Doublet hat sich mit seiner &lt;a href="http://compagniealexandredoublet.wordpress.com/"&gt;Compagnie&lt;/a&gt; des sperrigen Stückes angenommen und bringt es adaptiert als Trilogie unter dem Titel &lt;a href="http://compagniealexandredoublet.wordpress.com/2010/07/25/sweet-dreams-dapres-a-peu-pres-platonov-danton-tchekhov-episode-24-de-la-serie-theatrale-il-ny-a-que-les-chansons-de-variete-qui-disent-la-verite/"&gt;&lt;i&gt;Il n’y a que les chansons de variété qui disent la vérité&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; zur Aufführung. Das Setting: eine Party in einer schicken Villa, alles wahnsinnig entspannte thirty-somethings, teils mit Kindern, plus die Hausherrin, die junge Witwe Anne. In der &lt;a href="http://ebookbrowse.com/cie-alexandre-doublet-2-sweet-dreams-comp-pdf-d71621288"&gt;zweiten Episode&lt;/a&gt; (&lt;i&gt;Sweet Dreams&lt;/i&gt;) geht das Fest langsam in den Abend über. In den netten Fassaden zeigen sich schnell die Risse. Die erfolgreiche Bande kämpft mit Eifersucht und Sticheleien; man mag sich nicht wirklich leiden und teilt ordentlich und unverhohlen nach allen Seiten aus. Wer den Schaden hat (wissenschaftlich oder finanziell), braucht für den beissenden Spott nicht zu sorgen. In brutalen Wortgefechten werden Beziehungskrisen ohne Rücksicht auf Verluste ausgetragen. Die Handkamera hält schonungslos auf die Opfer dieser Kleinkriege drauf, die entwaffnet und wehrlos in den Ecken liegen – bis sie sich in neue Kleider und wieder in den zerstörerischen Mahlstrom des Festes stürzen, als wäre nichts gewesen. Und da sind da noch die &lt;i&gt;chansons de variété&lt;/i&gt;: Plötzlich hält der Nahkampf inne, und einer oder mehrere seiner Protagonisten greifen zur Gitarre, trällern uns ein &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=qeMFqkcPYcg"&gt;Liedchen&lt;/a&gt; – wie eine kurzzeitige Flucht in eine kleine heile Welt, gleichermassen tiefe Einsicht wie zynischer Kommentar zur Ausweglosigkeit ihres Lebens.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So bietet &lt;i&gt;Sweet Dreams&lt;/i&gt; mehr als zwei Stunden Material für verschiedene Interpretationsansätze an. Beeindruckt hat mich, wie der schöne Schein demaskiert wird; wie nicht mehr ganz junge Menschen sich gegenseitig von dem schmalen Felsvorsprung in einer endlos hohen Wand, auf dem sie sich gerade so knapp und mühevoll eingerichtet hatten, mit grosser Bosheit hinunterstürzen – und wie sie in einer schwer zu beschreibenden Weise in ihrem Scheitern, ihrem Fallen, so etwas wie eine Statur gewinnen, eine Würde, eine Entschlossenheit, die vorher gespielt war und jetzt irgendwie echt ist.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: "Sweet Dreams" der Compagnie Alexandre Doublet wurde im Winter 2010/11 auf den koproduzierenden Westschweizer Bühnen gezeigt. Weitere Aufführungen sind momentan nicht vorgesehen. Der &lt;a href="http://compagniealexandredoublet.wordpress.com/2011/03/17/prochaine-creation-sunday-morning/"&gt;dritte Teil&lt;/a&gt; von "Il n’y a que les chansons de variété qui disent la vérité" ist in Vorbereitung. Auf Deutsch ist "Platonow" übrigens jetzt gerade im &lt;a href="http://schauspielhaus.ch/home/42-platonow"&gt;Zürcher Schauspielhaus&lt;/a&gt; zu sehen, in einer &lt;a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,753870,00.html"&gt;bemerkenswerten&lt;/a&gt; Inszenierung von Barbara Frey.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4954058887818565608?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4954058887818565608/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/04/everybodys-looking-for-something.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4954058887818565608'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4954058887818565608'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/04/everybodys-looking-for-something.html' title='Everybody&apos;s looking for something'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4304857545919962939</id><published>2011-03-27T14:32:00.005+02:00</published><updated>2011-04-03T18:21:40.638+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Archäologie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Karthaia</title><content type='html'>&lt;p&gt;Die Insel &lt;a href="http://www.kea.gr/"&gt;Kea&lt;/a&gt; (für Altgriechen: Keos) liegt dem Festland von allen Kykladen am nächsten, gehört aber dennoch nicht zu den ausserhalb Griechenlands bekannten Reisezielen. Wer ein Auto zur Verfügung hat, erreicht den kleinen Hafen Lavrio an der Südostspitze Attikas von Athen aus relativ speditiv; mühsamer reist an, wer auf den &lt;a href="http://www.ktelattikis.gr/routes.php"&gt;öffentlichen Verkehr&lt;/a&gt; angewiesen ist. In Lavrio schifft man sich auf der &lt;a href="http://www.athensguide.com/greek-island-ferry-schedules/"&gt;Fähre&lt;/a&gt; ein, die einen in gut einstündiger Fahrt, vorbei an der langgestreckten ehemaligen Gefängnisinsel Makronissos, in Keas Hafenort Korissia bringt. Die eindrücklichste Attraktion der ruhigen, grünen Insel ist der Hauptort &lt;a href="http://http//www.flickr.com/photos/enkaytee/4669697708/lightbox/"&gt;Ioulis&lt;/a&gt;, spektakulär auf einem Sattel zwischen zwei Hügeln gelegen, mit seiner archaischen Kolossalstatue eines liegenden &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/40903529@N08/4916958344/lightbox"&gt;Löwen&lt;/a&gt;. In der klassischen Antike bestanden auf Kea &lt;a href="http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0197%3Abook%3D10%3Achapter%3D5%3Asection%3D6"&gt;vier politische Zentren&lt;/a&gt;: neben Ioulis und Koressia auch Poieessa und Karthaia, dessen Akropolis sich an der Südostküste auf einem schmalen Felshügel zwischen zwei Bachbetten erhebt. Wer nicht per Boot an dem flachen Strand an Land gehen kann, erreicht Karthaia nur per mindestens einstündigen Fussmarsch auf einem der diversen Wanderwege, die sich die Flanken der Insel hinunterwinden.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dieser unzugänglichen, aber spektakulär gelegenen und archäologisch wertvollen Stätte wurde zwischen 2002 und 2008 durch das „&lt;a href="http://www.yppo.gr/5/g5111.jsp?obj_id=16530"&gt;Programm zur Konservierung und Entwicklung des antiken Karthaia&lt;/a&gt;“ – unter anderem mit Geldern aus dem &lt;a href="http://www.hellaskps.gr/en_2000-2006.htm"&gt;Europäischen Fonds für Regionalentwicklung&lt;/a&gt; – neues Leben eingehaucht: Die Steine wurden vom Wildwuchs befreit, Mauern gerade gerichtet und ausgebessert, Bauglieder der Tempel und anderen Gebäude identifiziert, und die Rekonstruktion einzelner Säulen und Maueransätze (zusammen mit den Informationstafeln) erleichtert dem unerfahrenen Besucher das Verständnis der Fundamente. Parallel dazu vervollständigten punktuelle Ausgrabungen das Bild, das sich die Fachwelt bisher von der archäologischen Stätte gemacht hatte. Ausdrückliches Ziel war es, in Karthaia einen sanften, möglichst naturnahen Tourismus anzuregen. Entsprechend wurden die althergebrachten Wander- und Ziegenwege nicht zu Autobahnen ausgebaut, sondern einzig instand gestellt und markiert. Karthaia soll weiterhin hauptsächlich zu Fuss erreicht werden.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Die Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten wurden vor bald zwei Jahren abgeschlossen. Dazu erschien die Publikation, um die es hier eigentlich gehen soll: &lt;i&gt;Καρθαία / Karthaia&lt;/i&gt;. Ich muss gleich anfügen, dass ich das Buch nicht gekauft, sondern geschenkt bekommen habe, und zwar von einer der Autorinnen, meiner Studienkollegin Tania Panagou. Wenn ich mir trotzdem eine kurze Besprechung erlaube, dann aus zwei Gründen: Erstens glaube ich nicht, dass irgendjemand, der hier mitliest, zum potentiellen Käuferkreis des Werkes gehört. Zweitens aber finde ich es wichtig zu betonen, wie schön und zugleich nützlich die Publikation einer archäologischen Stätte sein kann, wenn alle Ingredienzen stimmen – wenn Geld und Zeit vorhanden sind, um Stress und Schludrigkeit zu verhindern, wenn eine kleine Equipe mit Herzblut bei der Sache ist, und wenn auf die Selbstbespiegelung in einer abgehobenen Fachdiskussion verzichtet wird zugunsten einer zugänglichen, aber immer präzisen Darstellung. Dass eine relativ entlegene Stätte mit einer so gelungenen Publikation geehrt wird, ist beglückend. Das Buch ist reich und hilfreich bebildert, und der in drei Sprachen parallel gehaltene Text (Griechisch-Englisch-Französisch) überlässt dem geneigten Leser jederzeit die Wahl, welche Fremdsprache er aktuell gerade revidieren möchte.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: E. Simantoni-Bournia, L.G. Mendoni, T.-M. Panagou, Καρθαία. ...ἐλαχύνωτον στέρνον χθονός... Athen 2009. ISBN 978 960 89366 2 1. Einen Link zum Buch konnte ich beim besten Willen nicht finden.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;UPDATE: Wer des Neugriechischen mächtig ist, findet &lt;a href="http://www.tdpeae.gr/index.php?ID=hTVj7iLeFT1nEFJx"&gt;hier&lt;/a&gt; ziemlich ausführliche Informationen zur Restaurierung von Karthaia mitsamt der zugehörigen Bilddokumentation. Und anstatt auf Google Maps zeigt der Link zu Kea jetzt auf die offizielle Website der Insel.&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4304857545919962939?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4304857545919962939/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/03/karthaia.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4304857545919962939'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4304857545919962939'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/03/karthaia.html' title='Karthaia'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-8980330747303059903</id><published>2011-03-18T18:34:00.002+02:00</published><updated>2011-03-18T18:38:57.705+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Les émotifs anonymes</title><content type='html'>&lt;p&gt;Eine krankhaft scheue Confiseurin sucht Arbeit in einer etwas heruntergewirtschafteten Schokoladenfabrik, trifft dort auf einen Patron, der ebenso gehemmt ist wie sie selber – und die beiden verlieben sich auf den ersten Blick. Wie aber sollen die Ärmsten je zusammen kommen? Und überhaupt: Wie soll man aus dieser Idee einen Film machen, der sich nicht in Peinlichkeit und billigen Scherzen erschöpft? Jean-Pierre Améris hat das Kunststück mit &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt1565958/"&gt;&lt;i&gt;Les émotifs anonymes&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; geschafft. Den grössten Anteil daran haben seine Hauptdarsteller. Wie Benoît Poelvoorde als &lt;a href="http://www.cinemovies.fr/images/data/photos/20534/les-emotifs-anonymes-2010-20534-1780324421.jpg"&gt;Jean-René Van Den Hugde&lt;/a&gt; zwischen gelegentlichem Mut, häufiger Traurigkeit und abgrundtiefer Verzweiflung fast simultan hin- und herwechselt, wie er all diese Gefühle mit sparsamster Mimik und Gestik auslebt – das ist ganz grosse Schauspielkunst. Und Isabelle Carré als &lt;a href="http://s.excessif.com/mmdia/i/48/8/les-emotifs-anonymes-9-10357488cmjqr_1798.jpg"&gt;Angélique Delange&lt;/a&gt; legt mit übermenschlicher Anstrengung immer wieder einen dünnen Firnis von Selbstbewusstsein über ihre dennoch kaum zu bändigende Menschenscheu. Und wie sie einen der besten Filmsätze der letzten Jahre, ein simples: „Ah, tiens, bonsoir!“, so setzt, dass im ganzen Kino fröhliches Gelächter ausbricht, muss man gesehen haben (ich empfehle dringend die Visionierung des &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=hru2ojH_j3Q"&gt;Trailers&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So ist dieser kurze, leichtfüssige Film nie verletzend, sondern bittersüss-komisch. Mit ein paar klugen Weichenstellungen im Drehbuch gibt Améris seinen gehemmten Protagonisten regelmässig den nötigen Anstoss, die Geschichte voranzubringen: Jean-Renés Psychologe stellt ihm kleine Aufgaben, die das Potential sowohl zu desaströsen als auch zu wunderbar intimen Situationen in sich tragen. Angélique ist in Tat und Wahrheit keine simple Confiseurin, sondern eine der talentiertesten Chocolatières, die das Land je gesehen hat. Und die Selbsthilfegruppe der &lt;a href="http://www.emotionsanonymous.de/"&gt;Emotifs anonymes&lt;/a&gt; steuert im richtigen Moment ganz regelwidrig den sanften Tritt in den Hintern bei, den sich Jean-René und Angélique trotz aller Willensanstrengung selber nicht geben können. So kann der Film leicht selbstironisch enden, in einer wunderschön poetischen Szene, entspannt untermalt vom eingängigen &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=yFTvbcNhEgc"&gt;&lt;i&gt;Big Jet Plane&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von Angus &amp;amp; Julia Stone.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Les émotifs anonymes ist einer jener französischen Filme, denen man den Sprung über den Röstigraben von Herzen wünscht. (Es existiert auch bereits ein deutscher Titel, der leider ziemlich missglückt ist: &lt;a href="http://www.kino.de/kinofilm/anonyme-romantiker/135498.html"&gt;Anonyme Romantiker&lt;/a&gt;.) &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2010/LesEmotifsAnonymes/"&gt;Im Moment&lt;/a&gt; läuft er noch da und dort in der Westschweiz. &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-8980330747303059903?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/8980330747303059903/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/03/les-emotifs-anonymes.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8980330747303059903'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8980330747303059903'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/03/les-emotifs-anonymes.html' title='Les émotifs anonymes'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-2892165201793851585</id><published>2011-03-07T17:04:00.002+02:00</published><updated>2011-03-07T17:14:25.153+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Museum'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><title type='text'>Geschacher um Sarpedon</title><content type='html'>&lt;p&gt;Im Mittelpunkt dieses Beitrags hätte der &lt;a href="http://www.foursecondmemory.com/pixels/wp-content/uploads/2009/06/20090613-euphronios-krater---front.jpg"&gt;Krater des Euphronios&lt;/a&gt; mit Eros und Thanatos stehen sollen, die den toten Sarpedon aus der Schlacht tragen: vielleicht die schönste bekannte griechische Vase, ein Meisterwerk der Kunstgeschichte – und zentrales Objekt eines Kunsthandelsthrillers, packender als jede Fiktion. Wer sich mal ein Stündchen gut unterhalten will, dem sei die mitreissende &lt;a href="http://www.artnet.com/magazine/features/hoving/hoving6-29-01.asp"&gt;Aufzeichnung&lt;/a&gt; dieser Verwicklungen durch Thomas Hoving herzlichst empfohlen, dem damaligen Direktor des &lt;i"&gt;&lt;a style="font-style: italic;" href="http://www.metmuseum.org/"&gt;Metropolitan Museum of Art&lt;/a&gt;. Ihm wurde nämlich dieses Meisterstück im Herbst 1971 vom bereits damals skandalumwitterten Antikenhändler &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Hecht_Jr."&gt;Robert Hecht&lt;/a&gt; angeboten. Hecht machte vage Andeutungen zur herausragenden Bedeutung und zum exorbitanten Preis einer bislang unbekannten Vase vorerst unklarer Provenienz und lud zur Besichtigung in Zürich ein (&lt;i&gt;of all places&lt;/i&gt;). Kann man „Grabraubgut“ noch deutlicher schreiben? Hoving, der sich damals stark für einen Ehrenkodex der Antikenmuseen zum Umgang mit Antiquitäten zweifelhafter Herkunft engagierte, war natürlich auf der Hut. Er beschreibt aber auch offen, wie absolut rettungslos ihn der Krater faszinierte, als er ihn zum ersten Mal zu Gesicht bekam – und wie erleichtert, als Hecht Nachweise für die Provenienz des Kunstwerks aus altem Privatbesitz lieferte, die sich zuerst zwar etwas unglaubwürdig anhörten, sich aber nach und nach unter dem prüfenden Blick der italienischen Justiz und der Presse erhärteten. Hoving handelte den Kaufpreis auf eine Million Dollars herunter, zahlte, und der Krater kam nach New York.&lt;/i"&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dabei hätte es bleiben können, wenn Hecht wirklich ein anständiger Händler gewesen wäre. War er aber nicht: In jenem Herbst 1971 gingen nämlich nicht ein, sondern unglaublicherweise gleich zwei Kratere von Euphronios durch seine Hände, beide in Scherben: einer aus libanesischem Privatbesitz, der andere aus der illegalen Ausgrabung eines etruskischen Grabes bei Cerveteri. Sein Geniestreich war es, letzteren mit der Provenienzdokumentation des ersteren zu adeln und ihn so vermeintlich gefahrlos auch einem kritischen Kunden, nämlich einem renommierten Museum, zu verkaufen. Und da nun Italien seit einigen Jahren eine intensive Kulturaussenpolitik betreibt, um den Antiquitätenschmuggel zu beleuchten, zu denunzieren, und um Kunstwerke zu repatriieren, die ganz offensichtlich unrechtmässig das Land verlassen haben, wurde alsbald der zweite Akt des Thrillers geschrieben, der (für mich reichlich überraschend, siehe z.B. die &lt;a href="http://bringthemback.org/"&gt;Parthenonskulpturen&lt;/a&gt;) damit endete, dass der Euphronios-Krater an den italienischen Staat &lt;a href="http://www.nytimes.com/2008/01/19/arts/design/19bowl.html?_r=1&amp;amp;ref=world"&gt;zurückgegeben&lt;/a&gt; wurde. Mit Pomp und Prominenz wurde das gute Stück &lt;a href="http://www.artnet.de/magazine/metropolitan-museum-restituiert-euphronios-crater-nach-italien/"&gt;willkommen geheissen&lt;/a&gt; und fand seinen ihm &lt;a href="http://villagiulia.beniculturali.it/index.php?it/141/selezione-di-opere/17/cratere-di-euphronios"&gt;zustehenden Platz&lt;/a&gt; im &lt;a href="http://villagiulia.beniculturali.it/"&gt;&lt;i&gt;Museo nazionale etrusco&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; in der Villa Giulia in Rom.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Damit rückte dieses Meisterwerk für mich sozusagen in Griffweite und ein Besuch der Villa Giulia ins Pflichtprogramm für die nächste Romreise. Im Oktober des letzten Jahres war es endlich so weit. Doch dann: Als wir zur Kasse der Villa Giulia kamen, begrüsste uns ein Plakat mit der Information, dass der Krater des Euphronios zurzeit nach Venedig ausgeliehen sei, an die Ausstellung &lt;a href="http://www.polomuseale.venezia.beniculturali.it/eventi-e-mostre/?p=401"&gt;&lt;i&gt;I Carabinieri per l’arte. Tessere di un patrimonio recuperato&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;… Ich hätte das gesamte Personal samt Putzfrau würgen können, aber die gute Erziehung machte sich glücklicherweise noch rechtzeitig bemerkbar, und wir lösten artig zwei Eintritte. Tatsächlich lohnte sich der Besuch auch ohne Euphronios, mindestens im kürzlich neugestalteten ersten Teil. Das Ordnungsprinzip ist dort der Fundzusammenhang der Objekte, sind die einzelnen etruskischen Siedlungen und Nekropolen. Dennoch gelingt den Gestaltern eine klare, verständliche Darstellung der Epochen und Stile, und ich muss gestehen, dass wir etliche Meisterwerke entdecken konnten. Deutlich mühsamer und anstrengender war dann die zweite, noch nicht aktualisierte Partie der Villa Giulia, wo in nicht enden wollenden Räumen randvolle Vitrinen im Sechziger-Jahre-Design dumpf aufeinander folgten. Und in sträflicher Nonchalance haben es die Verantwortlichen fertig gebracht, das Highlight des Hauses (jedenfalls für mich) sehr effizient zu verstecken: In einem kleinen, düsteren Nebenraum standen drei Vitrinen wie zwischengelagert eng aufeinander, von wenigen Spots halbbatzig beleuchtet – und erst im letzten Moment, schon beim Herausgehen, entdeckte ich in der einen von ihnen die &lt;a href="http://www.beazley.ox.ac.uk/images/pottery/painters/keypieces/tiverios/4-p56-medium.jpg"&gt;&lt;i&gt;Olpe Chigi&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, Meisterwerk der korinthischen Vasenmalerei und seinerzeit Stammgast in meinen archäologischen Vorlesungen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Bei solchen und ähnlichen Erlebnissen bin ich durchaus versucht, mich zu fragen, ob es wirklich Sinn macht, einem Staat Kunstwerke zurückzugeben, der mit seinen eigenen Schätzen so lieblos umgeht. Aber als Schweizer hält man bei dieser Thematik wohl besser den Mund. Nichts hätte dies treffender illustrieren können als der grosse Saal neben der erwähnten Abstellkammer. Dort wird anscheinend ein neuer Ausstellungsteil zum Thema Kunstraub und Kunsthandel aufgebaut, und bereits sind da einige in den letzten Jahren wiedergefundene Objekte höchster Qualität versammelt. Eine besonders unrühmliche Rolle spielt dabei das &lt;a href="http://www.geneva-freeports.ch/"&gt;Zollfreilager Genf&lt;/a&gt; – was mich unweigerlich wieder einmal zu der Frage führt, weshalb die offizielle Schweiz während Jahrzehnten nicht nur nichts gegen den internationalen Kunstraub unternahm, sondern ihn durch spezielle &lt;a href="http://www.admin.ch/ch/d/sr/631_0/index.html#id-2-5"&gt;Gesetze&lt;/a&gt; sogar noch aktiv beförderte. Da ist viel Unheil angerichtet worden, und Patentrezepte gibt es keine. Eines immerhin zeigen das Schicksal des Euphronios-Kraters, aber auch die aktuellen Prozesse gegen der erwähnten Robert Hecht oder die &lt;a href="http://www.plan17.de/autoren/doerrzapf/leseproben/der-grosste-kunst-krimi-des-comandante-musella/"&gt;Getty&lt;/a&gt;-Kuratorin &lt;a href="http://www.faz.net/s/Rub74F2A362BA5B4A5FB07B8F81C9873639/Doc%7EECF2D3F6D80E345F4ACD92E235405B691%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html"&gt;Marion True&lt;/a&gt;: Das Bewusstsein für das Unrecht steigt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Das Museo nazionale etrusco befindet sich in der &lt;a href="http://maps.google.it/?ie=UTF8&amp;amp;ll=41.918082,12.478377&amp;amp;spn=0.001992,0.005284&amp;amp;t=h&amp;amp;z=18"&gt;Villa Giulia&lt;/a&gt;, der ehemaligen Sommerfrische von Papst Julius III. am Nordrand der Villa Borghese. Von der Piazza del Popolo (&lt;a href="http://trovalinea.atac.roma.it/zoom_in.asp?percorso=METROAA&amp;amp;idmtram=50818&amp;amp;xmax=2319972&amp;amp;ymax=4643575&amp;amp;xmin=2305197&amp;amp;ymin=4634762&amp;amp;tipologia=MEA&amp;amp;linea=METROA&amp;amp;circo=NO"&gt;Metro A&lt;/a&gt;, Flaminio) ist das ein angenehmer Spaziergang; man kommt aber auch mit &lt;a href="http://trovalinea.atac.roma.it/zoom_in.asp?percorso=19A&amp;amp;idmtram=11611&amp;amp;xmax=2318515&amp;amp;ymax=4644605&amp;amp;xmin=2308752&amp;amp;ymin=4639578&amp;amp;tipologia=URB&amp;amp;linea=19&amp;amp;circo=NO"&gt;Bus 19&lt;/a&gt; oder &lt;a href="http://trovalinea.atac.roma.it/zoom_in.asp?percorso=3A&amp;amp;idmtram=51535&amp;amp;xmax=2314648&amp;amp;ymax=4644605&amp;amp;xmin=2309312&amp;amp;ymin=4638403&amp;amp;tipologia=URB&amp;amp;linea=3&amp;amp;circo=NO"&gt;Tram (Bus) 3&lt;/a&gt; bis fast vor die Tür. Nur erkundige ich mich nächstes Mal vielleicht vorher, ob das Objekt meiner Begierde im Haus ist…&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-2892165201793851585?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/2892165201793851585/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/03/geschacher-um-sarpedon.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2892165201793851585'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2892165201793851585'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/03/geschacher-um-sarpedon.html' title='Geschacher um Sarpedon'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-167393229592411374</id><published>2011-02-26T15:37:00.002+02:00</published><updated>2011-02-26T15:40:10.708+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Architektur'/><title type='text'>Römische Paläste</title><content type='html'>&lt;p&gt;Rom beeindruckt wie keine andere Stadt, die ich kenne, nicht nur durch seine grossartige Architektur, sondern auch durch die schiere Masse an grossartiger Architektur. Man kann stundenlang in der Stadt flanieren, ohne dass Hässlichkeit sich breitmacht, und begegnet dabei immer wieder herrschaftlichen Villen mit fantastischen Gärten oder verläuft sich in Parkanlagen von unabsehbarer Weite. Die Namen nennt jeweils der Stadtplan, und der Reiseführer liefert gelegentlich ein historisches Häppchen dazu. Wer aber gerne da und dort ein bisschen mehr wissen möchte über die imposanten Palazzi, dem sei das Buch &lt;i&gt;Römische Paläste und Villen&lt;/i&gt; des Regisseurs und Autors Ernst Batta ans Herz gelegt. Dabei geht es nicht, wie man denken könnte, um Kunstgeschichte, sondern in erster Linie um historischen Klatsch und Tratsch. Anhand von 25 Palästen und Villen erzählt Batta aus der Geschichte von ebenso vielen römischen Familien. Und das sind beileibe keine Gutenachtgeschichten. Römische Familien im Lauf der Jahrhunderte, das bedeutet Adlige, Kardinäle und Päpste, das bedeutet Aufstieg und Niedergang, Reichtum und Prunk, Krieg, Intrigen und Vetternwirtschaft. Alle ziehen sie so am Auge des Lesers vorbei: die &lt;a href="http://maps.google.it/?ie=UTF8&amp;amp;ll=41.90369,12.476467&amp;amp;spn=0.001992,0.005284&amp;amp;t=h&amp;amp;z=18&amp;amp;layer=c&amp;amp;cbll=41.903562,12.476235&amp;amp;panoid=Hkwb-LyZ5jZmiOR5qro1lA&amp;amp;cbp=12,15.21,,0,-12.45"&gt;Borghese&lt;/a&gt; und die &lt;a href="http://maps.google.it/maps?f=q&amp;amp;source=s_q&amp;amp;hl=de&amp;amp;geocode=&amp;amp;%20aq=0&amp;amp;sll=41.442726,12.392578&amp;amp;sspn=16.421129,43.286133&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;%20ll=41.896883,12.483435&amp;amp;spn=0.001993,0.005284&amp;amp;t=h&amp;amp;z=18&amp;amp;layer=c&amp;amp;cbll=41.896863,12.483155&amp;amp;panoid=RdzWoYvkdT5gtl17MNaTig&amp;amp;cbp=12,43.23,,0,-11.17"&gt;Colonna&lt;/a&gt;, die &lt;a href="http://maps.google.it/?ie=UTF8&amp;amp;ll=41.902661,12.489523&amp;amp;spn=0.002008,0.005284&amp;amp;t=h&amp;amp;z=18&amp;amp;layer=c&amp;amp;cbll=41.902661,12.489523&amp;amp;panoid=BmsekBDv0UYWT3_VWkCGUg&amp;amp;cbp=12,32.48,,0,-8.61"&gt;Barberini&lt;/a&gt; und die &lt;a href="http://maps.google.it/?ie=UTF8&amp;amp;ll=41.895235,12.471373&amp;amp;spn=0.001909,0.005284&amp;amp;t=h&amp;amp;z=18&amp;amp;layer=c&amp;amp;cbll=41.895235,12.471373&amp;amp;panoid=2jOy0iPaR5qhKVZfCavb7A&amp;amp;cbp=12,228.79,,0,-16.2"&gt;Farnese&lt;/a&gt;, die &lt;a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e0/VISandorkep.jpg"&gt;Borgia&lt;/a&gt; und die &lt;a href="http://www.panoramio.com/photo/43563264"&gt;Pamphili&lt;/a&gt; – klingende Namen, Triumphe und Abgründe. Die Lektüre ist höchst unterhaltsam (wie bei Klatschheften üblich), und mit fortschreitendem Buch kommen Handlungsstränge zusammen, zeigen sich Links und Verbindungen, werden Nebenfiguren im einen Palazzo zu Protagonisten im anderen, folgen Schirmherren auf Beschirmte, Kardinäle auf Päpste und umgekehrt. Es entsteht das Porträt einer langen Epoche, von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert, in der Rom der Mittelpunkt der Welt war – und des Christentums ohnehin (wobei das meiste der pikanten Details, von denen dieses Buch lebt, mit Christentum herzlich wenig zu tun hat; aber das ist eine andere Geschichte). &lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ernst Batta hat ein vergnügliches Buch geschrieben. Seine Liebe zu und Begeisterung für Rom, diese einzigartige Schaubühne von Kabalen und Ränken, leuchtet aus jeder Seite. Es wäre übertrieben zu sagen, dass ich die dreihundert Seiten wirklich studiert habe. Aber auf der nächsten Romreise (so Gott will) werde ich da und dort eine Fassade wiedererkennen, ein Detail beachten, mich an eine Anekdote erinnern – und mich darüber freuen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Ernst Batta, Römische Paläste und Villen. Annäherung an eine Stadt. Insel Taschenbuch 1324. Frankfurt, Insel 1992. ISBN 3 458 33024 0. Das Buch ist vergriffen und nur mehr &lt;a href="http://www.amazon.de/R%C3%B6mische-Pal%C3%A4ste-Villen-Ann%C3%A4herung-Stadt/dp/3458330240/"&gt;antiquarisch&lt;/a&gt; erhältlich. &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-167393229592411374?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/167393229592411374/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/romische-palaste.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/167393229592411374'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/167393229592411374'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/romische-palaste.html' title='Römische Paläste'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-357546633741707652</id><published>2011-02-19T17:11:00.002+02:00</published><updated>2011-02-19T17:14:30.779+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Hereafter</title><content type='html'>&lt;p&gt;So müsste man alt werden können: wie &lt;a href="http://www.imdb.com/name/nm0000142/"&gt;Clint Eastwood&lt;/a&gt;. Alles gemacht, alles erreicht, nichts mehr zu beweisen, aber noch gut im Saft und mit Zeit und Musse, das zu tun, was man einfach noch so tun will. Filme machen zum Beispiel, die eine oder andere Geschichte erzählen, gute Geschichten mit interessanten Figuren. Das tut der Mann jetzt seit zehn Jahren mit Meisterschaft. Und aus jedem seiner Filme sprechen die Freude an seinen Geschichten und die Zuneigung zu seinen Figuren.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Sein aktuelles Werk trägt das Thema im Titel: &lt;a href="http://hereafter.warnerbros.com/"&gt;&lt;i&gt;Hereafter&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;: Es geht um das Jenseits – oder präziser, um den Tod. Eastwood folgt den Geschichten von drei Menschen, die mit dem Tod konfrontiert und darob aus der Bahn geworfen wurden. Die französische Star-Journalistin Marie Lelay (eine unglaublich präsente &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/06/soeur-sourire.html"&gt;Cécile de France&lt;/a&gt;) wird auf einem indonesischen Markt in einer atemberaubenden Sequenz von der Welle des Tsunami erfasst und verweilt für einen kurzen Moment im Zwischenbereich zwischen Leben und Tod, bevor sie wieder zu sich kommt. Äusserlich erholt sie sich schnell, kehrt (ganz Powerfrau) dynamisch in die Redaktion zurück – aber in Wirklichkeit ist zu viel in ihr erschüttert, und sie merkt, dass sie keinen Frieden finden wird, bevor sie ihrem &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nahtod-Erfahrung"&gt;Nahtoderlebnis&lt;/a&gt; nicht auf den Grund gegangen ist. Gleichzeitig sieht sie sich dadurch erbarmungslos in die esoterische Ecke gestellt. In London verliert der zwölfjährige Marcus in einem Unfall seinen Zwillingsbruder Jason und damit gleichsam die Hälfte von sich selber, denn es war immer der elf Minuten ältere Jason, der dem Jüngeren Beschützer und Anführer war im ärmlichen Leben in der baufälligen Sozialsiedlung mit der drogenabhängigen Mutter. Die Mutter muss in die Therapie, der Sohn in eine Pflegefamilie; aber nichts kann ihn aus seinem Dämmerzustand der Trauer herausholen. George Lonnegan (Matt Damon, etwas verhalten) aus San Francisco schliesslich hat die unerklärliche Gabe, mit Verstorbenen kommunizieren zu können. Damit ist viel Geld zu machen, was sein geschäftssüchtiger Bruder auch beherzt an die Hand nimmt. Aber George wird die Gabe derart zur Belastung und zum Fluch, dass er lieber als Lagerist im Hafen malocht und sich ansonsten immer mehr von der Welt und den Menschen abkapselt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Der Film wechselt ohne Hektik zwischen den drei Leben hin und her, verfolgt sie mit meisterhafter Kameraführung, zeichnet sie mit klug komponierten Farben und präzisen Bildern. Und gegen den Schluss lässt er sie mühelos, wie beiläufig, miteinander in Kontakt geraten und lässt die drei Verlorenen sich gegenseitig aus ihrem Verlorensein heraushelfen. Dass er mich dennoch nicht restlos begeistert hat, liegt an zwei Dingen, denke ich. Erstens hat, wer in eineinhalb Stunden drei Geschichten erzählen will, für jede einzelne nur sehr wenig Zeit. So wirken die Charaktere, obwohl sie mit knappen Strichen sehr präzise gezeichnet sind, in den paar Minuten, in denen wir sie jeweils sehen, etwas eindimensional. Dazu kommt zweitens, dass sich die Geschichten gelegentlich in Nebensträngen verlieren, die nicht viel zum Ganzen beitragen – beispielsweise Melanie, Georges Kochkurs-Bekanntschaft: Sie wird in einer schönen, langen Sequenz eingeführt, überredet ihn dann beim Rendez-vous zu einer Totenkontaktaufnahme und ergreift vom Gehörten geschockt die Flucht. Gewiss verdeutlicht sie damit erneut und übergross den Fluch von Georges besonderer Gabe, bleibt aber im dramaturgischen Gefüge ein etwas verlorener Fremdkörper.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So ist &lt;i&gt;Hereafter&lt;/i&gt; vor allem ein besinnlicher Film; einer, der ruhig und offen Fragen stellt und beiläufig Anregungen gibt. Uns hat er ganz von selbst in eine lange, intensive und persönliche Diskussion geführt; und das ist vielleicht das Beste, was ein Kunstwerk überhaupt bewirken kann.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Hereafter läuft immer noch in vielen &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2010/Hereafter/cinema.html"&gt;Kinos&lt;/a&gt; in der ganzen Schweiz. Vorsicht: Es kommen im Film Phänomene vor, die sich rational nur schwer erklären lassen. Eingefleischte &lt;a href="http://www.filmsprung.ch/wordpress/?p=7340"&gt;Atheisten&lt;/a&gt; schauen sich vielleicht lieber etwas anderes an…&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-357546633741707652?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/357546633741707652/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/hereafter.