Sonntag, 21. Juli 2013

Kapitolinische Museen (Katalogreisen, Nr. 2)

Unerwähnt und ungeklärt geblieben ist auf der ersten Etappe der Katalogreisen, weshalb sich bei mir die Kataloge und Führer dermassen stapeln. Auf die Frage werden wir im Reiseverlauf noch das eine oder andere Mal im Detail zurückkommen, aber ursprünglichster und edelster Grund ist zweifellos, dass ich mir als Archäologie-Student eine anständige Handbibliothek anlegen wollte. Wenn immer ich also das Glück hatte, eines der grossen Häuser dieser Welt zu besichtigen, war der Besuch im Shop obligatorisch und diente der Dokumentation des eben Gesehenen. Überdies waren mit den Kameras, die wir damals hatten, ohne Blitz und Stativ kaum passable Bilder zu erreichen. So liess ich das Fotografieren bald bleiben, konzentrierte mich aufs Sehen und nahm das Bildmaterial in gedruckter Form nach Hause.

Case in point: die kapitolinischen Museen in Rom, eine der Referenzsammlungen für den Studenten der Klassischen Archäologie (und nach dem Filialmuseum Centrale Montemartini hier die logische nächste Reiseetappe). Ich gestehe freilich, dass ich das Haus erst gesehen habe, als ich schon gar nicht mehr Student war, aber der Reflex blieb (und bleibt) der gleiche. Der erneute Griff zum Katalog zehn Jahre später macht allerdings auch gleich zwei Nachteile des Unterfangens Katalogreisen deutlich. Der erste ist die Übersetzung. Wenn auch der Katalog des Kapitols nicht mit jenen traurig bekannten, stilblütenreichen deutschen Versionen italienischer Touristenführer zu vergleichen ist, hätte man sich doch häufig gewünscht, die Übersetzerin würde vom komplexen, verschnörkelten Stil des Originals ein paar Ecken abschneiden. Es ist alles richtig, aber vieles etwas schwerfällig. (Und im Nachhinein erscheint es mir als glückliche Fügung, dass ich in der Centrale Montemartini direkt die italienische Version gekauft hatte.)

Gewichtiger, aber zugleich fast unvermeidlich, ist der zweite Nachteil: Ein Museumskatalog, der seinem Namen Ehre macht, kann keine besonders spannende Lektüre sein. Die detaillierte, fachlich korrekte und deshalb notwendigerweise trockene Beschreibung aller (oder doch der wesentlichsten) Stücke des Hauses mit all ihren technischen Details reisst niemanden wirklich vom Hocker. Ein solcher Katalog hat seinen eigentlichen Platz folgerichtig nicht auf dem Tischchen neben dem Lesesessel, sondern eben in der erwähnten Referenzbibliothek, wo er bei konkreten Fragen konsultiert wird. Entsprechend habe ich im Katalog der kapitolinischen Museen die Objektbeschreibungen nur kursiv gelesen, die Abfolge der unzähligen Umbauten und Neueinrichtungen zügig überflogen. Ungemein lehrreich war es jedoch, die Rolle des Kapitols in der Geschichte der Stadt Rom dargelegt zu bekommen. Auf die zentrale Funktion des Hügels als heilige Akropolis der Urbs und des gesamten Römischen Reichs griffen im Mittelalter die Römer gezielt zurück, als sie die politischen Einrichtungen ihrer entstehenden Stadtgemeinde ebendort ansiedelten; und so wurde das Kapitol zum symbolischen Austragungsort der Konflikte zwischen Stadt und Papst. In diesem Kontext entstand das Kapitolinische als ältestes öffentliches Museum der Welt, begründet durch die Schenkung der Bronzestatuen aus dem Lateran durch Sixtus IV. im Jahr 1471 – subtile Demonstration des Anspruchs auf Kontinuität zwischen Römerreich und Papsttum im Gewand eines grosszügigen Geschenks.

Technisches: Margherita Albertoni et al., Kapitolinische Museen. Übersetzung Maria Böhmer. Milano, Electa 2005. ISBN 88 435 7514 7. Leider ist mein Bericht veraltet: Kurz nach meinem Besuch wurde dieser Führer durch eine Neuauflage ersetzt und ist deshalb nicht mehr erhältlich.

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