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/357546633741707652'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/357546633741707652'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/hereafter.html' title='Hereafter'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4424786226068598620</id><published>2011-02-11T14:43:00.002+02:00</published><updated>2011-02-11T14:51:10.252+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Parzival, reiner Tor</title><content type='html'>&lt;p&gt;Ich muss so elf, zwölf Jahre alt gewesen sein, als ich zum ersten Mal die Geschichte von Parzival las (in der Bearbeitung der grossen, heute etwas vergessenen Jugendbuchautorin &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Auguste_Lechner"&gt;Auguste Lechner&lt;/a&gt;, deren Bücher ich damals in Serie verschlang), und sie liess mich etwas befremdet zurück – befremdet von ihrer seltsamen Logik und ihrem atypischen Helden, diesem leicht blutleeren, ungelenken jungen Ritter Parzival, den das Schicksal zum Erlöser des Gralskönigs Anfortas bestimmt hatte, der aber diese einmalige Chance glatt versiebte. Und als wäre es nicht schon bei weitem genug der Ehre und der Glückseligkeit, überhaupt einmal der Gralsburg, des Grals ansichtig geworden zu sein, kriegt dieser durch Tollpatschigkeit schuldige Held, der zunächst mal eine Spur der Zerstörung hinterlässt, allen Ernstes zunächst eine ausführliche Belehrung, dann die Möglichkeit zur Bewährung und zuletzt die Gnade einer zweiten Chance. Erst mit fortschreitendem Alter merkte ich, dass ich schon richtig verstanden hatte. Dieser Legende ist mit kartesianischer Logik nicht beizukommen, vielmehr geht es – die Schlüsselbegriffe sind bereits gefallen – um Erlösung, um Schuld und um Gnade. Im Mittelpunkt steht der reine Tor, der mit der erstarrten, höfischen Welt kollidiert, an dem aber auch die Menschlichkeit, das Mitgefühl als höchster Wert aufscheint.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Im &lt;a href="http://stadttheaterbern.ch/625-parzival.html"&gt;Stadttheater Bern&lt;/a&gt; war eine Bühnenfassung von Wolfram von Eschenbachs mittelhochdeutschem Versroman angekündigt, besorgt vom dramatischen Shooting Star &lt;a href="http://cms.hsverlag.com/?autoren/detail/a3"&gt;Lukas Bärfuss&lt;/a&gt; – die vielleicht spannendste Ausgangslage dieser Theatersaison und ein Grund, umgehend in den Vidmarhallen einen Platz zu reservieren. Da beherrschte zunächst ein &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/503-matthias-kaschig.html"&gt;Regieeinfall&lt;/a&gt; die Szene: Die ganze Bühne war mit Plastikblachen abgedeckt, auf denen eine schmutzige Brühe schwappte, und die bedauernswerten Schauspielerinnen und Schauspieler mussten sich nach jedem ihrer häufigen Kostümwechsel umgehend in die Pfützen schmeissen und sich im braunen Wasser wälzen. Eine treffliche Metapher für das irdische Jammertal, gewiss, aber eine, die in ihrem offensiven Aufdrängen mehr schadet als nützt. Doch nun &lt;a href="http://www.bernerzeitung.ch/kultur/theater/Lukas-Baerfuss-Parzival-ist-ein-Holzkopf/story/10740813"&gt;zum Stück&lt;/a&gt;. Bärfuss legt einen schlanken, stark abstrahierten Parzival vor, der sich trotz zwei Stunden ohne Pause relativ kurz anfühlte. Schuld, Gnade, Erlösung kommen natürlich einem Dramatiker des 21. Jahrhunderts nicht mehr so ring von den Lippen. Der christlich-mythische Überbau fehlt denn auch fast vollkommen, und im Sumpf der Vidmar-Bühne nimmt das grosse Stück häufig fast banale Züge an – am deutlichsten sichtbar bei König Arthus, einem schmächtigen Männlein im durchfallbraunen Strampelanzug und mit lächerlicher Mähne, der sich schier zu entschuldigen scheint, wenn er denn einmal überhaupt das Maul aufmacht. Die Aufmerksamkeit liegt bei dem Menschen Parzival, beim Mysterium seines Wesens (um doch noch einmal die grossen Worte zu gebrauchen). Fröhlich, interessiert, mit grossem Herzen, aber naiv bis zur Einfalt wegen der weltfremden Erziehung durch seine paranoide Mutter bricht er auf in die Welt, wo er unbewusst und unschuldig nicht nur in sämtliche Fettnäpfchen tappt, sondern auch Leid und Unheil über die Menschen bringt, denen er begegnet. Und fasziniert sehen wir ihm zu, wie er langsam, Stück für Stück, so etwas wie eine Weltsicht, ein Konzept entwickelt. Das ist häufig auf den ersten Blick mehr oder weniger komisch, auf den zweiten aber berührend oder nachdenklich machend. Eine Fülle von Themen wird angetippt; zuvorderst natürlich die alte Frage nach Erziehung versus Persönlichkeit, und vieles wird sehr beiläufig in Frage gestellt. Die Schlussszene, das erneute Zusammentreffen mit dem grässlich leidenden Anfortas, wird dann sehr banal: Dass Parzival Gralskönig werden wird, dass er jetzt endlich die entscheidende Frage stellt – all das ist nur &lt;i&gt;en passant&lt;/i&gt; ein Thema. So wird abschliessend noch einmal klar: Um Handlung, um Spannung, um Parzivals Rolle geht es hier nicht. Es geht bei dieser Interpretation des Mythos um sein Wesen. Eine überzeugende &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/221-milva-stark.html"&gt;Milva Stark&lt;/a&gt; bringt seine Unschuld, seine Einsamkeit und seine Verzweiflung mit grosser Intensität auf die sumpfige Bühne.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Parzival, von Lukas Bärfuss nach dem Versroman von Wolfram von Eschenbach, steht im Stadttheater noch zwei Mal auf dem Programm. Das Stück ist ein Erfolg; mehrere Vorstellungen waren ausverkauft – wer interessiert ist, sollte sich also beeilen.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;i&gt;Beflügelt von der Vorstellung habe ich die nächste Buchhandlung aufgesucht, um im Original zu blättern, aber die 1200 Seiten und die betont sachliche Prosaübersetzung in Reclams &lt;a href="http://www.reclam.de/detail/978-3-15-018766-1"&gt;zweisprachiger Ausgabe&lt;/a&gt; haben mich etwas entmutigt. Vielleicht sollte ich mal mit Reclams &lt;a href="http://www.reclam.de/detail/978-3-15-018243-7"&gt;Auswahlausgabe&lt;/a&gt; beginnen, oder mit der Versübersetzung von &lt;a href="http://www.wissen-im-netz.info/literatur/esch/parzival/index.htm"&gt;Simrock&lt;/a&gt;. Die Alternative: mein Mittelhochdeutsch etwas aufpolieren und das Original lesen, zum Beispiel in der &lt;a href="http://www.hs-augsburg.de/%7Eharsch/germanica/Chronologie/13Jh/Wolfram/wol_pa00.html"&gt;Bibliotheca Augustana&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4424786226068598620?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4424786226068598620/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/parzival-reiner-tor.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4424786226068598620'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4424786226068598620'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/parzival-reiner-tor.html' title='Parzival, reiner Tor'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4345162286488212126</id><published>2011-02-06T17:24:00.000+02:00</published><updated>2011-02-06T17:26:42.584+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Museum'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><title type='text'>Die Schweiz inszenieren</title><content type='html'>&lt;p&gt;Letztes Jahr bot uns ein Ausflug nach Zürich die Gelegenheit, endlich einmal die neu gestaltete Dauerausstellung des &lt;a href="http://musee-suisse.ch/d/zuerich/index.php"&gt;Landesmuseums&lt;/a&gt; anzuschauen. Wie jeder brave Schweizer Schulbub hatte ich die weihevollen Hallen unseres nationalen Museums als Kind zwei-dreimal mit gehörigem staatsbürgerlichem Respekt durchschritten. Respekt erheischt das Schloss beim Zürcher Hauptbahnhof weiterhin, auch wenn die neue Präsentation sehr zugänglich ist. Und an einige Eindrücke aus meinen Kindheitsbesuchen wurde ich auf dem historischen Rundgang ganz zwangslos da und dort wieder erinnert – so im ausführlichen Abschnitt über die Reformation, wo die wohl bekanntesten Reliquien des Hauses, Helm und Schwert von Zwingli, ihren gebührenden Raum einnehmen. Zuvor wird in aller Kürze, aber mit edelsten Objekten das christliche Mittelalter veranschaulicht; zuletzt leitet der Aufstieg der Schweizer Industrie in die Zeitgeschichte über. Und wie es inzwischen &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/08/im-dunkeln-tappen.html"&gt;Mode&lt;/a&gt; ist, werden nach dem ersten, chronologischen Teil die überreichen kunsthistorischen Bestände an Skulptur, Malerei, Kunsthandwerk in ihrer ganzen Masse eindrücklich und &lt;a href="http://www.nationalmuseum.ch/ci/01_zuerich/07_presse/2009/07_29_neue_dauerausstellung/d/texte/08_holzer_kobler_architekturen.pdf"&gt;sehr gekonnt&lt;/a&gt; präsentiert. Mangels Zeit und Energie konnten wir diese reiche Fülle gar nicht mehr im Detail betrachten.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Im Zusammenhang mit der Neueröffnung hatte ein Detail einiges an &lt;a href="http://www.uzh.ch/fvhist/etu/Interview_Spillmann"&gt;Polemik&lt;/a&gt; im rechten politischen Spektrum entfesselt: Die mit dem simplen (&lt;a href="http://www.exex.ch/niemand1.html"&gt;geklauten&lt;/a&gt;) Satz „Niemand war schon immer da“ gemachte Feststellung, dass viele bedeutende Schweizerinnen und Schweizer ursprünglich gar keine solchen waren. Das Landesmuseum als Propagandaschleuder? Gemach. Das Einführungskapitel in die Dauerausstellung stellte einzig die – in diesem Zusammenhang nicht nur berechtigte, sondern selbstverständliche – Frage, wer denn die Menschen waren, die früher auf dem Gebiet der heutigen Schweiz wohnten, und woher die kommen, die jetzt hier sind. Diese doppelte Frage gibt einerseits Anlass zur gerafften Präsentation der Frühgeschichte und Antike, anderseits zu ein paar Feststellungen über die heutige Bevölkerung. Dass eine nationale Selbstbildvermittlungsinstitution dabei die Gelegenheit ergreifen muss, Vorurteile zu berichtigen und unbekannte Aspekte in die Diskussion einzubringen, erscheint mir naheliegend; es wäre sogar möglich gewesen, auf die Konstruktion (und Konstruiertheit) der nationalen Identität noch expliziter einzugehen. Aber der Teil über die Schweiz und die Schweizer ist ohnehin nicht der politischste Teil der Ausstellung. Das eigentliche politische Statement ist die Ausführlichkeit, mit welcher die spannendsten fünfzig Jahre der Schweizer Geschichte inszeniert sind, die Epochenwende zwischen dem Ende des Ancien Régime und der Verfassung von 1848. Für mich ist das die Schlüsselperiode der Schweiz. Unerträgliche Spannungen hatten sich im kurzen Bürgerkrieg entladen – und danach schafften echte Patrioten ruhig und speditiv unter dem Radar des monarchistischen Europas hindurch den modernsten Staat des Kontinents. Wenn man unbedingt auf eine Periode der Schweizer Geschichte stolz sein will, dann ist es diese. Und man kann gegenüber all jenen, die sich mit bewusstem oder unbewusstem Zurechtbiegen der historischen Forschung die Eidgenossenschaft von 1291 für ihre Propagandazwecke zu nutzen machen, die Bedeutung des Bundesstaates von 1848 nicht genügend betonen. Dem Landesmuseum gebührt Dank dafür, diese Zeitenwende in den Fokus gerückt und mit grosser Geste illustriert zu haben.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Das Landesmuseum Zürich hat die wohl beste &lt;a href="http://fahrplan.sbb.ch/bin/bhftafel.exe/dn?input=8503000&amp;amp;REQTrain_name=&amp;amp;boardType=dep&amp;amp;time=08:00&amp;amp;maxJourneys=50&amp;amp;dateBegin=07.02.11&amp;amp;dateEnd=07.02.11&amp;amp;selectDate=today&amp;amp;productsFilter=2:111101001&amp;amp;start=yes"&gt;ÖV-Anbindung&lt;/a&gt; aller Schweizer Museen: In Zürich HB aus einem der zahllosen Züge steigen, zum Perronkopf gehen und dann nur noch links raus – voilà. Das Haus ist täglich ausser montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, am Donnerstag sogar bis 19 Uhr.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4345162286488212126?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4345162286488212126/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/die-schweiz-inszenieren.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4345162286488212126'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4345162286488212126'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/02/die-schweiz-inszenieren.html' title='Die Schweiz inszenieren'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-2316867621295789579</id><published>2011-01-28T09:20:00.002+02:00</published><updated>2011-01-28T09:27:58.787+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Slow Crime</title><content type='html'>&lt;p&gt;Meine kriminalistische Italienreise hat mich nach &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/05/saltimbocca.html"&gt;Rom&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/05/feuchter-nebel-uber-grauer-stadt.html"&gt;Triest&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/unter-den-mauern-bolognas.html"&gt;Bologna&lt;/a&gt; jetzt in die Gegend von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/luigilz/4053022437/#/photos/luigilz/4053022437/lightbox/"&gt;Parma&lt;/a&gt; geführt, an den Po, der als &lt;a href="http://www.rowohlt.de/buch/Valerio_Varesi_Der_Nebelfluss.345846.html"&gt;&lt;i&gt;Der Nebelfluss&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; dem Roman von &lt;a href="http://varesi.blogautore.repubblica.it/"&gt;Valerio Varesi&lt;/a&gt; nicht nur den Titel gibt, sondern auch so etwas wie sein heimlicher Protagonist ist. Breit und träg mäandert er durch die Ebene, schleift hier sein Ufer ab, baut dort eine Insel auf, birgt Geheimnisse auf seinem Grund und gibt sie irgendwann wieder frei. Und der Rhythmus seines zunächst grenzenlos anschwellenden, dann langsam fallenden Hochwassers bestimmt den Gang dieser Geschichte. Dem kann sich bei aller Ungeduld auch der eigentliche Hauptdarsteller, Commissario Soneri, nicht entziehen, der seine Ermittlungen voranbringen möchte und doch keine andere Wahl hat, als seine Tage auf den schmalen Strassen und in den kleinen Dörfern am Fluss zu verbringen und zu verlieren.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Hauptcharakteristikum und Erfolgsgeheimnis dieses Krimis ist seine Langsamkeit. Soneri versucht, den Tod zweier alter Einzelgänger und Brüder aufzuklären, deren einer mitten in der Nacht mit seinem Lastkahn in den stetig steigenden Fluten des Pos verschwindet, während der andere tags darauf unter einem Fenster des Krankenhauses zerschmettert aufgefunden wird. Dass es sich dabei weder um Zu- noch um Unfälle handeln kann, wird mindestens dem Kommissar bald einmal klar; und als herauskommt, dass beide Brüder im Zweiten Weltkrieg als faschistische Schwarzhemden brutale Verbrechen verübt haben, zeichnet sich rasch auch ein mögliches Motiv ab. Wie in Zeitlupe zieht sich danach die Suche nach dem Täter dahin, und man folgt Soneri in aller Musse in den &lt;i&gt;Circolo Nautico&lt;/i&gt;, zu den Carabinieri und in die Osteria, wo der Kommissar schäumenden Fortanina trinkt, grandiosen Vorderschinken isst und aus Andeutungen und Zufällen einen weiteren Fetzen seiner Spur zu erhaschen, eine Erklärung für das Vorgefallene zu finden sucht. (Der Zufall übrigens tritt mehrfach in der charmanten Gestalt von Soneris Freundin Angela auf, deren Fetisch, ihren Geliebten nur an den unmöglichsten Orten zu treffen, die beiden zwar in Teufels Küche, aber gleichzeitig die Ermittlungen vorwärts bringt.)&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Im Nebel über dem Po wird die Lektüre zum Slow-Food-ähnlichen Genuss, von der diffusen Spannung gleich einer bald abgelaufenen Uhrfeder stetig, aber ohne jegliche Thriller-Hektik vorangetrieben. Dies gilt auch für die finale Konfrontation mit dem von weit her gekommenen Mörder, die eher einem Gespräch beim Psychologen ähnelt, gleichzeitig aber einen Plot von raffinierter Eleganz enthüllt. Für einmal kann ich ohne Einschränkungen den Lobesschnipsel auf dem Klappentext zitieren, der da sagt: „Manche Bücher vermisst man schon, ehe man sie ausgelesen hat. Varesis &lt;i&gt;Der Nebelfluss&lt;/i&gt; gehört dazu.“ Glücklicherweise halten Buchhändler und Bibliotheken von Valerio Varesi (auf &lt;a href="http://www.valeriovaresi.net/biblio.htm"&gt;Italienisch&lt;/a&gt; wie auf &lt;a href="http://www.rowohlt.de/autor/Valerio_Varesi.148340.html"&gt;Deutsch&lt;/a&gt;) noch etliche weitere Bücher bereit.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Valerio Varesi, Der Nebelfluss. Commissario Soneri sucht eine Leiche. Deutsch von Karin Rother. Reinbek, Rowohlt Taschenbuch 2006. ISBN 978 3 499 23780 5. Das Original ist unter dem Titel „&lt;a href="http://www.sperling.it/scheda/978888274804"&gt;Il fiume delle nebbie&lt;/a&gt;“ 2003 bei Edizioni Frassinelli in Mailand erschienen.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-2316867621295789579?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/2316867621295789579/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/01/slow-crime.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2316867621295789579'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2316867621295789579'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/01/slow-crime.html' title='Slow Crime'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-1070997108867927258</id><published>2011-01-21T14:09:00.002+02:00</published><updated>2011-01-21T14:13:05.512+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Sennentuntschi</title><content type='html'>&lt;p&gt;Als Kind verband mich mit den Sagen meiner engeren Heimat eine Art Hassliebe. Ich war fasziniert von diesen Geschichten und gleichzeitig niemals frei von der Angst, dass tatsächlich um das nächtliche Haus die &lt;a href="http://literaturnetz.org/5529"&gt;Sträggele&lt;/a&gt; toben oder auf den Höhen des Lindenbergs der &lt;a href="http://www.frei%C3%83%C2%A4mtersagenweg.ch/sagen/8-der-stifeliryter/"&gt;Stiefeliryter&lt;/a&gt; jagen könnte. Mit dem Erwachsenwerden ist diese Angst zum Glück verschwunden; die Faszination aber ist geblieben, ja vielleicht noch stärker geworden. Auf jeden Fall ist mir heute klarer bewusst, weshalb Sagen den Leser oder Hörer so unmittelbar packen und ansprechen: weil sie nämlich das Unheimliche und das Unrecht aus dem theoretischen, bloss gefühlten Bereich in die Realität holen und unmittelbar erfahrbar machen. Es gibt in der Sagenwelt eine übergreifende Logik, ein Bewusstsein für Zusammenhänge zwischen Ursache und Vergeltung. Das Unbehagen, das jeden recht Denkenden befallen muss, wenn er von Unrecht erfährt, befällt hier oftmals in furchtbarer Konsequenz denjenigen, der es verursacht hat. Sagen sind so gewissermassen ein Versuch der Volksüberlieferung, das real existierende Ungleichgewicht zwischen Tätern und Opfern irgendwie zu einem Ausgleich zu bringen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Und damit sind wir schon mitten in der Analyse des &lt;a href="http://www.keltoi.ch/magie.html"&gt;Sennentuntschis&lt;/a&gt;. Exemplarisch werden in dieser Geschichte einer weiblichen Puppe, welche von ein paar Sennen zur Unterhaltung und Triebableitung gebastelt, dann lebendig wird und sich zum Schluss fürchterlich für das ihr Angetane rächt, Frevel und Strafe verhandelt. Der Regisseur &lt;a href="http://www.imdb.com/name/nm0825973/"&gt;Michael Steiner&lt;/a&gt; hat das &lt;a href="http://www.sennentuntschi.com/"&gt;Sennentuntschi&lt;/a&gt; ins Kino gebracht und ihm eine kongeniale Wendung gegeben: Er erzählt die Geschichte als Krimi. In einem kleinen Dorf in den Bündner Bergen wird der Mesner an der Kirchglocke baumelnd gefunden, aber nichtsdestotrotz in geweihter Erde bestattet – und als sich die Trauerprozession durch die engen Gassen windet, taucht hinter einer Hausecke plötzlich eine schöne junge Frau auf, die Haare zerzaust, behelfsmässig gekleidet und total entkräftet. Der junge Dorfpolizist kümmert sich um das seltsame, sprachlose Wesen, scheint aber im ganzen Ort der einzige zu sein, der nicht entweder mit Ekel, Panik oder Verachtung auf sie reagiert. Verwoben in die Geschehnisse im Dorf und im Unterland wird allmählich die Vorgeschichte auf der Alp, hoch oben, in einer unheimlichen und zugleich unheimlich schönen, von der Zivilisation entrückten Parallelwelt; zudem tragen dreissig Jahre zurück liegende Erinnerungen zur wachsenden Beklemmung bei. Der Plot ist meisterhaft gestaltet, evoziert bald einen Horrorfilm, bald die heutige Tagesaktualität, aber nie als Selbstzweck: Immer bleibt die Geschichte punktgenau im Fokus und werden deren verschiedene und vielfach verflochtene Stränge mit sicherer Hand in eine Erzählung zusammengefügt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Steiner findet für die alte Sage neue, starke Bilder – so die unendlich scheinende, steile Geröllhalde, welche die Alp von der übrigen Welt trennt, oder die extremen Fokusverschiebungen im Vorspann. Und er ist zwar nicht darum herum gekommen, für seinen auf Schweizerdeutsch gedrehten Film die üblichen Verdächtigen vor die Kamera zu verpflichten, hat aber die Figuren dermassen präzis besetzt, dass das Ganze nie zum Klassentreffen ausartet, sondern beklemmend realitätsnah ist. Die Vorschusslorbeeren und die weitgehend überschwängliche &lt;a href="http://www.artfilm.ch/sennentuntschi.php"&gt;Kritik&lt;/a&gt; für den Film sind absolut verdient. Zu bemängeln wären allenfalls Details: Die kurze Rahmenerzählung ist eigentlich unnötig, und die Dialoge wirken besonders im ersten Teil etwas betulich. Vor allem gegen Ende läuft der Film jedoch zur Höchstform auf. Und als dann alles offen daliegt, entlässt er uns mit der erschütternd banalen Einsicht, dass es für das Böse weder Teufel noch Dämonen braucht: Dazu genügen wir Menschen mit unseren Vorurteilen, unseren bösen Absichten und unserem simplen Ungeschick ganz mühelos selber.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Das Sennentuntschi lief in den Deutschschweizer Kinos wochenlang bis kurz vor Weihnachten, jetzt aber kaum mehr; und hier im Westen habe ich es noch nicht angekündigt gesehen. Wer den Film verpasst hat, muss also wohl auf die DVD warten. Ich sags nochmals: Es lohnt sich. Was ich auch sagen muss: Dieser Film ist keine leichte Kost, sondern geht mit seiner erschütternden Geschichte und den drastischen Bildern ziemlich ans Gemüt.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-1070997108867927258?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/1070997108867927258/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/01/sennentuntschi.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1070997108867927258'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1070997108867927258'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/01/sennentuntschi.html' title='Sennentuntschi'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-8589102102471010085</id><published>2011-01-14T15:43:00.002+02:00</published><updated>2011-01-14T15:50:32.175+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><title type='text'>Müder Ritt durch die Klischees</title><content type='html'>&lt;p&gt;Aus dem abgelaufenen Jahr ist noch eine Premiere zu verzeichnen: mein erster Theaterbesuch im &lt;a href="http://www.nouveaumonde.ch/"&gt;&lt;i&gt;Nouveau Monde&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Auf dieser Freiburger Bühne wird in der Regel Musik gespielt, die mir nicht besonders nahe geht oder steht, was erklärt, warum ich sie bislang nur dann besucht habe, wenn das &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/06/il-etait-une-fois.html"&gt;&lt;i&gt;Festival du conte&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; oder das &lt;i&gt;&lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/enjoy-poverty.html"&gt;Belluard&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/verblassende-bilder-hartnackige.html"&gt;Bollwerk&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/07/no-money-no-love.html"&gt;International&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; zu Gast waren. Ein paar Mal jedoch schiebt Sylvain Maradan, der Intendant, einen Theaterabend in das Musikprogramm, und Anfang Dezember schien mir die Gelegenheit günstig. Affichiert war „A l’ouest de l’homme“ der &lt;i&gt;Cie RDH&lt;/i&gt;, und versprochen gewissermassen eine genderwissenschaftliche Studie mit den Mitteln der Bühne: Fünf Frauen analysieren im Selbstversuch die Männlichkeit. Wie spricht ein Mann? Wie bewegt er sich? Wie reagiert er auf andere Männer? Und: Kann das eine Frau auch? Das Labor für diesen Versuch war der archetypische Ort, an dem ein Mann noch ein Mann ist (oder war), der Wilde Westen, und angesagt demnach ein Western, dieses unvergleichliche Konzentrat übersteigerter Männlichkeit mit entsprechender Bühnenausstattung: eine ganze Reihe von Saloon-Schwingtüren, davor eine zünftige Ladung Stroh, ein Wasserbecken, Whiskyflaschen und Schiesseisen aller Art; darüber tobten die Protagonistinnen in Stiefeln, Jeans, Hemd und Stetson.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Was ein ausgezeichneter Ansatz für eine umfassende Auslegeordnung hätte sein können, entpuppte sich leider als kunstloser Versuch, mit dem Dampfhammer Gelächter zu erzeugen. Denn alle Originalität, alle Finesse, alle Ironie, die diesem Stück hätten innewohnen können, wurden schlicht erschlagen von einer simplen Grobschlächtigkeit – vom Irrglauben, dass Lautstärke reicht, um lustig zu sein, und dass sich ein ganzer Abend mittels einiger Running Gags bestreiten lässt. Lässt er sich eben nicht: Wenn etwas dekonstruiert werden soll, dann reicht einmaliges Überspitzen. Die Lächerlichkeit einer aufgeblasenen Körperhaltung oder einer Mackergeste ist auf den ersten Blick ersichtlich, vor allem wenn sie von einer Frau gezeigt wird. Die Wiederholung macht den Witz nicht witziger, im Gegenteil, sie schwächt ihn ab und ermüdet die Zuschauer. Wie hatten wir hier doch mal analysiert? &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2008/03/hau-den-willi.html"&gt;Man muss schon sehr gut sein, um mehr als einmal ins Publikum kotzen zu können. &lt;/a&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Einsamer Pluspunkt des Abends war die Musik, dargebracht vom einzigen (genetischen) Mann auf der Bühne, dem Gitarristen &lt;a href="http://www.myspace.com/galaxiepohlhammer"&gt;Sven Pohlhammer&lt;/a&gt;, der den Part von Ennio Morricone übernahm. Auch das war überspitzte Essenz des Westerns – aber mit atemberaubender Meisterschaft dargeboten. Wer parodieren und ironisieren will, muss sein Handwerk verstehen. Für alle anderen gilt mit Goethe: Getretener Quark wird breit, nicht stark.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Fairerweise muss ich anfügen, dass ich vielleicht auch ganz einfach den Humor nicht verstanden habe. Andere Zuschauerinnen kriegten sich gar nicht mehr ein vor Lachen. Spricht das jetzt gegen mich oder gegen das Freiburger Publikum?&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;i&gt;A l’ouest de l’homme wurde letztes Jahr da und dort in der Westschweiz aufgeführt. Aktuelle Daten habe ich keine gefunden, auch nicht die Website der Cie RDH. Für etwas mehr Informationen verweise ich auf &lt;a href="http://georgemag.ch/a-louest-de-lhomme/"&gt;georgemag.ch&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-8589102102471010085?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/8589102102471010085/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/01/muder-ritt-durch-die-klischees.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8589102102471010085'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8589102102471010085'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2011/01/muder-ritt-durch-die-klischees.html' title='Müder Ritt durch die Klischees'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5042134767938983085</id><published>2010-12-31T21:28:00.002+02:00</published><updated>2010-12-31T21:32:48.715+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Umbilicoscopica'/><title type='text'>Auf ein Neues</title><content type='html'>&lt;p&gt;Der Dezember schien sich im Voraus ganz luftig und grosszügig zu präsentieren, aber irgendwie ist er mir unversehens zwischen den Fingern zerronnen – das Jahr ist um, es bleibt nur, ein paar rückblickende Worte zu formulieren. Ich war ein paar Mal im &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search/label/Tanz"&gt;Ballett&lt;/a&gt; und im &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search/label/Theater"&gt;Theater&lt;/a&gt;, habe einige &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search/label/Film"&gt;Filme&lt;/a&gt; gesehen und siebzehn &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search/label/Literatur"&gt;Bücher&lt;/a&gt; gelesen (nicht alle hier dokumentiert), dazu ein Mehrfaches davon in Form von Zeitungen, Zeitschriften und Blogs. Anderes war weitaus bedeutender, im Guten wie im Schlechten, aber das vermindert nicht die Wichtigkeit, kritischen Sinn und sprachlichen Ausdruck ständig zu schärfen. Es ist mir gelungen, meinen &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/12/gute-vorsatze.html"&gt;Vorsatz&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/02/von-den-altertumern.html"&gt;auszuleben&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/mit-dem-bauforscher-durch-griechenland.html"&gt;einiges&lt;/a&gt; an &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/apologia-latina.html"&gt;Grundlagenliteratur&lt;/a&gt; zum &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/spartacus.html"&gt;Altertum&lt;/a&gt; zu &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/griechische-geschichte.html"&gt;lesen&lt;/a&gt;, was mich sehr &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/antike-wirtschaft.html"&gt;freut&lt;/a&gt;. Im nächsten Jahr möchte ich mehr nach dem Lustprinzip vorgehen. Auch dazu steht hier Etliches aus der Antike in den Regalen: Grabungsberichte, Museumskataloge, Monografien und Sammelwerke. Ich hege die Hoffnung, damit die oft trockenen Basen aus der diesjährigen Lektüre mit Farbe und Leben zu umkleiden, und bin mir auch gewiss, dass die Grundlagen mir die Spezialliteratur einfacher verständlich machen werden.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Und damit allen Mitlesenden ein gutes neues Jahr – möge es denkwürdig werden, reich an Schönem und Gutem, und möge das unvermeidliche Missliche schnell und dauerhaft der Vergessenheit anheimfallen! Und lasst uns nicht vergessen, dass Buch und Bühne nicht das Leben sind, aber dass wir ohne sie im Leben ärmer wären.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5042134767938983085?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5042134767938983085/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/12/auf-ein-neues.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5042134767938983085'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5042134767938983085'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/12/auf-ein-neues.html' title='Auf ein Neues'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5749456221232748791</id><published>2010-12-17T11:36:00.004+02:00</published><updated>2011-12-11T17:42:46.022+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Luzern'/><title type='text'>Nordisches Irrlicht</title><content type='html'>&lt;p&gt;Von Peer Gynt kannte ich bis vor drei Wochen nur die Musik. Die beiden &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peer-Gynt-Suite"&gt;Suiten&lt;/a&gt; von Edvard Grieg haben durchaus aufbrausende und kontrastreiche Momente, hinterlassen aber mit ihren &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=iVbq-7o84jU"&gt;grandiosen Naturszenen&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=PO-lweEDKGg"&gt;innigen Liedern&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=dRpzxKsSEZg"&gt;schwelgerischen Melodien&lt;/a&gt; einen sehr romantischen, verklärten Eindruck. Und nun dies: &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peer_Gynt"&gt;&lt;i&gt;Peer Gynt&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von Henrik Ibsen, in der Übersetzung von Christian Morgenstern, inszeniert von &lt;a href="http://lifandileikhus.blogspot.com/"&gt;Thorleifur Örn Arnarsson&lt;/a&gt; auf der Bühne des &lt;a href="http://www.luzernertheater.ch/node/234"&gt;Luzerner Theaters&lt;/a&gt;. Dieser Peer Gynt ist ein Irrwisch und Tausendsassa, Herzensbrecher und Frechdachs, Mutters Liebling, Lügenbaron und Trollenprinz, unfassbar und unbegreiflich – es braucht ganze drei Schauspieler, um ihn einigermassen darzustellen, dazu den Bestand mehrerer Brockenhäuser, um ihm ein so überbordendes wie angemessenes Bühnenbild (Vytautas Narbutas) zu bieten. Der erste Teil gleicht einem Vulkanausbruch, einem Höllenritt durch Raum und Zeit: Meeresüberfahrt in der Badewanne, Trollenhochzeit auf Bücherstapeln, Griegs Musik aus dem Radio und vom Klavier in Fragmenten herwehend, Morgensterns kongeniale Verse scharf und ironisch, wenn auch oft unverständlich im allgemeinen Chaos, Lärm und Gebrüll. In der Pause präsentiert sich Peer Gynt im Foyer als Spitzenkandidat der Peer-Gynt-Partei PGP für den Posten des Königs, des Präsidenten, oder was auch immer Glamouröses zur Auswahl steht, hat aber mit seinem Aufruf zur Revolution beim belustigten Publikum wenig Erfolg. Nach der Pause dann so etwas wie der besinnliche Teil: Auf das expansiv-expressive Rausgehen in die Welt folgt Peers Rückkehr zu sich selbst, oder wenigstens sein Versuch, ein paar wichtigen Themen nicht länger auszuweichen. Der gealterte Heisssporn sieht sich zum Schluss mit einem Gegenspieler konfrontiert, der ihm unerbittlich die Stirn bietet – und findet (ganz altmodisch) unerwartete Erlösung.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Wir erlebten in Luzern einen temporeichen, vergnüglichen Abend. Die schiere Reizüberladung, verbunden mit meiner mangelnden Vorbildung, hat es mir allerdings verunmöglicht, die ganze Tiefe des Stücks zu erfassen; der Genuss blieb deshalb etwas an der Oberfläche. Immerhin: Dass Griegs Musik und Ibsens Peer Gynt herzlich wenig miteinander gemeinsam haben, ist nicht nur mir aufgefallen. Die Wikipedia fasst die &lt;i&gt;communis opinio&lt;/i&gt; so zusammen: „Heute besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die nationalromantische Musik Griegs denkbar schlecht zu Ibsens modernem Drama passt.“ Ich empfehle also, Drama und Musik getrennt zu lesen bzw. zu hören – aber ich empfehle beides ausdrücklich, und ebenso die eindrückliche Luzerner Inszenierung.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Peer Gynt steht im Haus an der Reuss im Dezember und Januar noch drei Mal auf dem &lt;a href="http://www.luzernertheater.ch/spielplan/spielzeit/stueck_9906.html"&gt;Spielplan&lt;/a&gt;. Morgensterns deutsche Übersetzung findet sich unter anderem beim &lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/1716/1"&gt;Projekt Gutenberg&lt;/a&gt;, oder als &lt;a href="http://www.amazon.de/Peer-Gynt-Henrik-Ibsen/dp/3939703087/"&gt;Taschenbuch&lt;/a&gt; vom Ondefo-Verlag (ISBN 978 3 93970308 2).&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;[UPDATE: Das Luzerner Theater hat seine Website umgebaut; den Link zum Stück habe ich angepasst, ebenso den zum Projekt Gutenberg. Auf den Versuch, den laufend verschwindenden Youtube-Links hinterherzuhecheln, verzichte ich allerdings...]&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5749456221232748791?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5749456221232748791/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/12/nordisches-irrlicht.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5749456221232748791'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5749456221232748791'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/12/nordisches-irrlicht.html' title='Nordisches Irrlicht'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5290399404608065589</id><published>2010-12-10T16:06:00.001+02:00</published><updated>2010-12-10T16:09:39.960+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tanz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Herren unserer Zeit</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.michaelende.de/buch/momo"&gt;Momo&lt;/a&gt;: Dieser Name erweckt Nostalgie; weit zurückliegende Erinnerungen an den Kinderbuchklassiker von &lt;a href="http://www.michaelende.de/"&gt;Michael Ende&lt;/a&gt; und vor allem an den ersten Kinobesuch meines Lebens, als ich ganz allein mit den Primarschulgspänli den Zug nach Luzern nehmen und mir den Film anschauen durfte. Nun kommt Momo als Orchesterballett auf die Bühne des Berner Stadttheaters, choreografiert von der Niederländerin &lt;a href="http://www.didyveldman.com/"&gt;Didy Veldman&lt;/a&gt;; statt Shakespeare oder Ibsen, statt Historie oder Weltliteratur also zur Abwechslung ein Märchen. Das macht das Ballett zugänglicher, erzählerischer und leichter verständlich als andere Handlungsballette der letzten Jahre.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Damit ist nicht gesagt, dass die Geschichte banal wäre. An Hand von Momo und ihren Freunden untersucht sie nämlich die Frage, wer denn Herr unserer Zeit ist: wir selber, oder sonst irgendwer oder irgendwas. Das Thema Zeit scheint äusserlich mehrfach im Motiv der Uhr auf. Durchdekliniert wird es aber insbesondere in der tänzerischen Umsetzung des Umgangs mit der Zeit. Die Grosszügigkeit, Verspieltheit, das eigentliche Vergessen der Zeit zugunsten dessen, wozu sie dient, charakterisiert Momo und ihre Freundinnen; scharf kontrastiert damit die hektische Effizienz der Zeitdiebe, der Grauen Herren; flotte Tempowechsel von der Zeitlupe bis zum maschinenähnlichen Schnelldurchlauf sind der choreografische Ausdruck dieses Gegensatzes. Ein zweites Thema schleicht sich dann ein: die Korrumpierbarkeit. Denn nur indem sie ihnen etwas Heissersehntes versprechen, sie mithin also bei einem schwachen Punkt erwischen, können die Grauen Herren die Menschen für sich gewinnen. Alle – bis auf Momo. Die nämlich ist schlicht immun gegenüber Tand und Schein. In einer wunderbaren Szene mit viel Slapstick wird ihr eine Puppe untergeschoben, Modell Letzter Schrei – und währenddem diese tanzend und quiekend über die Bühne stakst, steht Momo das schiere Unverständnis, was das soll und weshalb das cool ist, ins Gesicht und den Körper geschrieben.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Vielleicht ist dies die entscheidende Szene. Der ultimative Showdown in der Zentrale der Grauen Herren jedenfalls wird ganz knapp und beiläufig abgehandelt; fast absichtslos nähert sich Momo mit Schildkröte und Stundenblume, währenddem die letzten der Zeitdiebe sich in relativ kurzem Prozess gegenseitig die lebensspendenden Zigarren aus den Mündern reissen. Am Schluss – man erinnert sich, es ist ein Märchen – regnet es Blütenblätter in Fülle, Momos Freunde winden sich verwundert aus dem kalten Diktat der Zeit und gewinnen Ausdruck, Bewegung und Lebensfreude wieder.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Die Tänzerinnen und Tänzer des Bern.Ballett, allen voran &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/79-hui-chen-tsai.html"&gt;Hui Chen Tsai&lt;/a&gt; in einer grossen Rolle als Momo, setzen die Geschichte mühelos um. Die Musik, die das Berner Sinfonieorchester unter Dorian Keilhack dazu spielt, kommt von Dmitri Schostakowitsch, zusammengestellt von Philip Feeney. Schade, dass nirgends zu erfahren ist, um welche Stücke es sich handelte, denn die Musik passt so gut, als hätte Schostakowitsch sie während der Lektüre von Endes Buch geschrieben. Sehr tanzbar, erfasst sie in jeder Szene perfekt die Gefühlslage – atonal zu Beginn, wie um den Schritt ins Land der Märchen zu markieren, spätromantisch-schwelgerisch dann über weite restliche Strecken, immer geschickt spielend mit Beschleunigung und Verlangsamung. Kaum mitgekriegt haben wir leider von unseren Stammplätzen im 3. Rang die Videos von Hambi Haralambous.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ein Blick in den Zuschauerraum bestätigte: Dies ist ein Ballett, das auch Kinder anspricht und ihnen zugänglich ist. Vielleicht ein geschickter Schachzug des Bern.Ballets im Angesicht der &lt;a href="http://newsnetz-blog.ch/kulturstattbern/blog/2010/12/02/stadttheater-quo-vadis/"&gt;Stadttheaterkrise&lt;/a&gt; und der überwundenen und doch immer noch drohenden Sparmassnahmen?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/643-momo.html"&gt;Momo&lt;/a&gt; steht im Stadttheater Bern im Dezember und Januar noch mehrfach auf dem Spielplan. Einen schönen Vorgeschmack gibt die &lt;a href="http://vimeo.com/16657854"&gt;Videodokumentation&lt;/a&gt; von Hambi Haralambous. Und wer den Klassiker wieder einmal lesen möchte, findet ihn (hoffentlich) in jeder anständigen Bibliothek sowie beim &lt;a href="http://www.piper-verlag.de/taschenbuch/buch.php?id=15637"&gt;Piper-Verlag&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5290399404608065589?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5290399404608065589/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/12/herren-unserer-zeit.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5290399404608065589'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5290399404608065589'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/12/herren-unserer-zeit.html' title='Herren unserer Zeit'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7115609880925264208</id><published>2010-11-27T20:00:00.001+02:00</published><updated>2010-11-27T20:02:54.910+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philologie'/><title type='text'>Antike Wirtschaft</title><content type='html'>&lt;p&gt;Bei meiner archäologischen und althistorischen Lektüre ist mir in letzter Zeit klar geworden, dass die Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Überlegungen für das Verständnis historischer Phänomene oft von grosser Bedeutung ist – beziehungsweise wäre, denn in meinem Studium ist dieser Aspekt kaum je methodisch angegangen worden. Es galt hier also eine Lücke zu schliessen. Glücklicherweise stand das entsprechende Standardwerk bei mir bereits im Regal: &lt;i&gt;Antike Wirtschaft&lt;/i&gt; von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Moses_I._Finley"&gt;Moses I. Finley&lt;/a&gt;. Finley, soviel hatte ich immerhin mitgekriegt, war einer der führenden Forscher zur antiken Ökonomie, und die aus einer Vorlesung hervorgegangene Übersichtsdarstellung gewissermassen die Summe seiner Forschungen. Die deutsche Ausgabe kommt schlichtestmöglich daher, als schmales Bändchen im sobren Tarnkappengewand der Reihe &lt;i&gt;dtv wissenschaft&lt;/i&gt;. Der Inhalt jedoch ist nahrhaft; die Lektüre verlangt Wachheit und Konzentration. Finley herrscht mit der Souveränität des erfahrenen Gelehrten über seinen Gegenstand, gewichtet mit sicherer Hand, polemisiert überzeugt gegen unbegründete Auffassungen und muss doch selber mehr als einmal auf sehr unsicherem Terrain seine Analysen errichten. Denn eines macht er von Anfang an klar: Griechen und Römer, die sich doch in allen möglichen wissenschaftlichen Gattungen als originelle Pionierdenker erwiesen hatten, kannten die Ökonomie als Wissenschaft nicht.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Der Befund ist zunächst mal ernüchternd. Er bedeutet: Es gibt in der antiken Literatur keinerlei abstrakte Betrachtung wirtschaftlicher Phänomene, es fehlen auch grundlegende Hilfswissenschaften wie Statistik sowie die entsprechende Terminologie und Konzepte; ja es fehlt jeglicher Beleg dafür, dass wirtschaftliche Zusammenhänge erkannt oder untersucht worden wären, die über anekdotische Einsicht hinausgingen. (Wenn das Wetter in Ägypten ungünstig war, kam weniger Getreide nach Rom und die Preise stiegen – soviel war klar, aber zum Anlass weitergehender Studien zur Preisgestaltung beispielsweise wurden solche Alltagsphänomene nicht genommen.) Für uns bedeutet das auch: Es ist schlicht sehr wenig belastbares Material vorhanden, das uns heutigen entsprechende Untersuchungen erlaubt. Für fast alles, was er beschreibt, kann Finley trotz immenser Quellenkenntnis aus der antiken Literatur und Epigrafik gerade mal ein paar Beispiele anführen; und die Bewertung und Einordnung dieser Quellen erweist sich geradezu als Hauptschwierigkeit: Sind es belanglose oder anekdotische Einzelfälle, oder sind es dennoch, gerade wegen ihrer Beiläufigkeit, charakteristische Beispiele verbreiteter Praxis?&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Aus dieser schütteren Quellenlage errichtet der Autor ein beeindruckendes und umfassendes Gesamtbild. Er geht aus von den Menschen und ihren Rollen. Stand und Status definieren den Rahmen der Möglichkeiten eines jeden und damit auch sein wirtschaftliches Handeln. Der Beziehung zwischen Herren und Sklaven wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt, wobei Finley ausdrücklich von modernen (moralischen) Bewertungen und Vorstellungen warnt, was Freiheit und Sklaverei angeht: Sklave zu sein, konnte ein sehr breites Spektrum von Lebenssituationen bedeuten, das von schonungsloser Unterdrückung bis zu selbständiger Erwerbstätigkeit reichte. Dazu kommt, dass das heute gängige Konzept der Lohnarbeit in der Antike nur in wenigen Ausnahmefällen angetroffen wird: Wer kein Sklave war, war freier Handwerker, kaum je ein Angestellter. Ähnlich differenziert ist der Grundbesitz zu betrachten: Nominell freie Bauern hatten beispielsweise in der späten römischen Republik in der Regel zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Hauptlektion des Buches ist wohl, dass Verallgemeinerungen mit Vorsicht zu formulieren sind, nicht nur der Quellenlage wegen. Man muss sich schliesslich auch immer bewusst sein, dass vieles, was in unseren Geschichts- oder Archäologiebüchern aufscheint, absolute Ausnahmefälle darstellte, so etwa die römischen Kaiserhöfe, die eine historisch kaum je mehr erreichte Konzentration von Reichtum im Vergleich zum Normalbürger darstellten. Einen methodisch wichtigen Eintrag ins Stammbuch habe ich mir allerdings gemacht; er betrifft die Kleinräumigkeit der antiken Wirtschaft. Exportproduktion war immer eine Ausnahme, die grosse Mehrzahl der wirtschaftlichen Kontakte blieben auf das Umfeld lokaler Bauernmärkte oder die Kontakte zwischen einer Stadt und ihrem unmittelbaren Umland beschränkt. Mitentscheidend dafür waren die hohen Transportkosten, sobald kein Meer oder Fluss zur Verfügung stand – oder in Finleys kongenialer Formulierung zu den hauptsächlichen Transporttieren der Antike: „Alle drei – Ochse, Maulesel, Esel – waren langsam und gefrässig“. Deshalb war ein Landtransport über 120 Kilometer teurer als ein Seetransport über die gesamte Breite des Mittelmeeres, und wer nicht in Wassernähe sass, hatte ein Problem.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Moses I. Finleys &lt;i&gt;Antike Wirtschaft&lt;/i&gt; ist ein Buch, mit dessen einmaliger Lektüre es nicht getan ist. Es wird unabdingbar sein, zukünftigen Lesestoff mit seinen Erkenntnissen zu verknüpfen und das hochkonzentrierte Werk regelmässig beizuziehen. Dass es notwendigerweise in einen gutsortierten Handapparat zur Altertumsgeschichte und Archäologie gehört, scheint mir unbestreitbar.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Moses I. Finley, Die antike Wirtschaft. Autorisierte Übersetzung aus dem Englischen von Andreas Wittenburg. dtv wissenschaft. München, dtv &lt;sup&gt;2&lt;/sup&gt;1980. ISBN 3 423 04277 X. Das Buch ist zurzeit &lt;a href="http://www.amazon.de/Die-antike-Wirtschaft-Moses-Finley/dp/3423045841"&gt;vergriffen&lt;/a&gt;, deshalb sei der Hinweis auf &lt;a href="http://books.google.ch/books?id=KU-1K3oh9isC"&gt;Google Books&lt;/a&gt; erlaubt.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7115609880925264208?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7115609880925264208/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/antike-wirtschaft.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7115609880925264208'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7115609880925264208'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/antike-wirtschaft.html' title='Antike Wirtschaft'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4977632723006090796</id><published>2010-11-20T19:04:00.003+02:00</published><updated>2010-11-20T19:16:12.761+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Unter den Mauern Bolognas</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.randomhouse.co.uk/minisites/donnaleon/"&gt;Commissario Brunetti&lt;/a&gt; aus Venedig oder vielleicht auch &lt;a href="http://www.magdalennabb.com/"&gt;Maresciallo Guarnaccia&lt;/a&gt; aus Florenz sind hierzulande bekannt; Sarti Antonio aus Bologna hingegen kaum. Das ist schade, denn Kommissar Sarti ist ein aufrechter Mensch ohne theatralische Macken, der seine Stadt bestens kennt und liebt, ohne sich deswegen irgendwelche Illusionen zu machen. Passend zur &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/europarekord.html"&gt;Feriendestination&lt;/a&gt; griff ich für die lange Zugfahrt zu einem der wenigen von &lt;a href="http://www.loriano.it/"&gt;Loriano Macchiavelli&lt;/a&gt;s Sarti-Krimis, die auf Deutsch vorliegen: &lt;a href="http://www.piper-verlag.de/taschenbuch/buch.php?id=2299&amp;amp;page=suche&amp;amp;auswahl=a&amp;amp;pagenum=1&amp;amp;page=buchaz&amp;amp;PHPSESSID=4752bad1e03a4ddf702dba53161b1555"&gt;&lt;i&gt;Unter den Mauern Bolognas&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Macchiavelli, soviel wird bald klar, begnügt sich nicht damit, eine Geschichte zu erzählen. Er lässt seinen ausnehmend gesprächigen Erzähler nämlich nach Herzenslust mit dem Leser fachsimpeln und sogar seiner Hauptperson gelegentlich die eine oder andere Idee einflüstern. Das ist etwas prätentiös, gewiss, aber es vermittelt dem Buch jenen gesellschaftlichen und politischen Unterbau, ohne den ein Krimi nur eine simple Detektivgeschichte wäre.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ein mysteriöser Toter, der an der &lt;a href="http://www.panoramio.com/photo/2053240"&gt;Battiferro-Schleuse&lt;/a&gt; nördlich der Stadt angespült wird, und eine Razzia der Stadtpolizei gegen die illegalen afrikanischen Ramschverkäufer unter den Arkaden, bei der auf den zweiten Blick etwas nicht ganz stimmt, sind die beiden Ausgangspunkte der Geschichte. Dass und wie sie miteinander zu tun haben, ermittelt Sarti auf mühsame und oft unangenehme Weise: Er muss nämlich mehrfach in dunkelster Nacht in das rudimentäre, aber effiziente &lt;a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Canali_di_Bologna"&gt;Netz von Flüssen und Kanälen&lt;/a&gt; hinuntersteigen, welches Bologna durchzieht, mittlerweile aber fast durchgehend überdeckt und mehr oder weniger vergessen ist&lt;sup&gt;[1]&lt;/sup&gt;. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass die gesuchten Verbrecher auch noch für ungezählte andere Untaten verantwortlich sind, dass sie sich nicht scheuen, Menschen aus dem Fenster zu stossen und Züge in die Luft zu jagen, sowie dass sie über jeden Schritt Sartis offensichtlich informiert sind, allerdings glücklicherweise meist daneben schiessen. Etwas dick aufgetragen? Etwas sehr dick, finde ich – auch weil Macchiavelli seinen &lt;i&gt;deus ex machina&lt;/i&gt;, Sartis Freund, den Schlaumeier Rosas, mehrfach ins Spiel bringen muss, um die Handlung vorwärtszubringen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Eine wichtige Funktion aber erfüllen die unglaublichen Zusammenhänge: Sie vergrössern das Unbehagen, das den gesamten Krimi durchzieht. Des Erzählers (und seines Kommissars) Liebe zu Bologna ist gross, doch es ist eine desillusionierte Hassliebe zu einer Stadt, die sich als grossartig hinstellt, aber ihre Menschlichkeit längst verloren hat. Dazu passt, dass am Schluss die ausführliche Auflösung fehlt. Freilich, gewisse Leute landen hinter Gittern. Doch wer (wie ich) erwartet hatte, dass die verstreuten Andeutungen und halb ausformulierten Folgerungen nochmals aufgenommen und zusammengefügt werden, wird enttäuscht. Sarti ist ja auch vollauf mit anderem beschäftigt, nämlich mit seiner Francesca! Also hilft nur zurückzublättern und selber zu versuchen, die losen Fäden einigermassen zu verknüpfen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Loriano Macchiavelli, Unter den Mauern von Bologna. Kriminalroman. Aus dem Italienischen von Sylvia Höfer. München, Serie Piper 2005. ISBN 978-3-492-24543-2. Das Original ist 2002 unter dem Titel „I sotterranei di Bologna“ bei &lt;a href="http://www.librimondadori.it/web/mondadori/scheda-libro?isbn=978880451429"&gt;Mondadori&lt;/a&gt; in Mailand erschienen (ISBN 978-88-04-5142-9).&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;a name="Fussnote"&gt;[1]&lt;/a&gt; Nur im Norden der Altstadt, zwischen Via Oberdan und Via Piella, scheint zwischen zwei Häuserzeilen so etwas wie eine &lt;a href="http://maps.google.it/?ie=UTF8&amp;amp;ll=44.49848,11.346259&amp;amp;spn=0.011372,0.01929&amp;amp;t=h&amp;amp;z=16&amp;amp;layer=c&amp;amp;cbll=44.498592,11.345237&amp;amp;panoid=gD6XysfBbaDdgAmw8HF70Q&amp;amp;cbp=12,111.09,,0,5"&gt;Venedig-Szene&lt;/a&gt; auf – falls der Kanal denn Wasser führt…&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4977632723006090796?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4977632723006090796/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/unter-den-mauern-bolognas.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4977632723006090796'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4977632723006090796'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/unter-den-mauern-bolognas.html' title='Unter den Mauern Bolognas'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-2444420009170754612</id><published>2010-11-12T22:03:00.002+02:00</published><updated>2010-11-12T22:06:42.027+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Trivia'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Architektur'/><title type='text'>Europarekord</title><content type='html'>&lt;!--[if gte mso 9]&gt;&lt;xml&gt;  &lt;w:worddocument&gt;   &lt;w:view&gt;Normal&lt;/w:View&gt;   &lt;w:zoom&gt;0&lt;/w:Zoom&gt;   &lt;w:hyphenationzone&gt;21&lt;/w:HyphenationZone&gt;   &lt;w:punctuationkerning/&gt;   &lt;w:validateagainstschemas/&gt;   &lt;w:saveifxmlinvalid&gt;false&lt;/w:SaveIfXMLInvalid&gt;   &lt;w:ignoremixedcontent&gt;false&lt;/w:IgnoreMixedContent&gt;   &lt;w:alwaysshowplaceholdertext&gt;false&lt;/w:AlwaysShowPlaceholderText&gt;   &lt;w:compatibility&gt;    &lt;w:breakwrappedtables/&gt;    &lt;w:snaptogridincell/&gt;    &lt;w:wraptextwithpunct/&gt;    &lt;w:useasianbreakrules/&gt;    &lt;w:dontgrowautofit/&gt;   &lt;/w:Compatibility&gt;   &lt;w:browserlevel&gt;MicrosoftInternetExplorer4&lt;/w:BrowserLevel&gt;  &lt;/w:WordDocument&gt; &lt;/xml&gt;&lt;![endif]--&gt;&lt;!--[if gte mso 9]&gt;&lt;xml&gt;  &lt;w:latentstyles deflockedstate="false" latentstylecount="156"&gt;  &lt;/w:LatentStyles&gt; &lt;/xml&gt;&lt;![endif]--&gt;&lt;!--[if gte mso 10]&gt; &lt;style&gt;  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable  {mso-style-name:"Normale Tabelle";  mso-tstyle-rowband-size:0;  mso-tstyle-colband-size:0;  mso-style-noshow:yes;  mso-style-parent:"";  mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;  mso-para-margin:0cm;  mso-para-margin-bottom:.0001pt;  mso-pagination:widow-orphan;  font-size:10.0pt;  font-family:"Times New Roman";  mso-ansi-language:#0400;  mso-fareast-language:#0400;  mso-bidi-language:#0400;} &lt;/style&gt; &lt;![endif]--&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;span lang="DE-CH"&gt;Unsere Herbstferien in der Emilia Romagna geben mir den Anstoss, auf eine Falschmeldung hinzuweisen, die sich in und um Bern seit Jahren hartnäckig hält. Ihre Entstehung kann man sich problemlos vorstellen, und zwar etwa so: Jedermann weiss, dass die Lauben eines der wichtigsten und bekanntesten Charakteristika Berns sind. Über sechs Kilometer gedeckte Ladenpassagen! Das ist gewiss ziemlich einmalig! Das ist sicher fast rekordverdächtig – wenn nicht weltweit, so doch sicher in Europa, oder? Bern Tourismus formuliert noch &lt;a href="http://www.berninfo.com/de/page.cfm/Bernerleben/Shopping"&gt;vorsichtig&lt;/a&gt;, aber &lt;a href="http://www.myswitzerland.com/de/destinationen/unesco/UNESCO-welterben-und-biosphaeren-in-der-schweiz/unesco-welterbe-altstadt-von-bern.html"&gt;Schweiz Tourismus&lt;/a&gt; und die &lt;a href="http://www.unesco.ch/die-unesco-und-die-schweiz/welterbestaetten-in-der-schweiz/altstadt-von-bern.html"&gt;UNESCO-Kommission&lt;/a&gt; machen aus den Berner Lauben ohne zu zögern „die längste überdachte Einkaufspromenade Europas“. Und &lt;a href="http://www.schweiz-netz.com/168/sehenswuerdigkeiten-schweiz/arkaden-bern.html"&gt;andere&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.swiss.city-tourist.de/city-tourist.ch-Bern-Shopping.htm"&gt;schreiben&lt;/a&gt; diesen &lt;a href="http://www.schwiiz.eu/unesco_bern.php"&gt;angeblichen&lt;/a&gt; Europarekord &lt;a href="http://reisen.ciao.de/Bern__Test_2239758"&gt;unbesehen&lt;/a&gt; ab.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;span lang="DE-CH"&gt;Liebe Bernerinnen, liebe Berner, liebe Bern-Fans: Ein bisschen weniger &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2007/11/berner-nabelschau.html"&gt;Nabelschau&lt;/a&gt;, ein bisschen mehr Weitsicht würden euch gelegentlich gut anstehen. Ihr müsstet nicht weiter schauen als bis nach &lt;a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Torino#I_portici_monumentali"&gt;Turin&lt;/a&gt; (18 km Arkaden, davon 12,5 km zusammenhängend, sprich auch über Querstrassen hinweg fortgesetzt). Oder eben bis zum fünf Bahnstunden entfernten &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna"&gt;Bologna&lt;/a&gt;: Entlang der rostroten Mauern seines historischen Zentrums ziehen sich 38 Kilometer meist hohe, breite und elegante &lt;a href="http://www.cittadarte.emilia-romagna.it/bologna/arte-e-cultura.html"&gt;Arkaden&lt;/a&gt; (und weitere neun Kilometer finden sich ausserhalb der Altstadt). &lt;a href="http://whc.unesco.org/en/tentativelists/5010/"&gt;Weltrekord&lt;/a&gt; – so behauptet man in Bologna. Ob das nun wirklich stimmt? Jedenfalls sollte der Mythos des Berner Europarekords damit deutlich erledigt sein.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-2444420009170754612?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/2444420009170754612/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/europarekord.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2444420009170754612'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2444420009170754612'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/europarekord.html' title='Europarekord'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5960994196432157612</id><published>2010-11-04T17:58:00.002+02:00</published><updated>2010-11-04T18:07:29.480+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Ficus macrophylla</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;i&gt;L’arbre &lt;/i&gt;von &lt;a href="http://www.imdb.com/name/nm0078465/bio"&gt;Julie Bertuc(c)elli&lt;/a&gt; erzählt die Geschichte einer Familie und eines Baumes. Die Familie O’Neil wohnt einfach und glücklich in der Hügellandschaft von Queensland; hinter ihrem Haus steht ein uralter, breit verzweigter &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Moreton_Bay_Fig"&gt;Grossblättriger Feigenbaum&lt;/a&gt;. Der Film beginnt mit einem Fertighaus aus Holz, das von Peter O’Neil auf einem Tieflader an seinen Bestimmungsort gefahren wird. Als Peter von dem Transport zurückkehrt, erleidet er einen Herzstillstand; Verlust und Schmerz ziehen in das Haus unter dem Baum ein. Simone, die einzige Tochter und nach eigenem Empfinden des Vaters Lieblingskind, verkriecht sich stunden- und nächtelang auf die Äste des Baumes. Bald ist sie überzeugt, dass ihr Vater aus dem Baum zu ihr spricht. Die kindlich-versponnene Idee ist für Simone beruhigend und tröstlich und hilft auch ihrer Mutter Dawn wieder Tritt im Leben zu fassen. Aber der Baum ist nicht nur Trostquelle. Seine Äste bedrohen das Haus, die wild wuchernden Wurzeln die Nachbarn. Und schliesslich ist es, als ob sich an ihm Widerstrebendes und Unausgesprochenes kristallisiert, bis es kulminiert und sich brachial entlädt. Am Schluss ist wieder gleichsam ein Haus auf Reisen, eines ohne Wände und Dach freilich: Familie O’Neil verlässt ihren Baum, nur mit dem Nötigsten im Kofferraum des Autos, um anderswo neue Wurzeln zu schlagen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;i&gt;L’arbre&lt;/i&gt; ist ein Film wie ein Fotoessay, geprägt durch lange, ruhige Einstellungen und magistral komponierte Bilder: Das Holzhaus, das von einem gigantischen Truck quer durch die Einöde gefahren wird, festlich beleuchtet auf seinem Weg durch die Nacht. Der Blick über die hügelige Ebene am Morgen und am Abend. Und immer wieder die Portraits des uralten, breit verzweigten &lt;a href="http://www.ioncinema.com/old/images/user/news_4647_user_22071.jpg"&gt;Baumriesen&lt;/a&gt;, seine langen, dick wuchernden Wurzeln, seine kurvigen, fast körperhaften Äste, die Silhouette von Stamm und Zweigen im goldenen Mondlicht. Das langsame Tempo tendiert freilich dazu, das Handeln der Akteure in Richtung Klischeehaftigkeit zu reduzieren. Die grossartige &lt;a href="http://www.charlottegainsbourg.com/"&gt;Charlotte Gainsbourg&lt;/a&gt; jedoch verkörpert zum Greifen intensiv die abgrundtiefe Leere und verzweifelte Verlorenheit der Dawn O’Neil und dann ihr starkes Erwachen aus der Lethargie.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: L’arbre lief hier vor einigen Wochen und inzwischen in der Schweiz &lt;a href="http://www.cineman.ch/movie/2010/Larbre/review.html"&gt;allenfalls&lt;/a&gt; noch vereinzelt. Auch als DVD oder Blu-Ray-Disc scheint der Film zurzeit nicht greifbar zu sein, weswegen mir nur der Link auf die &lt;a href="http://www.thetreefilm.com/"&gt;Website&lt;/a&gt; bleibt.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5960994196432157612?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5960994196432157612/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/ficus-macrophylla.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5960994196432157612'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5960994196432157612'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/11/ficus-macrophylla.html' title='Ficus macrophylla'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3678744151510570182</id><published>2010-10-30T13:46:00.002+02:00</published><updated>2010-10-30T13:50:22.455+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philologie'/><title type='text'>Griechische Geschichte</title><content type='html'>&lt;p&gt;Von meinem &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/12/gute-vorsatze.html"&gt;Neujahrsvorsatz&lt;/a&gt;, mich anhand einiger Standardwerke aus meiner Bibliothek &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/02/von-den-altertumern.html"&gt;wieder&lt;/a&gt; etwas &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/mit-dem-bauforscher-durch-griechenland.html"&gt;tiefer&lt;/a&gt; in diejenige &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/perikleische-baukunst.html"&gt;Materie&lt;/a&gt; einzulesen, die mir einmal die vertrauteste von allen war, bin ich auch gegen Ende Jahr immer noch überzeugt. Immerhin hat das wenige, was ich bisher in dieser Hinsicht unternommen habe, bereits zu einer ersten Stabilisierung des bedrohlich wankenden Wissensgebäudes geführt – wenigstens im Bereich der Archäologie. Als ich aber kürzlich Erich Bayers &lt;i&gt;Griechische Geschichte in Grundzügen&lt;/i&gt; in Angriff nahm, kam als erstes der leise Verdacht auf, dass diese, obwohl ein Standardwerk, vielleicht ihr Verfalldatum schon überschritten haben könnte: Das Buch ist in erster Auflage 1964 erschienen, mein Exemplar der sechsten Auflage enthält den überarbeiteten Text von 1978, und es wird schnell klar, dass hier ein Historiograph am Werk ist, der in gelehrter, literarischer Sprache Geschichte erzählt, der sich nicht scheut, zu gewichten und auch gelegentlich zu werten. Meine Zweifel kulminierten im letzten Abschnitt der Einleitung, wo Bayer bekennt:&lt;/p&gt;  &lt;blockquote style="font-style: italic;"&gt;Um ihrer Kunst, ihrer Literatur und Philosophie willen gehört den Griechen unser Herz; ihre Geschichte dagegen empfinden wir als verwirrend und unbefriedigend.&lt;/blockquote&gt;  &lt;p&gt;Welche ist das denn nicht?, fragte ich mich, und blätterte nur zögernd weiter. Nach der Lektüre muss ich aber gestehen, dass ich dem Autor im Voraus Unrecht getan habe. Natürlich erzählt er mit grossem Gestus und gewichtet er (trotz gegenteiliger Ankündigung auf dem Umschlag) sehr klassisch, doch sein Einführungswerk hat einen unschätzbaren Vorteil: Es gelingt ihm von seinem magistralen Standpunkt aus, jeweils die Hauptlinien und die wesentlichen Fragestellungen zu jeder Epoche herauszuschälen. Das bedeutet immer eine einschneidende Reduktion mit dem Verzicht auf sehr vieles; gleichzeitig wird für den Übersicht Suchenden ein reduziertes, stabiles Gerüst errichtet – und das ist ja genau, was ich will. So behandelt Bayer die ägäische Bronzezeit bis in die „Dunklen Jahrhunderte“ hinein zwar sehr summarisch, streicht aber die Bedeutung der Überbevölkerung, der fehlenden Ressourcen und der dadurch ausgelösten Wanderungsbewegungen heraus. So identifiziert er für die archaische Zeit als Hauptthema die Ablösung der Adelsherrschaft durch neue Formen politischer Machtverteilung, die vielerorts in sehr verfeinerte demokratische Systeme mündeten. Gleichzeitig rückt er die Grosse Kolonisation ins Scheinwerferlicht und zeigt die Bezüge zu den politischen Umwälzungen und zu den älteren Unternehmungen gleicher Art auf. Oder, als letztes Beispiel: Die zwanzig Seiten zur hellenistischen Welt spielen fast ohne Ausnahme in Kleinasien und an der Levante, deutlicher Ausdruck des Falls in die Bedeutungslosigkeit, den das griechische Mutterland bis dahin getan hatte.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Aus der Struktur des Buches, der Gewichtung und dem Erzählduktus spricht etwas sehr Altmodisches: die Liebe des Autors zu den Akteuren seines Stoffes. Diese so deutlich zu zeigen, ist in der historischen Literatur unserer Zeit eher verpönt. Sie erinnert hier aber an den Grund, weshalb wir uns heute überhaupt noch mit dem antiken Griechenland beschäftigen: Weil eben während langer Zeit viele gelehrte Menschen nicht nur ein abstrakt-wissenschaftliches Interesse an diesem Thema hatten, sondern die alten Griechen liebten, sie als Vorbilder verstanden und ihnen nachzueifern trachteten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Erich Bayer, Griechische Geschichte in Grundzügen (Grundzüge, Band 1). Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft &lt;sup&gt;6&lt;/sup&gt;1988. &lt;a href="http://www.amazon.de/Griechische-Geschichte-Erich-Bayer/dp/3520362031/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;amp;s=books&amp;amp;qid=1285420476&amp;amp;sr=8-1"&gt;Vergriffen&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3678744151510570182?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3678744151510570182/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/griechische-geschichte.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3678744151510570182'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3678744151510570182'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/griechische-geschichte.html' title='Griechische Geschichte'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7953462095803112611</id><published>2010-10-15T19:31:00.002+02:00</published><updated>2010-10-15T19:35:49.845+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Trivia'/><title type='text'>Buzzword Bingo</title><content type='html'>&lt;p&gt;Der Typus des Do-it-yourself-&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pawlowscher_Hund"&gt;Pawlowschen-Hundes&lt;/a&gt; ist in der Politik nicht selten: Der identifiziert mit mehr oder weniger Aufwand einen (angeblichen) Missstand, klebt ein eingängiges Schlagwort drauf – und kann dann nach Herzenslust darauf reagieren. Wer sich jedoch in dieser praktischen Weise seine Reize gleich selber kreiert, muss aufpassen, dass ihm der Schaum vor dem Mund nicht die Perspektiven verzerrt. In seinem wöchentlichen &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buzzword-Bingo"&gt;&lt;i&gt;Buzzword Bingo&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; in der Weltwoche nahm &lt;a href="http://www.christoph-moergeli.ch/"&gt;Christoph Mörgeli&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.weltwoche.ch/index.php?id=539474"&gt;neulich&lt;/a&gt; eine abtretende Kollegin ins Visier und schrieb: „Frau &lt;a href="http://www.kathrin-amacker.ch/"&gt;Amacker&lt;/a&gt; verlässt das staatlich kontrollierte Parlament und wechselt zur staatlich kontrollierten Swisscom.“ Soviel Ideologie tut mir schon fast körperlich weh. Als Selbstmedikation ein Hinweis und ein (frommer) Wunsch: Das Parlament ist nicht staatlich kontrolliert, sondern konstituierender Teil des Staates; und kontrolliert wird es vom Volk mittels Wahlen. Mögen die Zürcher Stimmberechtigten diese Kontrollfunktion in einem Jahr mit Augenmass ausüben!&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7953462095803112611?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7953462095803112611/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/buzzword-bingo.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7953462095803112611'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7953462095803112611'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/buzzword-bingo.html' title='Buzzword Bingo'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3414028320924407125</id><published>2010-10-07T11:22:00.002+02:00</published><updated>2010-10-07T11:29:48.203+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Tamara Drewe</title><content type='html'>&lt;p&gt;Welch ideales Setting für eine Komödie: ein &lt;i&gt;Writers’ Retreat&lt;/i&gt;, ein Literatengästehaus im sehr ländlichen Dorset inklusive Garten und Kleintieren, wo sich völlig ungezwungen ein ganzes Panoptikum der absonderlichen Gestalten die Ehre gibt. Ein buntes Grüppchen mehr oder minder erfolgreicher Autorinnen und Autoren zieht sich zu einer kreativen Auszeit aufs Land zurück, darunter der ewig grübelnde und unentschlossene Literaturprofessor Glen, der sein Hauptwerk über Thomas Hardy einfach nicht auf die Reihe bringt. Um all diesen im Scheitern begriffenen Existenzen kümmert sich mit &lt;i&gt;scones&lt;/i&gt; und Kuchen liebevoll und fürsorglich die verhärmte Beth Hardiment, währenddem ihr Ehemann Nicholas als &lt;i&gt;spiritus rector&lt;/i&gt; diesen kreativen Zufallshaufen mit grosser Geste zusammenhält. Er tut dies als erfolgreicher Autor minderwertiger Krimis, überzeugt jedoch weit mehr noch als begnadeter Herzensbrecher sowie besonders als Schauspieler, wenn er alle halblang seiner Gattin herzlich empfundene Reue vorspielen muss, weil sie ihn wieder einmal wegen einer Affäre mit einer Jungautorin aus dem Haus schmeissen will. Als zusätzliches und namensgebendes Ingredient taucht in dieser fragilen Idylle dann das ehemalige hässliche Entlein des Dorfes auf, das sich inzwischen die Nase richten liess, beruflichen Erfolg errungen hat und auch sonst eine blendende Figur macht: Gemma „&lt;a href="http://www.imdb.com/media/rm2869859840/ch0111986"&gt;Strawberry Fields&lt;/a&gt;“ Arterton als Tamara Drewe. Wie sie nun scheinbar unschuldig und mit endlosen Beinen ins Dorf ihrer Jugend zurückkehrt, sorgt sie für den allgemeinen Hormonschub, der um sie herum einen zünftigen Wirbelsturm auslöst. Weitere Protagonisten darin sind ihr Schulschatz, ihre neue Affäre (ein direkt dem Versandkatalog für bewusstseinserweiternde Substanzen entsprungener Rockmusiker) sowie zwei Girlies, deren Begeisterung für ebendiesen glutäugigen Drummer die Intrigen weiter verkompliziert und gleichzeitig vorwärts bringt. Da wird hemmungslos geflunkert und getäuscht, da fliegen Pfannen und Blumentöpfe, da hüpft man in verschiedenen Konstellationen und mit ganz unterschiedlichen Motiven miteinander ins Bett.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Die Vorlage für &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt1486190/"&gt;&lt;i&gt;Tamara Drewe&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, den neusten Film von Altmeister &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Frears"&gt;Stephen Frears&lt;/a&gt;, ist die &lt;a href="http://www.guardian.co.uk/books/cartoon/2005/sep/17/tamara-drewe-1"&gt;&lt;i&gt;graphic novel&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (mehr &lt;i&gt;novel&lt;/i&gt; als &lt;i&gt;graphic&lt;/i&gt;, um genau zu sein) gleichen Namens von &lt;a href="http://www.guardian.co.uk/culture/2010/aug/28/posy-simmonds-tamara-drewe-interview"&gt;Posy Simmonds&lt;/a&gt;. Drehbuchautorin &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Moira_Buffini"&gt;Moira Buffini&lt;/a&gt; hat der sarkastisch-tiefsinnigen Geschichte einen Dreh ins Absurd-Komische gegeben, hat zusätzlich Tempo, Witz und eine gewisse Leichtigkeit hineingebracht sowie die literarischen Anspielungen an &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hardy"&gt;Thomas Hardys&lt;/a&gt; &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Far_from_the_Madding_Crowd"&gt;&lt;i&gt;Far from the Madding Crowd&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; multipliziert (auf die ich wegen mangelhafter Kenntnisse der englischen Literatur hier nicht näher eingehe). Auch ist das Ende weniger blutig, aber – schliesslich ist dies eine britische Komödie – noch immer makaber genug. Irgendwann schnallt dann auch Tamara Drewe, was sie in ihrer Naivität ringsum so alles angerichtet hat. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss sie sich freilich ausgerechnet und relativ lange mit dem Hauptmiesling des Films einlassen. Ist es Rache? Ist es Arglosigkeit? Die Kollateralschäden sind gross, doch am Schluss kriegt jeder, was ihm zusteht – oder, genauer, wird sich seiner eigentlichen Wünsche und Träume (wieder) bewusst und hört auf, die falschen Ziele zu verfolgen. Sogar die gestressten Kühe beruhigen sich wieder, und so wird alles gut.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=0_ySyvfzKUE"&gt;Tamara Drewe&lt;/a&gt; ist ab heute in den Deutschschweizer Kinos zu sehen. Die Buchvorlage erschien auf Englisch bei &lt;a href="http://www.randomhouse.co.uk/catalog/book.htm?command=Search&amp;amp;db=main.txt&amp;amp;eqisbndata=0224078178"&gt;Jonathan Cape&lt;/a&gt; (ISBN 978-0-2240-7817-7), auf Deutsch bei &lt;a href="http://www.reprodukt.com/product_info.php?products_id=333"&gt;Reprodukt&lt;/a&gt; (ISBN 978-3-941099-31-9).&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3414028320924407125?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3414028320924407125/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/tamara-drewe.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3414028320924407125'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3414028320924407125'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/tamara-drewe.html' title='Tamara Drewe'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-2627832149639358804</id><published>2010-10-01T21:49:00.003+02:00</published><updated>2011-12-11T17:44:35.746+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Schiffslektüre</title><content type='html'>&lt;p&gt;In &lt;a href="http://farm4.static.flickr.com/3481/3832081381_25c42a01dd_b.jpg"&gt;Astypalaia&lt;/a&gt;, einige Tage vor Ferienende, war &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/das-fell-der-trommel.html"&gt;&lt;i&gt;Matutin&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; ausgelesen – obwohl ich die kostbare Lektüre grosszügig mit Sudokus gestreckt hatte. Glücklicherweise gibt es auf dieser wunderschönen Insel unter dem Wind eine &lt;a href="http://farm4.static.flickr.com/3193/2750279167_68d09c8cd4_b.jpg"&gt;Gemischtwarenhandlung&lt;/a&gt;, die diesen Namen noch verdient. Vor der Käsevitrine und gleich neben dem Waschmittelregal steht da nämlich ein kleines Gestell mit einem äusserst faszinierenden Buchsortiment: nicht die übliche Kioskauswahl von Bestsellern und Kitschromanen, sondern echte Literatur, vermischt sogar mit ein paar Bänden Poesie. Das kam für mich wie gerufen und war Grund genug, endlich mal ein Werk von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nikos_Kavvadias"&gt;Nikos Kavvadias&lt;/a&gt; in Angriff zu nehmen: &lt;span style="font-style: italic;" lang="EL"&gt;Το ημερολόγιο ενός τιμονιέρη&lt;/span&gt; (&lt;i&gt;Das Tagebuch eines Steuermannes&lt;/i&gt;), eine Sammlung seiner frühen, verstreut erschienenen Prosa und Poesie.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Bei wenigen anderen Autoren ist die Einheit von Leben und Werk so ausgeprägt wie bei Kavvadias. Er schiffte sich gleich nach der Schule als Leichtmatrose ein, arbeitete sich hoch, befuhr dann nach dem Zweiten Weltkrieg drei Jahrzehnte lang als Funker die Weltmeere, starb kurz nach der Pensionierung, als hätte er das Festland nicht ertragen; und er schrieb über die Seefahrt, über Matrosen und Dirnen, über ferne Länder und grosse Häfen, über Fernweh und Verlorenheit. Sein (sehr übersichtliches) Werk beschreibt also sein Leben, sein Leben ist gleichsam der Kommentar zu seinem Werk. Und dies gilt von allem Anfang an, schon in seinen allerersten, in diesem Band versammelten Prosastücken.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Freilich ist es etwas speziell, von einem Autor als erstes ausgerechnet das Früh-, ja Jugendwerk zu lesen. Spannend ist es, die Entwicklung nachzuvollziehen. Kavvadias’ erste Gedichte sind noch reichlich ungelenk, Teenagerlyrik gewissermassen, aber bald werden sie formal stringenter und inhaltlich komplexer – so das dichte, düstere &lt;i&gt;Kasbah&lt;/i&gt; über eine rätselhafte arabische Prostituierte. Die kurzen, novellenhaften Stücke ihrerseits umkreisen von allen Seiten des Dichters Lebensthema, evozieren Angst und Einsamkeit in den Weiten des Pazifik, schildern mit sehnsüchtiger Faszination mythische Städte und Inseln und spinnen unverhohlen Seemannsgarn. Die kurze, teils fragmentarische Form lässt allerdings nicht mehr als ein skizzenhaftes Andeuten zu, was gelegentlich etwas klischeehaft oder prätentiös wirkt. Bei der Einordnung dieser Lektüre helfen würden wohl Kavvadias spätere Schriften, und es wäre jetzt sicher mit Gewinn sein Hauptwerk in Angriff zu nehmen, die Novelle &lt;span style="font-style: italic;" lang="EL"&gt;Βάρδια&lt;/span&gt; (&lt;i&gt;Die Wache&lt;/i&gt;). Auf der nächsten Fähre, vielleicht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;span style="" lang="EL"&gt;&lt;a href="http://www.agra.gr/english/32.html"&gt;Νίκος Καββαδίας&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.agra.gr/books/0700_0799/book724.html"&gt;Το ημερολόγιο ενός τιμονιέρη&lt;/a&gt;. Αθησαύριστα πεζογραφήματα και ποιήματα.&lt;/span&gt; Athen, Agra &lt;sup&gt;3&lt;/sup&gt;2009. ISBN 978-960-325-609-0. Auf Deutsch ist von Kavvadias bisher nur (anlässlich der &lt;a href="http://www.buchmesse.de/de/ehrengast/rueckschau/"&gt;Frankfurter Buchmesse 2001&lt;/a&gt;) „&lt;a href="http://www.perlentaucher.de/buch/7718.html"&gt;Die Wache&lt;/a&gt;“ erschienen (Berlin, Alexander Fest 2001, ISBN 3-8286-0168-5 – zurzeit offenbar leider &lt;a href="http://www.amazon.de/Die-Wache-Nikos-Kavvadias/dp/3828601685/"&gt;vergriffen&lt;/a&gt;).&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-2627832149639358804?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/2627832149639358804/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/schiffslekture.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2627832149639358804'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/2627832149639358804'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/10/schiffslekture.html' title='Schiffslektüre'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6068366384781725231</id><published>2010-09-25T14:10:00.002+02:00</published><updated>2010-09-25T14:14:11.716+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Das Fell der Trommel</title><content type='html'>&lt;p&gt;Wer plant, etliche Stunden an Bord von Fähren sowie an einsamen Stränden zu verbringen, rüstet sich besser mit ausreichend Ferienlektüre aus. Meine Wahl fiel diesen Sommer auf &lt;i&gt;Matutin&lt;/i&gt; von &lt;a href="http://www.perezreverte.com/"&gt;Arturo Pérez-Reverte&lt;/a&gt;, das dickste Buch auf dem Stapel der Leihgaben meiner Freundin L., und ich habe die Lektüre sehr genossen. Eine Warnung sei einleitend jedoch angebracht: &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Matutin"&gt;Wie es der Titel andeutet&lt;/a&gt;, ist dies gewissermassen ein katholischer Krimi, und wer die religiösen, aber vor allem politischen Ränkespiele innerhalb der römischen Kurie irrelevant oder uninteressant findet, den wird &lt;i&gt;Matutin&lt;/i&gt; passagenweise arg langweilen. Denn das Buch bezieht seine Spannung zu einem grossen Teil aus dem Zusammenprall ebendieser Intrigen mit der Realität der Gläubigen draussen in der Welt. Sein Held Lorenzo Quart ist Priester und Agent des päpstlichen Geheimdienstes, einer Institution, für die „christlich“ ein äusserst unpassendes Adjektiv ist. Er wird nach Sevilla geschickt, um eine beunruhigend-kuriose Geschichte aufzuklären: Mitten in der Stadt soll eine zerfallende Kirche abgerissen werden, die von einem alten Pfarrer und einer kleinen Schar treuer Gläubigen verteidigt wird – und sich offenbar durchaus auch selber zu wehren weiss; jedenfalls sind in letzter Zeit gleich zwei Menschen auf etwas verdächtige Weise in der Kirche zu Tode gekommen. Die Geschichte ist dem Heiligen Vater höchstpersönlich zu Ohren gebracht worden, via Nachricht eines Hackers (Deckname Matutin) in seinem Privatcomputer, und deshalb soll nun der beste Mann des Vatikans sich vor Ort umsehen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das tönt alles ein bisschen an den Haaren herbeigezogen, ich weiss, und ist es auch: Die Suche nach dem Hacker, die dem Buch Titel und Plot gibt, erweist sich letztlich als nebensächlich. Dies ist kein &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Whodunit"&gt;Whodunit&lt;/a&gt;. Es ist vielmehr (auf der grossen, duftigen Bühne von Sevilla) ein fein orchestriertes Ballett einer ziemlich bunten Truppe. Die alte Kirche von &lt;i&gt;Nuestra Señora de las Lagrimas&lt;/i&gt; verbindet sie alle: diejenigen, die sie abreissen wollen – den hinterfotzigen Erzbischof und einen unappetitlichen Emporkömmling von Banker samt Faktotum –, und diejenigen, die sie bewahren und umsorgen: den rebellischen Padre Ferro und seine Mitstreiter, zu denen neben Vikar und Restauratorin auch Macarena Bruner, die Nicht-mehr-wirklich-Ehefrau des Bankers gehört. Und da man sich in einem historischen Ambiente bewegt, treten zu diesen Protagonisten in einer Parallelhandlung auch zwei unglücklich Liebende aus ferner Vergangenheit. Pérez-Reverte folgt Lorenzo Quart durch die Strassen und Paläste von Sevilla, konfrontiert ihn mit diesen Akteuren, sieht ihn da und dort einen Faden des Verständnisses erhaschen und vergeblich zu verknüpfen suchen, lässt ihn langsam das Vertrauen gewisser Personen und die Feindschaft von anderen finden. Letztlich wird nichts aus der wissenschaftlich korrekten und bürokratisch distanzierten Aufklärung: Der bei Bedarf skrupellose Priester, der seine Masshemden mit Priesterkragen trägt wie ein Ritter seine Rüstung, verwickelt sich selber mit Kopf und Herz in den Fall, den er untersuchen sollte; und das Schicksal der alten Kirche wird zu seinem eigenen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das alles entfaltet Pérez-Reverte fein und dennoch farbig, mit grosser Lust am Erzählen. Zu bunt ist ihm einzig das Möchtegern-Ganoventrio geraten, das im Auftrag des Sekretärs des Bankers in die Geschichte eingreifen soll und wie eine wandelnde Anhäufung von Klischees daherpromeniert. Wie er aber die Diskussion über die Rolle der Kirche in der Welt und die Auseinandersetzung mit den quälenden Schatten der Vergangenheit von Padre Ferro, Lorenz Quart und Macarena Bruner zusammenbringt, ist von einer weisen Intensität.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Arturo Pérez-Reverte, &lt;a href="http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=251144"&gt;Jagd auf Matutin&lt;/a&gt;. Roman. Aus dem Spanischen von Claudia Schmitt. München, btb 2007. ISBN 978-3-442-73721-5. Das Original ist 1995 unter dem (viel passenderen) Titel „La piel del tambor“ in Madrid bei &lt;a href="http://www.alfaguara.com/es/libro/la-piel-del-tambor/"&gt;Alfaguara&lt;/a&gt; erschienen (ISBN 978-84-204-7206-5).&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6068366384781725231?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6068366384781725231/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/das-fell-der-trommel.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6068366384781725231'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6068366384781725231'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/das-fell-der-trommel.html' title='Das Fell der Trommel'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5573059498332307078</id><published>2010-09-21T19:37:00.003+02:00</published><updated>2010-09-21T19:41:07.107+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Medien'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Trivia'/><title type='text'>Zum Davonlaufen</title><content type='html'>&lt;p&gt;Die Weltwoche hat zum zweiten Mal ein &lt;a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/artikel-fuer-abonnenten.html?hidID=539328"&gt;Ranking aller Schweizer Gemeinden&lt;/a&gt; erstellt &lt;span style="font-style: italic;"&gt;(Artikel online nicht frei zugänglich)&lt;/span&gt;. Siegerin, wie schon letztes Jahr: &lt;a href="http://www.feusisberg.ch/"&gt;Feusisberg&lt;/a&gt; im Kanton Schwyz. In der kurzen Charakterisierung der besten Gemeinde der Schweiz lesen wir unter anderem:&lt;/p&gt;  &lt;blockquote style="font-style: italic;"&gt;Immer mehr Einheimische ziehen weg aus der Idylle. Mit ihnen der Nachwuchs. Bereits überlegt man sich aufgrund des Kindermangels Mehrjahrgangsklassen in der Grundschule einzuführen. Was die Elternschaft wenig freut. Schuld daran ist die Tiefsteuerpolitik der Gemeinde.&lt;/blockquote&gt;  &lt;p&gt;Es ist der Weltwoche hoch anzurechnen, dass sie das Problem der fortschreitenden „&lt;a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/artikel-fuer-abonnenten.html?hidID=539326"&gt;Zugisierung&lt;/a&gt;“ immerhin thematisiert und mögliche Gegenmassnahmen diskutiert. Glaubwürdiger wären diese Diskussionen jedoch, wenn sie irgendeinen Einfluss aufs Ranking hätten. Dem gesunden Menschenverstand jedenfalls leuchtet nicht ein, dass eine Gemeinde, der die Leute davonlaufen, die Nummer eins sein kann.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5573059498332307078?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5573059498332307078/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/zum-davonlaufen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5573059498332307078'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5573059498332307078'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/zum-davonlaufen.html' title='Zum Davonlaufen'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-1697160195583732540</id><published>2010-09-19T17:47:00.004+02:00</published><updated>2010-09-26T18:46:15.864+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Der Herr Karl</title><content type='html'>&lt;p&gt;Wien, im Keller eines Feinkostgeschäftes, Ende der Fünfziger Jahre. Der Protagonist kommt mit einem Harass Sprudel die Treppe heruntergeächzt: &lt;i&gt;Der Herr Karl&lt;/i&gt;, etwa so alt wie das Jahrhundert, Ausbund speckgewordener Selbstgerechtigkeit. Mit der Adaptation &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herr_Karl"&gt;des klassischen Monologs&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Qualtinger"&gt;Helmut Qualtinger&lt;/a&gt; eröffnet das &lt;a href="http://www.dastheater-effingerstr.ch/"&gt;Theater an der Effingerstrasse&lt;/a&gt; die Saison 2010/11. Regie führt &lt;a href="http://www.stefansuske.ch/Stefansuske/Stefan_Suske.html"&gt;Stefan Suske&lt;/a&gt;, und auf der Bühne führt &lt;a href="http://www.kulturserver.de/-/kulturschaffende/detail/45379"&gt;Uwe Schönbeck&lt;/a&gt; während eineinhalb Stunden das grosse Wort. Er erzählt dem jungen Kollegen im Nebenraum gönnerhaft-jovial sein Leben, und wie er seine immense Erfahrung, sein sicheres Gespür und seine stetigen beruflichen und privaten Erfolge vor ihm ausbreitet, wird schnell klar: Gross ist an diesem Schleimer nur das Maul.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Einzigartig ist, wie messerscharf Qualtinger seinen Anti-Helden sich selber entlarven lässt. Er lässt ihn einfach reden, lässt ihn sich hineinsteigern, von sich selbst schwärmen, in einer Mischung zwischen Stolz und Zufriedenheit auf sein Leben zurücksehen, nur gelegentlich mit fliegenden Hamsterbäckchen Schmerz und Erschütterung markierend – und sich so bis auf die Knochen entblössen. Zum Vorschein kommt ein Möchtegern-Frauenheld, ein Vorstadt-Don-Juan, der keiner Frau auch nur ein Bruchteil von dem durchgehen liess, was er für sich selber in Anspruch nahm. Zum Vorschein kommt ein bedenkenloser Opportunist, der sich in fliegender Folge mit den Sozialisten, den Nazis, den Russen und dann den Amerikanern nicht nur arrangiert, sondern sich allen geradewegs angedient hat – genau wie er auch jetzt gegenüber der Chefin im oberen Stock freundlichst und geübt buckelt, nur um im Schutz seines Kellers umgehend nach Herzenlust über sie zu schnöden. Zum Vorschein kommt schliesslich eine kleinbürgerliche Seele, ein Drückeberger, der ob all seinem Beteuern, wie Grossartiges er geleistet habe, in der Dauer des Stückes gerade mal sechs Flaschen in die Regale räumt (und sich im Gegenzug die halbe Cognacreserve hinter die Binde schüttet). Die Pointen fallen in dichter Folge Schlag auf Schlag, sind dabei immer fein und oft nur angedeutet, manchmal aber wieder so erschreckend, dass einem die Spucke wegbleibt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Als &lt;i&gt;Der Herr Karl&lt;/i&gt; 1961 erstmals im ORF ausgestrahlt wurde, war der Aufschrei gross. Offenbar hatten einige etwas von sich selbst in dem Typen wieder erkannt, der mit einer Mischung von Gönnerhaftigkeit und Bestürztheit verdecken wollte, dass er sich Zeit seines Lebens durchgemogelt und sein Mäntelchen in jeden Wind gehängt hatte, egal ob dieser von links oder von rechts blies. Doch dieser Typus ist natürlich nicht an eine bestimmte Epoche gebunden, sondern so zeitlos wie alle menschlichen Schwächen und Macken. Der Dekor der späten Fünfziger Jahre legt zwar eine leichte Patina auf die Geschichte, aber Uwe Schönbeck wischt diese sogleich wieder weg. Er spielt seinen Herrn Karl souverän, lässt ihn charmieren, um Verständnis werben, munter seine eigenen Regeln aufstellen und beinahe platzen vor Selbstzufriedenheit und Ichbezogenheit.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;a href="http://www.dastheater-effingerstr.ch/index.php?page=2000&amp;amp;act=1"&gt;Der Herr Karl steht an der Effingerstrasse noch bis am 27. September 2010 auf dem Programm&lt;/a&gt;. Zum Weiterlesen verweise ich auf die Berichte von &lt;a href="http://agenda.derbund.ch/story/buehne/herr-suske-und-herr-karl/"&gt;Bund&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://agenda.bernerzeitung.ch/story/buehne/im-reich-des-gemuetlichen-monsters/"&gt;Berner Zeitung&lt;/a&gt; und von &lt;a href="http://www.seniorweb.ch/type/blog/2010-09-04-gesehen-fieser-mitlaeufer"&gt;Fritz Vollenweider&lt;/a&gt; beim Seniorweb. Das Original, gespielt von Helmut Qualtinger, findet sich auf &lt;a href="http://www.youtube.com/view_play_list?p=D54D391701FA3190"&gt;Youtube&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-1697160195583732540?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/1697160195583732540/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/der-herr-karl.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1697160195583732540'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1697160195583732540'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/der-herr-karl.html' title='Der Herr Karl'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-820108130849381351</id><published>2010-09-10T08:38:00.002+02:00</published><updated>2010-09-10T08:41:35.657+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philologie'/><title type='text'>Spartacus</title><content type='html'>&lt;p&gt;Spartacus ist heutzutage einer der bekanntesten antiken Namen – dank &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0054331/"&gt;Hollywood&lt;/a&gt;, verschiedenen &lt;a href="http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/revolution/spartakus/index.html"&gt;revolutionären Vereinigungen&lt;/a&gt; und zuletzt einem &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Fabian_Cancellara"&gt;Radprofi&lt;/a&gt;. Dass diese Bekanntheit nicht unverdient ist, zeigt Catherine Salles’ Monografie &lt;i&gt;73 av. J.-C., Spartacus et la révolte des gladiateurs&lt;/i&gt;, ein kluges, präzises Buch, das völlig frei ist von der sonst so künstlich schwerfälligen französischen Gelehrtensprache. Salles zeichnet an Hand der wenigen, entfernten Quellen das Leben und Wirken des berühmtesten antiken Sklavenrevolutionärs nach. Geboren um 100 v. Chr. in Thrakien, von den Römern zum Kriegsdienst verpflichtet, desertiert, gefangen genommen und in Rom als Sklave verkauft, gelangte er in die Gladiatorenschule des Lentulus Battiatus im kampanischen &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Santa_Maria_Capua_Vetere"&gt;Capua&lt;/a&gt;. Dort gelang es ihm, angeblich unter Mithilfe seiner Gefährtin, einer in Mysterienkulten bewanderten Priesterin, seine Schicksalsgenossen zum Widerstand zu vereinen und aus der Schule auszubrechen. Schnell wuchs das kleine Grüppchen von 70 Gladiatoren durch den Zufluss von Sklaven und armen Landarbeitern auf eine Freibeuterschar von zehntausend Männern an, die, von den durchtrainierten Berufskämpfern angeführt und eingewiesen, die Vesuvgegend mit Raubzügen heimsuchten. Auf Widerstand trafen sie zunächst kaum: Die Ordnungskräfte wollten sich nicht richtig in einem unwürdigen Kampf gegen den (in ihren Augen) Abschaum der Gesellschaft engagieren, und die unzureichenden Polizeieinheiten, die ihr entgegengeschickt wurden, vermochte die bereits zu grosse Sklavenschar problemlos zu dominieren. Sie wuchs im Gegenteil zu einer regelrechten Armee von siebzigtausend Soldaten an, gut bewaffnet, richtig organisiert und straff geführt. Unklar ist ihr eigentliches Ziel: Wollten die Sklaven zurück in ihre Heimat? Wollten sie sich in einem eigenen Staat dauerhaft einrichten? Wollten sie ihre Bewegung in anderen Regionen Italiens noch weiter stärken? Jedenfalls zog ein Teil des Heeres gegen Süden, der grössere Teil mit Spartacus an der Spitze nach Norden, schlug mehrmals die römischen Legionen, die sich ihm entgegenstellten, wandte sich jedoch nicht gegen Rom, sondern kehrte nach Süditalien zurück, wo sich Spartacus vergeblich in Thurium, am Golf von Tarent, einzurichten versuchte. Nach über einem Jahr, in dem er die römischen Truppen praktisch nach Belieben vorgeführt hatte, erwuchs ihm in der Person des schwerreichen, ehrgeizigen und skrupellosen &lt;a href="http://en.wikisource.org/wiki/Lives_%28Dryden_translation%29/Crassus"&gt;Crassus&lt;/a&gt; endlich ein übermächtiger Gegner. Auch er wurde zwar noch mehrmals ausgespielt, setzte jedoch schliesslich dem Aufstand (und seinem Anführer) ein blutiges Ende.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Im Lauf seiner zweijährigen Revolte erwies sich Spartacus ganz offensichtlich als charismatische Persönlichkeit, fähiger Heerführer und geschickter Taktiker. Was ihn darüber hinaus so interessant macht, sind die Parallelen zwischen seiner und den verschiedenen anderen Sklavenrevolten im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. Wesentliche Elemente begegnen dabei immer wieder: Die wichtige Rolle eines mitreissenden, oft mit den Göttern in besonderer Verbindung stehenden Anführers, die Verbündung der Rebellen mit anderen Benachteiligten ihrer Zeit wie beispielsweise der armen Landbevölkerung sowie die anfängliche Unterschätzung durch die Obrigkeit, die sich nicht so richtig durchzuringen vermag, gegen die angeblichen Untermenschen ernsthaft, das heisst mit genügend schlagkräftigen Truppen, vorzugehen. So erreichten einzelne Revolten von Sklaven eine erstaunliche Dauer und Beständigkeit; in Sizilien errichtete der Syrer Eunous in den Jahren 139 bis 132 v. Chr. sogar ein eigentliches Königreich, in welchem die Sklaven jahrelang unbehelligt lebten. Verbindende Konstante war aber auch jedes Mal die Ausweglosigkeit des Aufstandes, der – sobald Rom sich einmal ernsthaft zu dessen Bekämpfung entschlossen hatte – brutal und umfassend niedergeschlagen wurde. Von besonderer, beispielhafter Grausamkeit ist die Triumph- und Strafmassnahme des Crassus, der 6000 der Gefährten des Spartacus entlang der 195 Kilometer der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Via_Appia"&gt;&lt;i&gt;Via Appia&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von Capua bis Rom ans Kreuz schlagen liess.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Catherine Salles begreift und beschreibt diese Serie von Aufständen als charakteristische Konsequenz des Sklavenwesens gegen Ende der römischen Republik. Oder genauer: als Konsequenz des sich zuspitzenden Verhältnisses von Herren und Sklaven. In den letzten beiden vorchristlichen Jahrhunderten vergrösserte sich die Zahl derer massiv, die als Kriegsgefangene oder als Piratenbeute in die Sklaverei geraten waren. Das Überangebot an Sklaven verleitete dazu, diese in grossem Umfang und fast ohne Rücksicht auf Verluste einzusetzen. Und diese harten Lebensbedingungen mussten besonders denen unerträglich erscheinen, die frei geboren und erst durch Gefangenschaft zu Sklaven geworden waren. Die Häufigkeit und die Intensität der Sklavenrevolten liessen dann nach, als die beiden Quellen der Eroberungskriege und der Piraterie versiegten, als der Anteil der bereits in Gefangenschaft geborenen Sklaven wieder stieg und als gleichzeitig die Brutalität der Herren gegenüber ihrem „sprechenden Besitz“ zurückging.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Schliesslich kann der Aufstand des Spartacus auch gleichsam als Scheinwerfer auf die Krisensituation der ausgehenden Republik gelesen werden. Das Thema verdiente eine umfassendere Beschäftigung (und die entsprechende Literatur liegt hier auch schon bereit). Salles liefert jedoch bereits eine präzise, einleuchtende Analyse eines von seinen eigenen Erfolgen überrumpelten Stadtstaates, der innert wenigen Generationen zum Weltreich geworden ist, aber immer noch von den gleichen Institutionen geführt, von den gleichen wenigen Adelsfamilien regiert wird. Vielfach erschreckend unfähig, im Glanz ihrer Familiengeschichte erstarrt, von den durch Handel reich gewordenen, aber politisch wenig einflussreichen Rittern bedrängt, rieb sich diese Aristokratie in Fraktionskämpfen und Bürgerkriegen auf. Ihr Niedergang war der Niedergang der römischen Republik, und es erscheint nur folgerichtig, dass im ganzen ersten vorchristlichen Jahrhundert einige „starke Männer“ die Geschicke Roms dominierten – eine Entwicklung, die schliesslich in den Augusteischen Prinzipat, das Kaisertum, mündete. Die eigentlichen Opfer dieses durchgeschüttelten Jahrhunderts, die brutalisierten Sklaven und die verarmten Kleinbauern, bleiben grossmehrheitlich namenlos. Die Sklavenrevolte des Spartacus rückt sie kurz, aber jäh, ins helle Bühnenlicht der Geschichte.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Catherine Salles, 73 av. J.-C., Spartacus et la révolte des gladiateurs. Bruxelles, Editions Complexe 1990/2005. ISBN 2-8048-0053-9. (Ich hätte hier gerne einen Link zum Buch gesetzt, aber die Website der Editions Complexe ist dermassen schräg, dass ich es unterlassen muss. Oder hat schon mal jemand inmitten einer &lt;a href="http://editionscomplexe.com/catalogue/index.cfm"&gt;Katalogsuchmaske&lt;/a&gt; einen Link auf „cheap dell laptop batteries online“ gesehen? Tja, der Niedergang des gedruckten Buches scheint unaufhaltsam…)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-820108130849381351?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/820108130849381351/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/spartacus.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/820108130849381351'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/820108130849381351'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/spartacus.html' title='Spartacus'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4363181504850135035</id><published>2010-09-03T08:44:00.001+02:00</published><updated>2010-09-03T08:45:39.861+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Neuchâtel'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tanz'/><title type='text'>Tanz um Säulen</title><content type='html'>&lt;p&gt;Ich wills ja nicht übertreiben mit dem Lob der Kleinstadt, aber ein kultureller Kurzausflug vor der Sommerpause muss hier doch noch erwähnt werden. Er führte uns nach Neuenburg, in diese liebliche, mit Freiburg in einigem vergleichbare Stadt. Anlass war das Festival &lt;a href="http://www.adn-scene-ouverte.ch/"&gt;&lt;i&gt;neuchâtel scène ouverte&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, das freie Tanzfestival, das seit inzwischen sieben Jahren die ockergelbe Bühne der Neuenburger Plätze und Gemäuer bespielt – und dies volle zwei Wochen lang. Auf dem Weg zum &lt;i&gt;Hôtel de Ville&lt;/i&gt; hörten wir zunächst allerdings Gesang: Gleichentags fand ein Chortreffen statt, in welches das städtische Samstagmorgenpublikum grosszügig und selbstverständlich einbezogen wurde. Man wird verstehen, dass ich eine Stadt glücklich schätze, die mitten im Sommer ein solch verschwenderisches Angebot öffentlicher Kultur aufzuweisen hat! Doch nun zum Tanz: Gekommen waren wir wegen &lt;a href="http://danse-photo.blogspot.com/2010/07/compagnie-pas-perdus.html"&gt;&lt;i&gt;Attention à la marche&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; der &lt;i&gt;Compagnie pas perdus&lt;/i&gt;. Ihr Theatersaal war die Eingangshalle des Rathauses, ein grosser, T-förmiger Raum, dem zwei massive Säulenreihen die nötige republikanische Gravität verleihen. Zwischen den Säulen und in den Nischen wandelte oder ruhte bereits das gute Dutzend Tänzerinnen und Tänzer. Wir richteten uns ebenfalls möglichst diskret ein und sahen zu, wie sich die einleitenden, aufwärmenden Bewegungen langsam zu einem Anfang verdichteten. Markiert wurde dieser – und mit ihm das ganze Stück – durch die Musik. Eine verwirrende Vielfalt von Instrumenten lagen bereit, die alle aussahen, als wären sie direkt einem unbekannten, dunklen Kult entnommen. Ein schamanenhafter Multiinstrumentalist erweckte sie zum Leben, erzeugte Rhythmus und Geräusche, schrille, pochende, durchdringende, und trieb die Tänzerinnen und Tänzer durch den Raum, aufeinander zu und voneinander weg, in abgelegene Ecken und dann wieder mitten durchs Publikum. Die Säulen versperrten die Sicht, die Mitzuschauenden erschwerten die Bewegung: So sah wohl jeder der Anwesenden ein anderes Stück, eine individuelle Kombination aus Bewegungsfetzen und Musik von allen Seiten, aber auch aus dem Rhythmus der nackten Füsse auf dem Steinboden, dem heftigen Atmen eines Tänzers und der Zugluft einer vorbeieilenden Tänzerin. Ich liess mich von meiner Intuition durch den Raum bewegen, war immer auf der Suche nach dem Herzen des Geschehens und fand öfter intensive Details, die ich gar nicht gesucht hatte. Kurz: &lt;i&gt;Attention à la marche&lt;/i&gt; war ein fesselndes theatrales Gesamtkunstwerk, das vom erfreulich zahlreichen Publikum mit herzlichem Applaus bedacht wurde.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Und um auf die Eloge auf Neuchâtel zurückzukommen: Abgerundet wurde der sommerliche Theatertrip mit einem Cidre in der &lt;a href="http://www.lecardinal-brasserie.ch/"&gt;&lt;i&gt;Brasserie Le Cardinal&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, einem Sandwich am See und einem erfrischenden Bad in demselben; und an Körper und Geist gleichermassen gestärkt und erholt schlugen wir den Heimweg ein.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4363181504850135035?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4363181504850135035/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/tanz-um-saulen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4363181504850135035'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4363181504850135035'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/09/tanz-um-saulen.html' title='Tanz um Säulen'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-8319899156523564125</id><published>2010-08-27T11:09:00.001+02:00</published><updated>2010-08-27T11:12:25.745+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>L'âge de raison</title><content type='html'>&lt;p&gt;Welch schöne Geschichte: Zu ihrem 40. Geburtstag erhält eine &lt;i&gt;businesswoman&lt;/i&gt; einen Brief, ja eine ganze Serie von Briefen und Paketen – von sich selbst. Als sie sieben Jahre alt war, hatte sie die bedeutungsvolle Geburtstagspost geschrieben und dem Notar des Dorfes anvertraut, der sie nun pflichtbewusst und termingerecht ihrem erwachsenen Selbst überbringt. Dieses reagiert zunächst gelangweilt, dann unwirsch, dann richtig genervt, kann sich aber schliesslich der Magie der kindlichen Worte und Schätze nicht entziehen und lässt sich nach und nach auf ein Wiedersehen mit ihren eigenen, längst vergessenen Gedanken, Wünschen, Sorgen und Schulden ein.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Soweit die Fabel von &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt1594503/"&gt;&lt;i&gt;L’âge de raison&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, des neuen Filmes mit &lt;a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Sophie_Marceau"&gt;Sophie Marceau&lt;/a&gt;. Doch die schöne Idee ist das eine, ihre filmische Umsetzung das andere – und da wird ihr in einem Wust von Klischees und Vorhersehbarem jegliches Leben, alle Spritzigkeit ausgesaugt, bis sie in einem ziemlich konventionellen, blutleeren Film endet. Das beginnt mit der Hauptperson, der Karrieristin Marguerite/Margaret, die wie ihr Vorname zwischen Französisch und Englisch changiert, in Limousine und Flieger von Glaspalast zu Luxushotel hetzt, nach oben Décolleté zeigt und nach unten Stilettos. Da ist als grösstmöglicher Kontrast das Dorf ihrer Kindheit, in dem zwischen ockerfarbigen Mauern die Zeit stillgestanden ist, wo die Alten auf dem staubigen Platz vor der &lt;i&gt;mairie&lt;/i&gt; Pétanque spielen und der Notar den nächsten Wurf für wichtiger hält als sein klingelndes Handy. Da sind all die anderen Versatzstücke ihrer Reise zu sich selbst wie die Wiederbegegnung mit dem Schulschatz oder die Konfrontation mit dem in der Sozialsiedlung hängengebliebenen Bruder. Und auch das Ziel dieser Reise ist (von einer neckischen Anspielung an die überbordende Fantasie der Siebenjährigen abgesehen) schlichtweg unglaublich konventionell.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Schade – hier wurde die Chance vertan, mit einem etwas sorgfältigeren Drehbuch aus einer schönen Idee einen schönen Film zu machen. Was möglich gewesen wäre, deuten Ausstatter und Titeldesigner an: Die Fotos, Texte, Schnipsel und Kostbarkeiten der Kinderwelt, die Margaret und uns aus den Umschlägen und Paketen von Marguerite entgegenfallen, sprühen vor kindlicher Kreativität und noch durch kein Räsonnieren begrenzter Fantasie. Fast bin ich in meinem Kinosessel ein wenig wehmütig geworden, dass ich als Kind diese hervorragende Idee nicht hatte und deshalb selber nie einen solchen Brief erhalten werde.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: L’âge de raison ist vor kurzem in den Westschweizer Kinos angelaufen; ob der Film auch den Röstigraben überwinden wird, ist wie immer unsicher. In Ermangelung einer wirklich guten Film-Website verlinke ich auf den (überraschend überzeugenden) &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=nHNlEAH8lAA&amp;amp;feature=search"&gt;Trailer&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-8319899156523564125?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/8319899156523564125/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/lage-de-raison.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8319899156523564125'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8319899156523564125'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/lage-de-raison.html' title='L&apos;âge de raison'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6657639919390957141</id><published>2010-08-20T14:07:00.001+02:00</published><updated>2010-08-20T14:10:26.022+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Enjoy Poverty</title><content type='html'>&lt;p&gt;Medienorientierung nach einer Geber-Konferenz in der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Republik_Kongo"&gt;Demokratischen Republik Kongo&lt;/a&gt;: Die internationale Gemeinschaft hat 1,8 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern gesprochen. Der in Kinshasa wohnhafte holländische Künstler &lt;a href="http://www.kunstaspekte.de/index.php?action=webpages&amp;amp;k=6600"&gt;Renzo Martens&lt;/a&gt; will vom Weltbank-Vertreter wissen, welchen Prozentsatz der Wirtschaftsleistung des Landes diese Summe repräsentiert. Es ist mehr, als die jährlichen Ausfuhrerlöse für Palmöl, Kaffee, Kakao und das Metall Coltan zusammen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das ist eine Schlüsselszene in Martens’ Dokumentarfilm &lt;i&gt;Episode III: Enjoy Poverty&lt;/i&gt;. Aus ihr heraus entwickelt er die These, dass des Kongos lukrativstes Exportgut weder Bodenschätze noch Landwirtschaftsprodukte sind, sondern Armut und Elend. Die arme Landbevölkerung, so der Künstler weiter, täte folglich gut daran, diese Ressource auszuschöpfen – zumal gegenwärtig vor allem das Ausland davon profitiert: Entwicklungshilfegelder, so erfahren wir, fliessen zum grössten Teil in das Land zurück, aus dem sie stammen; und mit den Bildern von Kriegstoten und unterernährten Kindern machen europäische Reporter Kasse, nicht die Akteure, die Kongolesen selber. Also gabelt Martens in einem Dorf drei junge Männer auf, die einen Fotoladen betreiben und mit Fest- und Hochzeitsfotos ein paar Cent dazuverdienen. Er rechnet ihnen vor, wie viel ihre ausländischen Kollegen für ein einziges Leidensfoto bekommen, und überzeugt sie, sich in der Krankenstation umzusehen. Nach ersten Versuchen klopfen sie im Spital von &lt;a href="http://www.msf.org/"&gt;&lt;i&gt;Médecins sans frontières&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; an, wo sie ein süffisant-herrischer Arzt ohne viel Federlesens rausschmeisst: Er müsse seine Kranken beschützen – was nicht auszuschliessen scheint, dass ihre Fotos in der Medienarbeit von MSF verwendet werden. Am Ende des Films wird Martens’ Presseausweis widerrufen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Diese zentrale Episode ist eingebettet in lange Szenen, in denen der Künstler schwitzend durchs Land stapft und in seine Handkamera spricht, in denen er mit den Leuten in den Dörfern und auf den Palmölplantagen ins Gespräch kommt, in denen aber auch mit quälender Indiskretion sterbende Kinder und Soldatenleichen gezeigt werden. Teilweise war der Film kaum auszuhalten. Gleichzeitig gelang es ihm, Mechanismen von verfehlter Hilfe, den festgefahrenen westlichen Blick auf Afrika, das Geschäft mit dem Elend schonungslos offenzulegen. Mit wenigen „dummen“ Fragen, mit absurden künstlerischen Interventionen, aber auch mit brutaler Offenheit gegenüber seinen Gesprächspartnern zeigte Martens überdeutlich die Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit der Situation im Kongo auf, aber auch, wie einzelne davon zu profitieren verstehen und wie sie dies ihrem Gewissen gegenüber schönzureden versuchen. Ein enthüllender, lehr- und erkenntnisreicher Film also. Aber um diese Deutlichkeit zu erreichen, verhielt sich Martens wie ein Kotzbrocken. Unangenehm berührend war schon sein unbewegtes Draufhalten auf sterbende Kinder und ihre Angehörigen; in höchstem Masse zynisch sein Abschied von einem Plantagenarbeiter, dem er ein gutes Essen für seine Familie spendierte und gleichzeitig regungslos ins Gesicht sagte, dass er auch in zehn Jahren noch auf dem Boden schlafen und hungern würde. Richtig aufgeregt hat uns aber die Geschichte mit den jungen Fotografen: Martens weiss genau, dass die neu gefundenen Kollegen nicht die geringste Chance haben, mit ihren Elendsbildern Geld zu machen. Er weckt in ihnen also falsche Hoffnungen, um sie für seine Argumentation, für sein eigenes künstlerisches Werk und damit seinen eigenen Profit benützen zu können.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So standen wir nach der Vorführung &lt;a href="http://www.belluard.ch/node/391"&gt;am diesjährigen Belluard-Festival&lt;/a&gt; ratlos und ziemlich verärgert vor der Frage, was das sollte. Oder vielmehr vor dem alten ethischen Dilemma, ob es erlaubt sei, den einen zu schaden, um dafür vielen anderen zu helfen – konkret: ob die pointiert umgesetzte Aussage des Films und seine eventuelle Breitenwirkung die Verarschung &lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;i&gt;[Entschuldigung]&lt;/i&gt;&lt;/span&gt; seiner Akteure rechtfertigt. Mit Blick auf das überschaubare (und gewiss ohnehin schon sensibilisierte) Publikum, aber besonders auf Martens’ Selbstverliebtheit neige ich dazu, diese Frage im vorliegenden Fall zu verneinen. Der Regisseur hätte nicht so brutal zu überzeichnen gebraucht, um seine Botschaft deutlich zu machen. Es bleibt das schale Gefühl, dass er sich auf Kosten von Menschen, denen es ohnehin schon dreckig geht, mit grossem Gestus in Szene gesetzt hat. Dass er das ganze Dilemma der weltweiten Ungerechtigkeit, ihrer Profiteure und Opfer sowie der Entwicklungshilfe in selten gesehener Deutlichkeit auf den Punkt gebracht hat, kann ich ihm allerdings nicht absprechen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Wann und wo der Film in absehbarer Zeit erneut zu sehen ist, weiss ich nicht – vielleicht hilft Renzo Martens’ &lt;a href="http://www.facebook.com/renzo.martens"&gt;Facebook-Profil&lt;/a&gt; weiter. Konziser und schärfer als ich kritisiert Dan Fox den Film im &lt;a href="http://www.frieze.com/issue/review/renzo_martens"&gt;Frieze Magazine&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6657639919390957141?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6657639919390957141/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/enjoy-poverty.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6657639919390957141'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6657639919390957141'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/enjoy-poverty.html' title='Enjoy Poverty'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6307443726819772683</id><published>2010-08-12T21:33:00.001+02:00</published><updated>2010-08-12T21:36:46.327+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Verblassende Bilder, hartnäckige Erinnerungen</title><content type='html'>&lt;p&gt;Der Sommer fordert seinen Tribut, der Blog hat tüchtig Staub angesetzt. Ich gelobe Besserung und beginne mit einer Rückblende um sechs Wochen, weit vor die Ferien zurück, ans &lt;i&gt;&lt;a href="http://www.belluard.ch/"&gt;Belluard Bollwerk International&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt; Welche Wundertüte dieses Festival ist, wurde mir schon bei meinem allerersten Besuch vor Jahren bewusst, als ich zwei nackten Männern eine Stunde lang beim unkoordinierten &lt;a href="http://www.belluard.ch/archiv/cms3d00.html"&gt;Staksen über die Bühne&lt;/a&gt; zusah. Neben solchen und ähnlichen Meilensteinen der aktuellen Avantgardekunst sind am Belluard aber auch zugänglichere Performances zu erleben und häufig unerwartete, berührende Höhepunkte – ich erinnere mich besonders gerne an &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2007/07/grben-und-granaten.html"&gt;&lt;i&gt;La grande guerre&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; vor drei Jahren. Eine solche Kostbarkeit hat mich auch dieses Jahr in ihren Bann gezogen: die Lesung/Performance &lt;a href="http://www.belluard.ch/node/396"&gt;&lt;i&gt;Aïda sauve-moi&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; des libanesischen Künstlerduos &lt;a href="http://www.hadjithomasjoreige.com/"&gt;Joana Hadjithomas und Khalil Joreige&lt;/a&gt;. Kristallisationskeim dieses dichten Abends war ein fast surrealer Vorgang wenige Tage vor der Premiere ihres Films &lt;i&gt;A perfect day&lt;/i&gt; in Beirut. Der Film befasst sich mit einem Thema, das im Kern des künstlerischen Schaffens von Hadjithomas und Joreige liegt: mit den Folgen und der Bewältigung des libanesischen Bürgerkriegs. 17'000 Menschen sind seit Jahren verschwunden, ohne Nachricht, ohne Spuren, ohne dass auch nur ihre Gebeine gefunden worden wären. Die Witwe und der Sohn eines solchen Verschwundenen stehen im Zentrum des Films, der ihren Versuch zeigt, nach fünfzehn Jahren den Verlust des Ehemannes und Vaters zu akzeptieren. Für die Vermisstenmeldung in der für den Film nachgedruckten Zeitung von 1990 trieb die Requisiteurin das Porträtfoto des verstorbenen Ehemannes einer Tante auf, welche mit dieser Verwendung einverstanden war. Was die Filmemacher nicht wussten: Die beiden waren geschieden, der Mann hatte wieder geheiratet – und seine zweite Ehefrau Aïda glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als ihr in der Vorpremiere von &lt;i&gt;A perfect day&lt;/i&gt; ihr Mann als Verschwundener aus der Zeitung entgegenblickte, als wollte er ihr sagen: „Hol mich da raus!“ Sie kontaktierte die Produzentin, konfrontierte sie mit ihrem Schock und verlangte ultimativ, dass das Bild aus dem Film entfernt werde.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Der Umgang mit dieser Forderung war vordergründig der Inhalt der Lesung/Performance. Am Holzpültchen sitzend, vor sich sein MacBook, hinter sich die Leinwand, erzählte Khalil Joreige aber viel mehr als das. Mit dem Auge des Künstlers, der in der Wirklichkeit die Fiktion erkennt und in der Fiktion die Wirklichkeit, sah er in dieser eigenartigen Episode gleichsam im Konzentrat das Dilemma, die Nöte, die Ängste und Hoffnungen des kriegsgeschüttelten Libanon abgebildet oder zumindest angetönt. Und weil all dies eben das Lebensthema von Hadjithomas/Joreige ist, legte sich unter das Netz von Assoziationen und Verweisen, das sich in der Zeitgeschichte spinnen lässt, ein zweites Netz, nämlich eine Zusammenfassung ihres Schaffens. Da ist ihr Film &lt;i&gt;Ashes&lt;/i&gt;, für den sie unter den Statisten jemanden suchten, der einen Toten in einem Sarg spielen würde. Die teils verlegenen, teils gewundenen Entschuldigungen der sichtlich unangenehm berührten Leichen-Kandidatinnen und -Kandidaten haben die Künstler in einem Kurzfilm dokumentiert, der von der diffusen Angst vor dem Heraufbeschwören von Unglück handelt. Da sind die Fotoserien der Märtyrerbilder, jener Poster von Toten des Krieges, die alle Strassen dekorieren, und deren allmähliches Verblassen als Kommentar zu Gedenken und Vergessen gelesen wird. Da ist schliesslich der Moment, in welchem Khalil Joreiges persönliche Geschichte sich am deutlichsten mit der tragischen Geschichte seines Landes verstrickt. Sein Onkel gehört nämlich zu jenen ungezählten Verschwundenen. Jahre später, beim Räumen seines Hauses, wird ein belichteter, aber nicht entwickelter Super-8-Film gefunden: eine leise, unwahrscheinliche Hoffnung auf einen letzten Blick in das Leben des Verschwundenen. Joreige lässt die paar Minuten Film sorgsam entwickeln und zeigt sie integral: eine weisse Leinwand, nur flackernde Schemen, die sich gegen Schluss kaum wahrnehmbar zu Figuren, zu Menschen verdichten. In die Gewissheit, alles versucht zu haben, mischt sich die Enttäuschung über die verlorenen Bilder aus des Onkels letzten Lebenstagen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Der Schock und die penetrante Forderung von Aïda bildeten den roten Faden des Abends, und die zunächst nur kuriose Geschichte wurde sogar noch kriminalistisch aufgeladen. Obwohl Hadjithomas, Joreige und ihr Team von der unerwartet aufgetauchten Witwe gehörig gestresst wurden (und obwohl dem Publikum ob der Absurdität der Episode gelegentlich nur ungläubiges Lachen blieb), verzichteten sie darauf, sich über die Ärmste lustig zu machen. Vielmehr wurde deutlich, dass in einem gebeutelten Land wie dem Libanon solche Reaktionen allen verständlich sind. Dass Aïda, Joana Hadjithomas und Khalil Joreige schliesslich rechtzeitig eine Lösung fanden, die allen gerecht wurde, lässt sich auch als verhaltener Ausdruck der Hoffnung lesen, dass eine Heilung der vielen offenen Wunden möglich ist.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6307443726819772683?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6307443726819772683/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/verblassende-bilder-hartnackige.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6307443726819772683'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6307443726819772683'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/08/verblassende-bilder-hartnackige.html' title='Verblassende Bilder, hartnäckige Erinnerungen'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-1791424940334056453</id><published>2010-07-12T15:34:00.002+02:00</published><updated>2010-07-12T15:37:53.712+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Musik'/><title type='text'>Make this moment sweet again</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2007/07/freiburger-und-europische-visionen.html"&gt;Ich wiederhole mich&lt;/a&gt;, ich weiss – aber ich wiederhole mich gerne: Der Festivalsommer ist etwas vom Faszinierendsten in Fribourg, und er trägt (zusammen mit der &lt;a href="http://www.unifr.ch/"&gt;Uni&lt;/a&gt; und der Zweisprachigkeit) entscheidend dazu bei, dass sich diese Kleinstadt so viel grösser und weiter anfühlt. Zur Dreifaltigkeit &lt;a href="http://www.belluard.ch/"&gt;Belluard&lt;/a&gt; – &lt;a href="http://www.jazzparade.ch/"&gt;JazzParade&lt;/a&gt; – &lt;a href="http://www.rfi.ch/"&gt;Rencontres Folkloriques&lt;/a&gt; gesellt sich alle zwei Jahre das &lt;a href="http://www.fims-fribourg.ch/"&gt;Festival für geistliche Musik&lt;/a&gt;, und die vielen Quartierfeste führen ohnehin dazu, dass da und dort regelmässig Biertische und vietnamesische Essensstände auf den Strassen stehen. Und so geschieht beispielsweise folgendes: In einer Viertelstunde zu Fuss bin ich auf der Place Python, dem Epizentrum der JazzParade, zahle symbolische fünf Franken Eintritt… und höre die grossartigen &lt;a href="http://www.newyorkvoices.com/"&gt;&lt;i&gt;New York Voices&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;! Und nicht nur das: Nach dem Konzert kaufe ich am Tisch vorne bei der Bühne als Andenken eine CD, kann ohne Aufhebens das Backstage-Zelt betreten, mit Kim Nazarian, Lauren Kinhan, Darmon Meader und Peter Eldrige bei einem Becher Bier ein paar Worte wechseln und meine CD signieren lassen. Die vier haben sich offensichtlich bestens amüsiert in Fribourg, und das war nicht das erste Mal: Vor fünf Jahren seien sie schon an der JazzParade gewesen, erzählen sie, und sie freuten sich wahnsinnig über die erneute Einladung. Und sie rühmen ihre Begleitung, das &lt;a style="font-style: italic;" href="http://www.fjo.ch/"&gt;Fribourg Jazz Orchestra&lt;/a&gt;, auf das die Stadt stolz sein könne. Keine leeren Worte: Die Chemie stimmt auf der Bühne; da ist eine enorme Spielfreude spürbar und trotz der hochpräzisen Interpretation eine grosse Lockerheit.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Zur Musik kann ich weniger sagen. Ich höre selten Jazz, weil ich zu ihm nicht wirklich einen emotionalen Zugang habe. Bei den &lt;i&gt;New York Voices&lt;/i&gt; fasziniert mich zunächst das Technische, ihre absolute Meisterschaft – gerade weil ich weiss, wie unglaublich schwierig diese Musik zu singen ist. (Wir hatten uns mal an &lt;i&gt;A Nightingale sang on Berkeley Square&lt;/i&gt; versucht und nach kurzer Zeit entmutigt die Waffen gestreckt…) Aber dann gibt es auch diese magischen, meist leiseren Momente, wo unerwartet eine nie gehörte Harmonie aufleuchtet wie die Sonne nach dunklen Wolken und mit ihrer Schönheit meinen Atem stocken lässt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Tags darauf war ich kurz entschlossen gleich nochmals auf der Place Python. Es war jenes einzige Mal im Jahr, wo man in Fribourg Wildfremde auf Deutsch ansprechen kann: der traditionelle Mundart-Rock-Abend der JazzParade. Zu Gast war dieses Mal &lt;a href="http://stillerhas.ch/"&gt;&lt;i&gt;Stiller Has&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, das Naturereignis des Schweizer Rock. Ich kenne keinen anderen Sänger, der von der ersten Sekunde an eine solche raumfüllende (was sage ich: platzfüllende) Präsenz ausstrahlt wie Endo Anaconda. Die neu formierte Band mit Salome Buser an Bass und Tasten und Markus Fürst am Schlagzeug neben dem altgedienten Meistergitarristen Schifer Schafer umhüllt ihn mit einem satteren, intensiveren Sound. Die wenigsten Songs kenne ich; gespielt wird in erster Linie die (nicht mehr ganz) &lt;a href="http://stillerhas.ch/index.php?option=com_content&amp;amp;view=article&amp;amp;id=76&amp;amp;Itemid=37"&gt;neue CD&lt;/a&gt;, die damit bestens beworben wird: Keine Schwächen oder Durchhänger, alles überzeugt. Die alten Songs, so erklärt Endo übrigens, würden sie grundsätzlich gerne noch spielen, sie können sie einfach noch nicht… Für ein paar Hits hats dann zur Zugabe doch noch gereicht, bevor das begeisterte Publikum langsam die dicht vollgepackte Place Python zu verlassen beginnt.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-1791424940334056453?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/1791424940334056453/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/07/make-this-moment-sweet-again.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1791424940334056453'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1791424940334056453'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/07/make-this-moment-sweet-again.html' title='Make this moment sweet again'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3504348542159346015</id><published>2010-07-07T18:00:00.003+02:00</published><updated>2010-08-27T10:59:51.054+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tanz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Für immer und ewig</title><content type='html'>&lt;p&gt;Ich fürchte, ich bin dem &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/5-bern-ballett.html"&gt;Bern:Ballett&lt;/a&gt; diese Saison mit meinen zwei &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/01/julia-und-romeo.html"&gt;kurzen&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/auf-ein-wort.html"&gt;Artikeln&lt;/a&gt; noch nicht richtig gerecht geworden. Gelegenheit zum Ausgleich bietet glücklicherweise der letzte Ballettabend, &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/archiv/archiv_0910/455-auf-immer-und-ewig.html"&gt;&lt;i&gt;Auf immer und ewig&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, ein so unterhaltsames wie hochstehendes Spektakel, das wir uns vor einem Monat auf der Bühne von Vidmar:1 zu Gemüte geführt haben. An erster Stelle zu nennen und zu loben ist wiederum die Vielseitigkeit des Ensembles, welches zwei ganz unterschiedliche Stücke mit grosser physischer und akrobatischer Präsenz zum Leben erweckte. &lt;a href="http://www.facebook.com/cathy.marston"&gt;Cathy Marston&lt;/a&gt; eröffnete den Abend mit &lt;i&gt;CLARA&lt;/i&gt;, ihrer Interpretation der Dreiecksbeziehung zwischen Clara Schumann, ihrem Mann Robert und Johannes Brahms. Unglückliche oder schwierige Liebeskonstellationen sind &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/01/julia-und-romeo.html"&gt;offensichtlich&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/04/sturmhohe.html"&gt;ein&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2008/06/gespenster.html"&gt;Lieblingsthema&lt;/a&gt; der englischen Ballettdirektorin von Bern. Entsprechend haben wir einen guten Teil des Bewegungsrepertoires, viele der Varianten des Aufeinander-Zustrebens und Sich-voneinander-Wegreissens auch schon gesehen. Speziell waren zwei Dinge; zunächst die Musik, die von den ProtagonistInnen selber stammte und von der Pianistin Sonja Lohmiller und dem Bariton Benoît Capt live dargeboten wurden. (Dem musikologisch Bewanderten hätte das Zusammenspiel von Musik und Tanz gewiss eine ganze Menge zusätzlicher Interpretationsansätze geboten.) Sehr überzeugend dann vor allem der Rest des Ensembles: In neutralen, grauen Kleidern dienen sie als Statisten, als Staffage gleichsam, als Hintergrund für die fast kämpferische Konfrontation von Clara, Robert und Johannes. So rollen sie einmal mit ihren Körpern parallele Spannteppichbahnen über die Bühne, spielen gekonnt mit der Uniformität des Lebens wie auch mit dem Aneinander-Vorbei-Leben; und in einer der stärksten Szenen werden sie zur Wand, zur Mauer zwischen den Liebenden, die offen und durchbrochen erschien, aber dennoch kaum zu überwinden war.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ganz anders dann das zweite Stück des Abends, &lt;i&gt;Howl&lt;/i&gt; von &lt;a href="http://www.gallimdance.com/andrea-miller/"&gt;Andrea Miller&lt;/a&gt;. Temporeich, athletisch und artistisch entfalten sich seine Szenen. Zentral ist das anspielungsreiche Spiel mit den Kostümen: Das gesamte Ensemble erschien durchgehend in hellbeigen Overalls und ebensolchen antiken Badekappen und kann so gewandet genauso gut ein locker-verspieltes Vaudeville darstellen (mit vokaler Beteiligung der Tänzerinnen und Tänzer) wie eine bedrückende Irrenanstalts-Atmosphäre voller schmerzhafter Verrenkungen und brutaler Kämpfe.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ein besonderes, überraschendes Zückerchen gab es nach der Pause zwischen den beiden Stücken. Da bevölkerte sich die Bühne mit Dutzenden von Tänzerinnen und (wenigen) Tänzern des tanzpädagogischen Projekts &lt;i&gt;Dogs in a Park&lt;/i&gt;: Ein kurzes, intensives Spektakel, geprägt von Massenszenen und originellen Einzelakzenten, vom souveränen Auftreten und der Spielfreude seiner Darstellerinnen. Sie haben mit ihrer Arbeit gezeigt, dass Tanz mehr ist als die Hochleistungskunst der Profis; dass auch Amateure die Freude am körperlichen Ausdruck und am Zusammenspiel in grossartige Bilder und Szenen giessen können.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Das wahre Leben hat bei mir in den letzten Wochen deutlich die Oberhand behalten gegenüber dem Bloggen. Deswegen hat sich hier etliches verspätet, kommen einige Berichte – darunter dieser hier – nur noch als nostalgische Rückblenden zur Publikation… Und noch ein kurzes mahnendes Wort an den Webmaster des Stadttheaters: &lt;a href="http://www.w3.org/Provider/Style/URI"&gt;Cool URLs don’t change&lt;/a&gt;. Ihr Verschieben der vergangenen Saisons an eine neue &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/14-archiv.html"&gt;Archiv&lt;/a&gt;-URL ohne funktionierenden Redirect finde ich wenig benutzerfreundlich.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3504348542159346015?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3504348542159346015/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/07/fur-immer-und-ewig.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3504348542159346015'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3504348542159346015'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/07/fur-immer-und-ewig.html' title='Für immer und ewig'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5542299875361922883</id><published>2010-06-28T17:43:00.000+02:00</published><updated>2010-06-28T17:45:52.777+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><title type='text'>Il était une fois</title><content type='html'>&lt;p&gt;Mit etlicher Verspätung nachzutragen ist ein Bericht über das &lt;a href="http://www.iletait.ch/category/programme/programme2010/"&gt;vierte &lt;i&gt;Festival international du conte de Fribourg&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, das Anfangs Mai unter dem Titel &lt;i&gt;Il était une fois&lt;/i&gt; ein gutes Dutzend Erzählerinnen und Erzähler aus der ganzen frankophonen Welt in unserer kleinen Stadt versammelte. Was eine Geschichte ist, weiss ich natürlich – auch ich habe als Kind unzählige Geschichten in allen möglichen Varianten, von Eltern, Grossmutter und älteren Nachbarskindern erzählt gekriegt. Aber Geschichtenerzählen als Kunstform? Das ist für mich immer noch etwas Unerhörtes, Unvertrautes, und das entsprechende Festival deshalb eine Art Wundertüte und Gelegenheit zu einer doppelten Entdeckung: der Kunstform als solcher und der konkreten Geschichtenerzählerin.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Am diesjährigen &lt;i&gt;Festival du conte&lt;/i&gt; habe ich die &lt;i&gt;SexotiquieS&lt;/i&gt;, die maghrebinischen Geschichten der Algerierin &lt;a href="http://www.hdnick.com/artistes/benouniche/index.htm"&gt;Néfissa Bénouniche&lt;/a&gt; gesehen und gehört: Das Märchen von der Menschenfresserin und ihrer Adoptivtochter und den köstlichen Schwank (wenn ich das so sagen darf) von der Königin der Fürze. Bénouniche ist ursprünglich Architektin und Schmuckdesignerin; jetzt baut sie kunstvolle Geschichtengebäude und formt fein ziselierte Sprachschmuckstücke. Dabei präsentiert sich ein solcher Abend tatsächlich genau so, wie man sich als Laie das vorstellt: Die Bühne ist bis auf einen mal weissen, mal farbigen Lichtkegel leer; dann erscheint die Erzählerin – und nur mit ihrer Stimme, einigen gesungenen Tönen und sparsamen Gesten lässt sie ihre märchenhaften Figuren, ihre ganze Fantasiewelt vor uns und in uns entstehen. Freilich: Die Stimme ist wohlklingend, anziehend, einlullend; die Melodien und Gesten sind bewusst gesetzt; und das einfache Setting und die stete Interaktion mit dem Publikum verhüllen nur oberflächlich, dass die ganze Performance durchgegliedert und choreografiert ist. Das bemerkt man zwar, wenn man sich darauf konzentriert – man kann aber auch einfach den kritischen Verstand ausschalten und sich ganz kindlich, wie früher, der Magie der Geschichten übergeben, kann gebannt lauschen und befreit lachen, mitbibbern und sich amüsieren.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: In der Presse wurden die Verantwortlichen nach dem diesjährigen Festival mit besorgten Worten zitiert: Trotz grossem Publikumszuspruch klaffte ein Loch in der Kasse, von dem mindestens damals noch nicht klar war, wer es stopfen würde. Nichtsdestotrotz wird auf der &lt;a href="http://www.iletait.ch/"&gt;Website des Festivals&lt;/a&gt; bereits die nächste Ausgabe beworben. Geschichtenfans können sich also die Woche vom 9. bis am 15. Mai in ihrer Agenda für 2011 bereits rot markieren.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5542299875361922883?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5542299875361922883/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/06/il-etait-une-fois.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5542299875361922883'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5542299875361922883'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/06/il-etait-une-fois.html' title='Il était une fois'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4088026223170878251</id><published>2010-06-18T14:09:00.002+02:00</published><updated>2011-12-11T17:47:19.014+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Noch nicht die Hälfte ists der Not</title><content type='html'>&lt;p&gt;Das erste erhaltene Theaterstück der Geschichte, &lt;a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Aischylos/Biographie"&gt;Aischylos&lt;/a&gt;’ &lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/aischylo/perser/perser.xml"&gt;&lt;i&gt;Perser&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, ist auch ein Antikriegsstück. Im Zentrum der Interpretation steht zwar in der Regel die Hybris des Xerxes und ihre Bestrafung: sein hochfliegender Übermut und tiefer Fall. Aber mit dem Fokus auf die Unterlegenen des Feldzuges, mit der ausführlichen Darstellung ihrer Verzweiflung und mit der schonungslos realistischen Beschreibung der Seeschlacht von Salamis formuliert Aischylos, selbst einer der Sieger, deutlich wahrnehmbar seine Abscheu vor der Brutalität und dem Leiden im Krieg.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;In ihrer Bearbeitung für das &lt;i&gt;Theater an der Effingerstrasse&lt;/i&gt; haben Norbert Klaassen und &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Jecklin"&gt;Peter Jecklin&lt;/a&gt; diesen Aspekt in den Vordergrund gerückt. Sie haben dazu die zeitliche Perspektive gewechselt: Wo bei Aischylos das Wesentliche der Handlung und Deutung in langen retrospektiven Reden und Wortwechseln berichtet und reflektiert wird, rücken sie es in die Gegenwart der Szene. Dazu mussten sie den überlieferten Text radikal kürzen, passagenweise neu formulieren und ausführlich ergänzen. Der geschlagen zurückkehrende Xerxes ist nun nicht die klagende tragische Figur, sondern bleibt auch in der Niederlage der Kriegstreiber: Kinder und Greise ruft er zum letzten Verzweiflungskampf um die Hauptstadt auf; Lehren aus der Niederlage mag er keine ziehen und nicht Rat noch Bitte hören. Seine Verblendung ist durch Salamis nicht geheilt, sondern vielmehr noch intensiviert; der Zug gegen Athen war erst das Vorspiel zum Gipfel seines Wütens.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Von Aischylos war da ausser dem Schlachtbericht nur noch wenig zu hören. Der gleichzeitig archaisierende und moderne Text von Klaassen und Jecklin bleibt dem Original aber im Duktus treu: Das Versmass ist gewahrt, die Sprache sperrig, aber von grosser Schönheit und durchsetzt mit vielen kräftig geschnitzten, präzisen Formulierungen. Diesen schwierigen Text haben Aaron Frederik Defant, Andrea Gloggner, David Imhoof, Peter Jecklin, Johannes Karl, Armin Köstler und Jesko Stubbe souverän und verständlich auf die Bühne gebracht, wobei sie besonders in den leisen Passagen überzeugt haben – in den düsteren Eingangsworten der Atossa, im langsamen, schaurigen Crescendo des Botenberichts. Dass Regisseur Jecklin fast alle Schauspieler in diese schrillen, comicartigen &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lucha_Libre#Masken"&gt;mexikanischen&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/rachaelmccurdy/2706930013/"&gt;Wrestling-Masken&lt;/a&gt; steckt, ist zwar etwas gar dick aufgetragen, funktioniert aber gleichwohl auf mehreren Ebenen. Die Masken selber verweisen natürlich auf ihre Vorbilder in den antiken Theateraufführungen, und durch ihr Ablegen und Wiederaufsetzen verdeutlichen die Figuren den Widerspruch zwischen ihrer öffentlichen &lt;i&gt;Persona&lt;/i&gt; und ihren inneren Gefühlen und Ängsten. Zudem habe ich die Masken aber auch als Kommentar des Regisseurs zum fundamentalen Missverständnis der Kriegstreiber jeder Epoche gelesen: Krieg als Wettkampf, Krieg als Spiel.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ich habe es hier &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/12/burger-in-dem-lande-theben-sehet-dieser.html"&gt;auch&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2008/11/wo-um-himmels-willen-liegt-dieses-athen.html"&gt;schon&lt;/a&gt; &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2008/04/dekonstruktion-des-triumphes.html"&gt;gesagt&lt;/a&gt;: Griechische Tragödien haben eigentlich gar keine Aktualisierung nötig; sie handeln (bei aller Fremdheit) immer von den Menschen – und die sind ja, wie Erich Kästner wusste, „&lt;a href="http://books.google.ch/books?id=bL3FN0j0NhYC&amp;amp;lpg=PA38&amp;amp;ots=dJkivu5-Yq&amp;amp;dq=erich%20k%C3%A4stner%20entwicklung%20der%20menschheit&amp;amp;pg=PA38#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false"&gt;noch immer die alten Affen&lt;/a&gt;“. Norbert Klaassen und Peter Jecklin haben zum Saisonschluss an der Effingerstrasse aber gezeigt, welches zusätzliches Potential in den alten Geschichten liegt, wenn sie mutig und mit sicherer Hand weitergeschrieben werden.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Die Perser stehen an der Effingerstrasse noch bis am 1. Juli fast täglich auf dem Programm. Falls es noch nicht klar geworden sein sollte: Der Besuch lohnt sich! Ähnlich begeistert wie ich war Fritz Vollenweider in seinem Bericht auf &lt;a href="http://www.seniorweb.ch/type/blog/2010-06-10-gesehen-von-der-ueberheblichkeit-und-vom-kriege"&gt;seniorweb.ch&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4088026223170878251?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4088026223170878251/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/06/noch-nicht-die-halfte-ists-der-not.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4088026223170878251'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4088026223170878251'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/06/noch-nicht-die-halfte-ists-der-not.html' title='Noch nicht die Hälfte ists der Not'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-5323981181640946097</id><published>2010-06-04T18:19:00.004+02:00</published><updated>2011-12-11T17:48:46.711+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Tragische Helden im Emmental</title><content type='html'>&lt;p&gt;Es fällt mir ausserordentlich schwer, &lt;a href="http://www.gotthelf.unibe.ch/"&gt;Gotthelf&lt;/a&gt; zu besprechen. Auf einer Bahnreise habe ich kürzlich seine beiden Erzählungen &lt;i&gt;Elsi, die seltsame Magd&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Der Besenbinder von Rychiswyl&lt;/i&gt; gelesen. Da scheint alles so klar, so geordnet. Ein jeder hat seinen Platz, ein jeder weiss, was ihn erwartet, und wer darüber hinaus etwas will, wird scheitern. Und ich sitze vor diesen Geschichten und schaffe es nicht, die Schale der guten Ordnung zu knacken und hinter die Kulissen dieser Welt zu sehen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Vielleicht hilft eine Anleihe bei der klassischen Philologie. In der griechischen Tragödie gibt es neben dem bekannten tragischen Konflikt, wo eine Figur zum Helden, zur Heldin wird, indem sie sich dem Unausweichlichen stellt und im Entscheid für eine Handlung aktiv den eigenen Untergang betreibt, auch eine Variante, bei der das Augenmerk auf dem Verhältnis einer Figur zu ihrer Rolle liegt. Tragische Heldinnen bewegen sich in einem ähnlich rigiden Rahmen wie Gotthelfs Protagonistinnen. Das rechte Mass ist wichtig, das nicht überschritten werden darf; gleichzeitig wird auch immer wieder gezeigt (man denke an &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klyt%C3%A4mnestra"&gt;Klytaimnestra&lt;/a&gt; oder &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2008/04/dekonstruktion-des-triumphes.html"&gt;Medea&lt;/a&gt;) wie eine Person verletzt und heruntergesetzt wird, welcher den ihr gebührenden Freiraum nicht zugestanden bekommt. An den Überschreitungen oder Beschneidungen des Rahmens entzündet sich dann der Konflikt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Es könnte sich bei Gotthelf also lohnen, genauer auf diese Grenzen zu achten und zu analysieren, welchen Spielraum die Figuren in ihrem Rahmen haben, wie sie ihn ausnützen und wo der Erzähler, dieser Vertreter der guten Ordnung, wertend einschreitet. Und da sehen wir in Elsi, der seltsamen Magd, eine Person, die sich den Einschränkungen ihres Handlungsrahmens zu entziehen sucht, indem sie ihre Arbeitspflichten treu und arbeitsam übererfüllt, in der Hoffnung, dafür in den ungeschriebenen Verpflichtungen des Privatlebens Freiheit zu finden. Die Erzählung fokussiert aber gnadenlos darauf, dass das nicht möglich ist. Die Schranken, die einer Magd gesteckt sind, beschränken sich nicht auf ihre Arbeit; sie umfassen auch ihren Anteil am gesellschaftlichen Leben. Insbesondere wird unbedingte Dankbarkeit gegenüber den Avancen eines Höhergestellten erwartet. Dass Elsi, von ihrem geheim gehaltenen Vorleben zusehends tyrannisiert, sich diesen zu entziehen sucht, macht sie zur tragischen Heldin.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Ein Vorbild für das Leben gemäss seinen Massstäben ist hingegen Hansli, der Besenbinder von Rychiswyl. Der ist die Emmentaler Version von &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0109830/"&gt;Forrest Gump&lt;/a&gt;, die da lautet: Wenn du fleissig bist, die Arbeit nicht scheust, daneben bescheiden bleibst, freundlich bist zu den Leuten und gottesfürchtig, dann machst du deinen Weg. So lernt der Sohn einer armen Witwe das Besenbinden, entwickelt darin auch reichlich Geschick, und baut sich mit der Qualität seiner Ware und seinem gewinnenden Wesen Haus für Haus eine treue Kundschaft auf. Bald baut er sich einen Karren, kauft der Mutter ein neues Bett und sich selber anständige Kleidung, gewinnt eine vierschrötige, aber fleissige Frau, zeugt mit ihr eine Schar braver Kinder – und als zum Schluss das himmlische Manna in Form einer grossen Erbschaft auf ihn niederfällt, ist er selbstverständlich aufrecht genug, sich auch dadurch nicht korrumpieren zu lassen. Charmant dabei ist, dass bisweilen ein gewisser Minimalismus durchschimmert und der brave Hansli dann einen Anstoss von aussen nötig hat: Die Idee mit dem Besenbinden kommt vom Bauern, bei dem er wohnt; und der muss ihm auch mit kräftigen Worten beibringen, dass ein Mann seines Standes ja nicht etwa einen Karren zu kaufen gedenke; selber bauen solle er ihn! Wieder ist die Botschaft klar: Der Spielraum ist eng beschränkt, das rechtschaffene Leben ähnelt einem Gang auf dem hohen Seil.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Immerhin kommen dem Hansli sein Humor und seine träfe Art nicht abhanden. Am schönsten zeigen sich beide, als es ums Weiben geht. Der dazugehörige Dialog mit seiner Mutter ist voll feinster Komik und soll hier abschliessend zitiert werden. Um der alten Frau schonend beizubringen, dass er sich in eine Marktbekanntschaft verguckt hat, erwähnt Hansli beiläufig, dass sein Karren immer schwerer zu stossen sei. Die überaus praktisch veranlagte Mutter schlägt den Kauf eines Eseleins vor. Ihr Sohn äussert jedoch Bedenken bei so einem störrischen Tier und bringt nun seinen Alternativvorschlag vor:&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="font-style: italic;"&gt;„Nein, aber Mutter, ich hatte an eine Frau gedacht, was sagt Ihr dazu?“&lt;br /&gt;„Aber Hansli, warum nicht lieber an eine Geiss oder an einen Esel, was dir nicht zSinn kommt! Was willst mit einer Frau machen?“&lt;br /&gt;„He, Mutter, öppe was ein anderer…“&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Jeremias Gotthelf: &lt;a href="http://reclam.de/detail/978-3-15-007747-4"&gt;Elsi, die seltsame Magd. Der Besenbinder von Rychiswyl.&lt;/a&gt; Stuttgart, Reclam 1995 (und seither sicher noch mehrmals). ISBN 3-15-007747-8. Und ja, Gotthelf ist auch online und kostenfrei beim Projekt Gutenberg zugänglich: &lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/2484/1"&gt;Elsi, die seltsame Magd&lt;/a&gt; bzw. &lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/2490/1"&gt;Der Besenbinder von Rychiswyl&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;[UPDATE: Links zum Projekt Gutenberg angepasst.]&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-5323981181640946097?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/5323981181640946097/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/06/tragische-helden-im-emmental.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5323981181640946097'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/5323981181640946097'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/06/tragische-helden-im-emmental.html' title='Tragische Helden im Emmental'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4388244764392361605</id><published>2010-05-16T12:02:00.001+02:00</published><updated>2010-05-16T12:04:32.158+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Feuchter Nebel über grauer Stadt</title><content type='html'>&lt;p&gt;Der Name der Stadt &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Triest"&gt;Triest&lt;/a&gt; weckt bei mir die Assoziation von Melancholie und verfallender Grandezza. Da bin ich offenbar nicht der einzige. (Kunststück – ich war noch nie dort, und irgendwoher muss ichs ja haben...) &lt;a href="http://www.kneifl.at/"&gt;Edith Kneifl&lt;/a&gt;s Krimi &lt;i&gt;Triestiner Morgen&lt;/i&gt; spielt an Allerheiligen 1994 in und um Triest, und in den leerstehenden Lagerhallen, baufälligen Schlössern, auf verlassenen Plätzen und rostigen Parkbänken lässt sie einen illusions- und sinnlosen Rachefeldzug sich entfalten. Nach zwanzig Jahren Knast für den angeblichen Mord an seiner Geliebten kehrt Enrico an die Orte seiner Jugend und seiner Liebe zurück, um die damals offen gebliebenen Rechnungen zu begleichen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Fast hätte ich das Buch ja schon nach den ersten paar Sätzen wieder weggelegt. Die Sprache ist bemüht betulich, tönt passagenweise nach Schulaufsatz. „Erinnerungen an manch geleerte Flasche tauchen auf“ – das steht da tatsächlich auf der zweiten Seite, ohne Witz! Und als gleich danach eine blonde Frau im Pelz das verrauchte Bahnhofscafé betritt, wird die Klischeedichte so unerträglich, dass nur der Respekt vor L., die mir das Buch geliehen hat, mich davon abhält, es umgehend aufzugeben. Sprachlich geht es auf den hundertachtzig verbleibenden Seiten leider oft ähnlich weiter, mit psychologisierenden Dialogen und gelegentlich schablonenhaft tiefsinnigen Überlegungen. Trotzdem hat sich die Lektüre gelohnt. Kneifl schafft nämlich auch so packende Szenen wie die Abrechnung zwischen Enrico und seinem Jugendfreund Michele, die sie im immer verbisseneren Hin und Her eines improvisierten Tischtennis-Matches inszeniert. Sie lässt in Rückblenden die ferne Hauptfigur, die mit dem Feuer spielende Geliebte, zu Wort kommen und kombiniert ihre maliziösen Bemerkungen fliessend mit der Rachehandlung und dem philosophischen Kommentar im Bahnhofscafé. Sie zitiert souverän und unpathetisch aus Verdis &lt;i&gt;Nabucco&lt;/i&gt; und (im Angesicht von &lt;a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Castello_di_Duino_0904.jpg"&gt;Schloss Duino&lt;/a&gt;) aus Rilkes &lt;a href="http://de.wikisource.org/wiki/Duineser_Elegien"&gt;&lt;i&gt;Duineser Elegien&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Vor allem aber schafft sie eine Atmosphäre, die einem wie feuchter November den Rücken hinaufkriecht. Es passiert eigentlich fast nichts. Oder vielmehr: Alles, was passiert, passiert so gleichgültig und distanziert wie hinter dichtem Nebel versteckt; fast resigniert, ohne Aufhebens. Vielleicht wird dabei das klassische Triestiner Klischee etwas gar strapaziert, aber im Neonlicht des Cafés, in den grauen Strassen und den verregneten Hügeln entsteht ein desillusioniertes Bild von der Unmöglichkeit, Gut und Böse voneinander zu scheiden.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i style=""&gt;Technisches: Edith Kneifl, Triestiner Morgen. München/Zürich, Diana 2001. ISBN 3-453-17981-1. Das Buch scheint vergriffen zu sein; Bibliotheken, Antiquariate oder &lt;a href="http://www.amazon.de/Triestiner-Morgen-Edith-Kneifl/dp/3453179811/"&gt;Amazon&lt;/a&gt; helfen weiter.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4388244764392361605?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4388244764392361605/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/05/feuchter-nebel-uber-grauer-stadt.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4388244764392361605'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4388244764392361605'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/05/feuchter-nebel-uber-grauer-stadt.html' title='Feuchter Nebel über grauer Stadt'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6155064765348740439</id><published>2010-05-10T20:55:00.001+02:00</published><updated>2010-05-10T20:58:14.116+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ausstellung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Schweizer Reize</title><content type='html'>&lt;p&gt;Nein, dies ist kein Boulevard-Blog geworden, und es geht hier auch nicht um &lt;a href="http://www.michellehunziker.it/"&gt;Michelle Hunziker&lt;/a&gt;. &lt;a href="http://www.nb.admin.ch/aktuelles/03147/03148/03151/"&gt;&lt;i&gt;Schweizer Reize&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; ist vielmehr der Titel einer Ausstellung über die Reiseführer-Sammlung der &lt;a href="http://www.nb.admin.ch/"&gt;Schweizerischen Nationalbibliothek&lt;/a&gt;. Empfangen wird man dortselbst im hellen Gang vor dem Ausstellungsraum von Plakaten aus mehreren Jahrzehnten Tourismuswerbung; dazwischen bereiten Zitate aus zwei Jahrhunderten Reiseliteratur auf die eigentliche Ausstellung vor (mein Favorit, zeitlos: „Wer in kurzer Zeit die ganze Schweiz bereisen, dabei viel sehen und geniessen will, der bedenke, dass er zu Hause zum Schlafen wieder Zeit genug hat.“ Richard Noë, &lt;i&gt;Die Schweiz in 15 Tagen mit Generalabonnement genussreich und billig zu bereisen&lt;/i&gt;. Freiburg/Leipzig, 1914/15). Im abgedunkelten Hauptraum wird unser Land dann von Nord bis Süd, von West bis Ost zweifach durchmessen, und diesem roten Faden nach sind die Reiseführer aufgereiht und aufgeschlagen. Da präsentiert sich geballt die ganze Vielfalt dieses Genres. Sicher ein Dutzend Sprachen sind vertreten, und es scheint kein Spezialinteresse, keine Fortbewegungsart zu geben, die nicht einen eigenen Führer rechtfertigen würden. Fast schon paradoxerweise äussert sich auch die bewusste Alternative zum Massentourismus wiederum in einer besonderen, reichhaltigen Kategorie von Publikationen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Den Wänden entlang vertiefen thematische Vitrinen die Geschichte dieser Gebrauchsliteraturgattung. Man erfährt, dass ihre Anfänge in Reisetagebüchern des 18. Jahrhunderts liegen, welche den noch wenigen Reisenden einen Grundstock an Informationen und Hilfestellungen boten. Es wird klar, dass die Touristen dieser Frühzeit sehr selbständig unterwegs waren. So sind in der &lt;i&gt;Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art in der Schweiz zu reisen&lt;/i&gt; von Johann Gottfried Ebel (1793) die Ortschaften alphabetisch angeordnet, auf dass jeder zwanglos das herauspicke, was ihn gerade interessiert. Die für heutige Reiseführer so charakteristische Ordnung nach Regionen und vor allem nach vorausgeplanten Reiserouten verdanken wir dem Engländer John Murray und einem immer noch bekannten Namen, dem Deutschen Karl Baedeker. Die ausgestellten &lt;a href="http://www.baedeker.com/"&gt;&lt;i&gt;Baedeker&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; vom 19. bis ins 21. Jahrhundert zeigen sehr schön auf, wie die anfänglich literarisch-blumige Sprache nach und nach dem typischen neutral-distanzierten Reiseführer-Duktus weicht, welcher in allerletzter Zeit wieder von einem locker-originellen Umgangston abgelöst wird. Gleichzeitig wird deutlich, wie die Benutzerfreundlichkeit stetig verbessert wurde. Handlichkeit und Stabilität waren von allem Anfang an Grundvoraussetzungen. Die Bleiwüsten der Anfangszeiten hat schon Baedeker mit ersten Symbolen (darunter dem Vorgänger aller Sternchen-Bewertungssysteme) aufgelockert; und heutige Reiseführer bestehen ja, wie mir scheint, hauptsächlich noch aus Grafiken, Info-Kästen und den &lt;i&gt;Top Ten der Redaktion&lt;/i&gt;...&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So haben die Nationalbibliothek und der erfahrene Kurator &lt;a href="http://ch.linkedin.com/pub/beat-gugger/11/866/368"&gt;Beat Gugger&lt;/a&gt; das Langeweilepotential einer Bücherausstellung geschickt umschifft. Anhand der Reiseführer geben sie einen breiten und spannenden Einblick in die Geschichte des Reisens und des Tourismus. Vieles wird mit der Zeit repetitiv, einzelnes bleibt besonders hängen, so die Erläuterungen zur Reisezeit (per Dampfboot und Kutsche) von Zürich ins Bündnerland im 19. Jahrhundert. Am meisten bewegt hat mich jedoch ein ganz spezieller Reiseführer; einer, der sich nicht an Touristen wendet, die in die Schweiz reisen, sondern gewissermassen an ihr Spiegelbild: Der &lt;a href="http://libraries.admin.ch/cgi-bin/gw/chameleon?skin=helveticat&amp;amp;lng=de&amp;amp;host=biblio.admin.ch%2b3601%2bDEFAULT&amp;amp;search=AUTHID&amp;amp;function=CARDSCR&amp;amp;scanu1=4&amp;amp;authid=716230&amp;amp;authidu=4"&gt;Führer für Tessiner Amerika-Emigranten&lt;/a&gt; erläutert knapp und schnörkellos, dass nach Basel direkte SBB-Wagen verkehren, dass man dort im nahen französischen Bahnhof den Zug nach Paris nehmen muss, und wie man dann weiter nach Le Havre oder Cherbourg gelangt. Dort, wo kein Reiseführer die Touristen hinlockte, war also noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts die Auswanderung üblich. Und so ist diese Ausstellung auch ein Zeugnis der Dankbarkeit dafür, dass der Fremdenverkehr seinerzeit ganze Alpentäler der Armut entriss.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Die Ausstellung „Schweizer Reize. Die Schweiz in Reiseführern“ ist noch bis am 27. Juni 2010 zu den Öffnungszeiten der Nationalbibliothek zugänglich (beim Eingang rechts, einfach den Plakaten nach). Angenehm ist bei den Ausstellungen der NB immer ihre limitierte Grösse: Man kann sich durchaus verweilen, kriegt aber – wenn man will – in einer halben Stunde einen guten Überblick.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6155064765348740439?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6155064765348740439/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/05/schweizer-reize.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6155064765348740439'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6155064765348740439'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/05/schweizer-reize.html' title='Schweizer Reize'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-1630299481706926729</id><published>2010-05-03T20:12:00.001+02:00</published><updated>2011-12-11T17:51:33.196+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Saltimbocca</title><content type='html'>&lt;p&gt;Ein Blick in die Kategorie &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/search/label/Literatur"&gt;Literatur&lt;/a&gt; dieses Blogs legt schonungslos offen, dass ich in letzter Zeit kaum Belletristik, sondern hauptsächlich Sachliteratur lese. Zum Glück hat meine Freundin L. kürzlich ihre Wohnung umgeräumt und beschlossen, einige ihrer verstaubenden Bücher etwas in Zirkulation zu geben. Als wir uns letzthin zu einem Glas Wein trafen, tauchte sie deshalb mit einem Stapel Krimis auf, die seither in meinem Bücherregal der Lektüre harren. Und so habe ich auf einer längeren Bahnreise für einmal nicht bloss die aufgelaufenen Zeitungen, sondern tatsächlich einfach ein Buch gelesen: &lt;a href="http://www.aufbau-verlag.de/index.php/saltimbocca.html"&gt;&lt;i&gt;Saltimbocca&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://www.bernhard-jaumann.de/"&gt;Bernhard Jaumann&lt;/a&gt;, einen – ich sag’ mal – kulinarisch-kunsthistorischen Krimi; und erst noch mit Tiramisù-artig zweistufigem Aufbau. Jaumann erzählt die Geschichte eines mittelmässigen Krimiautors, der vor Ort in Rom für sein jüngstes Werk recherchiert, und gleichzeitig lesen wir dieses in Entstehung begriffene jüngste Werk um den gescheiterten Privatermittler Brunetti (der heisst tatsächlich so, und der Seitenhieb auf &lt;a href="http://www.diogenes.ch/leser/autoren/a-z/l/leon_donna/biographie"&gt;Donna Leon&lt;/a&gt; lässt auch nicht auf sich warten). Dass der fiktive Krimiautor und Ich-Erzähler ziemlich ostentativ die Züge des realen Krimiautors Bernhard Jaumann trägt, macht das Buch zunächst etwas gewollt originell – Ironie mit dem Vorschlaghammer, gewissermassen. Aber die parallelen Handlungen, der Brunetti-Krimi und die Rahmengeschichte, ziehen einen bald in ihren Bann. Zunächst erscheinen sie nur harmlos, dann immer virtuoser (und gelegentlich auf abenteuerliche und surreale Weise) miteinander verwoben; die gegenseitigen Bezüge werden raffinierter und komplexer, und ihre Parallelität stellt sich zusehends als unheimlich heraus: Jaumanns Alter Ego wird von seiner raffinierten Geschichte eingeholt, ehe er sichs versieht, und judiziert gleich Kleists Dorfrichter Adam „&lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/590/4"&gt;den Hals ins Eisen sich&lt;/a&gt;“.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Da die Brunetti-Geschichte als Entwurf eines durchschnittlich erfolgreichen Autors ausgegeben wird, kann sich Jaumann darin einiges an Fantasie erlauben: Man spürt förmlich, wie er es geniesst, einen abstrusen Plot an den Haaren herbeizuziehen und ihn grosszügig mit geografischen, kulinarischen und kunsthistorischen Bezügen aufzuladen. Augenzwinkernd lässt er ihn in der parallelen Klimax der beiden Geschichten vom Polizisten der Rahmenhandlung auflösen und diesen dabei (als kleine Solidarität des Autors mit seinem arg gebeutelten Doppelgänger) peinlich scheitern. Bei aller Absonderlichkeit funktioniert die Geschichte jedoch aufs Trefflichste; dass sie zudem intensivst die Nostalgie nach Rom und seiner Küche nährt, ist ein hübscher Nebeneffekt. So war das Buch noch in den Ferien fertig gelesen, und ich musste mir auf der Heimreise notfallmässig die Zeit mit Sudokus vertreiben...&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Bernhard Jaumann, Saltimbocca. Kriminalroman. Berlin, Aufbau Taschenbuch Verlag &lt;sup&gt;4&lt;/sup&gt;2004. ISBN 3-7466-1509-7.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;[UPDATE: Links zur Verlags-Website und zum Projekt Gutenberg angepasst.]&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-1630299481706926729?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/1630299481706926729/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/05/saltimbocca.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1630299481706926729'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1630299481706926729'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/05/saltimbocca.html' title='Saltimbocca'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-9034971084298116801</id><published>2010-04-26T19:23:00.003+02:00</published><updated>2011-12-11T17:52:00.156+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Umbilicoscopica'/><title type='text'>Aller guten Dinge sind drei</title><content type='html'>&lt;p&gt;Morgen schliesst sich das dritte Jahr dieses Blogs. Wegen privat und beruflich leicht erhöhter Belastung hat der rituelle Frühjahrsputz noch nicht stattgefunden. Die Gelegenheit zu ein paar Reflexionen über das Bloggen an sich will ich mir jedoch nicht entgehen lassen. &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/12/gute-vorsatze.html"&gt;Vor vier Monaten&lt;/a&gt; habe ich an dieser Stelle stolz auf die letztjährige Blogkadenz verwiesen und mir vorgenommen, Ähnliches dieses Jahr wieder zu erreichen. Seither habe ich mir hie und da Gedanken gemacht zum Verhältnis von Müssen und Wollen. Die Balance ist delikat. Das hier ist ja ein Hobby und soll deshalb in erster Linie Spass machen. Gleichzeitig ist eine gewisse Disziplin erforderlich und sinnvoll, ansonsten ich im Zweifelsfall immer eher auf dem Sofa rumliegen als an der Tastatur sitzen würde. Zudem soll das Bloggen auch ein stetes Training für konzentriertes Schreiben sein. In den letzten Wochen hat sich bei mir aber eine gewisse Gefahr bemerkbar gemacht, nur noch um der Artikelzahl willen zu bloggen, keinen Anlass ungebloggt zu lassen und auch bei akutem Inspirationsmangel stur an einem Artikel dranzubleiben. Die Folge: gelegentlicher Frust und ab und zu die Veröffentlichung von Posts, die ein kritischer Lektor unbedingt hätte zurückhalten müssen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;In meinem &lt;a href="http://www.google.com/reader"&gt;Feedreader&lt;/a&gt; habe ich einen Ordner namens „Lektüre“. &lt;a href="http://www.anonymekoeche.net/"&gt;Dort&lt;/a&gt; &lt;a href="http://faz-community.faz.net/blogs/antike/default.aspx"&gt;sind&lt;/a&gt; &lt;a href="http://blog.agoeldi.com/"&gt;einige&lt;/a&gt; &lt;a href="http://print-wuergt.de/"&gt;Blogs&lt;/a&gt; &lt;a href="http://antjeschrupp.com/"&gt;versammelt&lt;/a&gt;, die (selten mehr als einmal pro Woche) ausführliche, gut recherchierte und packend formulierte Artikel publizieren. Den Ordner öffne ich jeweils in ruhigen Momenten, um mir ein kleines Lesevergnügen zu gönnen. Bei anderen Leserinnen und Lesern in einem solchen Ordner zu landen: Das ist das eigentliche Ziel dieses Blogs hier. Ich schreibs mir hinter die Ohren: Wenn ich mir mit &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/"&gt;&lt;i&gt;Phemios Aoidos&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; etwas Druck aufbauen will, dann soll sich dieser nicht auf die Anzahl der Publikationen, sondern auf deren Inhalt beziehen.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-9034971084298116801?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/9034971084298116801/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/aller-guten-dinge-sind-drei.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/9034971084298116801'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/9034971084298116801'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/aller-guten-dinge-sind-drei.html' title='Aller guten Dinge sind drei'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3108793522086142146</id><published>2010-04-20T20:55:00.003+02:00</published><updated>2011-12-11T17:54:02.513+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Tanz auf dem hohen Seil</title><content type='html'>&lt;p&gt;Die &lt;a href="http://www.woz.ch/"&gt;WOZ&lt;/a&gt; hat in ihrer Besprechung (online nicht frei zugänglich) des 24. Internationalen Filmfestivals Freiburg &lt;a href="http://fiff.ch/"&gt;FIFF&lt;/a&gt; ihr resigniertes Erstaunen darüber festgehalten, dass es von den dutzenden hochstehenden Filmen, die in dieser Woche gezeigt wurden, kaum je einer regulär in ein schweizerisches Kino schafft. Wir werden jahraus, jahrein mit Dutzendware vom Fliessband abgespiesen; die Perlen scheinen nicht für mehrheitsfähig gehalten zu werden. Nun bin ich, obwohl ich bald neun Jahre meines Lebens in Freiburg verbracht habe, nicht wirklich ein Festival-Aficionado; kann also hier nicht vollmundig ins Lamento einstimmen. Aber immerhin pflege ich seit drei Jahren mit meiner guten Freundin S. zusammen das Ritual eines Festival-Abends mit einem Abendessen in einem fremdländischen Restaurant und einem Film aus dem reichen Angebot des FIFF. Und der Film, den wir dieses Jahr (mehr oder weniger zufällig) ausgewählt hatten, bestätigt die Klage der WOZ. Es handelte sich um den koreanischen Film &lt;i&gt;&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_King_and_the_Clown"&gt;The King and the Clown&lt;/a&gt; (&lt;a href="http://www.fiff.ch/site2010/index.php?option=com_content&amp;amp;view=article&amp;amp;id=258%3Ales-rois-maudits-de-coree&amp;amp;catid=154&amp;amp;Itemid=277&amp;amp;lang=fr"&gt;Wang-ui Namja&lt;/a&gt;)&lt;/i&gt;, der im Rahmen der Retrospektive &lt;i&gt;Les rois maudits de Corée (Der Fluch der koreanischen Könige)&lt;/i&gt; gezeigt wurde. Das koreanische Kino, so entnahmen wir dem Festivalprogramm, hat eine charakteristische Vorliebe für Königsdramen, für epische Stoffe aus der Geschichte des Landes, für Kostümfilme um Hybris und Fall der Mächtigen. Hauptperson in &lt;i&gt;The King and the Clown&lt;/i&gt; ist der schillernde Yonsan, der als brutalster König Koreas gilt. Sein Gegenpart ist eine Truppe von Gauklern und Artisten, die sich um den charismatischen Jangsaeng und den jungen, androgynen Gonggil schart. Ihr respektloses Spektakel über den König und seine Konkubine auf den Strassen der Hauptstadt bringt sie zunächst ins Gefängnis, dann an den Königshof, wo sie mit Schiss in den Hosen vor dem Herrscher auftreten – und dieser sich wider Erwarten köstlich amüsiert. Jangsaeng und seine Truppe werden zu Hofgauklern ernannt. In dieser bis ins letzte Detail kodifizierten und geregelten Umgebung bringen die mächtigen, widerstrebenden Kräfte zwischen den Artisten vom Land, dem wankelmütigen König und der gleichsam byzantinischen Hofbeamtenschaft das Drama in Gang.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dass ich diesen Film als Perle bezeichne und bei weitem höher schätze als die gängige Kinokost, liegt am Reichtum seiner Geschichten, an der Vielzahl der Zugänge, die er anbietet. Das Artistenleben als Hochseilakt, die Masken, die an- und abgelegt werden – das sind nur die offensichtlichsten Interpretationsansätze. Komplexer ist das kaum durchschaubare Machtgefüge am Hof, ein empfindliches Gleichgewicht des Schreckens: Der Herrscher ist ein absolutistischer, ein Wort von ihm kann Karrieren und Leben beenden; und dennoch ist er eingeschnürt in ein Hofzeremoniell, üben seine Minister, obwohl sie im Staub vor ihm kriechen müssen, auf subtile Weise eine grosse Macht aus. Die Spiele der Gaukler bringen zunächst vor allem dem König ein willkommenes Ventil und schaffen ihm einen persönlichen Freiraum. Gleichzeitig wird aber die von zärtlicher Zuneigung geprägte Beziehung zwischen Jangsaeng und Gonggil in das feine Netz der Hofintrigen eingespannt, als das Interesse des Königs am jungen Artisten immer deutlicher wird. Die Spannungen werden fast körperlich spürbar, bis sie sich in einer Serie brutaler Akte entladen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Und damit habe ich noch gar nichts gesagt über den Dekor: über die strengen, seltsamen Kostüme, die Möbel, Räume und Gegenstände am königlichen Hof, die ich nur in ästhetischen Kategorien wahrnehmen kann, deren Bedeutung sich mir aber verbirgt. Mir fehlen die historischen und kulturellen Kenntnisse, um weitere Bedeutungsebenen aufschliessen zu können. Das ist schade – und gleichzeitig beeindruckt mich, dass der Film auch ohne diese Kenntnisse funktioniert.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: &lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0492835/"&gt;Wang-ui namja&lt;/a&gt; (2005) von Jun-ik Lee ist der bis anhin kommerziell zweiterfolgreichste koreanische Film. Trotzdem scheint er bei uns schwierig zu erhalten sein. Immerhin hilft &lt;a href="http://www.amazon.com/King-Clown-aka-Royal-Jester/dp/B000GXG0EQ"&gt;amazon.com&lt;/a&gt; weiter.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;[UPDATE: Auch das FIFF hat leider noch nicht entdeckt, dass Beständigkeit in der Link-Struktur das wichtigste Gut einer Website ist...]&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3108793522086142146?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3108793522086142146/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/tanz-auf-dem-hohen-seil.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3108793522086142146'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3108793522086142146'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/tanz-auf-dem-hohen-seil.html' title='Tanz auf dem hohen Seil'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3651767587866151839</id><published>2010-04-15T15:32:00.002+02:00</published><updated>2010-04-15T15:36:04.323+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Architektur'/><title type='text'>Perikleische Baukunst</title><content type='html'>&lt;p&gt;Den Schwung aus der Lektüre von Heiner Knells &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/mit-dem-bauforscher-durch-griechenland.html"&gt;&lt;i&gt;Grundzügen der griechischen Architektur&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; habe ich ausgenützt, um gewissermassen als Dessert des gleichen Autors kurze Studie zur &lt;i&gt;Perikleischen Baukunst&lt;/i&gt; anzuhängen. Knell hat sich in seinem reichen &lt;a href="http://www.archaeologie.architektur.tu-darmstadt.de/arch/publika_arch/prof_dr_h_knell.de.jsp"&gt;Gelehrtenleben&lt;/a&gt; einen besonderen Namen gemacht durch die Erforschung der politischen, religiösen und ideologischen Implikationen von Architektur und Bauschmuck. Die Untersuchung zum Bauprogramm des Perikles, erschienen 1979, war das erste eigenständige Ergebnis dieses spezifischen Interesses – und eines der ersten Unternehmen überhaupt, das diese für die römische Kunst seit langem etablierte Analyse in der klassischen griechischen Kunst zur Anwendung brachte.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das mag erstaunen. Denn wenn auch die Glanzzeit des Perikleischen Athens in der Mitte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts mit der Blüte von Staatswesen, Kunst und Wissenschaften uns Heutigen nur allzu leicht als ideal in sich ruhende Epoche (als Klassik eben) erscheint, so ist doch sattsam bekannt, dass Politik und Leben in der Polis Athen in dieser Periode durch heftige Grundlagendiskussionen und intensive Richtungskämpfe geprägt waren. Unvorstellbar deshalb, dass sich diese Kämpfe nicht in irgendeiner Form in den Bauwerken der &lt;a href="http://odysseus.culture.gr/h/3/eh351.jsp?obj_id=2384"&gt;Athener Akropolis&lt;/a&gt; niedergeschlagen hätten, des eigentlichen Sinnbildes dieser Glanzzeit, deren Neugestaltung eine Herzensangelegenheit des Perikles war! Der methodische Ansatz leuchtet also unmittelbar ein, Architektur und Bauschmuck vor allem des Parthenons auf ihre Funktion in der politischen Propaganda hin zu untersuchen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Knell gibt zunächst einen kurzen, ausführlich durch antike Quellen belegten Überblick über die Auseinandersetzungen zwischen der Partei der Oligarchen und derjenigen der Demokraten, die unter Perikles’ Führung seit etwa 450 v. Chr. (seit dem Tod seines hauptsächlichen Gegenspielers Kimon) den Ton angab. Er fasst das politische Programm des Perikles in vier zentralen Punkten zusammen: die Sicherung der Grenzen und Einflussgebiete Athens, die Ausweitung der attischen Einflusssphäre besonders durch den Ausbau des attisch-delischen Seebundes, damit verbunden die Stärkung von Athens Führungsrolle in Griechenland mittels panhellenischer Aktivitäten und zuletzt der konsequente Ausbau der Demokratie im Stadtstaat Athen. Den &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/ruvjet/3933827388/"&gt;Parthenon&lt;/a&gt; nun bestimmte Perikles zum vielschichtigen Träger dieser Botschaft. Die Analyse seines &lt;a href="http://www.theacropolismuseum.gr/default.php?pname=Parthenon&amp;amp;la=2"&gt;Bauschmucks&lt;/a&gt; zeigt auf, wie dicht dieses politische Programm in den mythologischen und geschichtlichen Darstellungen der Giebelfelder, der Metopen und des Frieses abgebildet ist. Zudem werden seine entscheidenden Elemente im Schmuck der Goldelfenbeinstatue der Athena Parthenos wiederholt. Knell weist auch darauf hin, dass Perikles in diesem neuen oder zumindest deutlich aufgewerteten Kult ein ideales Vehikel für seine neue Auffassung von Politik und Rolle Athens gefunden hat. Es ist gewiss kein Zufall, dass der Parthenon der erste griechische Tempel ist, bei dem der Innenraum mit seinem atemberaubenden Götterbild eine solch zentrale Rolle spielte. Um diesem die gewünschten Dimensionen zu geben, war ja auch der schmale Grundriss des Vorgängerbaus um zwei Säulen verbreitert worden.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Diesen Vorparthenon, den die oligarchische Partei begonnen hatte und dessen Mauern und Säulen bereits bis zu einer gewissen Höhe standen, liess Perikles abtragen, um Platz für seinen Tempelbau zu schaffen – ein erster deutlicher Hinweis auf die harten Bandagen, mit denen die politischen Auseinandersetzungen ausgetragen wurden. Gleichzeitig dokumentiert die Tatsache, dass er sich gezwungen sah, die bereits gefertigten Bauglieder wiederzuverwenden (mit allen Einschränkungen für die architektonische Gestaltung seines „eigenen“ Parthenons), den scharfen Wind, der ihm entgegenblies. Dieser lässt sich auch an den anderen Bauwerken der Akropolis ablesen: Das &lt;a href="http://farm3.static.flickr.com/2766/4279570299_7b632864fb_b_d.jpg"&gt;Erechtheion&lt;/a&gt;, welches diverse uralte Kultmale miteinander verbindet, und der &lt;a href="http://farm4.static.flickr.com/3175/2888160446_20297795cc_b_d.jpg"&gt;Tempel der Athena Nike&lt;/a&gt; werden der oligarchischen Partei zugeschrieben, die ihren Bau und ihre Ausgestaltung gegen Perikles durchsetzen konnte. Der Niketempel steht dem von Perikles verantworteten grossartigen Torbau der &lt;a href="http://farm4.static.flickr.com/3518/4016554859_d0669e770c_o_d.jpg"&gt;Propyläen&lt;/a&gt; dabei richtiggehend im Weg; ihr Architekt Mnesikles musste den stark beschnittenen Südflügel in ingeniöser Art richtiggehend in den verbleibenden Platz quetschen. So sind die klassischen Monumente der Akropolis gleichsam steingewordene Zeugnisse einer heftigen politischen Auseinandersetzung und zeigen auf, dass der revolutionäre Vorgang der Erfindung der Demokratie zu keiner Zeit gesichert und reibungslos ablief, sondern den Vertretern der herkömmlichen Ordnung in scharfem Kampf abgerungen werden musste.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Die ausführliche Darstellung der Akropolis ergänzt Knell mit einem Überblick über die weiteren attischen Bauwerke, die von Perikles verantwortet wurden oder zumindest in seiner Zeit und ihrem Geist entstanden. Hier steht weniger die ideologische Aussage im Vordergrund als vielmehr der Versuch, ein Gesamtbild einer aussergewöhnlich reichen und künstlerisch fruchtbaren Epoche zu zeichnen. So bietet dieses schmale Buch einen sehr konzentrierten, informativen und lesenswerten Überblick. Wenn ich ihm einen Vorwurf machen möchte, müsste ich auf Formalien ausweichen und den Anmerkungsapparat erwähnen. Dieser ist sehr reichhaltig, enthält ausführliche zeitgenössische Belege und wichtige Teile der Diskussion. Nur war es leider offenbar nicht möglich, die Anmerkungen als Fussnoten zu setzen. Der geneigte Leser ist deshalb zum häufigen Blättern an den Schluss des Buches gezwungen – und ich habe gemerkt, dass ich das nicht mehr gewohnt bin und es deshalb etwas mühsam fand. Das hat schon seine Richtigkeit: Mühelos ist nichts zu erreichen, und in Anbetracht des Resultats, der Erkenntnisse aus dem Buch, ist die Seitenwendefrequenz ein durchaus vernachlässigbarer Aufwand.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Heiner Knell, Perikleische Baukunst. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1979. ISBN 3-534-08019-X. Das Buch ist zurzeit nur &lt;a href="http://www.amazon.de/Perikleische-Baukunst-Heiner-Knell/dp/353408019X/ref=sr_1_14?ie=UTF8&amp;amp;s=books&amp;amp;qid=1269590305&amp;amp;sr=8-14"&gt;antiquarisch&lt;/a&gt; oder bibliothekarisch erhältlich.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3651767587866151839?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3651767587866151839/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/perikleische-baukunst.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3651767587866151839'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3651767587866151839'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/perikleische-baukunst.html' title='Perikleische Baukunst'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6286378636130125328</id><published>2010-04-05T12:03:00.002+02:00</published><updated>2011-12-11T17:55:17.562+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philologie'/><title type='text'>Apologia Latina</title><content type='html'>&lt;p&gt;Man sollte auf Alleinreisen immer ein &lt;a href="http://www.reclam.de/"&gt;Reclam&lt;/a&gt;heftchen in der Manteltasche haben. So oft ist man irgendwo zu früh, wartet auf einen Zug, einen Bus oder gar einen Flieger – und dann die Zeitung aus dem Koffer grübeln und entfalten zu müssen, ist mehrheitlich unpraktisch. Oder man gönnt sich eine Pause bei Kaffee und Kuchen und möchte dazu nicht ewig den Reiseführer studieren, sondern etwas Gehaltvolleres geniessen. Ich habe diesen Rat neulich bei einer geschäftlichen Reise zwar missachtet, aber glücklicherweise gibt es in den Universitätsvierteln deutschsprachiger Städte an fast jeder Hausecke die Möglichkeit, sich entsprechend einzudecken. So bin ich auf &lt;a href="http://reclam.de/detail/978-3-15-018565-0"&gt;&lt;i&gt;Warum Latein?&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; gestossen, eines der dünnsten Reclamheftchen überhaupt. Darin anerbietet sich der Altsprachen-Didaktiker &lt;a href="http://www.klassphil.hu-berlin.de/personen/maier"&gt;Friedrich Maier&lt;/a&gt;, insbesondere Eltern von Schülern im entsprechenden Alter eine kurze Einführung in das Lateinische als Gymnasialfach sowie zehn gute Gründe für dessen Wahl darzulegen, womit er im Deutschland der Gegenwart auf ein grosses Bedürfnis antwortet.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Nun habe ich ja ein etwas ambivalentes Verhältnis zu derartigen apologetischen Ansätzen. Ich verstehe, dass sich die Bedeutung der alten Sprachen als Schulfächer in der heutigen Zeit nicht unbedingt von selbst erschliesst, dass also Aufklärung und Werbung notwendig sind; aber gleichzeitig laufen solche Argumentationen immer die Gefahr, in jenen simplen Utilitarismus abzurutschen, für den einzig gut ist, was beruflichen und damit finanziellen Nutzen verspricht. (Je nach Partei werden dann junge, neugierige Menschen in der Diskussion nur allzu schnell zu Steuersubstrat.) Ich will diesen Aspekt nicht wegdiskutieren, finde aber, dass die wichtigste Aufgabe der Schule – und erst recht eines „Luxusangebots“ wie des Gymnasiums – die Menschenbildung ist; das heisst, den Schülerinnen und Schülern ein breites Wissensfundament und zugleich Denk- und Arbeitsweisen zu vermitteln, die sie befähigen, in einer komplexen Welt ihren Platz als Individuen, als Staatsbürger, als Verantwortungsträger, eben als Menschen zu finden.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Doch nun genug der grossen Worte und zurück zu Maiers Buch. Meine längliche Einleitung soll nicht verdecken, dass es mir sehr gefallen hat. Unter Maiers zehn guten Gründen sind kaum überraschend solche, die man auch schon gehört hat: dass die Beschäftigung mit einer in Syntax und Grammatik sehr systematischen Sprache das Sprachverständnis, auch das der Muttersprache, ganz wesentlich fördert; oder dass das Lateinische eine Brücke schlägt zu vielen der in Europa wichtigsten modernen Fremdsprachen. Daneben finden sich andere, weniger offensichtliche Gründe: Die Beschäftigung mit der lateinischen Rhetorik, also der Manipulation der Sprache zur Manipulation des Publikums, lehrt die grundlegende Kulturtechnik des Hinterfragens von veröffentlichten Meinungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Oder: Das Lateinlernen stärkt nicht nur das grundlegende Sprachverständnis, sondern gibt darüber hinaus Zugang zu einem Reservoir an Sprachbildern und Metaphern, mithin zu einer reicheren, einprägsameren Ausdrucksweise. Und in einem zusammenwachsenden Europa ist die Rückbesinnung auf die erste Sprache, die Europa zu weiten Teilen kulturell geeinigt hatte, von grossem Sinn. (Nebenbei sei angemerkt, dass Maiers Eloquenz und Prägnanz selber sehr sprechende Argumente für den Nutzen und die Wirkung von Latein sind.)&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Wer so argumentiert, setzt sich jedoch einer speziellen Kritik aus: Währenddem jeder einzelne dieser Gründe inhaltlich unbestritten ist, muss sich der Autor fragen lassen, ob denn diese Ziele ausschliesslich durch das (ebenso unbestritten) anstrengende und langwierige Lateinlernen erreichen werden können – oder anders gefragt: ob es nicht andere, weniger aufwendige Wege dazu gäbe; oder meinetwegen gleich aufwendige, aber effizientere. Als alter Grieche kann ich mir beispielsweise die Bemerkung nicht verkneifen, dass man Maiers Gründe fast alle meist mit weit grösserer Berechtigung auch für das Griechische vorbringen könnte. Die Ursprünge der Philosophie, des Theaters, der Naturwissenschaften und der Geschichtsschreibung lagen bekanntlich in Griechenland, und so epochal etwa Ciceros Übersetzung der Philosophie und ihrer Terminologie ins Lateinische war, so befruchtend ist es, zur wirklichen Quelle vorzudringen. Oder was sich über den Nutzen des Lernens einer toten Sprache für das Sprachverständnis sagen lässt, gilt natürlich ebenso für die andere klassische Sprache. Die Kritik ist aber auch von der anderen Seite her vorstellbar: Wäre nicht etwa ein Rhetorikkurs eine effizientere Methode, sich im genauen Analysieren und Hinterfragen zu üben? Was ich damit sagen will: Hauptgrund für das Lateinlernen muss das Lateinische selber sein – die Eleganz der Sprache, der Reichtum der Literatur (und damit der Kultur), den sie erschliesst. Erst daran anschliessend kann und soll mit Maier argumentiert werden, dass Latein wie kein anderes Unterrichtsfach quasi als Bonus eine Fülle an weiteren, über den primären Lerninhalt weit hinausgehenden Kompetenzen vermittelt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Diese Einsicht ist wohl beim Zielpublikum von Maiers Buch bereits ansatzweise vorhanden: Wer den Sinn und die Bedeutung des Lateinischen nicht im geringsten begreift, wird sich kaum die Mühe machen, ein solches Argumentarium zu lesen. Diesem Publikum klar und verständlich aufzuzeigen, welchen Reichtum an Wissen und Kompetenzen das Lateinlernen neben dem Sprachlernen gleichsam &lt;i&gt;en passant&lt;/i&gt; mitliefert, scheint mir das Hauptziel und das Hauptverdienst dieser engagierten Streitschrift.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Friedrich Maier, Warum Latein? Zehn gute Gründe. Stuttgart, Reclam 2008. ISBN 978-3-15-018565-0.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;[UPDATE: Link zu Maiers Homepage bei der HU angepasst.]&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6286378636130125328?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6286378636130125328/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/apologia-latina.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6286378636130125328'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6286378636130125328'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/04/apologia-latina.html' title='Apologia Latina'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6489666181737742189</id><published>2010-03-31T14:16:00.002+02:00</published><updated>2010-03-31T14:20:05.577+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tanz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Auf ein Wort</title><content type='html'>&lt;p&gt;Ballettabende, an denen mehrere Choreografien unter einem gemeinsamen Motto gezeigt werden, gehören für mich als Chronisten zu den grössten Herausforderungen. Solchen Abenden wohnen nämlich regelmässig zwei Probleme inne, wie kürzlich wieder die Dernière des Programms &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/454-auf-ein-wort.html"&gt;&lt;i&gt;Auf ein Wort&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; in den Vidmarhallen des Stadttheaters Bern gezeigt hat. Zum einen wirkte da die thematische Klammer etwas künstlich. Ich will damit nicht sagen, es sei nicht ersichtlich gewesen, dass und wie die Choreografinnen und Choreografen die Vorgabe von Cathy Marston umgesetzt haben, ein Stück unter dem Thema „Bewegung und Text“ zu entwickeln. Nur war diese Vorgabe zu beliebig, zu wenig verbindend. Ich behaupte gar: Hätte Marston wahllos vier unabhängige Tanzstücke zusammengestellt, einen gemeinsamen Aspekt ausgesucht und diesen zum Titel gemacht, das Resultat hätte sehr ähnlich aussehen können. Was ich sagen will: Diese thematische Klammer ist zu schwach, als dass sie für die Interpretation mehr als anekdotischen Wert hat. Dadurch fällt es mir schwerer, den Abend als Einheit zu besprechen, und ich werde eine Berichterstattung über vier Einzelstücke schreiben. Und damit sehe ich mich dem zweiten Problem gegenüber: Wenn ich in rascher Folge vier relativ unterschiedliche Choreografien von rund zwanzig Minuten Dauer gesehen habe, vier kunstvolle Kombinationen also von Bewegung, Kostümen, Musik, Licht und Text, dann bin ich schon zwei Tage darauf ausser Stande, mich an mehr als an einzelne Details zu erinnern. Wir haben uns auf dem Heimweg den Abend nochmals durch den Kopf gehen lassen und diskutiert, was wir gesehen haben – vergebens: Die Grundstimmungen, Details zur Musik und zur Inszenierung, mögliche Interpretationen sind bis auf Fragmente alle weg. (Einzig das Mitschreiben hätte Abhilfe schaffen können, aber so stark will ich dieses Hobby hier nicht zu Arbeit verkommen lassen...)&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das spricht nun wiederum für die gleichmässige Qualität der vier Stücke; oder, boshafter gesagt, für das Fehlen eines Überfliegers, der Geist und Seele bleibend gepackt hätte. Ich will freilich nicht in Zynismus versinken. Denn bei aller hier geäusserter Kritik: Wir sahen viel Spannendes, Witziges und Durchdachtes. Eindrücklich etwa, wie die vier Tänzerinnen und Tänzer in &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/500-corinne-rochet.html"&gt;Corinne Rochet&lt;/a&gt;s &lt;i&gt;Des fois, je… Comment dire…,&lt;/i&gt; das Ungelenke einer unsicheren Kontaktaufnahme zeigten, wie ihr ganzer Körper zu Hemmung und Verlegenheit wurde, bis sie dann in der reinen Bewegung zum vollkommenen Ausdruck ihrer selbst gelangten. Wunderschön auch, wie in &lt;a href="http://www.facebook.com/people/Medhi-Walerski/1094457305"&gt;Medhi Walerski&lt;/a&gt;s &lt;i"&gt;Words failed me nach einem hektischen, neonbeleuchteten, von nervtötenden Satzfragmentwiederholungen begleiteten Beginn innige Pas-de-deux und eine intensive Schwarmszene folgten. &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/73-cathy-marston.html"&gt;Cathy Marston&lt;/a&gt;s &lt;i&gt;And our faces vanish like water&lt;/i&gt; wiederum war geprägt durch die Sopranistin &lt;a href="http://www.melanieadami.com/"&gt;Mélanie Adami&lt;/a&gt; und die Beatboxerin &lt;a href="http://www.stefflacheffe.ch/"&gt;Steff la Cheffe&lt;/a&gt;, deren Zusammen- bzw. Gegeneinanderspiel mich dermassen faszinierte, dass ich vom Tanz leider so gut wie gar nichts mitbekam. Den Schlusspunkt setzte ein burleskes Spektakel von &lt;a href="http://www.markbrucecompany.com/about-us/mark-bruce/"&gt;Mark Bruce&lt;/a&gt;, eine wilde Show in einem skurrilen Revuetheater des beginnenden 20. Jahrhunderts, wo Frack und Zylinder, die Pom-poms von Cheerleaders und die Pfauenfedern aus dem Moulin Rouge eine schräge Mariage eingingen und den Abend mit viel Drive zum Abschluss brachten.&lt;/i"&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Immer auf der Höhe zeigten sich (trotz einer verletzungsbedingten Umstellung) die Tänzerinnen und Tänzer des Berner Balletts. Und nachdem wir die letzten Male des öfteren im halbleeren Theater gesessen hatten, freuten wir uns besonders, die vollbesetzten Ränge der Vidmarhalle zu sehen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Da wir an der Dernière waren, kann ich hier keine weiteren Daten angeben. Als Ergänzung zu meinem Post verweise ich aber gerne auf den schönen Beitrag bei &lt;a href="http://www.art-tv.ch/5276-0-stadttheater-bern--auf-ein-wort.html"&gt;art-tv.ch&lt;/a&gt; und auf die &lt;a href="http://agenda.bernerzeitung.ch/story/buehne/unvorhersehbarkeit-als-staerke/"&gt;Rezension&lt;/a&gt; von Marianne Mühlemann in der Berner Zeitung.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6489666181737742189?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6489666181737742189/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/auf-ein-wort.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6489666181737742189'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6489666181737742189'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/auf-ein-wort.html' title='Auf ein Wort'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4200799009751860677</id><published>2010-03-25T13:30:00.001+02:00</published><updated>2011-12-11T17:56:15.473+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Museum'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><title type='text'>Antike am Königsplatz</title><content type='html'>&lt;p&gt;Neulich benutzte ich einen Nachmittag in München, um mir die beiden Tempel der klassischen Archäologie am Königsplatz, die &lt;a href="http://www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de/antikensammlung/index.html"&gt;Antikensammlung&lt;/a&gt; und die &lt;a href="http://www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de/glyptothek/index.html"&gt;Glyptothek&lt;/a&gt;, anzusehen. Da sich mein kurzes Mittagessen mit zwei Kollegen im &lt;a href="http://www.zum-franziskaner.de/"&gt;&lt;i&gt;Franziskaner&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; wegen der dortigen krankheitsverdünnten Personaldecke etwas über Gebühr erstreckte, blieben mir für die beiden Museen zusammen allerdings nur gerade zwei Stunden. Eine radikale Beschränkung auf das Wesentliche war angesagt – alles andere als einfach in diesen Häusern. Bayerns König Ludwig I., der die Vasen- und Skulpturensammlung seinerzeit begründet hatte, wollte sich eine kleine, aber wertvolle Kollektion zusammenstellen lassen: „An Zahl werden die grossen Museen das meinige übertreffen; in der Quantität kann sich nicht, an Qualität soll sich meine Sammlung auszeichnen.“ Dies merkt man den Nachfolgeinstitutionen immer noch an: Ihre Grösse ist überschaubar, die Dichte an Meisterwerken jedoch überdurchschnittlich hoch.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Mein besonderes Interesse galt den Kronjuwelen der Glyptothek, den Giebelskulpturen vom &lt;a href="http://odysseus.culture.gr/h/3/eh3530.jsp?obj_id=2354"&gt;Aphaiatempel in Aegina&lt;/a&gt;. Vor ein paar Monaten war ich wieder einmal dort oben; durchaus passend also, jenen sonnig-windigen Besuch bei der Ruine mit der Reverenz an den Skulpturenschmuck im Münchner Regen zu ergänzen. Ich gestehe, dass ich in sprachloser Ergriffenheit vor diesen Kunstwerken stand. Die beiden Ensembles, die zu den besterhaltenen griechischen Giebelskulpturen zählen, dokumentieren eine Scharnierzeit der griechischen Kunst: das eine die letzte Stufe der archaischen Epoche, hinter deren Strenge wahrnehmbarer als zuvor das Leben pocht; das andere, um ein Weniges jüngere, das In-sich-Ruhende der frühesten Klassik mit ihrer gebändigten Bewegung und meisterhaften Komposition. Die Figuren sind überraschend klein und von überwältigender Schönheit; der Marmor glitzert, die Oberflächen sind makellos. Die Wiederbegegnung mit den Aegineten war einer der grossen Momente meiner Museumserfahrungen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Es wäre noch von vielen anderen Höhepunkten zu berichten: von den Porträts, &lt;a href="http://www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de/glyptothek/sammlung/large_2.html"&gt;Grabreliefs&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de/glyptothek/sammlung/images/large_1.jpg"&gt;Jünglingsstatuen&lt;/a&gt; in der Glyptothek; vom atemberaubenden &lt;a href="http://www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de/antikensammlung/sammlung/large_5.html"&gt;Netzglasbecher&lt;/a&gt;; von den frühen rotfigurigen Vasen der sogenannten Pioniere mit ihrem erfolgreichen Ringen um die Darstellung des Menschen und ihrer unbeschwerten Kollegialität und Rivalität. Erwähnt sei hier aber vor allem die Geschichte der Glyptothek. Ein Blick auf alte Fotos und in die entsprechenden Akten zeigt, wie im 19. Jahrhundert ein idealtypisches Antikenmuseum eingerichtet wurde. Die Säle, in ihrer Form teilweise antiken Innenräumen nachempfunden, waren farbig ausgemalt und reich dekoriert. Die Antiken wurden weniger nach historischen, als vielmehr nach dekorativen Gesichtspunkten auf die Räume verteilt und angeordnet. Klassische Bedeutung in der Rezeptionsgeschichte hat die Ergänzung der Aegineten durch &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bertel_Thorvaldsen"&gt;Bertel Thorvaldsen&lt;/a&gt;, der letzte solche Versuch an einem wichtigen antiken Ensemble; aus heutiger Sicht natürlich kritisiert, aber gleichzeitig ein herausragendes Dokument des Klassizismus, jener Epoche, die antike und zeitgenössische Skulptur nicht als Gegensätze, sondern als Teile einer Gesamtkunst verstand. Die „Verschlimmbesserungen“ wurden längst wieder entfernt und der dokumentierte Ursprungszustand so gut wie möglich &lt;a href="http://www.wissensspeicher-muenchen.de/de/glyptothek/index.html"&gt;wiederhergestellt&lt;/a&gt;. Die reichen Säle der Glyptothek ihrerseits wurden durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstört. Der Wiederaufbau stellte die Bauvolumina wieder her, verzichtete aber auf jeglichen Dekor; nur leicht geschlämmte, nackte Ziegelmauern umgeben jetzt in gebührender Zurückhaltung die Statuen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Glyptothek und Antikensammlung am Münchner Königsplatz (ein paar Minuten zu Fuss oder eine Station weit mit der U2 vom Hauptbahnhof) sind dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, donnerstags sogar bis 20 Uhr. Das Kombiticket für beide Häuser kostet sagenhafte 5,50 €! Bei schönem Wetter lockt ein Café im Hof der Glyptothek. Aus Zeit- und Wettergründen musste ich für Kaffee, Kuchen und Apéro eine Alternative ausserhalb der Museen suchen und habe sie in der sympathischen &lt;a href="http://www.tresznjewski.com/"&gt;Brasserie Treznjewski&lt;/a&gt; wenige hundert Meter weiter nördlich gefunden.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;i&gt;Als Andenken an meinen Besuch habe ich in der Glyptothek den sehr schön gestalteten Katalog von Raimund Wünsche erstanden: &lt;a href="http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=12058&amp;amp;toc=3282"&gt;Glyptothek München. Meisterwerke griechischer und römischer Skulptur.&lt;/a&gt; München, C. H. Beck 2005. ISBN 3-406-42288-8.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-4200799009751860677?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/4200799009751860677/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/antike-am-konigsplatz.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4200799009751860677'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/4200799009751860677'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/antike-am-konigsplatz.html' title='Antike am Königsplatz'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3617289085011955619</id><published>2010-03-19T11:18:00.001+02:00</published><updated>2010-03-19T11:20:57.815+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Architektur'/><title type='text'>Mit dem Bauforscher durch Griechenland</title><content type='html'>&lt;p&gt;Mein &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/12/gute-vorsatze.html"&gt;Neujahrsvorsatz Nummer drei&lt;/a&gt;, mich von neuem und möglichst systematisch mit den Themen und Inhalten meines Studiums auseinanderzusetzen, erweist sich als exzellente Idee. Zwar ist es inzwischen über acht Jahre her, dass die Antike aus dem Hauptfokus meiner Aufmerksamkeit verschwunden ist, aber die Ruinen meines Wissens sind erfreulicherweise noch so gut erhalten, dass ich sie ohne grossen Aufwand festigen, auf und an ihnen auf- und anbauen kann. Grundlagenwerke sind dazu eine besonders geeignete Lektüre, denn sie leisten auf unaufdringliche Weise beides, die Festigung des Bestehenden und seine kluge Ergänzung.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;(In einer Klammerbemerkung sei dazu der &lt;a href="http://www.wbg-wissenverbindet.de/"&gt;Wissenschaftlichen Buchgesellschaft&lt;/a&gt; ein Kränzchen gewunden. Seitdem ich mich aus Platzgründen entschieden habe, nur noch die Bücher zu kaufen, die ich gleichentags noch zu lesen beginne, bin ich dort zwar nicht mehr Mitglied. Was die WBG jedoch an Grundlagenliteratur für alle möglichen Disziplinen, und insbesondere für die Altertumswissenschaften bereitstellt, ist grossartig. Sie bleibt unbeirrt jenem aussterbenden Phänomen verpflichtet, das man „Bildungsbürgertum“ nennt, und das ist so beeindruckend wie beruhigend.)&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Und damit zu den &lt;i&gt;Grundzügen der griechischen Architektur&lt;/i&gt; von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heiner_Knell"&gt;Heiner Knell&lt;/a&gt;, einem der führenden &lt;a href="http://www.archaeologie.architektur.tu-darmstadt.de/arch/publika_arch/prof_dr_h_knell.de.jsp"&gt;antiken Bauforscher&lt;/a&gt;. Das Buch ist gleichsam eine &lt;a href="http://periegetes.blogspot.com/"&gt;Periegese&lt;/a&gt; durch das gesamte griechische Kulturgebiet, denn Knell geht durchwegs von der genauen Beobachtung der Denkmäler aus. Er führt uns zu den Hauptmonumenten der griechischen Antike, die er prägnant analysiert und aus deren Analyse er die wichtigen Entwicklungslinien und gemeinsamen Charakteristika ableitet. So fügt sich die Beschreibung der wichtigsten dorischen Ringhallentempel von den Anfängen bis in die klassische Zeit durch kluges Hervorheben kennzeichnender Eigenschaften quasi &lt;i&gt;en passant&lt;/i&gt; zur Entwicklungsgeschichte dieses Bautypus zusammen. Solcherart an die Hand genommen kann der interessierte Laie selbständig nachvollziehen, wie sich die einzelnen Bauelemente nach und nach zu einem skulpturalen Ganzen zusammenfügten und zu einer immer perfekteren Einheit gelangten, aber auch wie in klassischer Zeit das Interesse an der Innenraumgestaltung aufkam und bald überhand nahm. Ähnliches lässt sich zur Entwicklung der schmückenden Elemente am ionischen Tempel, zu dessen verschiedenen Entwicklungslinien und ihren Glanzzeiten sagen. Und Heiner Knell bleibt bei den Einzelmonumenten nicht stehen, sondern stellt auch wichtige Heiligtümer und Stadtanlagen in einer Gesamtsicht vor, was es ihm ermöglicht, einzelne Bauwerke in ihren örtlichen und historischen Zusammenhang zu setzen. Dass man bei der Lektüre das Gefühl erhält, hier nicht &lt;i&gt;ex cathedra&lt;/i&gt; belehrt, sondern zum eigenen Verständnis angeleitet zu werden, ist nicht das geringste Verdienst des Autors.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Etwas erstaunt hat mich der Platz, den er der religiösen Architektur einräumt: Fast drei Viertel des Buches sind den dorischen und ionischen Tempeln sowie den bedeutenden Heiligtümern gewidmet, währenddem der Städtebau sehr kurz abgehandelt wird. Ich bin mir der überragenden Bedeutung der Kultbauten für die griechische Baukunst sehr wohl bewusst, ebenfalls ihres relativ guten Erhaltungszustandes sowie des Interesses, welches die Archäologie ihnen klassischerweise entgegenbringt. Zudem bemerkt Knell in der Einleitung zur Behandlung von Wohnhaus und Stadtanlage, dass sich die Forschung für diese Themen erst seit relativ kurzer Zeit vertiefter interessiert – wäre sein Buch 2010 erschienen, hätten diese Kapitel an Länge wohl gewonnen. Dennoch bedaure ich etwas, das beispielsweise Typologie und Beispiele öffentlicher Bauten kaum zur Sprache kommen; und auch Kultbauten wie die Theater werden im Vergleich zu ihrer Bedeutung etwas stiefmütterlich behandelt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Im Lichte der Einleitung des Buches lese ich diese Gewichtung als eine Grundaussage des Autors zur griechischen Architektur. Ohnehin gilt: Es ist immer möglich, sich ein solches Werk noch ausführlicher vorzustellen. Das gilt für die Auswahl und Gewichtung des Inhalts ebenso wie für die zurückhaltende Bebilderung, die hauptsächlich mit Bauplänen arbeitet. Entscheidend ist, dass Knell auf dreihundert leicht zu lesenden Seiten einen klaren Gesamtüberblick über mehrere Jahrhunderte einer Kunstform gibt, die technisch und ästhetisch weiterhin gültige Massstäbe gesetzt hat.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Heiner Knell, Grundzüge der griechischen Architektur. (Grundzüge Band 38.) Darmstadt, WBG 1980. ISBN 3-534-08018-1. Das Buch ist zurzeit nur &lt;a href="http://www.amazon.de/Grundz%C3%BCge-griechischen-Architektur-Heiner-Knell/dp/3534080181/ref=sr_1_12?ie=UTF8&amp;amp;s=books&amp;amp;qid=1268414102&amp;amp;sr=8-12"&gt;antiquarisch&lt;/a&gt; erhältlich.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3617289085011955619?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3617289085011955619/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/mit-dem-bauforscher-durch-griechenland.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3617289085011955619'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3617289085011955619'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/mit-dem-bauforscher-durch-griechenland.html' title='Mit dem Bauforscher durch Griechenland'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-353260060596621551</id><published>2010-03-12T20:08:00.003+02:00</published><updated>2011-12-11T17:56:44.032+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Giulias Verschwinden</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.diogenes.ch/leser/autoren/a-z/s/suter_martin/biographie"&gt;Martin Suter&lt;/a&gt; habe ich – wie wohl viele andere auch – als Kolumnenschreiber kennengelernt: als Schöpfer von &lt;i&gt;lifestyle victim&lt;/i&gt; &lt;a href="http://www.diogenes.ch/leser/katalog/a-z/r/9783257234602/buch"&gt;Geri Weibel&lt;/a&gt; und als scharfzüngigen Beobachter der Welt in der &lt;i&gt;Business Class&lt;/i&gt;. Kaum jemand versteht es so magistral, in lakonischer Kürze, fast beiläufig, einen Charakter so trefflich zu präsentieren. Suter kann aber noch viel mehr. Es gibt kaum eine Textsorte, in der sich der Mann nicht bewiesen hätte: Mit Werbetexten hat er begonnen; Reportagen, Bühnenwerke, preisgekrönte Romane und Songtexte (für Stephan Eicher) kamen dazu – und gelegentlich auch Drehbücher. Um ein solches geht es hier, um dasjenige zu &lt;a href="http://www.giulias-verschwinden.com/"&gt;&lt;i&gt;Giulias Verschwinden&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;; und die Einleitung lässt mich jetzt wunderbar den Bogen schlagen zur Bemerkung, dass dieser Film eine visuell umgesetzte Kolumnensammlung ist. Er hat keine Geschichte, er hat ein Thema: das Alter, das Altern und den Umgang damit. Drei Geburtstage, schön gerecht verteilt über ein Menschenalter, sind gewissermassen die Kristallisationskerne, um die herum sich im Lauf eines Abends die einzelnen Episoden mit ihren präzise skizzierten ProtagonistInnen anlegen. Die Dialoge sind geschliffen, jedes Wort sitzt, wie scharfe Klingen zischen die Sätze durchs Restaurant, durchs Altersheim, durch die Bar, und nur weil alle Figuren diese Klingen gleichermassen virtuos führen, hält sich die Opferzahl in Grenzen. Die angestrengt-ironischen oder geradeheraus sarkastischen Kommentare zum Alter (zum eigenen und zu dem der anderen) liessen mich mehr als einmal leer schlucken oder ertappt schmunzeln. Freilich droht auf allen Seiten die Klischeefalle und kann auch nicht vollständig vermieden werden, beispielsweise im überaus bösartigen Nahkampf in der Altersresidenz. Anderthalb Stunden lang ausschliesslich mit Bonmots die Spannung hochzuhalten, ist eben auch für einen Martin Suter eine Herausforderung.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;&lt;i style=""&gt;Giulias Verschwinden&lt;/i&gt; ist ein Mosaik aus Pointen, von einem hervorragenden &lt;a href="http://www.giulias-verschwinden.com/de/cast/corinna-harfouch/"&gt;Ensemble&lt;/a&gt; virtuos gesetzt. Trotz gewisser Längen funktioniert der Film. Ich glaube, das liegt daran, weil er das Älterwerden, eines der grössten Themen der Menschen, so präsentiert, wie auch wir es häufig genug angehen: Mit einer verzweifelten Ironie, die zuallererst uns selber vor der fortschreitenden Panik bewahren soll.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i style=""&gt;Technisches: Giulias Verschwinden läuft noch in einigen &lt;a href="http://www.cineman.ch/kinoprogramm/process.php?radius=all&amp;amp;movie=id17013"&gt;Kinos&lt;/a&gt;, vor allem in der lateinischen Schweiz.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-353260060596621551?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/353260060596621551/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/giulias-verschwinden.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/353260060596621551'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/353260060596621551'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/03/giulias-verschwinden.html' title='Giulias Verschwinden'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-3987386265123105851</id><published>2010-02-26T10:22:00.002+02:00</published><updated>2011-12-11T17:59:18.297+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Rückwärts-Leben</title><content type='html'>&lt;p&gt;Glückliche Freiheit des Autors, des Regisseurs: Nicht nur können sie Figuren und Geschichten erfinden; wenn sie Lust haben, denken sie sich etwas aus, dass es gar nicht geben kann, und schauen dann, was passiert. So geschehen im letztjährigen Erfolgsfilm &lt;a href="http://www.benjaminbutton.com/"&gt;&lt;i style=""&gt;The Curious Case of Benjamin Button&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; von David Fincher (den wir wegen Kinophlegma eben erst auf dem Bildschirm gesehen haben). Die Idee stammt von &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Curious_Case_of_Benjamin_Button_%28short_story%29"&gt;F. Scott Fitzgerald&lt;/a&gt;: Der Protagonist wird als alter Mann geboren, mit Falten und sterbensmüden Knochen, und während alle anderen altern, wird er jünger. Die Geschichte ist zunächst ein Vorwand dafür, verschiedene schöne Frauen, kantige Kerle und witzige Alte zu zeigen, zudem den überbordenden Südstaatendekor der Zwanziger Jahre und die Fortschrittsinfrastruktur der Nachkriegszeit. Aber es steckt mehr dahinter: Benjamins Rückwärts-Leben spiegelt sich im Vorwärts-Leben von Daisy, seiner stetigen Begleiterin von den Kinderspieltagen bis zum Grab. Und währenddem die gegenseitige Anziehung und Zuneigung die ganze Zeit spürbar ist, verbringen sie nur ein gutes Jahrzehnt als ein Liebespaar miteinander – die Zeit, in der Benjamins körperliches Alter seinen Lebensjahren entspricht. Es ist atemberaubend zu sehen, wie &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/jw0904/3255273889/"&gt;Brad Pitt&lt;/a&gt; die umgekehrt alternde Hauptfigur verkörpert: Da ist ein (in seiner Merkwürdigkeit) charmanter, zuvorkommender Mann, der jedoch immer ganz leicht neben den Schuhen zu stehen scheint. Als sich aber die Alterslinien seines Körpers und seiner Jahre annähern, da fällt alle Anspannung, alle Unsicherheit von ihm ab. Jetzt ist er bei sich selbst angekommen, und Pitt füllt diese schlafwandlerische Gelassenheit, dieses Mit-sich-im-Reinen-Sein, mit einer Selbstverständlichkeit ohnegleichen aus. Dann entfernt er sich wieder von diesem Schwebezustand und wird erneut zum Fremden im eigenen, immer jünger, immer kindlicher werdenden Körper.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Die beiden Rahmenhandlungen – Daisys Gespräch mit ihrer Tochter auf dem Totenbett und die Geschichte des blinden Uhrmachers Mr. Gateau, der für den Bahnhof von New Orleans eine rückwärtsgehende Uhr konstruiert – unterstreichen, worum es geht: um die Unausweichlichkeit des Alters, um die Brutalität des Alterns und Vergehens, aber auch um die Wichtigkeit, mit seinem Alter im Reinen zu sein. Mit seinen grossartigen Darstellerinnen und Darstellern (neben Pitt allen voran &lt;a href="http://joseaponte.files.wordpress.com/2009/05/benjamin-button.jpg"&gt;Cate Blanchett&lt;/a&gt; als Daisy und &lt;a href="http://blindie.com/wp-content/uploads/2008/12/benjamin-button-poster-taraji-pitt-295x400.jpg"&gt;Taraji P. Henson&lt;/a&gt; als Benjamins Pflegemutter Queenie) ist dieser bemerkenswerte Film eine inspirierte und beflügelnde Parabel des Lebens.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i style=""&gt;Technisches: The Curious Life of Benjamin Button ist – wie es sich gehört – in allen Varianten und Formen von silbernen Scheiben erhältlich.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-3987386265123105851?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/3987386265123105851/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/02/ruckwarts-leben.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3987386265123105851'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/3987386265123105851'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/02/ruckwarts-leben.html' title='Rückwärts-Leben'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-571384937137684609</id><published>2010-02-13T18:50:00.003+02:00</published><updated>2011-12-11T18:01:55.050+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Khttp://www.blogger.com/img/blank.gifultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><title type='text'>Die Räuber</title><content type='html'>&lt;p&gt;Ein schöner Zufall wollte es, dass Schillers &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Räuber &lt;/span&gt;wenige Monate, &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/11/sturm-und-drang-und-uberschwang.html"&gt;nachdem ich das Stück gelesen hatte&lt;/a&gt;, in Fribourg gezeigt wurden: von den &lt;a href="http://www.kempf-theater.de/raeuber/index.shtml"&gt;Theatergastspielen Kempf&lt;/a&gt; im Rahmen von „Theater in Freiburg“. Ich war gespannt. Nach der Lektüre war mir alles andere als klar, wie dieses dichte, reiche Stück überhaupt spielbar sei. Regisseur Christoph Brück schaffte dies zunächst, indem er grosszügig strich, vor allem in den philosophischen Passagen. Ohne Hemmungen griff er auch in Schillers Sprache ein, glättete Widerspenstiges da und dort, fasste zusammen und formulierte um. Er nahm einen gewissen Verzicht auf Tiefe und Vielschichtigkeit in Kauf, um seine Figuren klarer, vielleicht auch klischierter zu gestalten. Das galt vor allem für Franz von Moor, dessen hinterhältige Schlechtigkeit einen komisch übersteigerten und so demaskierenden Zug gewann. Das galt für die in ihrem Liebesleid versinkende Amalia (was die Aufgabe für ihre Darstellerin &lt;a href="http://www.kerstindietrich.com/"&gt;Kerstin Dietrich&lt;/a&gt; noch undankbarer machte); das galt für den wilden Haufen der rauen Räuber. Bestechend klar erschien aber die Ambivalenz, das zerrissene Herz des Räuberhauptmanns Karl von Moor, von Julian Weigend intensiv dargestellt, ja gelebt. Karl ist ein moderner Held, von Widersprüchen geprägt und zugleich von feuriger Überzeugung. Er rückte damit entschieden ins Zentrum des Trauerspiels, welches zu seiner persönlichen Tragödie wurde. Er war es auch, der gegen Ende, in der ergreifenden Szene mit seinem totgeglaubten Vater, den Satz aussprach, der mich absolut umgehauen hat, der präzise die Essenz des Werkes formuliert: „Heute hat eine unsichtbare Macht unser Handwerk geadelt – &lt;i&gt;(und jetzt wieder Brück)&lt;/i&gt; aber wir sind dennoch verloren.“ Karl von Moor, der in extremem Anspruch an sich selbst grösstmögliche Reinheit anstrebt, sucht das richtige Leben im falschen. Seine Tragik tritt in dem Moment offen zu Tage, in dem ihm dies bewusst wird. Die eigentliche Klimax ganz am Schluss des Stücks, die den tragischen Konflikt ausdekliniert und in der Kempfer Version ein noch illusionsloseres Ende findet, als es Schiller vorgesehen hatte; diese Klimax ist dann eigentlich nur noch Zubrot.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Die Theatergastspiele Kempf touren mit den Räubern noch bis am 20. März und dann wieder nächstes Jahr durch die deutschsprachigen Lande. Zum Nachlesen und Vergleichen empfehlen sich wie immer &lt;a href="http://reclam.de/detail/978-3-15-000015-1"&gt;Reclam&lt;/a&gt; oder &lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/3339/1"&gt;Gutenberg&lt;/a&gt;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;[UPDATE: Einige Links gehen unwiderruflich ins Leere und wurden entfernt, derjenige zu Gutenberg repariert.]&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-571384937137684609?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/571384937137684609/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/02/die-rauber.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/571384937137684609'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/571384937137684609'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/02/die-rauber.html' title='Die Räuber'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-7676098104862042873</id><published>2010-02-07T18:55:00.003+02:00</published><updated>2011-12-11T18:04:53.978+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellas'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><title type='text'>Von den Altertümern</title><content type='html'>&lt;p&gt;Mit dem Begriff &lt;span lang="EL"&gt;Ἀρχαιολογία&lt;/span&gt; (Archaiologia) bezeichneten die Griechen ganz allgemein die Kunde aus alter Zeit, später auch die Untersuchung der Anfänge einer Kultur, der Vorgeschichte. Schleiermacher übersetzt das Wort bei seinem ersten uns bekannten Vorkommen in Platons &lt;a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/2430/1#hippiag"&gt;&lt;i&gt;Hippias Maior&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; (285d) mit „Altertümer“, und darin klingt schon elegant die Bedeutung an, die uns heute vertraut ist: Die Archäologie ist die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung der materiellen Substanz unseres geschichtlichen Erbes beschäftigt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Und damit zu &lt;a href="http://www.jungius-gesellschaft.de/SEITEN/meniemey.html"&gt;Hans Georg Niemeyer&lt;/a&gt;s &lt;i&gt;Einführung in die Archäologie&lt;/i&gt;, mit der ich, &lt;a href="http://phemiosaoidos.blogspot.com/2009/12/gute-vorsatze.html"&gt;meinen guten Vorsätzen folgend&lt;/a&gt;, noch an Neujahr mein diesjähriges Lektüreprogramm in Angriff genommen habe. Das Buch datiert zwar (in dritter Auflage) von 1983, hat also die Fortschritte des letzten Vierteljahrhunderts nicht mehr mitgekriegt, aber das ist kein Unglück. Was es bietet, ist ein kurzgefasster, präziser und sehr gelehrter Überblick über die wissenschaftliche Disziplin Archäologie, und wenn da und dort methodisch oder definitorisch ein weniges nachzutragen wäre, bleibt doch alles Wesentliche gültig. Im Fokus des Buches steht das Objekt der Archäologie, die Denkmäler. Die klare und übersichtliche Darstellung beginnt mit ihrer Überlieferung, Wiedergewinnung und Beschreibung und führt über Kapitel zur Zeitbestimmung und zu Stil, Entwicklung, Struktur schliesslich zur Erklärung und Deutung. Das alles ist in jenem schönen literarischen Deutsch des klassischen Gelehrten abgefasst, das die Lektüre zu einem intellektuellen Genuss macht.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Von besonderer Dichte, Prägnanz und Eleganz sind einleitend die nur zwölf Seiten zur Geschichte der Archäologie als universitäres Lehrfach. Ihre Wurzeln liegen bekanntermassen im Klassizismus des 18. Jahrhunderts, verkörpert vor allen anderen durch den „Gründerheros“ J.J. Winckelmann. Neben der Wiederentdeckung der antiken Kunst (und ihrer Erhebung zum Ideal) verdanken wir ihm vor allem den Begriff der Entwicklung, der heute als Selbstverständlichkeit angesehenen Abfolge verschiedener Epochen und ihrer Stile. Die Etablierung der Archäologie an den Universitäten und damit als Wissenschaft in ihrem eigenen Recht wurde von klassischen Philologen betrieben, die als erste auf die neu errichteten archäologischen Lehrstühle berufen wurden und das Fach in seinen Anfängen entscheidend prägten. Mit den grossen Ausgrabungskampagnen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (in Mykene, Troia, Olympia, Delphi und anderswo) – und erst dann! – wurde die Archäologie zur Grabungswissenschaft und erweiterte gleichzeitig ihren Horizont von den römischen auf die bald in grosser Zahl zugänglichen griechischen Denkmäler. Die Betrachtungsweise blieb jedoch eine kunstgeschichtliche; erst deutlich im 20. Jahrhundert wuchs das Interesse an der materiellen Hinterlassenschaft der Antike im weiteren Sinn, womit auch der Verzicht auf die Idealisierung des Klassischen einher ging.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Archäologie und klassische Antike bleiben aber für Niemeyer untrennbar verbunden. Das wird auf den ersten Seiten des Buches deutlich, wo er die (oben kurz angedeutete) Begriffsdefinition zu einem programmatischen Bekenntnis nutzt: Da unser geschichtliches Erbe dasjenige der klassischen Kulturen des Mittelmeerraumes ist, ist die Wissenschaft, die sich mit den Denkmälern dieser Kulturen befasst, die Archäologie schlechthin. Alle anderen Archäologien benötigen ein charakterisierendes Beiwort. (Und Disziplinen wie der altamerikanischen Archäologie spricht er die korrekte Verwendung des Begriffs mit leichter Polemik gar ab, da es bei ihrem Studienobjekt nicht um ein lebendiges historisches Erbe gehe.) Diese Position ist mit Blick auf die Geschichte des Fachs unbestreitbar korrekt. Was mir übertrieben (und damit eben doch wieder klassizistisch) scheint, ist die Einschränkung des europäischen historischen Erbes auf die griechische und römische Antike. Die Mittelalterarchäologie mag zur Abfassungszeit der vorliegenden Einführung noch wenig etabliert gewesen sein; ihr Forschungsgegenstand ist für das Verständnis der abendländischen Gegenwart jedoch nicht weniger wichtig als die Antike. Und die vor- und frühgeschichtliche Archäologie ist stetig mit der äusserst komplexen Aufgabe befasst, solche Aspekte unserer Geschichte zu erhellen, die kaum durch literarische Überlieferung beleuchtet sind. Dass die verschiedenen Archäologien nicht scharf gegeneinander abzugrenzen sind und methodisch ohnehin alle voneinander profitieren, gesteht Niemeyer aber diskussionslos zu.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Die &lt;i&gt;Einführung in die Archäologie&lt;/i&gt; war für mich eine ideale Einführung in die erneute Beschäftigung mit der Antike. Die klare Darstellung ihrer Methodik und Struktur wird mir als Leitfaden für die weitere Lektüre dienen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: Hans Georg Niemeyer, &lt;a href="http://www.amazon.de/Einf%C3%BChrung-Arch%C3%A4ologie-Hans-Georg-Niemeyer/dp/3534039629"&gt;Einführung in die Archäologie&lt;/a&gt;. Darmstadt, WBG &lt;sup&gt;3&lt;/sup&gt;1983. ISBN 3-534-03962-9.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;[UPDATE: Bei der Jungius-Gesellschaft und beim Projekt Gutenberg hat die Linkstruktur geändert...]&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-7676098104862042873?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/7676098104862042873/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/02/von-den-altertumern.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7676098104862042873'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/7676098104862042873'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/02/von-den-altertumern.html' title='Von den Altertümern'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-1730599029523824406</id><published>2010-01-30T18:30:00.002+02:00</published><updated>2010-01-30T18:33:45.265+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><title type='text'>Ein Tag und ein Leben im Kloster</title><content type='html'>&lt;p&gt;Liegt es nur an meinem einseitig fokussierten Interesse, oder sind in letzter Zeit religiöse Themen im kulturellen Geschehen tatsächlich besser vertreten? Vor Weihnachten lief hier in Fribourg für kurze Zeit &lt;a href="http://www.soeurs-lefilm.ch/"&gt;&lt;i&gt;Soeurs&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, ein Dokumentarfilm über das Leben in drei Frauenklöstern: die &lt;a href="http://www.abbayedepradines.com/"&gt;Benediktinerinnen-Abtei in Pradines&lt;/a&gt; bei Lyon, das &lt;a href="http://www.moniales-op.ch/"&gt;Dominikanerinnen-Kloster in Estavayer-le-Lac&lt;/a&gt; und das Kloster der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Salesianerinnen"&gt;Visitandinnen&lt;/a&gt; in Fribourg selber. &lt;i&gt;Soeurs&lt;/i&gt; erwies sich als diskreter, unspektakulärer Film. Er verzichtete weitgehend auf poetische Inszenierungen der klösterlichen Architektur und Stimmung, und seine sehr dokumentarische Bildsprache war weit entfernt von der fast liturgischen Intensität, die vor vier Jahren den Karthäuser-Film &lt;a href="http://www.diegrossestille.de/"&gt;&lt;i&gt;Die grosse Stille&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; ausgezeichnet hatte. Rhythmisiert durch den strengen klösterlichen Tagesablauf rückte er vielmehr den ganz gewöhnlichen Alltag hinter Klostermauern in den Fokus der Kamera, die uralte Abfolge von Gebet und Arbeit, von Gemeinschaft und Einsamkeit. In kurzen Porträts gaben einzelne Nonnen Auskunft über ihren Glauben und ihre Art, ihn zu leben. Dabei entstanden so berührende Momente wie im Gespräch mit einer alten Dominikanerin aus Frankreich, die schon drei Mal ihr Leben in einem aussterbenden Kloster hatte aufgeben müssen, um an einen neuen Ort zu ziehen, oder wie in den Erinnerungen der Benediktinerin, die 1945 an einem Samstag zum letzten Mal zum Tanz ging und tags darauf ins Kloster.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Besonderen Raum gab die junge Schweizer Regisseurin Katharine Dominice den Vorsteherinnen der drei Klöster. In ausführlichen Gesprächen analysierten sie ihre Rolle als Oberhaupt ihrer Gemeinschaft und die Ausübung von Autorität in einem Umfeld der Demut und des Gehorsams. Bei allen Ähnlichkeiten in der Rollenauffassung wurden dort die Unterschiede zwischen den Orden deutlich: Das Spektrum reicht von der benediktinischen Äbtissin, die sehr wohl weiss, wie sehr sie mit ihrem auf Lebenszeit ausgeübten Amt &lt;i&gt;nolens volens&lt;/i&gt; ihre Gemeinschaft prägt, über die dominikanische Priorin, die in burschikos-kollegialer Art ihre Mitschwestern zusammenhält, bis zur jeweils für vier Jahre gewählten Superiorin der Visitandinnen: Sie interpretiert ihre Leitungsfunktion als temporäre Aufgabe wie jede andere – so wie sich jemand um die Werkstatt kümmert, muss halt auch jemand an der Spitze der Gemeinschaft stehen.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dass Dominice diese Thematik so prominent präsentiert, unterstreicht ihre Wichtigkeit. Ich denke, dass die Art und Weise, wie mit Autorität, Gehorsam und Entfaltung der Persönlichkeit umgegangen wird, für die jeweils spezifische Spiritualität eines Klosters, eines Ordens sehr entscheidend ist; ja ich sehe darin einen wesentlichen Unterschied zwischen Männer- und Frauenorden in der katholischen Kirche. Was ich damit meine: Mönche sind vielfach Priester und haben damit ganz von selbst eine definierte Autorität innerhalb der katholischen Hierarchie. Orden wie die Dominikaner oder Jesuiten definieren sich stark über die Intellektualität, stellen Professoren und Lehrer; Benediktinerklöster sind schon von ihrer Architektur her Zitadellen, spielten und spielen als Lehrorte eine gewichtige Rolle. Regelmässig greift die Kirche zudem für &lt;a href="http://www.catholic-hierarchy.org/country/xrel.html"&gt;Bischofs-&lt;/a&gt; und andere &lt;a href="http://www.fiu.edu/%7Emirandas/relignow.htm"&gt;Leitungsämter&lt;/a&gt; auf Ordensangehörige zurück. So sehe ich bei Angehörigen von Männerorden in der Regel ein breites Spannungsfeld zwischen ihrem Gehorsam gegenüber den Ordensregeln und der Autorität ihrer Oberen und der Möglichkeit, ihre eigene Persönlichkeit zur Geltung zu bringen. Demgegenüber spielen – von aussen gesehen – bei Angehörigen von Frauenorden Demut und Selbstaufgabe eine viel zentralere Rolle: Ihre Klöster sind oft geschlossen und unzugänglich, ihre Aufgaben dienender und betreuender Art. Ich fürchte, dass dieser mein Eindruck ein etwas oberflächlicher ist, und hätte gerade deshalb gerne mehr darüber gelernt.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Dass dies in anderthalb Stunden Film kaum möglich ist, ist mir freilich klar. Was durchscheint in allen Gesprächen: Der Entscheid zum Klosterleben ist im höchsten Grad persönlich und individuell. Dem Aussenstehenden können die spezifischen Charakteristika der einzelnen Orden und Klöster, können Worte und Gesten der Nonnen immerhin eine Ahnung davon vermitteln. Gleichwohl: Das Mysterium wird beleuchtet, bleibt aber mysteriös.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: „Soeurs“ läuft inzwischen nicht mehr im Kino. Beim Warten auf die DVD kann die &lt;a href="http://www.soeurs-lefilm.ch/"&gt;Website&lt;/a&gt; schon mal einen guten, umfangreichen Einblick in den Film und seine Hintergründe geben.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-1730599029523824406?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/1730599029523824406/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/01/ein-tag-und-ein-leben-im-kloster.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1730599029523824406'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/1730599029523824406'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/01/ein-tag-und-ein-leben-im-kloster.html' title='Ein Tag und ein Leben im Kloster'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-6884766063783776279</id><published>2010-01-24T18:18:00.001+02:00</published><updated>2010-01-24T18:20:31.060+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><title type='text'>Fribourg miniature</title><content type='html'>&lt;p&gt;Beschäftigungsprogramme für Arbeitslose stehen oft im zweifelhaften Ruf, dass sie nicht mehr sind als eben das: Programme, damit die Arbeitslosen irgendwie beschäftigt sind. Kürzlich war jedoch in Fribourg das Resultat eines Arbeitslosenprojekts zu besichtigen, das nichts weniger als spektakulär zu nennen ist: das Modell der Stadt Fribourg im Jahr 1606. 1996 gaben Stadtrat und Arbeitsamt den Anstoss zum Projekt, die berühmte Stadtansicht des Graveurs &lt;a href="http://www.sikart.ch/kuenstlerinnen.aspx?id=4023159"&gt;Martinus Martini&lt;/a&gt; in drei Dimensionen zu realisieren, und seither haben insgesamt 450 Stellensuchende über 150'000 Stunden in das Stadtmodell investiert und sich dabei Zusatzqualifikationen in Gebieten wie AutoCAD oder Modellbau erworben. Jetzt ist das Modell fertig und konnte über die Weihnachtszeit zum ersten Mal in seiner Gesamtheit der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ort des Geschehens war die &lt;i&gt;Safe Gallery&lt;/i&gt; im Untergeschoss der &lt;a href="http://www.bcf.ch/"&gt;Kantonalbank&lt;/a&gt;; grosszügige, weitläufige Räumlichkeiten an einem Ort, wo man gemeinhin Tresore erwarten würde. Das Modell füllte den grossen Saal allerdings locker: Auf 55 m&lt;sup&gt;2&lt;/sup&gt; breitet sich die Canyonlandschaft von Saane und Galterenbach aus, 17 Laufmeter Stadtmauern umgeben 1'700 präzise nachgebildete (und von innen beleuchtete) Miniaturgebäude im Massstab 1:250. Von schmalen Podesten rundherum konnte man sich dieses Miniatur-Fribourg zu Gemüte fügen, soweit einem nicht jemand anderes die Sicht verdeckte – der Publikumszuspruch war enorm, das Interesse riesig. Eine Art &lt;i&gt;son et lumière&lt;/i&gt; liess einen Tag im Fribourg von 1606 wieder aufleben, beleuchtete die einzelnen Quartiere und ihre Geschichte, berichtete aus dem Alltag und ergänzte das Modell mit virtueller Realität. Noch spannender und bereichernder fand ich aber das einfache Betrachten, Entdecken und Analysieren. Die aussergewöhnliche didaktische Wirkung einer Luftansicht verband sich dabei mit dem Entdeckungspotential eines Stadtrundganges zu einem tieferen Verständnis der Geschichte, der Entwicklungen, der geografischen und baulichen Struktur.&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;Das Projekt ist zu Ende, das Modell ist fertig – was jetzt? Selbstverständlich wäre es jammerschade, dieses fantastische historische Anschauungsmaterial wieder zu magazinieren und nur alle paar Jahre an irgendwelchen Messen aufzubauen. Deshalb sammelt ein &lt;a href="http://www.frima1606.com/"&gt;Unterstützungsverein&lt;/a&gt; Geld, um diesem Kunstwerk im kürzlich abgebrannten und wiedererrichteten Werkhof an der Unteren Matte einen festen Platz zu geben. Ich kann mir keine bessere Ergänzung zu einem Rundgang durch die Freiburger Altstadt vorstellen als dessen Nachvollzug anhand des Stadtmodells, zumal mehr als zwei Drittel der darauf dargestellten Gebäude immer noch stehen. Deshalb wünsche ich dem Verein &lt;i&gt;Association Werkhof-Frima&lt;/i&gt; raschen Erfolg mit seinem Vorhaben und werde selber natürlich auch mein Scherflein beitragen.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-6884766063783776279?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/6884766063783776279/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/01/fribourg-miniature.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6884766063783776279'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/6884766063783776279'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/01/fribourg-miniature.html' title='Fribourg miniature'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-8587581840557980884</id><published>2010-01-17T19:56:00.002+02:00</published><updated>2010-01-17T19:59:58.744+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Theater'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fribourg'/><title type='text'>Ein Winternachtstraum</title><content type='html'>&lt;p&gt;Neben dem Theatergebäude von &lt;a href="http://www.nuithonie.com/"&gt;&lt;i&gt;Nuithonie&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; steht gegenwärtig ein eigenartiger, zwölfeckiger, gedrungener Turm, kunstvoll aus Holz errichtet: eine verkleinerte Nachbildung des Londoner &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Globe_Theatre"&gt;&lt;i&gt;Globe Theatre&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; aus Elisabethanischer Zeit und gleichzeitig eine Wanderbühne (mit dem sinnigen Namen &lt;a href="http://www.tourvagabonde.com/"&gt;&lt;i&gt;Tour Vagabonde&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;), auf der bzw. in der das unmittelbare, volkstümliche, interaktive Theatererlebnis wiederbelebt wird, das Shakespeare seinem Publikum geboten hatte. Man sitzt im Parterre hart unter der Bühne oder auf den beiden schmalen Etagen rund um sie herum und sieht die Akteure aus nächster Nähe – oder sieht sie gelegentlich auch nicht, denn gespielt wird überall, auch in den toten Winkeln. Der englische Regisseur &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Pip_Simmons_Theatre_Group"&gt;Pip Simmons&lt;/a&gt; bringt in diesem ungewohnten Raum eines der bekanntesten Stücke Shakespeares zur Aufführung, die Komödie &lt;a href="http://www.gutenberg.org/etext/1113"&gt;&lt;i&gt;A Midsummer Night’s Dream&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;. Das ist ein furioses Spektakel, ein Stück der Irrungen und Wirrungen, durchsetzt mit viel handfester Komik. Simmons fokussiert stark auf diese derbe Seite, die Schauspielerinnen zeigen viel Unterwäsche und nackte Haut, die Figuren sind häufig grotesk überzeichnet. Das kommt dem ursprünglichen Shakespeare wohl sehr nahe, hat aber auch etwas Ermüdendes: Bald hat man begriffen, dass der Elfenkönig Oberon und sein Helfer Puck famos heitere Gesellen sind, so dass das neckische Lachen, mit dem sie jeden Satz beschliessen, etwas aufgesetzt zu wirken beginnt. Und auch Theseus’ Macke, keinen Busen und kein Champagnerglas unangetastet vorbeigehen zu lassen, nützt sich mit der Zeit ab. So war vieles überdeutlich gespielt, waren alle Figuren letztlich sehr eindimensional. Ob das gewollt war, gar ebenfalls Shakespearisch? Ich weiss es nicht. (Nicht hilfreich war bei dem Ganzen natürlich, dass ich vom rasanten, kunstvollen französischen Text einiges nicht verstand. Meine Gewährsperson bestätigt mir allerdings, dass die Übersetzung geistreich und gelungen war und sich durch viel Wortwitz auszeichnete.)&lt;/p&gt;  &lt;p&gt;So bleibt mir von diesem winterlichen Theaterabend weniger die Interpretation in Erinnerung als vielmehr der einmalige Rahmen: die kunstvolle Turmskulptur im gefühlten Niemandsland neben den Hochhäusern von Cormanon, die zirkusartige Atmosphäre der schmalen Bänke, die von schräg oben den Blick auf das Geschehen gewähren, die raumgreifende Bespielung der Etagen, Treppen und Säulen. In den wärmeren Jahreszeiten, lese ich, kann das Dach entfernt werden, und die &lt;i&gt;Tour vagabonde&lt;/i&gt; wird gewissermassen zum geschlossenen Freilichttheater. Wenn sie im Mai wieder in der Gegend ist, gehe ich gern wieder hin.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Technisches: „&lt;a href="http://www.nuithonie.com/saison_6_6015_0.html"&gt;Songe d’une nuit d’été&lt;/a&gt;“ wird noch bis am nächsten Sonntag in Fribourg gespielt; im Februar und März gastiert die Tour vagabonde dann auf dem &lt;a href="http://www.grangededorigny.ch/"&gt;Campus&lt;/a&gt; der Uni Lausanne.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4313051715757557334-8587581840557980884?l=phemiosaoidos.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/feeds/8587581840557980884/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/01/ein-winternachtstraum.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8587581840557980884'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4313051715757557334/posts/default/8587581840557980884'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://phemiosaoidos.blogspot.com/2010/01/ein-winternachtstraum.html' title='Ein Winternachtstraum'/><author><name>Phemios</name><uri>http://www.blogger.com/profile/02308003068372700236</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4313051715757557334.post-4577585325792530531</id><published>2010-01-12T21:34:00.002+02:00</published><updated>2010-01-12T21:45:52.163+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kultur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tanz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Umbilicoscopica'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bern'/><title type='text'>Julia und Romeo</title><content type='html'>&lt;p&gt;Die erneute lange Blogpause ist &lt;a href="http://www.cablecom.ch/"&gt;Cablecom&lt;/a&gt; geschuldet, beziehungsweise deren Unfähigkeit, innert nützlicher Frist unser neues Modem zu aktivieren. Nach einer Woche digitaler Abstinenz steht jetzt immerhin die Verbindung mit dem Internet wieder. Das ermöglicht es mir, den längst fälligen Bericht zur Saisoneröffnung des (&lt;a href="http://www.dansesuisse.ch/index.php?id=13&amp;amp;tx_ttnews[tt_news]=1855&amp;amp;tx_ttnews[backPid]=11&amp;amp;cHash=57b7590982"&gt;glücklicherweise geretteten&lt;/a&gt;) &lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/5-bern-ballett.html"&gt;Berner Balletts&lt;/a&gt; nachzuliefern. Auf dem Programm stand Shakespeare, „Romeo und Julia“ – beziehungsweise „&lt;a href="http://www.stadttheaterbern.ch/453-julia-und-romeo.html"&gt;Julia und Romeo&lt;/a&gt;“. So benennt &lt;a href="http://cathymarston.com/"&gt;Cathy Marston&lt;/a&gt; ihre Interpretation von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Romeo_und_Julia_%28Prokofjew%29"&gt;Prokofjews Ballettmusik&lt;/a&gt;, so gewichtet sie. Julia steht im Zentrum, und sie liegt ganz zu Beginn vorne an der Bühne; zum wuchtigen, dissonanten Einsatz des Orchesters spielt sie selbstverloren mit dem Dolch, der hier noch mehr Accessoire als Mordinstrument ist (zumal es sich um eine Spiegelscherbe handelt), aber trotzdem von Anfang an das Stück überschattet und schneidend deutlich auf dessen tragisches Ende hinweist. Cathy Marston zeigt in ihrer Choreografie zunächst auf, dass das eigentlich nicht so sein müsste. Denn eigentlich ist diese Julia ein vom Glück angelachter Mensch. Ihre Beziehung zu Romeo ist unbeschwert und innig, und in den dunklen Stunden der Angst und des Zweifels steht ihr liebevoll und aufmunternd Bruder Lorenzo zur Seite. Doch das private Glück der Julia hat keine Chance gegen die Mächte des Schicksals. Wie die verfeindeten Familien bed
